Stimmungsbericht

Unterhaltsamer BVB-Sieg in Gladbach

21.01.2009, 00:04 Uhr von:  Redaktion

BVB-Torjubel nach dem 1:0Der BVB kommt so langsam in Fahrt. Nach der Pleite gegen den SC Freiburg (1:2) und dem darauffolgenden Sieg gegen Lilaweiß (3:0) besiegte der BVB im Borussia-Park zu Mönchengladbach auch den heimischen VfL in einer unterhaltsamen Partie mit 4:2.

Eigentlich wollte ich zu dem Spiel gar nichts schreiben. Doch dank einer langweiligen Zugfahrt zurück an Dortmunds südöstliche Stadtgrenze und einem noch gut gefüllten Laptopakku habe ich mir es dann doch nochmal anders überlegt, so dass Ihr in den Genuss dieser Zeilen kommt.

Testspiel in Gladbach, dazu noch im Borussia Park? Es gab meiner Meinung nach mit großer Sicherheit schon schlimmere Testspiele. Da kann ich mich noch an einige Spiele im Norden und Süden gegen Ober- und Verbandsligisten erinnern, die neben einer weiten Anreise aus dem Herzen Westfalens auch noch einen richtigen Batzen an Eintritt kosteten. Teilweise musste bis zu zwanzig Euro gelöhnt werden. Wie gut das diese Zeiten (vorerst) vorbei sind. So war heute die Anreise mit guten hundert Kilometern für ein Spiel unter der Woche okay und auch die Eintrittspreise waren recht fair. Den Stehplatz gab es schon für sieben Euro, doch auch wer unbedingt sitzen wollte musste nicht deutlich mehr zahlen. Sehr vorbildlich, wobei Der Borussia Park war nur spärlich besuchtdie Vereine und Veranstalter mittlerweile ihre Lehren aus den letzten spärlich besuchten Veranstaltungen bzw. Testspiele gezogen haben dürften. Das Hallenturnier zu Jahresbeginn in der Westfalenhalle, bei dem es ja bekanntlich aufgrund der vielen Derbys auf den Tribünen nur so krachte, dürfte da als jüngstes Beispiel dienen.

Etwa 6.000 Zuschauer im Borussia-Park

Immerhin fanden sich bei zum Schluss recht frischen Temperaturen etwa 6.000 Zuschauer im Stadion ein. Letztlich aber nur sehr schwer einzuschätzen. Auf der Südtribüne war nur der Gästebereich mit etwa 600 BVB-Fans geöffnet, auf den beiden Haupttribünen nur der spärlich besuchte Unterrang. Die Nordkurve war dagegen komplett geöffnet. Während der Unterrang recht gut besucht war, zeigte sich im Oberrang nur „Block 1900“ gut gefüllt. Für alle die es nicht wissen: Nach der Auflösung der Ultras MG haben sich ähnlich wie in Bremen nach Auflösung der Eastside zahlreiche kleinere Ultragruppen gebildet. Der Großteil dieser neuen Gruppen die sich „Obsession“ oder „Vitus Ultra“ nennen, ist auf die Sitzplätze Auch der Gästeblock war nicht viel vollerim Oberrang gewandert und hat dort ihren eigenen Block. Kann man in etwa mit den Situationen in Rostock und Magdeburg vergleichen. Dass so eine totale Zersplitterung nicht gerade förderlich für die Stimmung ist, kann man eigentlich bei jedem BVB-Gastspiel im Weserstadion in jüngster Vergangenheit erleben. Doch auch der Auftritt der Gladbacher Szene am letzten Spieltag im Westfalenstadion war doch mehr enttäuschend – für mich der schlechteste Auftritt des Gästeanhangs in der Hinrunde der Spielzeit 2008/09. Umso überraschender war es doch für viele, dass „Block 1900“ recht gut gefüllt war und während den neunzig Minuten auch einen ordentlichen Auftritt hinlegte. Unterstützt durch viele Schwenker, Doppel- und Handhaltern schalten doch eine Menge netter Melodien und Trommelklänge durch das weite Rund. Allerdings würde mich doch schon sehr interessieren, wie dies bei den nächsten Heimspielen in MG aussieht, wenn die Lieder von der gesamten Kurve getragen werden müssen, zumal der Unterrang so gut wie gar nichts auf die Kette bekam. Hauptsache die eigene Mannschaft bei einem Testspiel (!) für Fehlpässe auspfeifen und bei den beiden Toren zum Sound von Scooter feiern. Naja...

Doch auch im Gästebereich sah es nicht viel besser aus. Die aktiven Gruppen verzichteten Ultra-Chaos ik Block 1900wie gehabt auf ihre Anwesenheit und so nutzen einige Übermotivierte die Gunst der Stunde um sich komplett zum Affen zu machen. So „glänzten“ einige Anhänger mit Gesängen der Blauen und leider gaben einige auch das U-Bahnlied von sich. Super Typen also. Die obligatorischen Humbas durften natürlich auch nicht fehlen. Wer also nicht da war, hat auch nichts weiter verpasst.

Zum Sportlichen

Wesentlich interessanter gestaltete sich da schon das Geschehen auf dem Rasen. BVB-Trainer Jürgen Klopp schickte wie schon bei den Spielen gegen Freiburg und Osnabrück ein komplett neues Team auf das Feld. So spielte nicht Santana neben Subotic in der Innenverteidigung sondern Robert Kovac. Auch auf der linken Seite gab es eine kleine Überraschung, spielte hier doch Marcel Schmelzer von Beginn an für Lee. Im Sturm setzte Klopp auf Frei und Zidan (Valdez litt unter einem Hexenschuss), dahinter agierten Torjubel Zidan (l.) und BoatengHajnal. K.P. Boateng, Kringe und Tinga. Also schon eine Elf, von der wir auch in einer Woche den Großteil in der Startelf sehen werden. Klopps Gegenüber, Hans Meier gönnte sich dagegen den Luxus und ließ Oliver Neuville und Marko Marin (machte in der zweiten Halbzeit ein richtig gutes Spiel) erst einmal auf der Bank Platz nehmen.

Die Anfangsphase gestaltete sich recht langweilig. Beide Teams waren bemüht vor allem hinten sicher zu stehen. Doch dies gelang vor allem Schwatzgelb zu Beginn nicht so richtig. Kovac und Subotic machten schon den ein oder anderen Fehler. Passiert halt in einem Testspiel schon mal und ist in der Vorbereitung ganz normal. Hauptsache am nächsten Mittwoch gegen Bremen steht man kompakt. Apropos kompakt: Kompakt standen die Gladbacher auch bei der Dortmunder Führung - allerdings so kompakt, dass sich die Gladbacher Abwehrspieler nach eine Hereingabe vom „Pricen“ selbst im Weg standen. Alex Frei reagierte blitzschnell und nutzte die Unordnung zur Führung. Auch beim zweiten Dortmunder Tor sah die Gladbacher Abwehr nicht besser aus. VfL-Keeper und Neuzugang Logan Bailly konnte zwar erst noch eine Großchance durch Alex Frei verhindern, war gegen Mohamed Zidan aber letztlich geschlagen, als dieser zum 2:0 Halbzeitergebnis einschob. Letztlich nicht unverdient, wenngleich auch Gladbach seine Chancen hatte.

Dortmunder Offensive trifft

Frei im ZweikampfBesser aus der Kabine kamen eindeutig die Gladbacher Borussen, das nächste Tor erzielte aber Schwarzgelb. Einen schönen Spielzug vollendete Tamas Hajnal zum 3:0. „Einer geht noch, einer geht noch rein“ schallte es von der Tribüne. Marcel Schmelzer fand die Gesänge aus dem Gästeblock wohl nicht ganz so lustig und fällte kurz darauf einen Gladbacher Spieler, so dass Schiedsrichter Thorsten Kienhöfer richtiger Weise auf den Punkt zeigen musste. Marko Marin ließ sich diese Möglichkeit nicht entgehen und verkürzte auf 1:3 aus Gladbacher Sicht. Zum Thema Weidenfeller und Elfmeter sage ich jetzt besser nichts. Sonst käme nachher noch jemand auf die Idee zu fragen, wann Weide denn seinen letzten Elfmeter gehalten hat. ;-)

Beim Stand von 3:1 wechselten sowohl Klopp als auch Meier wie am Fließband. So kamen beim BVB u.a. Rukavina, Sahin, Öztekin und Kullmann ins Team. Eine schöne Kombination der beiden Einwechselspieler Yasin Öztekin und Nuri Sahin war es dann auch, die den vierten Treffer für die schwarzgelbe Borussia bescherte. Öztekin drang quasi ungehindert über die rechte Seite in den Strafraum ein, düpierte alle seine Gegenspieler um Nuri Sahin aufzulegen, der nur noch den Schlappen hinhalten musste. Sehr feiner Spielzug, das breite Grinsen von Öztekin beim Torjubel sagte mehr als tausend Worte. Vielleicht wird Öztekin am Ende der Saison mit einem Profivertrag belohnt. Zu wünschen wäre es ihm, zumal Öztekin ein weiterer BVB-Spieler ist, der sich voll mit unserem Verein identifiziert. Wer es nicht glaubt, dem sei mal Die Spieler bedanken sich bei den Fansein Spiel der Zweitvertretung ans Herz gelegt.

Gladbach verkürzte kurz vor Abpfiff noch auf 4:2 durch Baumjohann, was letztlich aber auch egal war. Das Ergebnis ist ja bei Testspielen stets zweitranging. Wichtig war auch am heutigen Abend, dass sich niemand ernsthaft verletzt hat und der BVB schon bald wieder an das Leistungsniveau der Hinrunde anknüpfen kann. Mit Frei, Zidan und Hajnal haben drei Offensivakteure getroffen und Neuzugang K.P. Boateng ist bereits sehr weit im Team integriert. Was will man in der jetzigen Phase noch mehr?

Tommy, 20.01.2009

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