Spielbericht Profis

Unentschieden bei Bayer - Gutes Spiel mit wenigen Fehlern

24.10.2009, 21:05 Uhr von:  Redaktion
Unentschieden bei Bayer - Gutes Spiel mit wenigen Fehlern
Jubel oder Trauer nach dem einen Punkt in LEV

Der Aufschwung von Borussia Dortmund hält dank eines Unentschiedens beim Tabellenführer Bayer Leverkusen an. Mit einem couragierten Spiel, in dem der BVB sich trotz personell offensiver Ausrichtung vor allem auf das Defensivspiel konzentrierte und damit genau die richtige Taktik fuhr, entführt man einen Punkt aus der Stadt am Rhein. Trotzdem ist sich der Verfasser dieses Berichtes nicht sicher, ob er nun vollkommen zufrieden sein soll oder vielleicht sogar mehr drin gewesen wäre.

Personalien

Jürgen Klopp hatte genaue Vorstellungen von dem Gastspiel beim Tabellenprimus. „Wir wollen uns vor einer ganz, ganz wichtigen Woche mit dem Pokalspiel in Osnabrück und dem Heimspiel gegen Hertha ein weiteres Erfolgserlebnis holen." Dieses Vorhaben ging Borussia Dortmund erwartungsgemäß mit den gleichen elf Spielern an, die Bochum überzeugend mit 2:0 geschlagen hatte. Die Hoffnung auf eine ähnliche Leistung – auch ohne die verletzten Kehl und Hajnal sowie einem eben erst genesenem, aber nicht mitgereisten Tinga – war allgegenwärtig. Auch wenn Dortmund bei niemand geringeren als dem Tabellenführer antrat. Denn „ist man selbst in einer Top-Verfassung“, kündigte der Übungsleiter K an, sei jeder Gegner schlagbar.

Wie immer gut aufgelegt: Die gelbe Wand auswärts
Wie immer gut aufgelegt: Die gelbe Wand auswärts

Und noch etwas schien Mut zu machen. Denn auch Leverkusen hatte einen ihrer wichtigsten Spieler zu ersetzen. Mit Kapitän Simon Rolfes meldete sich der Anführer des Bayer-Teams Mitte der Woche aufgrund einer Kniespülung ab. Für den angeschlagenen Renato Augusto reichte es nicht einmal für einen Platz auf der Ersatzbank, während Bayern-Leihgabe Toni Kroos den Brasilianer in der Anfangsformation auf den Flügel ersetzte.

Schon vor Beginn der Partie wurde in dem rundum erneuertem Stadion deutlich, wer zumindest auf den Rängen den Ton angeben würde. Die Gästefans aus Dortmund waren nicht nur zahlreich mitgereist, sondern präsentierten sich auch von ihrer besten Seite. Wie beinahe jedes Jahr in Leverkusen herrschte hier also ausgezeichnete Stimmung. So wurde das Verlesen der Aufstellungen die erste Niederlage für die Leverkusener am heutigen Abend. Das ungefähr zehn Minuten lange Vereinslied (?), das aus den Boxen drang, machte das ganze auf Leverkusener Seite nur noch schlimmer.

1. Halbzeit

Kroos gegen Bender
Kroos gegen Bender

Die Mannschaft von Trainer-Oldie Jupp Heynckes ließ sich jedoch zunächst nicht beirren, und agierte im Angriff sehr variabel und drängte den BVB zu Beginn sehr in die Defensive. Chancen durch Bender (2. Minute), der aber in aussichtsreicher Position vor dem Tor verzog und Kroos, der Keeper Weidenfeller in der vierten Minute mit einem Schuss das erste Mal prüfte, schienen die Kräfteverhältnisse deutlich zu machen.

Doch fast aus dem Nichts schlug der BVB zu. Valdez und Sahin im Zusammenspiel ließen die junge rechte Abwehrseite der Roten mehr als alt aussehen. Die mustergültige Flanke des Paraguayers fand Barrios, der sich durchsetzte und mit einem platzierten Kopfball Nationaltorwart René Adler überwand (8.). Eine überraschende Führung, die den Schwarz-Gelben Auftrieb geben sollte und die Lautstärkeverhältnisse noch mehr zu Seiten des BVB ausschlagen ließ. Die Spieler von Jürgen Klopp bekamen die beweglichen Angreifer immer besser zu fassen und ließen nur noch wenig anbrennen. Im Angriff selbst – die Taktik variierte ständig zwischen einem 4-3-3, einem 4-5-1 und einem 4-4-2 – reichte es allerdings nur zu guten Ansätzen, obwohl die Bayer-Abwehr das ein oder andere Mal kräftig schwamm.

So war es fast nur der Schweizer Derdiyok, der ab und zu Gefahr vor dem Kasten von Kapitän Weidenfeller heraufbeschwören konnte. Zwei Kopfbälle, nach kleinen individuellen Fehlern von Weidenfeller und Dédé gingen aber ebenso wie ein Weitschuss kurz vor der Pause über das Tor (19., 29., 44.). Auch beim nächsten Aufreger war Derdiyok im Mittelpunkt. Der Stürmer dribbelte sich in den gegnerischen Strafraum, doch Hummels stoppte ihn mit einer perfekten Grätsche – kein Elfmeter (33.). Die Aufregung der Bayer-Fans, die das erste Mal an diesem Abend so richtig laut geworden waren, völlig unverständlich.

Torjubel zur Führung um Barrios
Torjubel zur Führung um Barrios

Gegen Ende der ersten Halbzeit stand dann noch zweimal Hyypiä im Mittelpunkt des Geschehens. Den durchgebrochenen Zidan stoppte der Finne vor dem eigenen Tor im letzten Moment (35.), während er nach einer Ecke in der 41. Spielminute selbst einmal im Angriff war und einen Torschuss nach Ecke neben das Tor setzte.

So ging es mit einem nicht völlig unverdienten, aber dennoch etwas glücklichem 1:0 aus Sicht der Gäste in die Pause. Bayer machte zwar das Spiel und hatte deutlich mehr Aktionen vor dem Tor, Dortmund aber war einfach kaltschnäuziger und ließ hinten fast nur nach Standards Chancen zu.

Die BVB-Fans feierten ausgelassen mit einem abwechslungsvollen Lieder-Repertoire. Ihr Gegenüber, die Heimfans (!), präsentierten sich gewohntermaßen ziemlich leise. Beinahe konnte man denken, ihre Mannschaft hätte sie in dieser Saison zu sehr verwöhnt. Unzufriedenheit schien man in den Äußerungen von den Tribünen das ein oder andere Mal auch erkennen zu können.

2. Halbzeit

Auch die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die erste aufgehört hatte. Derdiyok mühte sich in der Offensive redlich, brachte es aber nur zu minimalen Gelegenheiten, die kaum erwähnenswert waren (47., 59. Freistoß). Auf der anderen Seite präsentierte sich Valdez kurz nach der Pause einmal, sein Kopfball nach Dédé-Flanke flog aber relativ klar am Tor vorbei (48.). Es blieb dabei: Leverkusen war mehr in Ballbesitz, hatte auch statistisch, was Torschüsse, Zweikämpfe und Ballbesitz betraf, die klar besseren Werte. Aber wirklich gefährlich waren die Bemühungen des Werkteams kaum einmal.

Kevin Großkreutz kam nach der Halbzeit für Kuba
Kevin Großkreutz kam nach der Halbzeit für Kuba

Genauso wenig schien aber auch der BVB noch einmal wirklich nach vorne spielen zu wollen. Zu oft sorgte man Mitte von Halbzeit zwei für Entlastung, sodass Leverkusen Angriff um Angriff initiieren konnte. Ein einziger Schuss von Barrios nach Ablage des eingewechselten Großkreutz in der 52. Minute blieb für lange Zeit die einzige Chance für die Borussen.

Doch mit zunehmender Spielzeit stieg die Hoffnung der Borussen-Fans, mit drei Punkten wieder nach Dortmund zu reisen. Die Stimmung wurde mit jedem verpufftem Angriff der Leverkusener besser. Ärgerlich dann die Entstehung des Ausgleiches. Beim Eckball stieg Verteidiger Manuel Friedrich am höchsten, setzte sich gegen Subotic und Bender durch, und ließ auch Roman Weidenfeller keine Chance (65.). Ein Verteidiger am kurzen Pfosten hätte hier klären können. Fraglich, warum dort zum wiederholten Male niemand eingeteilt war.

Manuel Friedrich, heute für Simon Rolfes als Kapitän aufgelaufen, wiederum hatte die Lust am Tore schießen entdeckt. Nur vier Minuten nach seinem Ausgleichstreffer traf man den etatmäßigen Innenverteidiger wieder im gegnerischen Strafraum vor, sein Schuss aus acht Metern Entfernung ging aber über das Tor. Es blieb nun bei den ursprünglichen Kräfteverhältnissen auf dem Platz. Leverkusen hatte allgemein mehr vom Spiel, doch abgesehen von der kleinen Sturmphase nach dem Ausgleichstreffer hatten sie den Tabellenführer für den Rest der Zeit gut im Griff. Erwähnenswert vielleicht noch die Einwechslung von Markus Feulner in der 83.Minute. Dem Mittelfeldmann war sofort anzumerken, dass er eine Bereicherung für das Team sein kann. Vielleicht bekommt er im Laufe der Saison mal die ein oder andere Gelegenheit mehr, sich auf dem Platz zu beweisen.

Nuri & Co. bedanken sich für die Unterstützung
Nuri & Co. bedanken sich für die Unterstützung

So blieb es bei dem letztlich leistungsgerechten Unentschieden, mit dem im Endeffekt beide Mannschaften leben können. Für den BVB wäre trotz der Druckphasen von Bayer auch ein Sieg möglich gewesen. Einzig eine Standardsituation bewahrte die Heimmannschaft vor einer Niederlage, die aber aufgrund der Spielanteile vielleicht auch ungerecht gewesen wäre. Festzuhalten bleibt allerdings das gute Spiel der Borussia und das ist es, was einen für die nächsten Aufgaben in Bundesliga und Pokal hoffnungsvoll stimmen kann.

Statistik

Bayer 04: Adler – Schwaab, , Friedrich, Castro – Vidal (81. Reinartz), L. Bender (55. Gekas) – Barnetta, Kroos (81. Zdebel) – Kießling, Derdiyok

BVB: Weidenfeller – Owomoyela, Subotic, Hummels, Dédé – S. Bender, Sahin - Kuba (45. Großkreutz), Zidan (72. Rangelov), Valdez (83. Feulner) – Barrios

Tore: 0:1 Barrios (8. Minute, Vorarbeit Valdez), 1.1 Friedrich (65. Minute, Kroos)

Gelbe Karten: Friedrich, Barnetta, Kroos, Reinartz – Barrios, Owomoyela

Krasses Flutlicht im neuen Ulrich-Haberland-Stadion
Krasses Flutlicht im neuen Ulrich-Haberland-Stadion

Rote Karten: -

Zuschauer: 30.210

Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover) – Man darf schon froh sein, dass Rafati bei keiner wirklich spielentscheidenden Szene falsch lag. Mit zunehmender Spieldauer verlor der Schiedsrichter aber den Faden und hatte zeitweise in Halbzeit 2 einen großen Anteil daran, dass der Spielfluss gestört war Note 4,5

Fouls: 13-22

Abseits: 0-5

Torschüsse: 16-4

Zweikämpfe: 52% - 48% (dabei 39% zu 61% für den BVB in der Luft)

Passquote: 68% - 32%

Erfolgreiche Flanken: 23-9

Benotung

Uwe gegen Toni Kroos
Uwe gegen Toni Kroos

Roman Weidenfeller – Trotz der überlegenen Leverkusener kaum mal gefordert. Hielt einen Schuss von Kroos zu Beginn fest, auch sonst sicher und ohne Fehler (Note 3)

Dédé – Der Brasilianer stand defensiv seinen Mann und hatte in der Entstehung des Führungstreffers seinen Anteil. Beinahe fehlerlose Partie, ohne aber große Akzente zu setzen (Note 3)

Mats Hummels - Stärkster Dortmunder. Gewann die wichtigen Zweikämpfe, ließ Kießling und Derdiyok nicht viel Platz zur Entfaltung und war wirklich abgeklärt. Auch im Spielaufbau der abgeklärtere der beiden Innenverteidiger – (Note 2)

Neven Subotic - Eigentlich sicher, wenn da nicht sein Patzer in der 90. Minute gewesen wäre. Das kann auch ins Auge gehen – (Note 3,5)

Patrick Owomoyela - Viele Fehlpässe, kaum Aktionen nach vorne. In der Defensive aber ansonsten okay – (Note 4)

Sven Bender – Rieb sich auf, spielte eine ordentliche Partie mit einigen guten Pässen und Zweikämpfen. Allerdings kann er bestimmt noch viel mehr (Note 3)

Nuri Sahin – Schöner Pass auf Valdez vor dem Tor, auch sonst öfter mal Ideengeber und Ballverteiler. Nebenbei lief der Türke unglaublich viel und schwang sich so zum Leader auf (Note 2,5)

Barrios gegen Hyypiä
Barrios gegen Hyypiä
Jakub Blaszczykowski – Eine eher schwache Leistung in seinem ersten Spiel nach der Vertragsverlängerung. Kaum Offensiv-Aktionen, wurde folgerichtig zur zweiten Halbzeit ausgewechselt – (Note 4,5)


Mohamed Zidan – Nicht so auffällig wie in der letzten Partie gegen Bochum. War aber auch schwer für ihn, bei der eher defensiven Aufstellung Anspielstationen in der Offensive zu finden. Lief viel (Note 3,5)

Nelson Valdez – Bereitete den Treffer von Barrios mit einer mustergültigen Flanke vor. Mal wieder vorbildlicher Einsatz, hielt seine Seite auch nach hinten absolut dicht – (Note 3)

Lucas Barrios – Nächster Treffer des Argentiniers. Klasse Kopfball und auch ansonsten eine kämpferisch und spielerisch ansprechende Leistung. Gewann unglaublich viele Kopfballduelle – (Note 2,5)

geschrieben Daniel R.

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