Spielbericht Profis

Europa ohne uns

24.05.2009, 16:29 Uhr von:  Redaktion
Europa ohne uns
Enttäuschung nach Abpfiff

Wenigstens eine Serie hat auch nach dem Spiel in Mönchengladbach weiterhin Bestand. Mit nahezu bängstigender Sicherheit hat der BVB seit 2003 keinen Matchball mehr verwandelt. Cottbus, Genk, Rotterdam, Olmütz, Udine und jetzt Mönchengladbach - die Serie hält. Borussia kann einfach keine wichtigen Spiele für sich entscheiden. Daran hat sich auch im Jahr 01 der neuen Zeitrechnung unter Jürgen Klopp nichts geändert. Den 100. Geburtstag darf Borussia lediglich auf dem nationalen Parkett feiern.

Der sonnige Samstag hatte für die BVB-Fans recht entspannt begonnen. Bei wunderschönen Sommerwetter waren die Anreisewege zwar sehr voll, aber keineswegs überfüllt. Die Kartensituation in Mönchengladbach hatte wohl viele Supporter abgeschreckt. Die Fahrt an den Niederrhein ohne Karte schien dann doch zu unsicher. Man konnte im Vorfeld machen was man wollte: An Karten aus dem Mönchengladbacher Heimkontingent war nicht zu denken. In Venlo, Heinsberg, Aachen, Viersen und Neuss hatte man sich über Monate auf dieses Endspiel vorbereiten können. Dementsprechend knapp waren die frei verfügbaren Karten. Wie immer wurde der größte Teil der angereisten BVB-Fans über den Bahnhof Rheydt mit Shuttle-Bussen zum Nordpark geleitet. Anders als in den ersten Spielzeiten am Stadtrand von Mönchengladbach klappte das in diesem Jahr sogar recht gut. Um 15:30 Uhr hatten sich knapp 6.000 BVB-Fans im Nordpark eingefunden.

Für die aktiven BVB-Fans war das Ziel klar
Für die aktiven BVB-Fans war das Ziel klar

In der ersten Hälfte konnte man dann ein erschreckend schwaches Bundesligaspiel sehen. Beide Mannschaften agierten übernervös und zerfahren. Die frühe Führung der Bielefelder (gegen Hannover) machte die Mönchengladbacher Borussia noch verhaltener. Teilweise hatte man das Gefül: "Die wollen überhaupt nicht am Spiel teilnehmen, denen reicht ja ein Punkt zum Klassenerhalt." Dieser Marschroute entsprechend hatte Hans Meyer mal wieder auf den Publikumsliebling Marko Marin in der Startformation verzichtet. Borussia musste die erfolgreiche Mannschaft der letzten Wochen auf einer Position verändern. Für den gelbgesperrten Neven Subotic rückte Uwe Hünemeier in die Anfangself. Nach 45 Minuten Kampf und Krampf konnte man lediglich zwei Torchancen auf dem Zettel ausmachen. In der Anfangsphase hatte Nelson Valdez die große Chance zum 0:1 auf dem Fuß. Kurz vor der Pause dann die große Chance für die Heimelf. Dante setzte den Ball allerdings aus kurzer Distanz an den Pfosten.

In der Pause dann Rätselraten bei den Dortmunder Fans. Was ist nur los? Das ist doch nicht die Elf der vergangenen Wochen. Spielwitz? Selbstbewusstsein? Alles nur in Bruchstücken vorhanden. Die Hamburger Führung in Frankfurt (0:1) machte da bereits die Runde. Die Stimmung wurde von Minute zu Minute nervöser. Das darf doch nicht wahr sein. Geht das am letzten Spieltag wieder schief?

Nicht nur Dede geriet ins Straucheln
Nicht nur Dede geriet ins Straucheln

Den nächsten Schock gab es dann gleich im Doppelpack. Das 1:0 für die Hausherren in der 57. Minute. Der aufgerückte Dante konnte beinahe mühelos zum 1:0 vollenden. Besonders bitter: Der ihm zugeteilte Felipe Santana wurde zu diesem Zeitpunkt an der Außenlinie verletzungsbedingt behandelt. Weitere Absprachen in der Hintermannschaft waren offenbar ungehört verhallt.

Fast zeitgleich flüsterte der kleine Mann (knopfförmig) im Ohr weiteres Unheil. Der Zwischenstand aus Frankfurt, der HSV war mit 2:0 in Führung gegangen. Vom BVB-Anhang war in dieser Phase fast nichts zu hören. Die Heimkurve, immer wieder angestachelt von ihrem Oberrang Nord, war ganz klar Herr im Haus. Hannover hatte in der 57. Minute in Bielefeld ausgeglichen, der mögliche Abstieg war am Niederrhein somit in weite Ferne gerückt.

Sieben Minuten später dann das Dortmunder 1:1 durch Kuba. Der junge Pole, an diesem Tag sonst nicht wirklich anwesend, nutzte eine Tiefschlafphase der Mönchengladbacher Hintermannschaft und verwandeltet frei vor Bailly eiskalt zum Ausgleich.

Was dann folgte, lässt auch einen Tag später immer noch viele Dortmunder Borussen rätseln. Zwar hatte die Frankfurter Eintracht mit einem Doppelpack zum 2:2 ausgeglichen, aber mit einem weiteren Tor wäre man doch auf der sicheren Seite gewesen. Ein weiterer Treffer hätte die Tür nach Europa ganz weit geöffnet. Nur noch ein Schritt und die Mannschaft hätte sich für die famose Aufholjagd der Rückrunde selbst belohnt. Mit 61 Punkten hätte man die Partie in Frankfurt komplett ausblenden können.

Nach dem 1-1 war die Welt noch in Ordnung
Nach dem 1-1 war die Welt noch in Ordnung

Diese Reaktion der Mannschaft blieb aus. Völlig unverständlich. Auf den Rängen machte sich lähmende Nervosität breit. Unten auf dem Rasen passierte ja auch nicht mehr viel. Warum setzen die nicht nach? Warum plötzlich so abwartend?Warum machen die jetzt nicht alles klar?Wie steht es in Frankfurt?

In der Nachspielzeit dann die Hiobsbotschaft aus Frankfurt. Der HSV hatte in der 91. Minute den 3:2 Siegtreffer erzielt und somit das Ticket nach Europa gelöst. Lähmendes Entsetzen und Schweigen in der Kurve. Die Reise war zu Ende. Die Zeitmaschine öffnete ihre Türen: "Wir schreiben das Jahr 2003........................"

Auch Statistik muss an diesem Tag sein.

Klopp verabschiedet sich von den Fans
Klopp verabschiedet sich von den Fans

Die Aufstellung:

Borussia Dortmund: Weidenfeller, Kehl, Valdez (78. Minute, Kullmann), Frei, Kuba (70. Minute, Zidan), Dede, Sahin, Owomoyela, Santana, Hajnal (86. Minute, Tinga), Hünemeier

Zuschauer: 54.067 (der Nordpark somit restlos ausverkauft. 6.000 Dortmunder hatten den Weg nach Mönchengladbach gefunden.)

Die Fotos zum Spiel gegen Mönchengladbach findet Ihr auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link.

Stimmen zum Spiel:

Jürgen Klopp

"Wir sind riesig enttäuscht. Trotzdem, was die Mannschaft in der Rückrunde geleistet hat macht mich stolz. Unser heutiges Ziel, Platz 5, haben wir nach diesen 90 Minuten verfehlt. Da macht sich schon Enttäuschung breit. Den Gladbachern möchte ich zum Klassenerhalt gratulieren. Den haben sie sich mit harter Arbeit erkämpft und auch verdient."

Stimmen am Rheydter Bahnhof (BVB-Fans)

"Warum spielen die nicht einfach weiter nach dem 1:1? Da war doch noch alles drin. Verstehe ich nicht. Warum bringt sich die Mannschaft um den eigenen Lohn?"

"Das war der Matchball. Ob das in den nächsten Jahren einfacher wird? Da sind doch noch Mannschaften hinter uns, die garantiert in der nächsten Spielzeit wieder angreifen. Schade, so hätten wir das hier heute nicht aus der Hand geben dürfen. Wir standen doch schon mit einem Fuß in der Europa League."

"So einfach wird es nie wieder. Die Zahlen sprechen da nicht für uns. Wir machen eh schon Verlust. Wie soll jetzt die Mannschaft verstärkt werden? Im Gegenteil, ich sehe da eher einen hochkarätigen Abgang. Hoffentlich verlässt uns der Alex nicht."

Und Alex auch - hoffentlich nicht für immer
Und Alex auch - hoffentlich nicht für immer

"Wer hätte letzte Woche gedacht, dass der HSV zu Hause ausgerechnet gegen den 1.FC K=F6ln patzt? Niemand. So gesehen war das hier heute doch ein Geschenk. Nach der Niederlage in Wolfsburg waren wir doch weg vom Fenster. Wie aus heiterem Himmel kommen wir zurück, nur um dann hier alles zu verspielen. Ich bin nur noch leer und will nach Hause."

"Ich habe gehört, der dritte Treffer der Hamburger war irregulär. Soll Abseits gewesen sein. Egal, hilft uns jetzt auch nicht weiter."

"Hast Du zufällig ne Ahnung, ob der Dursty noch geöffnet hat?"

Die Noten der Spieler

Auf eine Benotung kann man nach diesem Spieltag verzichten. Das würde den Gesamteindruck der Rückrunde schmälern. Rang 6 nach dem 34. Spieltag ist Note genug.


geschrieben von Rolf

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