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Die ersten 14 Tage ? Ein Blick auf die BVB Mannschaft 09/10 Teil 3

16.07.2009, 19:40 Uhr von:  Redaktion

TestspielVor gut 14 Tagen begann für Borussia Dortmund die Saison 2009/10. Was hat sich verändert? Welche Erkenntnisse konnte man aus den ersten sechs Testspielen und dem Training ziehen? In einer dreiteiligen Ausgabe schauen wir auf das Personal, das Training und die Testspiele.

Teil 3: Testspiele

Bereits beim ersten Training gab es ein Testspiel. Gut, da spielten nur die vorhandenen Spieler auf einen Kleinfeld gegeneinander, aber auch schon dort fielen Tore. Die graue Leibchen-Mannschaft gewann da durch Tore von Großkreutz, Rangelov, Öztekin und Sahin gegen die Lila-Leibchen-Mannschaft (Treffer durch Sadrijaj, Frei und Owomoyela). Das erste echte Testspiel fand dann aber fünf Tage später in Hüsten statt. Gegen eine Sauerland-Auswahl durften sich die Borussen im Toreschießen üben. Konnten die Nachbarn aus Gelsenkirchen gegen eine Sauerland-Mannschaft nur mit 3-0 gewinnen, hatten die Dortmunder mehr Lust auf Tore. Bereits in der ersten Hälfte trafen zweimal Frei und Feulner, sowie der Pole Kuba. Nachdem die komplette Mannschaft in der zweiten Hälfte getauscht wurde, gab es weitere sechs Treffer von Kullmann (3), Großkreutz (2) und Valdez.

Testspiel gegen OffenburgNicht so erfolgreich lief das zweite Testspiel zwei Tage später in Rheine. Zwar gingen die Borussen durch Tore von Rangelov, Valdez und Kuba mit 3-0 in Führung, doch noch vor der Halbzeitpause kassierte man den ersten Gegentreffer in der neuen Saison. In der zweiten Hälfte wurde erneut komplett gewechselt, aber diesmal litt das Spiel darunter, sodass es in der zweiten Hälfte nur noch zwei Treffer von Frei und Feulner zu sehen gab. So ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Trainer Klopp mit den gezeigten Leistungen nicht zufrieden war: "Wir haben heute maximal 40 Prozent gegeben. Mir hat das Spiel daher nicht gefallen. Die Mannschaft hat viel zu wenig gezeigt, und das werden wir nicht unkommentiert stehen lassen."

Das sah dann beim dritten Testspiel gegen Offenburg anfangs nicht besser aus. Erst musste das Spiel wegen eines Unwetters für 30 Minuten unterbrochen werden, dann traf der Verbandsligist Offenburger FV überraschend zum 0-1. Noch vor der Halbzeit drehten die Dortmunder jedoch das Spiel durch zwei Treffer von Christopher Kullmann. In der zweiten Hälfte wurden bis auf Bender (er wechselte vom defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung) alle Spieler ausgetauscht. Anscheinend haben diese Wechsel gut getan, denn es fielen in der zweiten Hälfte noch sechs Treffer durch Kuba, Sadrijaj, Rangelov, Subotic und zweimal Hajnal. Diesmal war Klopp zufriedener mit dem Spiel: "Dieses Spiel war von der Konzentration her nicht leicht. Aber wir haben uns auch in unbequemen Situationen körperlich zur Wehr gesetzt, obwohl hier heute Morgen in Dortmund noch hart trainiert hatten."

Testspiel in Donaueschingen 2009Im vierten Testspiel beim Landesligisten FV Donaueschingen waren wieder unterschiedliche Gesichter des BVB zu sehen. In den ersten 24 Minuten fielen keine Tore, dafür brauchte man dann bis zur Halbzeit nur 20 Minuten, um dem Gegner 7 Tore einzuschenken (Frei (3), Kuba, Großkreutz, Hünemeier und Rangelov). Zur Halbzeit wurden dann bis auf Ziegler, Öztekin und Hünemeier alle Spieler ausgetauscht, doch der Spielfluss war hin, sodass Dortmund nur noch durch Sadrijaj, Tinga und Hummels den 10-0-Endstand schaffte. Eine Schrecksekunde gab es dann in der 69. Minute, als Stürmer Sadrijaj einen Schlag auf den Knöchel bekam und ausgewechselt werden musste. Da allerdings auf der Bank nur noch Ersatztorhüter Höttecke saß, durfte er sein Debüt als Stürmer geben und hätte fast sogar einen Treffer erzielt. Für Sadrijaj gab es in der Zwischenzeit leichte Entwarnung, denn die Verletzung stellte sich als nicht so gravierend heraus. Trotz der geringen Torausbeute war Trainer Klopp mit den gezeigten Leistungen zufrieden. " Wir haben von Anfang an wirklich guten Fußball gespielt. Dass wir am Anfang die Chancen nicht genutzt haben, lag daran, dass der Torwart vom FV Donaueschingen gut gehalten hat und wir beim Training morgens richtig Gas gegeben haben", erklärte der Übungsleiter der anwesenden Presse, "Ich möchte nur sehen, dass sich die Jungs bewegen. Das haben sie getan."

Turnier in PfullendorfDie beiden letzten Testspiele fanden gestern in Pfullendorf statt. Gegner waren dort für jeweils eine Halbzeit der Bundesligist 1. FC Nürnberg und im Anschluss der Regionalligist SC Pfullendorf. Nachdem die Nürnberger ihr erstes Spiel mit 1-0 gewonnen hatten, ging es dann mit dem Spiel gegen die Borussen vor gut 5.300 Zuschauern (davon 2.000 BVB-Fans) weiter. Im Duell der Bundesligisten zeigten beide Mannschaften eine mäßige, ausgeglichene Partie, die teilweise umkämpft war. In der 11. Minute sah Geburtstagskind Alexander Frei (wurde vor dem Spiel mit Blumen, Gesang, Alpenhörnern und Kuhglocken gratuliert) nach einer Rangelei mit Pinola die Gelbe Karte. Damit aber noch nicht genug, denn nach einem deutlichen Disput mit Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter durfte sich BVB-Trainer Klopp das Spiel von der Zuschauerbank angucken. Nach einer halben Stunde musste dann Florian Kringe den Platz verlassen, nachdem er einen Pferdekuss im Oberschenkel bekommen hat. Für ihn kam Kevin Großkreutz ins Spiel, der dann auch gleich eine große Chance hatte: sein Kopfball ging jedoch knapp am Tor vorbei. Die große Chance für die Führung der Franken hatte ausgerechnet ein Dortmunder: Subotic verunglückt eine Kopfballabwehr und Marc Ziegler muss sein ganzes Können aufbieten, um die Rückstand zu vermeiden. Auf der anderen Seite klappte es dann in der 39. Minute besser. Ein Pass von Hajnal, der eigentlich schon zu lang war, wurde von Kuba erlaufen. Dieser passte den Ball dann in die Mitte, sodass Großkreutz am langen Pfosten den Ball zum alles entscheidenden Treffer versenken konnte.

TestspielSomit stand fest, dass ein Unentschieden gegen den Regionalligisten ausreicht. Bis auf Großkreutz wurden alle Spieler ausgetauscht. Zwar spielten die Pfullendorfer gut mit, die Chancen hatten aber die Dortmunder. In der 13. Minute durfte dann Großkreutz auf die Bank, für ihn kam Markus Feulner ins Team. Dimitar Rangelov hatte in der 28. Minute die große Chance zur Führung, scheiterte aber am starken Torhüter der Pfullendorfer. Feulner hatte im Anschluss eine Chance, der Ball ging aber am Tor vorbei. Nach 45 Minuten pfiff der Schiedsrichter dann ab und krönte dadurch den BVB zum Turniersieger.

Man kann über die bisherigen Gegner bei den Testspielen geteilter Meinung sein. Für Klopp stand wohl einzig und allein die Möglichkeit im Vordergrund, erlerntes anzuwenden, die wirklich guten Gegner werden erst jetzt kommen. Dort muss man mal sehen, wie sich der BVB dann verkauft. Auch die bisherigen Aufstellungen lassen keine Rückschlüsse auf die Stammmannschaft zu, Klopp hat die Mannschaft immer schön durchgeschüttelt. Man darf also gespannt sein, wie die Mannschaft in Weiden und gegen Köln aussehen wird.

Ein „Fazit"?!

Nein, nach inzwischen 18 Tagen kann man mit Sicherheit kein Fazit ziehen. Dafür gibt es noch zu viele Fragen und Möglichkeiten. Bleibt der BVB-Kader so, wie er jetzt ist? Gibt es Verletzungen? Was machen die anderen Vereine? Findet man dort noch einen Spieler?

WatzkeAber ein paar Punkte sieht man schon: Anscheinend stimmt es in der Mannschaft, denn es gibt kaum Reibungspunkte, die nach außen dringen. Einzig die Vertragsverlängerungen mit Frei und Schmelzer deuten auf Konfliktpotenzial hin. Auch ist es schon überraschend, wie schnell die Spieler aus dem Urlaub kommen. Spielt da die Angst mit, den Anschluss zu verpassen? Es gibt sehr viele Positionswechsel im Team, dies kann der Tatsache geschuldet sein, dass angeschlagene Spieler nicht gespielt haben - oder ist es der Versuch, offene Kaderstellen zu übertünchen? Anders als im letzten Jahr wurde diesmal kein Umbruch in der Mannschaft vorgenommen, es wurden nur nicht mehr benötigte Teile der Mannschaft verkauft und diese dann, mit Blick auf die Zukunft, aufgefüllt. Was dabei herauskam war eine, bis auf wenige Ausnahmen, doppelt besetzte Mannschaft. Einzig im offensiven Mittelfeld und auf der rechten Außenbahn könnte es zu einem Engpass kommen.

Ein weiterer Vorteil könnte die Eingespieltheit sein. Während sich viele Teams in den ersten Pflichtspielen erst noch finden müssen, kann der BVB dort einsetzen, wo man sich am Ende der Rückrunde befunden hat. Allerdings gibt es auch dort die Gefahr, dass man sich überschätzt und die „Selbstzufriedenheidi" wieder rauslässt. Aufpassen muss man auch bei langwierigen Verletzungen, bekanntlich hat der BVB in seinem Team mehrere Spieler, deren Anfälligkeit für Verletzungen fast schon legendär ist. Kurzfristig können Spieler wie Owomoyela, Kehl und Dede gut ersetzt werden, aber die Angst vor dem nächsten Kreuzbandriss tanzt sicherlich in den Hinterköpfen der BVB-Fans mit.

Bleibt also abzuwarten, wie die restlichen Trainingswochen beim BVB laufen. Denn eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Es ist egal, ob man in der Vorbereitung Spiele mit 1-0, 10-0 oder 100-0 gewinnt. Es zählt erst ab dem 01.08.2009. Und wie sagte es schon Dortmunds großer Spieler Alfred „Adi" Preißler: „Grau is alle Theorie, entscheidend is auffen Platz!"

CHS, 16.07.2009

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