Serie

Pokaltristesse

24.04.2009, 12:47 Uhr von:  Redaktion

Tim WieseNun gut, Pokalspiele ohne den BVB sind für den schwatzgelben Anhang immer etwas wenig prickelnd, aber dennoch dürfte sich so mancher einiges von den beiden Halbfinalbegegnungen Mainz gegen Leverkusen und Bremen zu Gast beim HSV versprochen haben. Vor allem die Partie der beiden Hansestädter lag besonders im Blickwinkel des BVB, da ein Erfolg der Hamburger unter Umständen einen zusätzlichen UEFA-Cup Platz für die Liga hätte bedeuten können. Wer aber rassige und spannende Pokalfights erwartet hatte, wurde schwer enttäuscht. Beide Partien waren in etwa so fad und uninspiriert wie Spaghetti Bolognese als Aufwärmgericht für die Mikrowelle.

Den Anfang machten am Dienstag Jürgen Klopps Ex-Klub FSV Mainz 05 gegen den ewigen Zweiten Bayer Leverkusen. Zweitligist gegen Erstligist, die Favritenrolle war klar verteilt. Unterm Strich zog die Werkself dann auch souverän mit 4:1 ins Finale ein. Davor quälten beide Mannschaften die Fans aber über weite Strecken der 120 Minuten mit Fußball zum abgewöhnen. Die einen wollten, die anderen konnten nicht. Mainz stand tief gestaffelt und wartete auf den einen Moment. Und so fand die Elf von Bruno Labbadia erst nach 70 Minuten zumindest ansatzweise Lösungmöglichkeiten für diesen Abwehrriegel. Das spricht zwar nicht wirklich für den derzeitigen Neunten der Bundesligatabelle, aber auch die Mainzer sollten sich fragen, ob das wirklich das Beste war, was sie geben konnten. Natürlich hatten sie genau mit dieser Taktik eine Runde vorher erfolgreich das Blaukraut ausgeschaltet, aber von einem Aufstiegsaspiranten sollte man mehr erwarten können. Immerhin wollen sie nächste Saison im Oberhaus spielen und dort werden sie mit tief Stehen und dem Warten auf zwei oder drei Kontergelegenheiten allein nichts reißen können. Zumindest von den Spielanteilen her ging das Ergebnis dann unterm Strich auch irgendwo in Ordnung. Souveräner Sieg in einem Spiel, das den neutralen Zuschauer eher zum wegschalten animierte.

PoptownDas zweite Halbfinale versprach dann schon deutlich mehr Spannung - zumindest auf dem Papier. Der Hamburger SV wollte gegen Werder Bremen mit einem Sieg die Derbywochen erfolgreich eröffnen und weiter auf drei Hochzeiten tanzen. Gibt mit Sicherheit Partien, die unspektakulärer klingen. Nach dem Abpfiff musste man allerdings konstatieren, dass das einzig Spektakuläre die drei gehaltenen Elfer vom wieder einmal perfekt gegelten Tim Wiese im Elfmeterschießen waren. Werder Bremen reichte eine, nicht einmal gute, aber zumindest konzentrierte Leistung, um den Regionalnachbarn aus dem Wettbewerb zu schmeißen. Der HSV wirkte von Beginn an ausgelaugt und kraft- sowie völlig ideenlos. Wie man es aber dennoch schaffte, in der zweiten Halbzeit aus dem Nichts den 1:1 Ausgleich zu schießen und sich in die Verlängerung zu retten, bleibt das Geheimnis der nördlicheren Fischköppe. Immerhin zeigte man sich in der Verlängerung etwas engagierter, in der man in Unterzahl sogar die Möglichkeit zum unverdienten Sieg hatte. Vorher hatte Jarolim dem letzten Konter der Bremer kurz hinter der Mittellinie mit einem Check gegen Özil ein ziemlich vorzeitiges Ende gesetzt. Da man aber nicht zwingend vom Unterbinden einer klaren Torchance sprechen konnte, war die rote Karte diskussionswürdig - und zumindest in den Augen des Autoren dieser Zeilen überzogen. Aber da es sich eben beim Bestraften um David Jarolim handelt, ist Mitleid mit dem Spieler völlig unangebracht. Der Unsympath hat schon so viele Unsportlichkeiten begangen, dass es hier nicht einmal für die berühmte ausgleichende Gerechtigkeit reicht. Im Elfmeterschießen spielten die Bremer dann in Person von Pizarro und Frings erfolgreich Ping-Pong mit Frank Rost und dem von ihm bewachten Gebälk, während Tim Wiese im Gegenzug drei nicht einmal wirklich schwach geschossene Strafstöße wegschnappte. Zumindest ein Highlight in einem ansonsten ziemlich belanglosen Derbykick.
Glückwunsch aber schon mal vorab an den DFB-Pokalsieger 2008/2009 von der Weser. Dass Leverkusen ein Finale gewinnt, glaubt wohl niemand ernsthaft.

Fans MainzWas bleibt ist ein Finale, in dem sich Berlin zumindest stimmungstechnisch auf eine mehrere Klassen unterhalb des letztjährigen angesiedelten einrichten darf. Wären die Fluffelwuffel-Mainzer gegen nur sparsam enthusiastische Hamburger schon mit Sicherheit nicht der totale Stimmungsvulkan gewesen, ist Leverkusen gegen Bremen noch die langweiligste aller möglichen Varianten. Die Leverkusener, die zumindest gerüchteweise Rheinländer sein sollen, sind seit eh und je nicht gerade als die Stimmungsgranaten auf den Ligatribünen bekannt, und was Werder so kann, haben die Außenmikrofone des ZDF eindeutig belegt. So von wegen Derby, kochende Emotionen, totaler Hass und so weiter. Stattdessen malträtierte einerseits ein zumindest konditionell ausdauernder, dafür aber mit recht wenig Talent ausgestatteter Sambatrommler mit einer Pauke Marke Eigenbau, andererseits einschläfernder Nullachtfuffzehn-Dauersingsang mit Schubidu-Zugabe die Ohren des neutralen Zuschauers. Ein beeindruckendes Zeugnis der Überflüssigkeit für die mittlerweile standardisierte Praxis der Fernsehanstalten, die Mikrofone fast ausnahmslos vorm Gästesektor zu platzieren. Man war ja fast dankbar, wenn das Gebell eines motivierten Mitglieds der Hundestaffel die Darbietung etwas aufpeppte.

LeverkusenFür Dortmund brachte die Halbfinalrunde zwei Erkenntnisse: Der Einzug in den Europacup muss aus eigener Kraft geschafft werden. Werder machte alle Spekulationen über einen möglicherweise hinzukommenden sechsten Platz zunichte. Aber ok: viel Feind, viel Ehr'. Muss man eben das Blaukraut auf jeden Fall und einen Gegner aus der Gruppe Berlin, Stuttgart und Hamburg aus dem Weg räumen, wenn man die bisher wirklich schöne und mitreißende Saison noch endgültig versilbern will. Dass das so unmöglich nicht ist, zeigte die zweite Erkenntnis: Der HSV ist schlagbar. Die Hamburger wirkten sehr müde und ein Spiel über 120 Minuten, 30 davon in Unterzahl, dürften nicht gerade batterieschonend gewesen sein. Zusätzlich musste der Ex-Dortmunder Mladen Petric verletzt raus und fehlt seinem Verein für zwei bis drei Wochen. Die Herren aus dem journalistischen Bereich dürfen ihre Plattitüde von wegen „Geschichten, die nur der Fußball schreibt" also beruhigt in der Kiste lassen. Spielt man ähnlich konzentriert und sorgsam wie Werder Bremen, ist ein Dreier durchaus drin. Aber dennoch kein Grund zum Übermut. Der HSV läuft Gefahr, innerhalb von vier Tagen von drei möglichen Titeln zwei zu verspielen. Eine Niederlage in Dortmund bei gleichzeitigen Siegen der Münchener gegen die Blauen und von Wolfsburg in Cottbus und die Meisterschalen kann abgehakt werden. Frei nach dem Ebay-Werbespruch: 3-2-1...keins. Man wird an der Elbe also motiviert in die Bierstadt reisen und die Punkte nicht freiwillig da lassen.

Sascha, 23.04.2009

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