Spielbericht Profis

Heimspiele, die man gewinnen muss

20.09.2009, 13:09 Uhr von:  Nicolai Scherben
Heimspiele, die man gewinnen muss
Wieder nur einen Punkt in Hannoi

Es gibt diese Spiele, nach denen man sich fragt: Wenn man hier nicht gewinnt, gegen wen dann? Diesmal war der Gastauftritt in Hannover solch ein Spiel. Rund 220 Kilometer trennen die beiden Stadien voneinander, davon ca. 180 Kilometer einfach nur die A2 runter. So ist es nicht verwunderlich, dass Dortmund regelmäßig in Hannover ein Heimspiel hat. Ob mit Bus oder Bahn: man ist verhältnismäßig schnell in Hannover, und trotz der umstrittenen Politik des Vereinspatriachens Martin Kind bleiben die Preise für den Gästebereich immer noch tragbar.

So wurde die Südwestkurve wieder in schwarzgelb getaucht, und schon lange vor Spielbeginn, zeigten die Dortmunder gesanglich, dass man bereit war, hier den Ton anzugeben. Zum Aufwärmen präsentierten die Ultras Hannover noch ein Spruchband, um die Mannschaft zu motivieren - zu diesem Zeitpunkt reichlich unorthodox, aber wenn‘s hilft.

Zweifacher Sieg

Einige Fans erlebten wohl bei der Aufstellung eine echte Überraschung. Klopp ließ wieder mit einer Raute spielen, doch rückten Sven Bender für Jakub Blaszczykowski und Mats Hummels für Felipe Santana in die Anfangself. Dazu rotierte Nelson Valdez für Dimitar Rangelov ins Team.

Heimspielatmosphäre im Niedersachsenstadion

Auch Hannover wartete mit einigen neuen Gesichtern auf. So spielten mit Haggui, Rausch, Chahed und den beiden Ivorern Ya Konan und Djakpa fünf Neuzugänge von Anfang an. Bevor es allerdings so richtig losging, wurde eine Schweigeminute für einen kürzlich verstorbenen Fan der 96er eingelegt. Dazu wurden Spruchbänder aufgehangen, die die Verbundheit der Kurve demonstrieren sollten. Sehr schade, dass eine große Zahl an BVB-Fans dabei nicht Besseres zu tun hatte, als gegen Hannover zu pöbeln.

Das Spiel begann durchwachsen mit klaren Feldvorteilen für Dortmund, die sich auch auf den Rängen deutlich machten. Während der Gästeblock teilweise seine Gesänge in das weite Rund schmetterte, konnte man auf der Heimseite zwei Haufen in Ober- und Unterrang beobachten, die völlig unabhängig vom Rest der Tribüne ihr Ding durchzogen. Das war weder laut noch kreativ, sondern für ein Heimspiel einfach nur ein Armutszeugnis. Bis zur 8. Minute mussten die Fans warten, ehe Dortmund das erste Mal gefährlich vor das Tor kam, doch Sahin gegen den sehr starken Fromlowitz vergab.

Sven Bender stand in der Startelf

In der 22. Minute war es dann soweit: Der BVB bewies sich als guter Gast und nahm das Gastgeschenk von Haggui in Form von Valdez und Tinga nicht an. Wenn zwei sich streiten, knallt man den Ball halt ins Nirwana. Irgendwie bezeichnend für die bisherige Saison. Eine Minute später nahm Zidan dann einen Verteidigungsfehler gerne mit, spielt von links quer in den Strafraum doch Fromlowitz rettet spektakulär gegen Hajnal. Dortmund nun überlegen, doch wie so oft will das Tor nicht fallen. Zwischendurch zeigte sich auch mal Hannover durch einen Fernschuss von Buggink und eine Ecke, die Haggui völlig freistehend aber daneben köpfte.

In der 34. Minute kam dann Schmelzer für den angeschlagenen Dede ins Spiel. Vier Minuten später ließ Weidenfeller die erste Unsicherheit erkennen, indem er einen Fernschuss aus über 20 Metern nur unkontrolliert zur Ecke abwehren konnte. Bis zur 45. Minute passierte dann nicht mehr viel. Während viele schon mit Gedanken in der Halbzeitpause waren, schlug Owomoyela gefühlt den 101. Ball hoch und weit nach vorne und irgendwie landet dieser bei Sahin, der von rechts kommend Fromlowitz keine Chance ließ. Schock für Hannover und Party im Dortmunder Bereich.

Aufgrund der klaren Überlegenheit war das Eins zu Null zur Halbzeitpause verdient. Es täuschte aber nicht über Defizite in der Spielgestaltung hinweg, die hauptsächlich durch eine schwache Hannoveraner Abwehr ausgeglichen wurde.

Ausgleich in Halbzeit zwei

Unter mysteriösen Umständen doch im Block

Zur zweiten Halbzeit erblickte dann trotz des Verbotes das Spruchband „Fußball ist kein KINDerspiel – 50+1 muss bleiben“ das Licht der Welt. Warum dieses Spruchband überhaupt verboten wurde, bleibt wohl ein Geheimnis, aber offensichtlich kann man mit öffentlicher Kritik in Hannover nicht umgehen.

Das Spruchband war gerade erst gezeigt, da klingelte es auch schon im Kasten von Roman Weidenfeller. Ya Konan nahm einen Einwurf auf, zieht von rechts in den Strafraum rein und verwandelt in die rechte Ecke. Sicherlich kann man nun über die Torwartecke und ein mögliches Foul an Hummels diskutieren, doch liegt der erste Fehler schon viel früher: Eine Abwehr, die sich von einem schnell ausgeführten Einwurf derart überrumpeln lässt, ist nicht bundesligareif. Während der Bundesligastandardtorjubel abgespult wurde (Hannover ... Dortmund ... danke ... bitte – man kann es eigentlich nicht mehr hören, aber man ist sich außer bei uns wohl nirgends zu doof dafür), bekam der Torschütze noch eine gelbe Karte für den „übertriebenen“ Torjubel vor den eigenen Fans. Eine in dieser Form völlig überflüssige Regel.

Tinga im Luftkampf

Durch das Tor beflügelt legte nun auch die Hannoveraner Tribüne etwas zu und es kam auch dort so etwas wie Stimmung auf. Das HSV erschallte nun in unterschiedlichen Variationen hin und wieder recht laut aus der Heimkurve. Auf dem Platz machten die Roten nun mehr Druck, und in der 60. Minute konnte Subotic nach Hereingabe von Rosenthal gerade so Schlimmeres verhindern. Fünfzehn Minuten später wurde die Dortmunder Abwehr ein weiteres Mal ausgetanzt und Weidenfeller konnte sich in einer eins gegen eins Situation gegen Ya Konan auszeichnen. Kurz danach setzte sich wieder die Hannoveraner in der Dortmunder Hälfte durch, doch die Chancen wurde nun von den Roten leichtfertig vergeben.

In der 77. Minute kam der eingewechselte Kuba nach einem langen hohen Ball nochmal in aussichtsreicher Position an den Ball, doch konnten er diesen leider nicht kontrollieren. Das Spiel wurde nun mit einigen härteren Zweikämpfen hitziger. Auch die Hannoveraner Fans kamen nun in Pöbellaune, werden allerdings dabei vom Gästeanhang im eigenen Stadion gnadenlos niedergesungen. Hätte man mal lieber die eigene Mannschaft unterstützt. In der 79. Minute wechselten dann beide Trainer nochmal (für Valdez kam Barrios), an Niveau gewinnt die Partie allerdings nicht. Kurz vor Spielende verliert Tinga dann in der Vorwärtsbewegung den Ball, doch nach einer Stolper und Ausrutscheinlage mehrerer Spieler beider Mannschaften, kann die die Dortmunder Hintermannschaft dann noch irgendwie den Ball klären. Barrios suchte eine Minute vor Schluss noch einmal den Abschluss, doch auch dieser Ball und die folgende Ecke brachten nichts ein. Die Nachspielzeit wurde dann durch Ballquerschieben der Dortmunder Abwehr verplempert und so endete das Spiel schiedlich friedlich mit 1:1.

Owomoyela gegen Rama

Insgesamt geht das Unentschieden so in Ordnung. Dortmund war in Halbzeit eins bemühter, Hannover war in den zweiten 45 Minuten die gefährlichere Mannschaft. Die Umstellungen in der Startelf hatten wenig sichtbaren Effekt. Während die Abwehr weiterhin anfällig für zielstrebige und konsequent gespielte Angriffe bleibt, fehlte Sven Bender etwas die Bindung zum Spiel. Hätte man die Leistung der ersten Halbzeit beibehalten oder zumindest ein Tor mehr in den ersten 45 Minuten erzielt, wären sicherlich 3 Punkte möglich gewesen. So geht man mit nur 6 Punkten in die beiden wichtigen Spiele gegen Karlsruhe und vor allem das Derby am Samstag. Beide Spiele haben das Potential die Initialzündung zu sein, können aber bei Misserfolg für echte Unruhe im Umfeld sorgen.

Statistik:

Hannover 96: Fromlowitz - Cherundolo, Haggui, C. Schulz, Rausch (46. Rama) - Balitsch - Chahed, Djakpa - Bruggink (50. Rosenthal) - Stajner (78. Krzynowek), Ya Konan

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Hummels, Dede (34. Schmelzer) - Bender - Tinga, Sahin - Hajnal - Zidan (65. Kuba), Valdez (79. Barrios)

Tore: 0:1 Sahin (45.), 1:1 Ya Konan (48.)

Schiedsrichter: Perl (Pullach), Zuschauer: 43.754

Noten:

Hummels stand wieder in der IV

Weidenfeller: 4 – bis zum mitverschuldeten Ausgleich quasi beschäftigungslos, hielt danach aber noch zweimal stark.

Owomoyela: 4 – erneut ohne Dynamik im Spiel nach vorn, hinten allerdings auch ohne größere Böcke.

Hummels: 3 – sicherster Dortmunder Verteidiger, aufgrund des Fouls an ihm ohne Schuld beim 1:1, darf aber gern in einen Freistoß vorn die Fußspitze reinhalten.

Subotic: 3,5 – insgesamt stabiler als zuletzt, hatte aber gegen Rosenthal auch wieder den obligatorischen Bock dabei.

Dede: 3,5 – bis zur Verletzung eher unauffällig, im Spiel nach vorn ähnlich mau wie Owomoyela auf rechts.

Bender: 3 – stark in der Balleroberung, aber auch (noch?) ohne die zündenden Ideen im Spiel nach vorn. Ein ordentliches Bundesligadebüt.

Sahin: 3 – unauffälliger als zuletzt, dafür aber eiskalt vor dem Tor. Neben Hummels der einzige Borusse, der bisher eine stabile Saison spielt.

Schmelzer kam für Dede
Tinga: 4 – zu Beginn stark in der Balleroberung und mit guten Ideen im Spiel nach vorn, ward nach der kläglich vergebenen Großchance aber nicht mehr gesehen.


Hajnal: 4 – siehe Tinga. Zunächst mit guten Akzenten im Spiel nach vorn, später unauffällig wie der Rest der Offensive.

Zidan: 4 – in der ersten Halbzeit agil, stark die Vorbereitung von Hajnals 100%iger vor Fromlowitz. Hat weiterhin zu wenig Ertrag in seinen Aktionen.

Valdez: 4,5 – mit den gewohnten Stärken und Schwächen, darf Tinga aber gern den Torschuss überlassen. Baute ebenfalls im Verlauf der Partie ab.

Schmelzer: 4 – nach vorn noch am Bemühtesten von allen Außenverteidigern, hinten grundsätzlich stabil… Wenn da nicht der Bock beim 1:1 wäre, als er sich ohne Not in die Mitte orientiert und Ya Konan laufen lässt.

Kuba und Barrios: nicht zu bewerten.

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