Unsa Senf

Schlag mich, ich war böse

27.09.2009, 16:14 Uhr von:  Sascha
Schlag mich, ich war böse
Provokation aus dem Gästeblock

So oder ähnlich devot könnte man das Verhalten am besten charakterisieren, mit dem sich der BVB in den letzten Tagen und Wochen von den blauen Nachbarn zum Narren halten ließ. Natürlich mussten die Verantwortlichen in unserem Verein versuchen, ein wenig Feuer aus dem Derby zu nehmen und deeskalierend zu wirken - allein schon, um nicht im Fall der Fälle selbst in den Verdacht zu geraten, Gewalt im Fußball zu tolerieren oder gar anzuheizen. Letztendlich allerdings eine gewaltige Farce, weil der blaue Pöbel auf dem Platz und auf der Tribüne sich ins Fäustchen lachte und eindeutig zeigte, dass man zu diesem Thema selbst nicht mehr als Lippenbekenntnisse beisteuern will.

Das positive Vorweg: Von der im Vorfeld oft zitierten „Spirale der Gewalt“ war bei diesem Derby nicht viel zu sehen. Kleinere Scharmützel gab es zwar, aber nicht mehr, als bei jedem anderen Spiel dieser Kategorie. Mit Sicherheit auch ein Verdienst der Polizei, die diesmal nicht nur durch eine hohe Präsenz, sondern auch eine koordinierte und sinnvolle Strategie die Fanlager so gut wie nur möglich voneinander trennte. Das war mit Sicherheit wirkungsvoller als alle Beschwörungen und wir-haben-uns-doch-alle-lieb-Aktionen von offizieller Seite im Vorfeld.

Watzke nimmt nie den Gegner in die Plicht
Watzke nimmt nie den Gegner in die Plicht

Manche dieser Aktionen waren sinnvoll, andere dagegen weniger. Zu den sinnvollen zählt mit Sicherheit die klare Antwort seitens des BVB auf die Plakataktion in der Innenstadt. Man mag darüber streiten, ob es gleich eine Strafanzeige sein musste, aber alles andere als eine klare Distanzierung von Plakaten, die direkt dazu aufrufen, die Blauen aus der Stadt zu prügeln, hätte einen wohl nicht wieder gutzumachenden Imageschaden für den BVB bedeutet. Zu den überflüssigen zählt allerdings die fast schon reflexhafte Antwort auf den Hackerangriff auf deren Homepage. Man muss nicht alles kommentieren und schon gar nicht für alles zu einer strafrechtlichen Verfolgung auffordern. Besonders kreativ oder niveauvoll war der Inhalt mit Sicherheit nicht, aber auch kein Grund, in Sack und Asche zu gehen. Außerdem sei die Frage gestattet, was für überaus fähige Leute in der IT der Blauen sitzen müssen, wenn sie sich öffentlich von einem Freizeithacker so düpieren lassen.

Aber wie man es dreht und wendet, das kann alles keine Einbahnstraße sein und auf blauer Gegenseite hat man eindrucksvoll bewiesen, wes' Geistes Kind man ist. Oh, ein Herr Westermann hat sich zusammen mit Roman Weidenfeller im Vorfeld öffentlich für ein gewaltfreies Derby ausgesprochen und der Vorsitzende des Dachverbandes der Blauen, Rolf Rojek, aus seiner gemütlichen Opferecke erklärt, dass man doch nur schönen Fußball sehen will und all diese Provokationen aus Dortmunder Ecke den Spaß am Derby nehmen. Im übrigen der selbe feine Herr Rojek, der auch schon mal öffentlich bedauert hat, dass er kein Flugzeug abschießen darf.

Ohne Worte
Ohne Worte

Was man davon halten darf, haben die Blauen aber eindrucksvoll demonstriert. Im Zuge der angeblich gar nicht existierenden Finanzkrise der Blauen versucht man die Reihen fest geschlossen zu halten und erkauft sich ein Füßestillhalten, in dem man Narrenfreiheit gewährt. Wie ernst man es mit einer Deeskalationspolitik meint, konnte man schon anhand des dann doch nicht durchgeführten Marsches vom Bahnhof in unser Stadion erkennen. Während man seitens der Polizei klar gegen diesen Marsch war und eine andere Taktik ausgewählt hatte (man hat eben nicht, wie veröffentlicht, nur andere „Alternativen“ vorgeschlagen), hatte man es im Lager des Blaukrauts nicht einmal für nötig gefunden, sich auf der Vereinshomepage gegen den in Bochum verteilten Aufruf auszusprechen und die Anhänger zu einer Anreise gemäß den Anforderungen der Polizei aufzurufen. Aktive Mithilfe und Unterstützung der Polizeiarbeit für eine sichere und geordnete Anreise sieht definitiv anders aus.

Noch offensichtlicher outete man sich dann auf dem Platz. Das 1:0 wurde standesgemäß und ausführlich direkt vor der Südtribüne gefeiert. Natürlich rein zufällig und nicht etwa als Provokation gemeint. Nein, nein – bloß das nicht. Es muss die armen Spieler der Blauen, die mit hochgereckten Fäusten vor der Heimtribüne ausgiebig ihren Torerfolg feierten, ja direkt überrascht haben, dass ihr Tor nicht ausschließlich Jubel im näheren Umkreis ausgelöst und zu einer entspannteren Atmosphäre beigetragen hat. Genau so wenig wie UGE-Manuels one-man-party nach Abpfiff vor der Südtribüne. Wenigstens gab es dafür einen standesgemäßen Rüffel von Trainer Magath, der mit dem Wort „Vollidiot“ eine durchaus treffende Charakterstudie zeichnete.

Rudelbildung nach Abpfiff um Uschi Neuer
Rudelbildung nach Abpfiff um Uschi Neuer

Währenddessen präsentierte der friedliebende und fußballbegeisterte Mob im Gästeblock eine Reihe Dortmunder T-Shirts, die die Besitzer nicht freiwillig abgegeben haben. Wie uns berichtet worden ist, sind die diversen Fanutensilien ganz normalen Fußballfans in den Zügen bei der Stadionhinfahrt entwendet worden. In Überzahl vor die Wahl gestellt, die Klamotten gleich rauszurücken, oder vorher erst Schläge zu kassieren. In einigen Fällen soll auch zweiteres passiert sein. Ganz feige Ratten, die man da deckt, oder die man von offizieller Seite zumindest ausblendet und gewähren ließ. Im gleichen Gästeblock übrigens, in dem auch Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies während des Spiels weilte. Von einer Intervention seinerseits ist nichts bekannt.

Ist diese scheiß Präsentiererei von gegnerischen Fanutensilien mittlerweile leider zur bundesligaweiten Unsitte geworden, scheint man trotzdem nicht so recht Interesse an der Verfolgung von Straftaten zu haben. Der Kreis der Täter dürfte so ziemlich identisch mit dem sein, der im letzten Rückrundenderby total provokationsfrei schon Teile des gestohlenen Banners präsentierte. Gut, die Bannersache ist oft genug durchgekaut worden und mittlerweile erledigt, aber es ist schon erstaunlich, dass man in Reihen der ach so Betroffenen offenbar keinerlei Anstrengungen unternimmt, die eigenen Leute auch einmal zur Raison zu rufen. Lässt man mal die Tatsache völlig außer Acht, dass man heutzutage im Stadion per Videokamera in minutenschnelle Becherwerfer aus dem Fanblock identifizieren kann und eine Vorbereitung derartiger Aktionen mit Sicherheit auffälliger sein müssen, ist es schwer vorstellbar, dass man die Pappenheimer nicht genau kennt, denen man mal gut zureden müsste. Aber das ist im Vorfeld offenbar nicht passiert und wie man die Blauen kennt, wird auch im Nachgang hierzu kein offizielles Wort fallen. Altbekannte Verfahrensweise im Land der Meineidler.

Die Blauen präsentieren sich
Die Blauen präsentieren sich
Das Positive daran ist vielleicht, dass man sich mittlerweile mehr als deutlich selbst demaskiert hat. Es sollte jeder begriffen haben, was er in dieser Thematik von den Blauen und ihrer selbst inszenierten Opferrolle zu halten hat. Eine scheinheilige Bande, die in Form von Herrn Peters inständig hofft, dass sich die eigenen Fans nicht durch den Hackerangriff provozieren lässt und gleichzeitig Leute hofiert, die nicht nur unter der Androhung von Schlägen Fans überfällt und zur Herausgabe ihrer Kleidungsstücke zwingt. Mit solchen Leuten ist keine vernünftige Zusammenarbeit möglich und es macht auch keinen Sinn, sich von ihnen ständig vorzuführen und verarschen zu lassen. Es wäre wünschenswert, wenn sich der BVB auch hier deutlich positionieren würde und nicht nur kritische Töne und Maßnahmen für die eigene Fanszene finden würde. Das Bild, das man so von sich abgibt, ist nämlich auch nicht gerade förderlich für die Außendarstellung. Während man sich selbst mit öffentlichen Stellungnahmen, auch bei Nebensächlichkeiten, ins Rampenlicht stellt, gibt man den Blauen erst die Möglichkeit sich im Schatten zu verstecken und ihr Spiel zu spielen.


Nur um das klarzustellen: Prävention ist sinnvoll und wichtig. Nur ist der aktuelle Weg eine Sackgasse. Auf der einen Seite ändert sich rein gar nichts, dafür wächst auf der anderen Seite der Frust, weil „die da drüben machen können was sie wollen“. Es wird Zeit, das Duckmäusertum aufzugeben, Tacheles zu sprechen und den Ist-Zustand sinnvoll zu ändern.

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