Im Gespräch mit...

Brzenska und Kruska im Interview: "Das ist meine Heimat"

11.03.2010, 18:41 Uhr von:  Redaktion

Kruska JubelDer eine, Markus Brzenska, ist mittlerweile 26 Jahre alt und musste schon in seinem ersten Bundesligaspiel erleben, wie hart das Profi-Geschäft sein kann. Mit zwei frühen Fouls gegen Michael Ballack und dem darauffolgenden Platzverweis endete sein Debüt schon nach einer guten halben Stunde abrupt. Erst rund ein Jahr später gelang der Durchbruch, als der Innenverteidiger, der seit der E-Jugend alle Mannschaften in Dortmund durchlief, sogar Nationalverteidiger Christoph Metzelder verdrängen konnte. 86 Bundesligaspiele und 6 Treffer gelangen dem Ur-Dortmunder zwischen 2003 und 2008, auch in der U21 machte sich der 1,96 Meter-Abwehrriese einen Namen (15 Spiele, ein Tor).

Der andere, der gerade einmal 22-Jährige Marc-André Kruska, debütierte im Profifußball sogar schon mit 17 bei einer Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern. Es folgte mit der Fritz-Walter-Medaille die höchste Auszeichnung für Nachwuchsspieler, zudem trug sich Kruska noch in der gleichen Saison als viertjüngster Bundesligatorschütze aller Zeiten in die Geschichtsbücher ein. Als Kapitän der U21 erzielte der defensive Mittelfeldspieler zwei Treffer in 15 Einsätzen, ein Sprung in die Nationalmannschaft schien nur noch eine Frage der Zeit.

Beide kommen aus der Region, standen für viele Fans beim BVB für den Neuanfang nach dem Finanz-Crash und konnten sich letztendlich doch über Jahre hinweg gesehen in Liga eins nicht durchsetzen. Starken Phasen folgten schwächere, doch eins ist beiden im Interview dennoch anzumerken: Die Verbundenheit zu Borussia Dortmund. schwatzgelb.de befragte beide zu Ihrer Zeit beim BVB und ihrem Neuanfang bei Energie Cottbus.

schwatzgelb.de: Herr Kruska, Herr Brzenska, Sie spielten lange Jahre beim BVB, wurden im Verein groß und durchliefen verschiedene Jugendabteilungen. Wie groß ist die Verbindung zu Dortmund noch?

Markus Brzenska: Die Verbindung ist groß und wird nie abreißen. Schließlich wohne ich noch in Dortmund, meine Familie ist hier zu Hause. Und natürlich verfolge ich aufmerksam den Werdegang des BVB, logisch.

Marc Kruska: Das ist meine Heimat. Und die vergisst man nicht und kehrt immer wieder dorthin zurück.

schwatzgelb.de: Jüngst war wieder Derbyzeit im Ruhrpott. Welche Bedeutung hatten diese Spiele für Sie?

Markus Brzenska: Das war immer etwas besonderes, eine ganze Region wurde von diesen Duellen elektrisiert. Selbst wenn man sich als Mannschaft vornahm nicht zu Brzenska vs. Toniüberdrehen und es als ganz normales Spiel zu betrachten – keine Chance. Medien, Fans und Umfeld haben schon dafür gesorgt dass die Spieler wissen: es geht um mehr als drei Punkte.

schwatzgelb.de: Haben Sie noch Kontakt zum BVB?

Marc Kruska: Vereinzelt, ja. Und natürlich erkundigen wir uns, wie es bei der Borussia läuft. Aber viele Mitstreiter sind nicht mehr da, Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Da bleibt eher die Zuneigung zum Verein und zu den Fans als zu den ehemaligen Kollegen bestehen.

schwatzgelb.de: Sie galten beide als Zukunft der Borussia, Ihnen wurden große Karrieren prophezeit. Wieso konnten Sie sich im Endeffekt dort doch nicht durchsetzen?

Markus Brzenska: Das hatte mehrere Ursachen. Vor allem war der Konkurrenzkampf so groß wie die Ansprüche des BVB. Auch oder vor allem auf meiner Position. Als Spieler aus der eigenen Jugend hatte man es schwer. Zudem setzte mein damaliger Trainer Thomas Doll vor allem auf die erfahrenen Leute wie Christian Wörns und Robert Kovac. Ich spielte in den Planungen dann keine Rolle mehr.

schwatzgelb.de: Der BVB tritt unter Jürgen Klopp deutlich stabiler auf als in früheren Zeiten. Bereuen Sie Ihre Wechsel über Umwege nach Cottbus bereits?

Marc Kruska: Nein, absolut nicht. Es war der richtige Schritt für meine persönliche Entwicklung. Es ist ja kein Geheimnis und kein Dortmunder Phänomen, dass man als Kicker aus dem eigenen Nachwuchs nicht so wahrgenommen wird und woanders als Neuzugang einen höheren Stellenwert genießt.

Markus Brzenska: Ich bin zufrieden, war in Duisburg Stammspieler und mache hier in Cottbus einen weiteren Schritt nach vorn.

schwatzgelb.de: Herr Kruska, Sie werden von den BVB-Fans in Ihrer Spielweise oft mit Sven Bender verglichen. Wie genau würden Sie diese beschreiben? Was unterscheidet Sie von Bender?

Brzenska ValdezMarc Kruska: Ich kenne Sven Bender zu wenig, um mich ihm vergleichen zu können. Weder charakterlich noch fußballerisch. Aber allein dass sich offenbar einige Leute in Dortmund an mich erinnern und mit Kickern aus dem aktuell erfolgreichen Team vergleichen, ist ja schon mal eine Ehre.

schwatzgelb.de: Herr Brzenska, was sind Ihre Stärken, was Schwächen im Spiel? Wären Sie ohne die Phase unter Thomas Doll, in der es allgemein schlecht lief, noch beim BVB?

Markus Brzenska: Das ist schwer zu sagen und spekulativ. Ich bin Realist, kann nichts zurück drehen und beschäftige mich nicht so sehr mit der Vergangenheit. Ich hege keinen Groll, weder dem BVB noch Thomas Doll gegenüber.

schwatzgelb.de: Was waren die Gründe für den Wechsel zu Energie? Hat Cottbus Sie mit dem neuen Konzept, mehr auf talentierte deutsche Spieler zu setzen, im Endeffekt überzeugt?

Marc Kruska: Ich denke es war bei Markus und mir ähnlich. Trainer Claus-Dieter Wollitz hat uns überzeugt und begeistert, in die Lausitz zu kommen. Er sagte uns, was er vorhat, dass wir in seinen Planungen eine wichtige Rolle spielen und wir hier eine neue Ära mitgestalten können mit dem Ziel, in die Bundesliga zurückzukehren. Die Bedingungen sind in Cottbus wirklich toll und wir fühlen uns inzwischen wohl und heimisch. Oder, Brenner?

Markus Brzenska: Dem gibt es nichts hinzuzufügen, Kruse.

schwatzgelb.de: Wo landet der BVB, wo steht Energie am Ende der Saison?

Marc Kruska: Ich drücke Borussia die Daumen, dass ein Platz im internationalen Geschäft herausspringt.

Markus Brzenska: … und wir peilen nach einigen schwachen Phasen einen Platz im gesicherten Mittelfeld an.

Daniel R., 11.03.2010

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