Spielbericht Profis

Ernüchterung

16.02.2009, 02:31 Uhr von:  Redaktion Jakob
Ernüchterung
Choreo gegen Cottbus

Es hat sich was getan an diesem Fußball-Wochenende. Wir sind wieder die Mannschaft mit den wenigsten Niederlagen in der Bundesliga und stehen wieder vor den Blauen. Das wären aber auch schon die einzigen positiven Nachrichten. Nun der Rest: Blödes Unentschieden (das Zehnte, auch das ist Ligaspitze) gegen Cottbus, Lee im Derby gesperrt, spielerische Armut, übernervöse Abwehrleistung und wieder arschkalt draußen. Herzlich willkommen im Westfalenstadion, dem Stein gewordenen Remis.

Mit einer schönen Choreographie, die unserer geliebten Heimstätte, dem Westfalenstadion, gewidmet war, verlieh THE UNITY dem Spiel gegen Cottbus einen würdigen Rahmen. Am Catwalk über der Südtribüne wurde ein riesiges rotes Herz aus Fahnenstoff hochgezogen und dahinter eine riesige Blockfahne über die gesamte Breite der Tribüne ausgebreitet. Das Ensemble gab ein sehr schönes Bild ab und ein Dank gilt den vielen fleißigen TU-Mitgliedern, die diese Choreographie in tagelanger Arbeit erschaffen hatten. Gerüchten zufolge soll der ein oder andere „Das Herz muss weg“ angestimmt haben, aber das war wohl nur ein ironischer Seitenhieb auf das inzwischen verbannte ungeliebte Fahnengeschenk.

Fight-Club in Dortmund
Fight-Club in Dortmund

Wird man in der Lausitz noch immer mit dem allseits bekannten „Willkommen im Fight Club“ empfangen, begrüßte uns Nobby wie immer mit dem Hallo an die besten Fans der Liga. Leider beließ er es zum wiederholten Male nicht bei der Standard-La Ola mit den Fans und wollte auf Gedeih und Verderb einen Wechselgesang starten. Was die Südtribüne von dem Vorhaben hielt, wurde schnell klar. Man machte das Spielchen nicht mit und schmetterte stattdessen einen der bekannten Schlachtgesänge an. Eine kleine aber gerechtfertigte Ohrfeige für unseren Eventmanager. Was man ihm jedoch zugute halten muss, ist die Tatsache, dass wieder sehr viel altes Liedgut vor dem Spiel und auch in der Halbzeitpause zu hören war. Hämmerte in der vergangenen Saison noch Technomusik aus den Boxen, konnte man sich heute in der Halbzeitpause mit dem BVB-Walzer einschunkeln. Einfach schön.

Wo wir gerade beim Liedgut sind: Das Lied zum hundertsten Geburtstag von unserem geliebten Herrn Kartner ist wohl der liebloseste Song, der je über Borussia geschrieben wurde. Eine Melodie, die schon tausendmal so komponiert wurde und absolut vorhersehbare, langweilige Lyrics. Dazu klingt es auch noch wie ein 08/15 Karnevals-Lied. Schön ist das nicht. Und unsinnig dazu. Wenn die Textzeile „100 Jahre ein Verein, ja so soll es immer sein“ in die Tat umgesetzt werden sollte, dann erleben wir 2009 das letzte Jahr mit Borussia Dortmund. So soll es natürlich nicht sein.

Ungewohntes Bild im Norden des Westfalenstadions: Der Gästeblock war diesmal komplett schwarzgelb. Und die Performance der „Auswärts“-Fans war ganz ansprechend. Sah ganz nett aus, als alle mal gleichzeitig hoch hüpften, obwohl das Spiel alles andere als Anlass zu Frohsinn gab. Waren aber ein bisschen wenig Fahnen und Doppelhalter dabei. Mensch Leute, der BVB erlaubt Auswärtsfans seit dieser Saison alles. Das nächste Mal bitte dran denken.

Sebastian Kehl
Sebastian Kehl

Zum Spiel: Diesmal wäre es so wichtig gewesen, das frühe Tor, das uns die Borussenspieler sowohl gegen Bremen, als auch gegen Leverkusen und Bayern München beschert hat. Und dass dann eher für ein Einstellen aller fußballerischen Tätigkeiten sorgte, als für Sicherheit. Aber gegen die zunächst nur defensiv agierenden Cottbusser wäre es schön gewesen, relativ früh die Weichen auf Sieg zu stellen. Stattdessen ließen die BVB-Abwehrakteure nach etwa einer Viertelstunde die ziemlich schnellen Stürmer von Energie immer wieder passieren. So entstanden Cottbusser Chancen.

Warum die Dortmunder Viererkette so merkwürdig an ihr Tagwerk ging, das wird wohl das Geheimnis der Akteure bleiben. Patrick Owomoyela wollte man immer wieder zurufen: Das ist nicht Ribery, der da gegen dich anläuft. Und Neven Subotic und Felipe Santana fielen mehr durch Lethargie und Schlafmützigkeit auf, als durch ihr sonst so beherztes Eingreifen und Vereiteln von Chancen. Sogar der sonst zuverläsige Young-Pyo Lee war diesmal alles andere als fehlerfrei. Als dann auch noch Ervin Skela die gute alte kurze Ecke aus der Mottenkiste holte und kein BVB-Defensivkünstler den Trick mitbekam, war es passiert. Kurze Ecke, Ball sofort zurück auf Skela. Der schnibbelte den Ball einfach mal Richtung Tor, traf den Pfosten, von da auf den Cottbusser mit dem lustigen Namen Cagdas. Der drosch aus kurzer Distanz ins Netz. Kevin-Prince Boateng sprang zwar noch dazwischen, berührte den Ball, konnte die Richtung aber nicht entscheidend ändern. 0:1. Toll, genau das, was nicht passieren durfte.

Nach dem Ausgleich
Nach dem Ausgleich

Nun folgten die besten zwei Minuten des BVB. Tamas Hajnal hatte keinen Bock auf Rückstand und dribbelte sich durch Cottbus. Flanke rein, aber Subotic segelte am Ball vorbei und landete statt des Spielgeräts selbst im Netz. Kurz darauf Ecke. Torschütze Cagdas war anscheinend so sehr über die Genesung von Sebastian Kehl erfreut, dass er ihn drücken und knuddeln wollte. Der Dortmunder fand das gar nicht toll und fiel hin. Schiri Sippel zeigte auf den Punkt. Alex Frei verwandelte sicher zum 1:1. Immerhin der schnelle Ausgleich. Aber irgendwie wurden Erinnerungen an das Heimspiel gegen Bochum und gegen Hannover wach. Da lief es ähnlich. Und es blieb am Ende beim 1:1.

Von den Rängen kamen beim Halbzeitpfiff erstaunlich wenige Pfiffe. Der Support war insgesamt ok. Da hat man im Westfalenstadion schon mal schlimmeres erlebt bei solch mittelmäßigen Leistungen. Die sich übrigens im zweiten Durchgang nicht wirklich besserte. Der wieder erstarkte Weide rettete uns den Punkt, so bitter das klingt. Denn die Cottbusser waren immer gefährlich, wenn sie vor unserem Tor auftauchten. Was man von unseren Stürmern nicht behaupten konnte. Der fleißige Nelson Valdez agierte mal wieder etwas unglücklicher, der eingewechselte Mohamed Zidan wie so häufig zu eigensinnig und Alex Frei zu glücklos. Sein feiner „Torschuss“ im Flug hätte gesessen, wenn Gerhard Tremmel, leider einer der Besseren seiner Zunft, nicht großartig pariert hätte. Und dass Sebastian Kehl kein Stürmer ist, bewies er mit einem Schüsschen aus aussichtsreicher Position. Vielleicht hätte er Hajnal, der auch einschussbereit war, den Ball überlassen sollen.

Lee
Lee

Etwas ungewöhnlich mutete dann eine Aktion von Jürgen Klopp an, der pünktlich zur 90. Minute noch Kullamnn für Hajnal einwechselte. Man muss davon ausgehen, dass er sich beim vierten Offiziellen erkundigte, ob es noch Nachspielzeit gab. Zwei Minuten waren angezeigt. Von denen aber effektiv vielleicht fünf Sekunden Fußball gespielt wurde. Der Rest war Pause. Die Cottbusser begannen schon ab Minute 80 das Spiel ziemlich geschickt zu verzögern. Statt Sturmlauf gab es nur Spielunterbrechungen. Und als Young-Pyo Lee, der sich seinen Spitznamen Bruce nun redlich verdient, mit einem Karatesprung an den Ball wollte, dabei aber leider einen Gegner traf, sah er auch noch die Rote Karte. Kann man sicherlich geben. Zu gute halten muss man unserem Südkoreaner aber, dass er tatsächlich nur an den Ball wollte, den sogar schon gestoppt hatte, bis seine Stollen den Oberkörper des Cottbussers trafen. Was dem Lausitzer mit Sicherheit weh tat. Nicht nur deshalb ist nicht damit zu rechnen, dass der DFB Lee keine Absicht unterstellt und ihn eventuell sogar freispricht. Es werden wohl die üblichen zwei Spiele Sperre werden. Der Cottbusser Spieler wurde daraufhin behandelt, die Sekunden verstrichen. Schließlich sprintete er wieder quicklebendig auf den Platz. Schiri Sippel pfiff zwar irgendwann noch mal an, wertete aber die Unterbrechung anscheinend als aktiv gespielte Fußballzeit und beendete das Spiel. So blieb uns am Ende ein Punkt, über den wir uns nicht mal beschweren dürfen. Vielleicht dann schon eher über die ein oder andere merkwürdige Entscheidung des Schiris, der einem Cottbusser für eine Tätlichkeit an Nelson Valdez nur gelb zeigte.

Die Stimmung auf der Südtribüne war für ein Kracher-Spiel wie dieses recht ordentlich. In der Mitte der zweiten Hälfte ebbte die Stimmung ab und man harrte des Punktes, der da kommen möge. Einziges akustisches Ausrufezeichen waren dann noch die „Wir wolln den Derbysieg!“-Sprechchöre nach dem Abpfiff. Hoffen wir, dass die Spieler es verinnerlichen. Mit einer Leistung wie der gegen Cottbus wird das allerdings nix am Freitagabend!

Aufstellungen:

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Felipe Santana, Y.-P. Lee - Kehl - Tinga (64. Kringe), K.-P. Boateng - Hajnal (90. Kullamnn) - Frei, Valdez (74. Zidan)


Energie Cottbus:
Tremmel - Radeljic, Cagdas, Cvitanovic, Ziebig - T. Rost - S. Angelov (80. Rajnoch), Skela (87. Pavicevic), Iliev (71. D- Sörensen) - Rangelov, Jula

Tore:

0:1 Cagdas (31., Linksschuss, Vorarbeit Skela)
1:1 Frei (36., Foulelfmeter, Rechtsschuss, Kehl)

Die Fotostrecke zum Spiel gibt es auf unserer Fotoseite.

geschrieben von Jakob / DvB

Fotostrecke BVB - Energie Cottbus, Generation WS

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