Warmlaufen

Wie entsteht eigentlich ein Vorbericht?

17.10.2009, 17:47 Uhr von:  Redaktion
Wie entsteht eigentlich ein Vorbericht?

Der Vorbericht: Er ist der heimliche Star von schwatzgelb.de, der ungekrönte König unter den vielen Artikeln, die dieses Fanzine tagtäglich veröffentlicht. Denn der Vorbericht, echte Kenner nennen ihn auch "Warmlaufen", hat den Vorteil, dass er unberechenbar ist. Er kann humorvoll sein, ironisch, sarkastisch oder albern. Auf der anderen Seite kann er auch ernst sein, Finger in Wunden legen oder Missstände anprangern. Ein Rezept gibt es nicht. Trotzdem muss auch ein Vorbericht für ein Spiel gegen den VfL Bochum geschrieben werden, so schwer es auch sein mag.

Es gibt viele unterschiedliche Arten an die Herangehensweise an einen Vorbericht. Die faktenbezogene beherrschen vor allem die Kollegen CHS und Knüppler17. In chronologischer Reihenfolge werden alle wichtigen Daten des bevorstehenden Spiels aufgelistet und in einem Text zusammengefasst. Dabei werden die Probleme der Teams thematisiert, Aufstellungen erklärt und aktuelle Begebenheiten beleuchtet. Wer solch einen Vorbericht liest, hat eigentlich keine Fragen mehr und ist perfekt auf das kommende Spiel vorbereitet.

Eine andere Möglichkeit ist der skurrile Vorbericht. Die Kollegen Export17. Felix, Malte, Neusser Jens oder Rolf sind Meister dieses Fachs. Sei es das auf aktuelle Themen bezogene Gedicht, die Belletristik – wir erinnern uns noch gerne an die Selbstzufriedenheidi oder den Zoo der Blauen - oder die Persiflage auf konventionelle Arten des journalistischen Arbeitens. Diese Art des Vorberichts verlangt die Gabe, um die Ecke denken zu können und das Überraschende, Unerwartete zu liefern. Leser dieses Vorberichts werden in ein verzücktes Erstaunen versetzt, zum Lachen gebracht und sie gehen deswegen frohen Mutes in das Spiel.

Andere Schreiberlinge dieses Fanzines wie etwa Arne oder Scherben beherrschen den huldigenden Vorbericht. Dabei wird nicht der eigenen Mannschaft, sondern dem Gegner gehuldigt. In vielen verschiedenen Formen. Sei es, dass die lokale Kultur der gegnerischen Heimat gelobpreist wird – besonders Team aus Bayern oder Schwaben eignen sich gut für solche Vorberichte – oder die Vorzüge der Stadt, aus der der nächste Gegner stammt, lobend erwähnt werden. Natürlich oft mit ironischem Unterton. Der Leser erfährt trotzdem viel über die Homebase des sportlichen Konkurrenten und erweitert so seinen Horizont. Nicht immer kommt diese Art des Vorberichts beim Gegner gut an. Vor allem aus Gelsenkirchen und Mönchengladbach flatterte schon die ein oder andere Beschwerde ins Haus.

Und wieder andere Autoren von schwatzgelb.de, zum Beispiel Sascha, Steph, Christoph oder auch der Schreiber dieses Berichts, versuchen sich gerne am lustigen Vorbericht. Dabei wird irgendein fußballfernes Ereignis über das kommende sportliche Ereignis gestülpt und auf das Thema Fußball zurecht gebogen. Oder es werden Interviews, geheime Sitzungen von Funktionären oder Gespräche zwischen Fans dokumentiert, die so nie veröffentlicht wurden – geschweige denn stattgefunden haben. Wer diese Art von Vorberichten mag, hat auch mal rechts und links neben die Seitenauslinie geschaut und sich trotzdem mit Fußball beschäftigt. Lacher dürfen dabei gerne nicht zu kurz kommen.
Und dann gibt es noch die unangenehme Situation, überhaupt nicht zu wissen, wie der Vorbericht aussehen soll. Für die faktenbezogene Variante hat man sich die Woche über zu wenig mit dem Gegner und mitunter auch mit der eigenen Mannschaft beschäftigt. Eine lange Recherche ist vonnöten. Wer darauf keine Lust hat, muss wohl eine andere Variante wählen. Für den skurrilen Vorbericht fehlt das Talent und alle Versuche scheitern. Übrig bleiben nur peinliche Ansätze, die besser nie veröffentlicht werden sollten. Variante 3 wäre eine Möglichkeit, aber über Bochum kann man nun mal nicht viel Neues schreiben. Und für einen lustigen Vorbericht fehlt es an Ideen.

Also sitzt man da und greift auf das Naheliegendste zurück: Der VfL Bochum als die graue Maus der Bundesliga. Laut wikipedia ist eine graue Maus ein unauffälliger Mensch meist weiblichen Geschlechts. Die Unauffälligkeit wollten die Bochumer in diese Saison mit rosafarbenen Trikots endgültig los werden. Doch damit kamen sie dann wirklich wie das weibliche Geschlecht rüber. Und dazu gab es noch eine dicke Packung gegen die Blauen. Seitdem sind die rosa Jerseys „tricot non grata“ in Bochum. Was gibt es sonst noch über Bochum zu sagen? Schöne Stadt, die mit dem Bermuda-Dreieck eine feine Feiermeile hat. In der Nacht nach dem BVB-Spiel in Hamburg wurde Florian Kringe (von mir) dort nachts um 2 Uhr im lockeren Plausch bei einem Bierchen gesehen. Er sah etwas wehmütig aus. Sein Abschied vom Ruhrgebiet stand kurz bevor. Legendär in Bochum ist das Bier einer Privatbrauerei und die Dönninghaus-Wurst. Weniger legendär sind dagegen die Auftritte der Mannschaft des VfL. In dieser Saison gab es mehr Schatten als Licht, so dass Trainer Marcel Koller seinen Hut nehmen musste. Aber das sind ja Fakten, die eh jeder weiß und hier nicht breit getreten werden müssen.

Und somit schwenken wir unbemerkt aber geschickt zum BVB über: In Gladbach mühte er sich zum Sieg. Zum Glück. Doch den mussten wir mit dem Ausfall von Tamas Hajnal ziemlich teuer bezahlten. Aber Jammerei will niemand hören. Denn ein musikalisch versierter BVB-Fan hat uns diese Woche zu minimalem Beat beigebracht: BVB, hier wird nicht geheult, hier wird gebolzt. Und genau das tun wir am Sonntag. Bolzen, bis der Arzt kommt und drei Punkte für Borussia im Arztkoffer dabei hat. Nie waren sie so wichtig wie jetzt. Aber das kann man eigentlich vor jedem Spiel sagen.

Auch wenn es nur Spekulation ist, aber so könnten sie spielen:

Borussia Dortmund:
Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Santana, Dede - Bender, Hummels - Sahin - Kuba, Barrios, Zidan.
Auf der Bank: Ziegler - Schmelzer, Hünemeier, Feulner, Großkreutz, Valdez, Rangelov, Le Tallec.
Es fehlen: Kehl (Sehnenentzündung am Schambein), Hajnal (Bänderabriss am Sprunggelenk), Tinga (Leistenzerrung), Öztekin (Meniskusbeschwerden).

VfL Bochum:
Luthe - Pfertzel, Maltritz, Yahia, Fuchs - Freier, Dabrowski, Johansson (Epallé), Azaouagh - Sestak, Klimowicz.
Auf der Bank: Fernandes (Heerwagen) - Grote, Mavraj, Fabian, Concha, Epallé, Dedic, Hashemian.
Fraglich: Heerwagen (Trainingsrückstand nach Kieferbruch).
Es fehlen: Imhof (Wirbelsäulenverletzung), Ono (Gelb-Rot-Sperre), Vogt (Innenbandanriss).

Schiedsrichter ist Michal Weiner (Giesen), assistiert von Norbert Grudzinski, Thomas Frank. Vierter Offizieller: Christoph Bornhorst.

Erwartet werden 70.000 Zuschauer. Die Tageskassen machen um 13 Uhr auf, also nix wie hin.

DvB, 17.10.2009

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