Warmlaufen

Geschichten von Opa Aki oder Ende einer Siegesserie

07.11.2008, 07:38 Uhr von:  Redaktion

Watzke erzählt...Aki ist ein gutmütiger Großvater. Gern versammelt er seine zahlreichen Enkel um sich, um ihnen Geschichten zu erzählen. Geschichten von seinem Lieblingsverein: dem Ballspielverein Borussia Dortmund 1909. Heute berichtet er den kleinen Steppkes von einer ganz besonderen Siegesserie des BVB. Beim HSV. Und wie sie plötzlich abriss.

Tohuwabohu im Hause Watzke. 15 Jungs in kleinen BVB-Trikots, Größe XXS, toben durch alle Räume. In der Esszimmerecke balgen sich Mats und Neven um den letzten Jaffa Cake mit Orangengeschmack. „Ruhig, Jungs, ich habe noch eine Packung“, sagt Opa Aki. Neven schaut erfreut auf. Und schon hat ihm Mats den letzten Keks weggerissen und verputzt. „Ich will noch einen Kakao“, quengelt Sebastian, der gerade wild in Opas Fernsehsessel rumhüpft. „Und ich will Gummibärchen“, schreit Florian und versucht Kuba zu erwischen, der ihm gerade das letzte Weingummi geklaut hat. Jakub ist aber zu schnell für ihn. In seiner Wut reißt Florian eine Vase um. Opa Aki bekommt sie gerade noch zu fassen, bevor sie zu Boden fällt.

„Kinder, nun seid mal alle ruhig, ich will euch etwas erzählen“, ruft Aki und trägt ein großes Tablett mit Kakaobechern und Knabbereien heran. „Au ja“, flitzt der kleine Mohamed herbei. „Her mit den Salzstangen.“ „Setz Dich neben mich“, ruft Nelson. Aki schart nun alle seine Enkel um sich. „Setzt euch alle mal auf den Boden vor meinen Sessel.“ Nach und nach tapsen alle Van der Vaart und Hummles werden am Samstag fehlenSteppkes herbei und setzen sich, blicken mit großen Augen nach oben. „Alex, komm mal näher zu uns. Du sitzt da so im Abseits“, sagt der gutmütige Opa. „Stimmt doch gar nicht, ich sitze gut hier“, lamentiert Alex und setzt sich nur widerwillig um.

„Was willst Du uns erzählen, Opa?“, fragt Robert. „Eine tolle Geschichte über unseren Lieblingsverein. Und wie wir immer gegen einen Gegner gewonnen haben.“ „Au ja“, ruft Sebastian. „Die Geschichte vom 12.Mai 2007.“ Aki schüttelt mit dem Kopf. „Nein, heute mal nicht.“ Romans Miene verfinstert sich. „Aber bitte keine andere Geschichte über die Blauen. Die sind sonst alle doof.“ Aki streichelt dem Jungen mit dem Torwarttrikot über den Kopf. „Nein, heute geht es um Hamburg.“ Mohamed guckt etwas erschrocken. „Na toll. Die finde ich aber doof.“

Nach einigen Minuten sind schließlich alle Kinder ruhig und Aki beginnt. „Es ist die Saison 2001/2002. Der BVB liegt auf dem 2. Tabellenplatz.“ „Boah“, ruft Young-Pyo mit großen Augen. „Das ist weit oben.“ „Genau“, sagt Aki. „Und es sollte noch besser werden. Nach tollem Kampf gewann der BVB in Hamburg mit 4:3.“ Die Augen der Jungen werden größer. „Echt?“, ruft Florian und nimmt einen riesigen Schluck Kakao. Nicht sein erster, wie die braunen Ränder um seinen Mund beweisen.

Dede ist auf dem Weg der BesserungAki erzählt weiter. „Eine Woche später war Dortmund dann Deutscher Meister. Und die Hamburger hatten irgendwie Respekt vor uns.“ „Ist das heute auch noch so?“, will Tamas wissen. „Moment, warte es ab. Ich erzähle es euch.“ Marcel und Bajram hüpfen auf Akis Knie, einer sitzt auf dem rechten, der andere auf dem linken. „Eine Saison später spielten wir zweimal 1:1 gegen den HSV. Wir haben zwar nicht gewonnen, aber auch nicht verloren.“ „Nicht gewinnen ist doof“, sagt Alex. „Ja“, sagt Aki. „Aber warte es mal ab.“

Gespannt warten die Kinder, was der Opa noch so zu erzählen hat. „Nun sag schon, wie geht es weiter?“, will Leonardo wissen. Der Kleine kränkelt etwas und liegt mit einem Schal um den Hals unter einer dicken Wolldecke auf dem Sofa. „Erinnert ihr euch noch an den Dino?“, fragt Aki. „Ja“, ruft Sebastian. „Der große Typ, der so aussieht wie Meister Propper.“ „Genau“, sagt der Opa. „Und der hat den BVB eine Saison später vor einer Heimniederlage gegen den HSV gerettet. Die Dortmunder lagen schon 0:2 hinten, am Ende siegte der BVB aber 3:2.“ Ein kollektives „Boah“ geht durch den Raum. „Und in Hamburg gewann Dortmund dann locker mit 2:0“, erzählt Aki weiter.

„Ist das ein schönes Stadion in Hamburg?“, will Tinga wissen. „Ja, ein sehr schönes“, sagt Aki. „Der BVB spielt da sehr gerne. Auch in der Saison 2004/2005, da hat er dort 3:2 gewonnen.“ Nelson schaut interessiert auf. „Da fallen wohl immer sehr viele Tore.“ Aki nickt. „Ja, Du hast recht. Eine Saison später gewann der BVB mit 4:2 in Hamburg.“ Florian springt auf. „Ja, das war toll, daran kann ich mich sogar erinnern.“ Aki streichelt seinem Enkel über den Kopf. „Klar, Du hast durch Deine Unterstützung viel dazu beigetragen, dass der BVB als Sieger vom Platz ging.“ Florian schaut ganz stolz und nimmt sich einen Keks.

Plötzlich verfinstert sich Akis Miene. „Was ist los, Opi?“, fragt Neven. „Nun folgt der traurige Teil der Geschichte. Jubel in Hamburg vor drei JahrenDenn als der BVB dachte, dass er immer locker in Hamburg gewinnt, gab es eine deftige 0:3-Niederlage.“ Die Kinder gucken erschrocken. „Wieso“, fragen sie alle durcheinander. „Ich weiß es nicht“, sagt Aki. „Und eine Saison später verlor der BVB dort wieder.“ Roman schmeißt die Keksdose durch den Raum und schreit: „Dortmund soll da nicht verlieren.“ Aki nimmt seinen Enkel in den Arm. „Du hast recht, der BVB muss den Hamburgern wieder klar machen, dass er bei ihnen im Stadion immer gewinnt.“ „Aber wie kann der Verein das machen?“, fragt Kuba. In dem Moment geht die Tür auf und jemand betritt den Raum. „Onkel Kloppo“, rufen alle wild durcheinander und stürmen auf ihren Lieblingsonkel zu. „Hallo, Kinder“, ruft der. „Du musst uns helfen“, sagt Sebastian. „Der BVB muss wieder in Hamburg gewinnen. Hast Du eine Idee, wie er das machen kann?“ Jürgen Klopp grinst. „Klar habe ich eine Idee“, sagt er. „Aber das werdet ihr schon sehen. Los, wir gehen in den Garten und pöhlen.“ Alle Kinder springen auf und stürmen johlend nach draußen und schießen Opa Aki reihenweise die Blumenbeete kaputt. Der lacht darüber nur, denn er weiß: Die Siegesserie in Hamburg wird ab sofort wieder gestartet.

DvB, 06.11.2008

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