Spielbericht Profis

Die Messe in der Nachbargemeinde abgehalten

18.04.2009, 23:42 Uhr von:  Redaktion
Die Messe in der Nachbargemeinde abgehalten
Schwatzgelber Jubel in BO

Was für ein Nachmittag. Das Nachbarschaftsduell an der B1 hielt wirklich alles, was es die letzten Wochen versprochen hatte. Beide Mannschaften waren an den letzten Spieltagen in Vorleistung getreten. Das wurde von den Fans umgehend honoriert. Ein ausverkauftes Haus an der Castroper Straße, prächtige Stimmung und in der ersten Halbzeit ein packendes, rasantes Duell.

So voll war es an der Castroper Straße seit Jahren nicht mehr. Die Westtribüne war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Stehplatzbereiche mussten mehrmals aufgefordert werden den nachrückenden Besuchern doch bitte Platz zu machen. Das war in den letzten Jahren nicht immer so. Die drei Siege in Folge haben in Dortmund offenbar Lust auf Mehr geweckt.

Über weite Strecken der ersten Halbzeit war es ein packendes und richtig gutes Nachbarschaftsduell. Von Beginn an gab es Chancen im Minutentakt. Verpasste Hajnal nach 6 Minuten noch denkbar knapp mit einem eleganten Heber von der Strafraumgrenze, konnte man bereits in der 11. Minute die Dortmunder Führung bejubeln. Owomoyela war bei einer Standardsituation aufgerückt und besorgte so das frühe 0:1.

Der Lärmpegel auf der Westtribüne erreichte da den ersten Höhepunkt. Der Dortmunder Anhang präsentierte sich an diesem Nachmittag bereits früh in absoluter Hochform. Im Stadion konnte man dann bis zur Pause ein packendes Spiel beobachten. Die erste Hälfte war richtig gut. Von beiden Seiten. Bis zur Pause drücke auch der VfL ordentlich aufs Gaspedal.

https://v5.schwatzgelb.de/assets/images/AuffemPlatz/Profis/0809/bo-bvb/2.jpg
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Kurz nach der Pause dann die frühe Entscheidung durch Nelson Valdez - und für diese Entscheidung gab es auf den Tribünen des Ruhrstadions nur ein Wort: Traumtor. Ein Schlenzer aus 17 Metern senkte sich unerreichbar für Fernandes in den Winkel. Von diesem Schock kurz nach der Pause sollte sich der VfL nicht mehr erholen. Dieser Treffer vor der eigenen Kurve zeigte Wirkung.

Der Anhang des VfL hatte im eigenen Stadion nun auch nichts mehr zu bestellen. Die gesangliche Nachhilfestunde des Nachbarn ließ man wie gelähmt und nahezu stumm über sich ergehen.

In der Folgezeit veflachte das Spiel dann doch etwas. Der VfL war zwar weiterhin sehr bemüht, aber in seiner Gesamtheit doch ohne die passenden Mittel gegen spielerisch deutlich überlegene Dortmunder. Nach 90 Minuten konnte man nur ein Fazit ziehen: So dominant und spielbestimmend hat man sich mindestens ein Jahrzehnt nicht an der Castroper Straße präsentiert. Das gilt für Mannschaft und Anhang. Der feierte den ersten Auswärtssieg in Bochum seit zehn Jahren überschwänglich mit lange vermisstem Liedgut.

Gewohntes schwatzgelbes Bild im Gästebereich
Gewohntes schwatzgelbes Bild im Gästebereich

Noch einige Sätze zum Dortmunder Anhang an diesem Nachmittag. Am Bahnhof konnte man nach dem Spiel noch einige bekannte Bochumer Gesichter sprechen.

(Originalton ein)
„So etwas haben wir hier mindestens ein Jahrzehnt nicht mehr erlebt. Vor dieser Lautstärke und Geschlossenheit auf der Westtribüne ziehen sogar wir den Hut. Das hat Gelsenkirchen und Frankfurt distanziert und ordentlich in den Schatten gestellt. Mit Abstand das Beste was die Bundesliga hier in den letzten Jahren abgezogen hat."
(Originalton aus)

Stimmen von der Pressekonferenz

Jürgen Klopp: Das war in der ersten Hälfte eine richtig packende und gute Partie. Da ging auf beiden Seiten die Post ab. Der VfL hat sehr viel investiert. Da wollten und konnten wir gut mithalten. Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt. Gerade in der ersten Halbzeit, durch die tollen Chancen von Tomas Hajnal, hätten wir das Spiel bereits früher entscheiden können. Die zweite Chance war richtig gut herausgespielt. Zu Beginn der zweiten Halbzeit dann das Traumtor von Nelson. Danach hat man das gemerkt, dass dieser Fight beide Mannschaften sehr viel Kraft gekostet hat. Da hätten wir unsere Konterchancen etwas besser ausspielen können.

Klopp hatte gute Laune
Klopp hatte gute Laune

Unseren 10.000 Fans im Stadion wünsche ich eine schöne Heimfahrt. Was da auf der Westtribüne los war. Klasse, was geht da eigentlich an Zuschauern drauf? (mit einem Lachen)

Dem VfL Bochum wünsche ich natürlich weiterhin den Klassenerhalt.

Frage eines Journalisten: „Herr Klopp, Sie haben mit ihrer Mannschaft jetzt vier Mal in Serie gewonnen. Nach diesen ganzen Diskussionen um die zahlreichen Unentschieden - was klappt jetzt plötzlich? Woran liegt es?"

Das ist nicht so einfach auf die Schnelle zu beantworten. Wir haben auch bei einigen Punkteteilungen richtig guten Fußball gespielt. Da fehlte oft nicht viel. Wir haben das aber auch nicht überbewertet. Wir hatten in der Hinrunde auch mit Verletzungen zu kämpfen. In der Rückrunde spielen wir ja fast identisch, haben aber eine etwas andere Mannschaft auf dem Platz. Die Mannschaft hat die Situation verinnerlicht und auch wenn es einfach klingt: Wir haben uns das wirklich ganz fest vorgenommen.

Wie gesagt: Viele Remis waren nicht so schlecht. Wir haben das richtig bewertet und ordnen diese Serie jetzt auch richtig ein.

Koller dafür schlechte Laune
Koller dafür schlechte Laune

Marcel Koller: Glückwunsch nach Dortmund. Wir sind im Moment etwas vom Verletzungspech verfolgt. Auf Dauer können wir das nicht kompensieren. Uns fehlen 5-6 Mann verletzungsbedingt im Kader. Aber wir jammern nicht. In Sachen Kampf und Leidenschaft kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir waren nicht zwingend genug nach vorn. Dortmund hat hinten nicht viel zugelassen. Die stehen defensiv unglaublich gut. Erwischt es uns richtig, hätten die auch schon bis zur Pause wegziehen können. Nach dem Wechsel dann das schnelle Traumtor durch Nelson Valdez. Was soll ich sagen? Letztendlich ist der Dortmunder Sieg verdient.

Die Spielernoten im Überblick:

Weidenfeller: Fehlerfreie Partie ohne große Aufreger auf seiner Seite. 3

Subotic: Präsentierte sich sattelfester als zu Beginn der Rückrunde. Beschreitet mit dieser Leistung auf jeden Fall wieder den richtigen Weg. 3

Kehl: Gemeinsam mit Sahin der beste Dortmunder. War an unglaublich vielen Aktionen beteiligt. Mit den meisten Ballkontakten aller Akteure. 2

Kehl gegen Ono
Kehl gegen Ono
Valdez: Rackerer, Wühler und Schütze eines Traumtores. Das reicht für eine glatte 2


Frei: Nicht ganz so auffällig wie Nelson. Die läuferische Leistung konnte aber über weite Strecken überzeugen. Damit verdient sich Alex eine 3

Kuba: Das war nicht sein Nachmittag. Hatte zwar einige schöne Dribblings auf seiner rechten Seite, aber ab und an lief das Spiel an ihm vorbei. Wirkte dabei manchmal nicht ganz auf der Höhe. 3,5

Dede: Das haben wir nach dem Comeback schon besser gesehen. Ballverluste und nicht so offensivstark wie gewohnt. Das kann der Leonardo viel, viel besser. Hinten brannte nicht viel an. Damit bleibt es bei einer. 3,5

Sahin: Wie bereits mehrfach erwähnt. Blitzgescheit der Junge. So eine Rückkehr aus Rotterdam haben ihm wohl nicht viele zugetraut. In den letzten Wochen einer der Besten in einer von Spiel zu Spiel stabiler wirkenden Mannschaft. 2

Owomoyela: Hinten sicher und früher Schütze zum 0:1. Da gibt es nicht viel auszusetzen. In der Bochumer Drangphase der ersten Halbzeit nicht immer fehlerfrei. 2,5

Santana:Sehr, sehr auffällig in seiner Rolle. Auch wenn es manchmal nicht so rüberkommt. Sehr viele Zweikämpfe gewonnen und sehr präsent in seiner Abräumarbeit. 2,5

Hajnal:Huui - zwei Riesenchancen in der ersten Halbzeit. Wobei er die zweite im Bochumer Strafraum eigentlich mit geschlossenen Augen verwerten muss. Sonst ohne Fehl und Tadel. 3

Tinga, Zidan und Boateng bleiben ohne Bewertung (Spielzeit nicht ausreichen zu bewerten)

geschrieben von Rolf

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