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100 Jahre BVB - Der Wildschütz heute

10.03.2009, 14:47 Uhr von:  Redaktion

Die Gaststätte Zum Wildschütz heute - Pommes Rot-WeißOrtstermin bei „Pommes Rot-Weiss“ in der Oesterholzstraße 60. Ein Eckhaus, am Ende der Straße die alte Hoesch-Werkseinfahrt, unweit des Borsigplatzes. Die Gegend atmet Geschichte. Vor 100 Jahren öffneten sich die Türen und man war mitten drin im Wirtshaus „Zum Wildschütz“, dem Gründungslokal der Borussia.

Heute erinnert nicht mehr viel an diesen historischen Ort. Vor einiger Zeit platzierte der Verein eine Plakette mit dem Hinweis auf die Bedeutung dieses Hauses an der Außenwand. Hinter der breiten Fensterfront befindet sich eine große Theke, dahinter ein einladend großer Wirtsraum. Jeden Tag gibt es ein neues Angebot, heute ist Currywurst-Pommes-Tag. Das kommt gerade mal 2 Euro und 80 Cent. Vor der Tür fährt die U44 in Richtung Westfalenhütte.

„Früher“, erzählt Frau Sas, seit 5 ½ Jahren Inhaberin von Pommes Rot Weiss, „früher hat das Werk Sammelbestellung aufgegeben. Da war eine Menge los hier. Aber ich bin nicht unzufrieden. Das Geschäft läuft gut. Ich fühl mich hier am Borsigplatz wohl“.
Gerade erst waren die Regionalmagazine von Sat1 und RTL zu Gast. „Ich konnte es nicht sehen, aber mein Schwiegersohn hat es für mich aufgezeichnet. Sah richtig gut aus“ „Waren die denn wegen der Jubiläumsfeierlichkeiten hier?“ fragen wir. „Nein, am Samstag hat hier Boris Gott das Abschlusskonzert seiner „Pommesbudentour“ gespielt. Von den Jubiläums-Feierlichkeiten merke ich gar nicht so viel. Gleich kommt einer von den Ruhr Nachrichten vorbei. Viel mehr ist nicht“.

Frau Sas beim InterviewFrau Sas sitzt am Tisch, spricht ruhig und bedächtig. Hinter ihr hängen einige Fan-Devotionalien aus der jüngeren Vergangenheit. Mannschaftsposter früherer Meistermannschaften hier, ein Schal dort. Einige Trikots zieren den spartanischen Gastraum. „Die hat mir Frau Kritzler von den „Borsigplatz Verführungen“ besorgt“. Einmal im Jahr, berichtet sie weiter, kämen die Borussen hier vorbei und feiern ihr Jubiläum. Doch in diesem Jahr sei alles anders. Die großen Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum sind in die Dreifaltigkeitskirche verlegt worden. „Wir werden aber dort sein, nicht als Gäste, sondern weil wir unsere Wurst dort verkaufen werden“. Immerhin.

„Einmal sollte ein Spieler hier vorbeikommen, aber der ist dann nicht aufgetaucht. So eine echte Verbindung zu Borussia Dortmund besteht da nicht. Mein Mann wollte die ganzen Sachen einmal von der Wand nehmen, aber ich wollte sie dann doch lieber dran lassen. Es ist ja schon ein geschichtsträchtiger Ort. Als Kind hab ich erst in Eving gewohnt, doch die Feierlichkeiten am Borsigplatz wollte ich mir nie mehr entgehen lassen. Seit 1966 wohne ich deshalb hier in der Dürener Straße, nur zwei Häuser weiter“.

Frau Sas beim Interview1937 wurde Die Weiße Wiese, der vereinseigene Sportplatz des BVB, von den Nazis für den Bau des Hoeschparks zwangsenteignet. Neue Spielstätte wurde das Stadion Rote Erde im vornehmen Dortmunder Süden. Hier im Norden wirkt es beinahe so, als ob der Verein sämtliche Verbindungen zur seiner Vergangenheit gekappt hat. Draußen nieselt es, ein paar Schulkinder sitzen an den Tischen, essen Pommes und trinken eine Cola. Arbeiter machen Mittagspause. Die Nationen der Nordstadt vereint. „Ich verkaufe Pommes, Currywurst und Hähnchen. Die Türken verkaufen Döner, die Italiener Pizza. Ich wurde schon ein paar Mal gefragt, warum ich keinen Döner verkaufe. Wieso sollte ich? Das machen die Anderen ja schon. Ich halte mich an das, was ich kann. Reich werden kann und will ich auch nicht, ich bekomme schließlich meine Rente. Habe 20 Jahre in der Klinik gearbeitet. Deswegen kann ich auch die Preise so niedrig halten“.

Vom alten Wirtshaus „Zum Wildschütz“ ist leider nichts mehr erhalten geblieben. Der Versammlungsraum in der ersten Etage ist jetzt eine Wohnung. Auch wenn das Haus im Krieg verschont geblieben ist, ziehen 100 Jahre nicht spurlos an einem Gebäude vorbei. Doch die Sas‘ haben etwas aus der ehemaligen Gaststätte gemacht. Sie erinnert an eine andere Zeit, sie erinnert an Borussia, die große Zeit von Hoesch und riecht nach Arbeit. Manchmal kommt ein Fernsehteam, noch seltener jemand vom BVB.

Der Imbissbereich„Ich hab hier genug Platz und auch samstags ab 12 Uhr geöffnet. Gerne können die Fanclubs hier vorm Spiel vorbeischauen und sich stärken. Bei 'ner Currywurst-Pommes und einem Pils in den Gründungsräumlichkeiten unseres Vereins, am Borsigplatz, nahe dem Hoesch-Museum. Sie sollten sich allerdings einen Tag vorher telefonisch ankündigen“, lädt die sympathische Inhaberin die auswärtigen Fanclubs auf ihrer Fahrt zu den Heimspielen in den Norden unserer Stadt ein.

Ein Ausflug dorthin lohnt sich allemal. Die Pommes sind knusprig, das Paprikapulver klassisch und auch die Mayonnaise schmeckt wie früher, als am Ende der Straße noch die Werkstore waren und die Arbeiter ihre Sammelbestellungen einreichten. Und die U44 noch als 404 von Marten über die Rheinische durch den Stadtkern zur Westfalenhütte rollte.

Steph, Peter, 10.03.2009

Fotostrecke - So sieht der ehemalige Wildschütz heute aus:

Das Gebäude des ehemaligen Wildschütz von außen.

Aussenschild an der Gaststätte

Ansicht des Gastraums

BVB Fanartikel an der Wand

Inneneinrichtung mit BVB-Erinnerungen

Fahne Borussia Dortmund

BVB-Trikot an der Wand

Der Imbiss "Pommes-Rot-Weiss"

Currywurst Pommes

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