Spielbericht Profis

Viel Tempo an der B1

19.10.2009, 11:56 Uhr von:  Redaktion Steph
Viel Tempo an der B1
Barrios ist jetzt grandios

Tempofußball, Tempo-Taschentücher, temporäre Aussetzer. Das Nachbarschaftsduell an der B1 hatte den 72.500 Zuschauern im Dortmunder Westfalenstadion gestern Nachmittag einiges zu bieten.

Der Bochumer Anhang, geschätzte 3.000 VfL Fans hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, präsentierte gleich zu Beginn sein neues Multifunktionstrikot - von Nebenlschwaden und einer kleinen Pyroshow begleitet. Schlicht in den Vereinsfarben von 1848 gehalten, maßgeschneidert in der "Away" Edition (Größe S).

Die variable Einsetzbarkeit (auch gegen eigene Abwehrspieler, Altinternationale, WM-Teilnehmer, Torhüter, Trainer und Vorstandsmitglieder) und die geringen Kosten der Umrüstung sprechen für dieses Trikot. Hinter vorgehaltener Hand wurde bereits über die Kosten der Markteinführung spekuliert. Vergleichbare Pre Sales-Aktivitäten des VfB Stuttgart werden in Fachkreisen mit 35.000 € veranschlagt.

der sponsor freut sich
der sponsor freut sich

Auf dem Rasen dann der BVB von der ersten Minute an ganz klar tonangebend. Der BVB wirkte lauffreudiger, variabler, temporeicher und bissiger in den Zweikämpfen. Das verwunderte einige Beobachter dann doch. So zaghaft hatte man sich den VfL beim B1-Rivalen nicht vorgestellt. Mit dem 1:0 in der 20. Minute (Lucas Barrios mit gutem Zweikampfverhalten und toller Drehung am Mann. Mit schöner Vorarbeit durch Kuba, der dem langsamen Fuchs einfach weggelaufen war) war man zum Halbzeitpfiff noch gut bedient. Lediglich eine Torchance hatten sich die Bochumer erarbeitet (35. Minute, dicke Chance durch Klimowicz).

Der VfL wirkte in diesem ersten Durchgang völlig überfordert. Ungefähr die Hälfte dieser ersten Halbzeit durfte auch der noch überfordertere Christian Fuchs auf Seiten der Bochumer mitwirken, seine Leidenszeit endete bereits nach 25 Minuten.

Gegen alle Stadionverbote!
Gegen alle Stadionverbote!

Sollte der VfL mit guten Vorsätzen und Tatendrang aus der Halbzeitbesprechung gekommen sein (wovon ich an dieser Stelle nicht ausgehe), so wurden Planungen und Bemühungen bereits nach fünf Minuten über den Haufen geworfen. Die Abteilung Tiefschlaf hatte in der 51. Minute beim VfL das Ruder wieder fest in der Hand. Der BVB mit dem 2:0 durch eine Standardsituation. Flanke Dede, toller Kopfball von Neven Subotic. Das war zu diesem frühen Zeitpunkt die Vorentscheidung. In den folgenden 30 Minuten hätte der BVB durchaus was für die angekratzte Tordifferenz tun können, scheiterte aber an eigenen Unzulänglicheiten und einer eher suboptimalen Chancenverwertung. Der VfL mühte sich derweil, mit elf Mann (also ohne Fuchs), redlich um Schadensbegrenzung - mit einem einzigen Lebenszeichen durch Klimowicz in der 81. Minute. Das war es dann auch schon.

Der guten Stimmung auf Dortmunder Seite tat das keinen Abbruch. Die Südtribüne feierte die zweite Halbzeit mit richtig ausgelassener Stimmung, feinem Humor und einer schönen Portion Kreativität. "Ihr habt bezahlt, ihr könnt jetzt gehen", "Die graue Maus geht jetzt nach Haus" - begleitet von Tausenden Papiertaschentüchern. Unglaublich viel Tempo an der B1.

Jubel vor der Südtribüne
Jubel vor der Südtribüne

Kurzes Fazit: Das war zu keiner Zeit ein Duell auf nachbarschaftlicher Augenhöhe. Gegen einen erschreckend schwachen VfL war dieses 2:0 hochverdient. Auf Borussia wartet in der kommenden Woche ganz sicher ein anderer Gegner. Allerdings hat man beim Tabellenführer Leverkusen auch nichts zu verlieren. Weitaus dramtischere Probleme hat man zur Zeit an der Castroper Straße. Ohne Umschweife und lange Rede: So steigt der VfL am Ende der Spielzeit ab.

Das Spiel in der Statistik:

Borussia Dortmund: Weidenfeller, Subotic, Hummels, Dede, Owomoyela, Sahin, Valdez (46. Le Tallec), Kuba (85. Großkreutz), Bender, Zidan (78. Schmelzer), Barrios

VfL Bochum: Luthe, Maltritz, Fuchs (25. Mavraj), Pfertzel, Yahia, Dabrowski, Freier, Grote (57. Sestak), Azaouagh, Epalle (71. Hashemian), Klimowicz

Drin - 2-0
Drin - 2-0

Tore:

1:0 Lucas Barrios (20. Minute / Vorarbeit Kuba)

2:0 Neven Subotic (51. Minute / Vorarbeit Dede nach Standardsituation)

Gelbe Karten:

Valdez (30. Minute)

Sahin (72. Minute)

Azaouagh (29. Minute)

Mavraj (50. Minute)

Dabrowski (53. Minute)

Epalle (54. Minute)

Die Noten:

Barrios im Zweikampf
Barrios im Zweikampf

Weidenfeller – selten geprüft, konnte in der zweiten Halbzeit das Spiel teils aus der Mitte der eigenen Hälfte aufbauen. Ohne Gegentor. Note: 3

Subotic – hinten sicher, mit großartiger Grätsche gegen den enteilten Klimowicz. Vorne endlich wieder mit einem Tor. Note: 2,5

Sahin – die meisten Ballkontakte. Konnte dem Spiel jedoch nicht seinen Stempel aufdrücken. Einige feine Pässe in die Spitze waren trotzdem drin. Note: 3,5

Valdez – sichtlich erschöpft von der Länderspielreise. Bemüht. Zur Halbzeit gegen Le Tallec raus. Note: 4

Zidan – der Spielgestalter im neuen 4-2-3-1 System. Präsent, mit vielen guten Ideen. Hätte in der 19 Minute entschlossener handeln müssen. Wartet zu lange mit einem Abschluß oder Pass auf Sahin. Trotzdem: Der Ägypter war der Erfolgsgarant gestern. Note: 2,0

Hummels – in der Viererkette deutlich besser aufgehoben. Unaufgeregt und souverän. Eine kleine Nachlässigkeit gegen Klimowicz. Note: 3,0

Erstes Profispiel für Damien Le Tallec
Erstes Profispiel für Damien Le Tallec

Kuba – die Geheimwaffe. Läuft es beim Polen, ist das Dortmunder Spiel unberechenbar. Spielte Fuchs früh schwindelig und in die Kabine. An beiden Toren entscheidend beteiligt. Note: 2,5

Dede – spielte in der Defensive stoisch seinen Stiefel runter. Wenig Akzente nach vorne. Mit schöner Vorarbeit zum 2-0. Note: 3,0

Barrios – endlich angekommen. Immer anspielbereit, kann mit wenigen Ballkontakten gefährliche Situationen einleiten. Zweites Ligator in Folge. Note: 2,0

Bender – 83% gewonnene Zweikämpfe sprechen eine deutliche Sprache. Für seine 20 Jahre extrem abgeklärt. In dieser Form ein guter Kehl-Ersatz. Note: 3,0

Owomoyela - hinten meist sicher, aber auch wenig gefordert. In der zweiten Halbzeit mit einigen gelungenen Offensivaktionen. Note: 3,0

Le Tallec – Der Debütant gab in den ersten Minuten Vollgas , verzog kurz nach der Halbzeit leider aus aussichtsreicher Position. Wirkte zum Ende des Spiels ein wenig platt. Trotzdem ein zufriedenstellender Einstand des Franzosen. Note: 3,5

Die Pressekonferenz:

Wie lange noch?
Wie lange noch?

Frank Heinemann: Ich bin maßlos enttäuscht. Wir haben in der ersten Halbzeit extrem viele Fehler gemacht, hatten unglaublich viele Ballverluste. Wir konnten in keiner Phase an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen. Da wurden noch so leichte Bälle abgegeben. Das geht so nicht. Das haben wir auch in der Halbzeit angesprochen. Wir hatten uns in der Kabine für den zweiten Durchgang viel vorgenommen. Wir wussten auch, dass der BVB stark bei Standards ist. Und genau aus so einer Standardsituation bekommen wir nach fünf MInuten das 2:0. Da war die Sache fast gelaufen. Wir haben überhaupt nicht mehr ins Spiel gefunden. So können wir ganz einfach nicht auftreten. Ich bin maßlos enttäuscht und werde auch sicherlich nicht gut schlafen.

Jürgen Klopp: Wir sind sehr dominant aufgetreten und haben sehr gut ins Spiel gefunden. Hatten sehr viele Balleroberungen. Daraus resultierend haben wir uns auch viele Chancen erarbeitet. Vielleicht hätten wir 1-2 Tore mehr machen müssen. Trotzdem, die Mannschaft hat das gut gemacht. Was der Kuba in der ersten Halbzeit auf der rechten Seite veranstaltet hat.

Das war heute alles andere als perfekt, aber es war mit Leidenschaft. Deshalb sind wir zufrieden und werden ganz in Ruhe an uns arbeiten.

Weitere Stimmen:

Subotic: Jetzt hab ich mal wieder angefangen. Heute das erste Tor und in den nächsten Spielen dann wieder das zweite Kopfballtor.

Besonders freut mich, dass wir heute mal wieder überzeugend gewonnen haben und dass wir mal wieder zu Null gespielt haben. Als Verteidiger ist das gut. Das Größte war auch, dass wir zwei Tore gemacht haben, was wir in dieser Saison sonst noch nicht gemacht haben. Wir haben uns selbst jetzt gezeigt, dass wir das können. Das ist super. Das Selbstvertrauen, das wir uns heute erarbeitet haben, müssen wir mit in die nächsten Spiele nehmen.

Wir sind mit dem Sieg nicht richtig in der Saison angekommen. Wir sind die ganze Zeit schon da. Wir haben uns vielleicht etwas versteckt. Bisher haben die Punkte gefehlt. Wir sind immer noch in der zweiten Tabellenhälfte und haben noch genug Arbeit vor uns.

Solange ein Stürmer trifft oder gut gespielt, ist das für mich das Wichtigste. Lucas hat heute gut gespielt, getroffen und den Ball für uns gehalten. Er hat seine Arbeit für uns erledigt. Super.

Starker Kehl-Vertreter
Starker Kehl-Vertreter

Bender: Natürlich macht es mir Spaß, hier zu spielen. Für mich ging ein Traum in Erfüllung für diesen Verein zu spielen. Es war erst mein drittes Spiel über 90 Minuten, mit jedem Spiel wird es wirklich geiler, muss ich sagen. Ich nutz jetzt einfach die Chance in den nächsten Wochen. Ich denke bei soviel Verletzten ist es einfach wichtig, dass Du Woche für Woche ne ordentliche Leistung bringst und Dich anbietest. Alles andere werden wir dann sehen.

Die Umstellung zum 4-2-3-1

Natürlich hatten wir viele verletzte Spieler und deswegen denke ich, dass es mit Nuri und mir gut funktioniert hat. Wir haben eine gute Abstimmung gehabt, wer geht mit, wer lässt sich ein bißchen fallen. Wir haben ganz gut harmoniert. Man sieht das ja im Training schon, wer wie trainiert und so. Das haben wir alles besprochen, deswegen war es für heute kein Problem.

Über seine Ruhe auf dem Platz

Was heißt Ruhe? Da waren noch Fehler dabei, wo ich dann eben noch mehr Ruhe brauche. Das nehme ich mir dann vor für die nächsten Wochen, dass ich noch dazulerne.

Über die Situation am Ende des Spiels

Wenn Du bei Klimos Pfostentreffer das 2-1 kriegst, sieht es schon ganz anders aus. Aber da hatten wir vielleicht mal etwas Glück.

Mann des Tages
Mann des Tages

Zidan: Wir sind gut ins Spiel gekommen. Wir hatten den Willen, heute zu gewinnen. Wir wollten die 3 Punkte in Dortmund behalten. Wir haben uns deswegen jeden Tag seit dem Spiel gegen Gladbach auf das Spiel konzentriert. Der Sieg heute macht den Sieg gegen Gladbach wertvoll. Das haben wir uns heute verdient. Jeder Spieler hat auf dem Platz 100% gegeben. Deswegen haben wir gewonnen.

Wir haben auch Anfang der Saison gut gespielt. Da hat es dann manchmal einfach nicht ganz geklappt. Wir haben immer an uns geglaubt, und alles gegeben. Wir wußten, dass wir irgendwann kommen werden und unser Sieg gegen Gladbach war wichtig. Jeder Spieler muss alles geben und das haben wir heute gezeigt. Trotz der Verletzungen von Stammspielern wie Kehl, Hajnal und Tinga. Die fehlen uns aber wir haben unter der Woche drüber gesprochen und zueinander gesagt, dass jeder jetzt Verantwortung übernehmen muss. Das haben wir heute getan. Das freut uns alle, dass wir das füreinander tun. Wir kämpfen füreinander und holen gemeinsam den Sieg.

Über Barrios

Das hat ein bißchen gedauert, bis wir uns verstehen konnten. Lucas kann kein andere Sprache als Spanisch. Ich spreche kein Spanisch. Jetzt versteht er besser Deutsch. Er versteht jetzt auch die Anweisungen und sonst verständigen wir uns halt mit Händen und Füßen. Im Fußball gibt es keine Sprachbarrieren. Er sieht mich gut, ich sehe ihn gut. Wir verstehen uns richtig gut auf dem Platz. Wenn er Tore schießt, macht uns das alle glücklich. Das macht die Mannschaft auch einfach stärker.

Zuverlässig gut
Zuverlässig gut
Sahin: Wir haben sehr gut Fußball gespielt, denke ich. Sehr schöne Kombinationen dabei gehabt, aber wenn es sein musste sind wir auch aggressiv in die Zweikämpfe gegangen. Wir wissen, dass wir Fußball spielen können und gegen Gladbach war es einfach so, dass wir den Sieg gebraucht haben, um aus der in Anführungsstrichen Krise herauszukommen. Heute wollten wir nochmal fußballerisch zulegen und das ist uns sehr gut gelungen.


Übers Pressing:

Wir spielen in unserem eigenen Stadion. Und wir wollten mit den Fans im Rücken schon aggressiv nach vorne spielen. In den Situation, wo es möglich ist. Du kannst ja auch nicht 90min gegen eine Wand laufen. Und das ist uns heute sehr gut gelungen, besonders als junge Mannschaft haben wir das sehr gut gemacht.

geschrieben von Rolf / Steph

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