schwatzgelber Saisonrückblick

Die vergessenen Jahre Teil 4: Saison 51/52 und 52/53

12.06.2009, 10:19 Uhr von:  CHS
Die vergessenen Jahre Teil 4: Saison 51/52 und 52/53

Der Zweite Weltkrieg war zu Ende und Deutschland auch. Der Sport musste ganz andere Strukturen bekommen. Dieser Text befasst sich mit der Oberliga West, die in der Zeit von 1947 bis 1963 eine regionale Bundesliga war und die Basis für den BVB von heute darstellt. Spieler wie Preißler, Schmidt, Burgsmüller und viele andere brachte diese Zeit hervor. Trotzdem kennt kaum einer diese Liga. In diesen Saisonrückblick beschäftigen wir uns mit der Saison 1951/52 und 1952/53.

Saison 1951/52 - In der Liga unter ferner liefen, aber Schanko überzeugt international

Am ersten August 1951 fand das erste Testspiel unter der Leitung von „Bumbas" Schmidt statt. Gegner war der HSV und es endete mit einem 1-1. Bei der Vorstellung der Neuzugänge Sandmann (Schalke 04), Schlebrowski (Wanne-Eickel), Nipieklo (Castrop 02) und Burgsmüller (Huckarde) verkündete der Vorsitzende Rudi Lückert: „Wir werden im kommenden Jahr keine Stürmersorgen haben."

Vor 35.000 Zuschauern fand am 19.08.51 der Oberligaauftakt gegen Rot-Weiß Essen statt. Durch einen Spielmannszug und Gesangsvereine sorgte man für eine Stimmung à la 50er Jahre. Zweimal gingen die Dortmunder durch Niepieklo und Linneweber in Führung, doch am Ende trennte man sich 2-2.

Am 23.09.51 spielte Deutschland in einem Länderspiel in Wien gegen Österreich. Deutschland gewann mit Erich Schanko mit 2-0. Der Dortmunder überzeugte in seinem zweiten Länderspiel als unermüdlicher Kämpfer. Zu seinem dritten Einsatz kam er im Oktober in Dublin, als Deutschland gegen Irland spielt. Die Iren gewannen 3-2, doch Schanko spielte eine überzeugende Partie.

In der Liga lief es dafür beim BVB nicht rund. Gegen den Tabellenletzten führte der BVB schon mit 2-1, kassierte dann aber ein Eigentor durch Kapitän Koschmieder und verlor dann das Spiel mit 2-3. Der BVB fiel mit 7-11 Punkten auf den 14. Platz zurück. Währenddessen gelang Schanko mit der Nationalmannschaft in Istanbul ein 2-0-Sieg. In der Liga gab es nach drei Siegen in Folge eine 4-5-Niederlage gegen den Meidericher SV. Hoch her ging es beim Auswärtsspiel in Essen. Bei der 2-3 Niederlage verloren die Dortmunder nicht nur das Spiel gegen die Schwarzweißen sondern auch die Nerven. Die Dortmunder attackierten Schiedsrichter Fähnrich, nach dem er bei mehreren umstrittenen Situationen für die Essener beide Augen zugedrückt hat. Zusätzlich schubste der Dortmunder Wieding fünf Minuten vor dem Abpfiff einen Ordner um, damit er das Spiel schnell machen konnte. Dieser revanchierte sich mit K.o.-Schlägen. Ein Protest blieb aber erfolglos. Außerdem hat Max Michallek dem Schiedsrichter eine „Fahne" unterstellt. Dieser hat sich sofort nach dem Spiel eine Blutprobe abnehmen lassen, die negativ ausfiel. Somit musste Michallek wegen Schiedsrichterbeleidigung 100 Mark zahlen.

Damit belegte der BVB den 10. Platz nach Beendigung der Hinrunde. Mit 14-16 Punkten und 35-34 Toren verbot sich ein Blick zur Tabellenspitze. Beim Länderspiel kurz vor Weihnachten in Essen gegen Luxemburg setzte Bundestrainer Sepp Herberger eine verstärkte B-Auswahl ein, bei der Erich Schanko am 4-1-Sieg mitwirkte.

Im neuen Jahr zeigte der BVB am 20.01.52 einen der wenigen Lichtblicke in dieser Saison. Beim Derby konnten die Borussen durch Tore von Schlebrowski und zweimal Flügel einen 3-0-Sieg erringen. Auch am 2. März wollte es der BVB allen zeigen. Gegen Katernberg gewannen die Dortmunder klar mit 9-1. Mit je drei Toren hatten Alfred Niepieklo und Herbert Sandmann den Löwenanteil an dem Sieg. Während Erich Schanko am 20. April in Luxemburg bei der Nationalmannschaft bei seinem 6. Länderspiel weilte (Deutschland gewann 3-0), mussten zur gleichen Zeit die Borussen zu ihrem letzten Oberligaspiel antreten. Im Rückspiel vom Skandalspiel gegen Schwarz-Weiß Essen gewannen die Borussen klar mit 4-1 durch einen entfesselt aufspielenden Linksaußen Flügel.

Eigentlich war geplant gewesen, am 19. April ein Testspiel gegen das französische Team AC Le Havre auszutragen. Der Westfälische Fußballverband stimmte zu und auch der DFB hatte nichts dagegen. Nur der Westdeutsche Fußballverband sah die Möglichkeit, dass dadurch Erkenschwick, die in akuter Abstiegsgefahr waren, geholfen werden könnte und stimmte dem Spiel nicht zu. So schickten die Dortmunder eine B-Elf nach Le Havre, die sich prompt blamierte. Gegen die SpVgg. Erkenschwick gewann der BVB dann mit der A Elf vor nur 6.000 Zuschauern klar mit 3-0 und beendete die Saison auf dem vierten Platz hinter Rot-Weiß Essen, Schalke und Aachen mit 34-26 Punkten und 79-53 Toren. Interner Torschützenkönig wurde Alfred Niepieklo. Einzig Alfred Mikuda nahm an allen 30 Oberligaspielen teil. Im Mai fand für Schanko sein 7. Länderspiel statt. Gegner war in Köln Irland und Schanko überzeugte erneut. Das „Sportmagazin" schrieb dazu: „Schanko, die Zentralfigur der Abwehr".

Saison 1952/53 - 0,24 Tore fehlten dem BVB zum Finaleinzug

Vor 2.000 Zuschauern fand am 29.07.52 das erste Training in der neuen Saison unter „Bumbas" Schmidt in der „Roten Erde" statt. Die Stimmung war gut, bis die Nachricht veröffentlich wurde, dass die Vorsitzenden Lückert und Herres zurück- und gleichzeitig auch aus dem Verein ausgetreten sind.


Am 03.08.52 fand dann ein Testspiel gegen den Grazer AK statt. Mit dabei waren die Neuzugänge Franz Farke (von TSV Detmold), Rückkehrer Adi Preißler (von Preußen Münster) und Torwart Heinrich Kwiatkowski (von Rot-Weiß Essen). Und der BVB gewann klar mit 5-1. Vierzehn Tage später musste der BVB in der 1. Runde des DFB-Pokals bei Concordia Hamburg antreten. Bei der 3-4-Niederlage beim Nordoberligisten zeigten die Dortmunder eine enttäuschende Leistung und schieden verdientermaßen aus.

Eine historische Neuerung gab es ebenfalls in dieser Saison. Im August 1952 fand das erste Fußball-Livespiel im Fernsehen statt. Es war das Spiel Hamburger SV gegen Altona 93. Ab Februar 1953 wurde dann Fußball ein fester Bestandteil im deutschen Fernsehen. Die Vereine kassierten für die Übertragung zwischen 1.000 bis 2.500 DM. Am 29.08.1952 übernimmt Dr. Werner Wilms den Posten des 1. Vorsitzenden. Damit wurden erstmals die Geschicke des BVB von einer Person geleitet, die nicht am Borsigplatz aufgewachsen war. 2. Vorsitzender wurde Egon Pentrup. Weiterhin gehören dem Vorstand Karl Hagedorn (3. Vorsitzender), Werner Bigge (Hauptkassierer) und Heinz Dolle (Fußballobmann) an.

Beim Oberligastart hatte der BVB erhebliche Personalsorgen. Ohne Preißler, Michallek, Sandmann, Erdmann und Halfen reiste man zum Aachener Tivoli. Trotzdem schlugen sich die Dortmunder hervorragend und gewannen durch Treffer von Niepieklo, Farke und Linneweber mit 3-1 bei der Alemannia. Nach 7-1 Punkten zum Saisonauftakt kassieren die Borussen bei ihrem Angstgegner STV Horst eine 2-3-Niederlage im Fürstenbergstadion. Grund dafür war eine erneute Umstellung des Teams. Im Oktober reiste Erich Schanko mit der Nationalmannschaft nach Paris, erhielt aber bei der 1-3 Niederlage gegen Frankreich eine Lehrstunde.

Am 09.11.52 nahm Schanko erneut an einem Länderspiel teil. Diesmal war der Gegner in Augsburg die Schweiz und man gewann mit 5-1. Ein Debüt gaben die späteren Weltmeister Eckel und Schäfer. Am 23. November kam der punktverlustfreie 1. FC Köln in die Rote Erde. Der BVB gewann das Spiel dennoch durch Tore von Schanko und dreimal Kasperski mit 4-2 und ließ die Liga aufatmen. Ganz nebenbei erklomm der BVB mit 19-5 Punkten den zweiten Platz. Die Dortmunder nutzten den Rückenwind und gewannen auch gegen Schwarz-Weiß Essen mit 5-0. Auch im Derby gewinnen die Borussen in der Glückauf-Kampfbahn durch ein Kopfballtor von Adi Preißler mit 1-0. Die Vorrunde endete für den BVB mit einer überraschenden 1-2-Heimspielniederlage gegen den Meidericher SV. Trotz dieser Niederlage blieb die Ausgangslage positiv. Der BVB belegte mit 23-7 Punkten und 43-19 Toren den zweiten Platz und hatte gegenüber Aachen und Meiderich einen 5-Punkte-Vorsprung.

Sieben Tage später fand erneut ein Länderspiel mit Erich Schanko statt. In Ludwigsburg gewann Deutschland gegen Jugoslawien mit 3-2 und Schanko zeigte eine starke, kämpferische Leistung. Nur sieben Tage später fand das nächste Länderspiel mit der gleichen Aufstellung in Madrid gegen Spanien statt und Deutschland erreichte ein 2-2. Der Rückrundenstart am 4. Januar 1952 wurde zu einem Lotteriespiel. Trotz Schnee und Eis erzielte Elwin Schlebrowski mit einem Drehschuss den goldenen Treffer gegen Aachen. Am 21. Spieltag übernahm der BVB die Tabellenführung. Zwar erreichten die Dortmunder nur ein 0-0 in Gladbach, aber zur gleichen Zeit verlor der 1. FC Köln gegen den Meidericher SV. Es folgten dann klare Siege wie das 8-2 auf dem Erkenschicker Stimberg.

In Köln am 22.03.53 fand Schankos 12. Länderspiel statt. Gegner war diesmal Österreich und man trennte sich 0-0. Ein Spieltag vor Saisonende stand Dortmund als Westmeister fest. Hans Flügel erzielte vor 43.000 Zuschauern am 19. April in der 84. Minute das 1-0 gegen die Nachbarn aus Gelsenkirchen und machte so den vierten Meistertitel im Westen perfekt. Sieben Tage später erreichten die Borussen beim Meidericher SV ein 1-1 und beendeten die Saison mit 46-14-Punkten und 87-36-Toren. Die besten Torschützen beim BVB waren Alfred Niepieklo und Franz Farke mit 17 Treffern. An allen 30. Oberligaspielen hatten Ede Kasperski und Alfred Nikuda teilgenommen.

Am 03.05.53 fand das erste Spiel der Endrunde statt. Dort wartete der vermeintlich stärkste Gegner, der VfB Stuttgart. Der BVB gewann in Dortmund diese spannende Partie mit 2-1. Der VfB ging in Führung, zwei BVB-Treffer wurden nicht anerkannt, ehe Niepieklo einen umstrittenen Handelfmeter verwandelte. Den Siegtreffer erzielte Hans Flügel. Nur eine Woche später blieb der BVB ebenso erfolgreich, machte es allerdings genauso spannend. Beim Hamburger SV führte man bis zur 59. Minute mit 2-0, ehe der HSV bis zur 83. Minute das Spiel drehte und das 3-2 erzielte. Zwei Minuten später erzielte Preißler mit einem Kopfball den Ausgleich, bevor Farke nur eine Minute vor dem Ende den 4-3-Endstand erzielte.

Am 17.05.53 kam Union 06 Berlin nach Dortmund. Nach torloser erster Hälfte sorgten Sandmann, Flügel und zweimal Preißler für den klaren 4-0-Heimsieg in der Roten Erde. Das nächste Heimspiel fand eine Woche später gegen den HSV statt. Beim 4-1-Sieg von Borussia Dortmund ging es hoch her. Preißlers 2-1 sorgte für Aufregung, da die Hamburger Spieler behaupteten, dass Schiri Jacobi Abseits gepfiffen hat, bevor der Ball die Linie überschritt. Nach Befragung des Linienrichters wurde das Tor gegeben. Zwar hatten die Hamburger gegen die Spielwertung Protest eingelegt, diese wurde allerdings abgewiesen.

Beim 2-0-Sieg in Berlin mussten die Dortmunder nicht überzeugen. Die ersatzgeschwächte Union 06 Berlin verloren durch zwei Sandmann-Tore. Am 07.06. fand dann ein echtes Endspiel um die Endspielteilnahme um die Deutsche Meisterschaft in Stuttgart statt. Bis zur 70. Minute im Stuttgarter Neckarstadion stand es 0-0, doch Waldner und Baitinger brachten die Schwaben in Führung. Zwar konnte Hans Flügel in der 84. Minute verkürzen, doch am Ende war das zu wenig. Beide Mannschaften hatten 10-2 Punkte, aber der Torquotient (Stuttgart hatten einen Quotient von 2,66 (16-6 Toren) während die Dortmunder 2,43 (17-7) hatten) brachte den Stuttgartern die Endspielteilnahme. Dem BVB fehlten also 0,24 Tore. Auch im Halbfinale des Westdeutschen Pokals scheiterte der BVB denkbar knapp und unglücklich. Beim 1. FC Köln verlor man mit 1-2 nach Verlängerung.

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