Fehlfarben

Brauche Vizemeisterschaft, biete Europapokalplatz.

19.03.2010, 12:03 Uhr von:  Redaktion

Hoffentlich bleibt es dabei...Entspannt sind zurzeit die Donnerstage, an denen wir anderen deutschen Mannschaften beim Fußballspielen zuschauen können. Aber wir haben irgendwie ein gutes Gefühl: Bald mischen wir wieder kräftig mit im Spiel um die Euromillionen und (inter)nationales Ansehen. Zu schön war die Zeit, damals, als es mindestens viermal pro Saison gegen Juventus Turin ging. Oder als es vier Tore für den AC Milan setzte. Gerade wollen wir uns so richtig in die Gedanken an ein Euro-Revival verlieben, da geht‘s schon wieder los – diese fiese Verspannung in der Magengegend. Sie ist unangenehm und will sich nicht so richtig packen lassen, aber wir sind uns sicher: sie muss weg, ganz schnell, und das hat jetzt allerhöchste Priorität. Die Angst vor einer Mutation hat die schönen Erinnerungen und Visionen für die laufende Saison verdrängt. Über uns selbst reden wir längst nicht mehr. Möge uns bitte jemand die Gewissheit geben, dass alles gut wird: „Was in den letzten 50 Jahren nicht passierte, wird doch wohl auch dieses Jahr nichts werden…!?“

Es bleibt ein mulmiges Gefühl.

Mancher Fan wird - oder sollte - sich in diesen Tagen die Frage stellen: ‚Was ist mir eigentlich wichtiger, der Erfolg meines oder der Misserfolg dieses anderen Vereins?‘ Und nicht wenige werden den Misserfolg des anderen Vereins vorziehen. Eigentlich müssen wir ja ohnehin nicht davon ausgehen, dass der DFB diesmal die Übergabe der Meisterschale in einer Turnhalle zulassen würde, aber irgendwie nervt deren Präsenz da oben schon mächtig. Wie selbstverständlich wünschen wir uns am Wochenende einen Sieg unseres direkten Konkurrenten um einen Europlatz, wenn es gegen die Blauen geht. Aber es geht noch verrückter: Wir werden sogar zu Bayer(n)fans. Es wird doch jetzt niemand den Pillendrehern gegen uns die Daumen drücken? Nix Valencia, nix Kerkrade? Perverser Gedanke.

Wer hat Angst vorm blauen Mann?

Wir hatten ja eigentlich auch auf Unterstützung aus den blauen Reihen gehofft. Aber wann wird das Volk endlich wach und Ein unvergessens Torpfeift seine eigene Mannschaft gnadenlos aus? Ich meine, verdient hätte sie es, geht sie doch Woche für Woche in einer Art und Weise ihrem Beruf nach, die zwar unverständlicherweise noch für die Aufnahme in die Fußball-Bundesliga reicht, aber doch wohl niemanden bewegen sollte, auf sein gemütliches Pilsken in der Stammkneipe zu verzichten. Und was ist eigentlich mit dem Fast-Nationalspieler, der fast an der WM teilnehmende brasilianischpanamaischungarischdeutsche Linguist, der Woche für Woche den Kampf gegen sich gewinnt und den Möbelwagen trifft? War nicht vereinbart, dass sich Torlosphase an Torlosphase reiht und er damit letztlich sein Auditorium gegen sich aufbringt? So war das doch immer! Und waren nicht wir die Truppe, die auf die Jugend setzen und jede Woche ein neues Talent aus dem Ärmel schütteln soll? Woher kommen dann die Matips, Schmitzens, Moritz’ und Zambranos?

„50 Jahre, keine Schale…“ und der edle 12. Mai bereiten uns bis heute wirklich teuflisches Vergnügen, aber die schlechte Nachricht daran ist: irgendwann wird damit wohl leider Schluss sein. Es gibt nun wirklich keinen brauchbaren Zeitpunkt dafür, aber wenn es sich auch durch unerlaubte Rückpässe und indirekte Freistöße nicht verhindern lässt, möge das unerwünschte Ereignis doch in eine Zeit fallen, in der es uns selbst gut geht. Und dann sagen wir danke, lieber Fußballgott, für 2001, danke für 2007, danke für 50 Jahre – und fangen wieder an zu zählen. Aber vor allem: Schauen wir auf uns selbst, nicht auf andere! Soll doch Meister werden wer will, am Ende sind wieder nur wir der geilste Verein der Welt…

Andreas, 19.03.2010

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