Warmlaufen

Wen interessiert schon die Bundesliga?

16.04.2008, 09:20 Uhr von:  Redaktion
Entsetzen nach der 0:5-Klatsche in MünchenNach der deprimierenden Leistung bei den Bayern, wo der BVB mit 0:5 unterging, bekommen die Spieler schnell die Chance zur Wiedergutmachung. Die sollten sie auch nutzen. Aber wer denkt schon an die Bundesliga?

Schon am Sonntag hat man gemerkt, dass nicht nur ein Großteil der Fans, sondern scheinbar auch die Spieler mit ihren Gedanken schon in Berlin sind. Nur so ist die fatale Offenbarung vom Wochenendtrip nach München zu deuten. Eine solche Nicht-Leistung wirft viele Fragen bezüglich der Motivation der Borussen auf. Sind sie nur bereit, zu kämpfen, wenn es um mehr als unbedeutende 3 Punkte geht?

Dolls munteres Aufstellungspuzzle

Und wieder möchte der Trainer wachrütteln. Thomas Doll hat ganz genau hingeschaut und stellt seine Mannen bekanntermaßen wieder völlig neu auf. So wird Giovanni Federico, eine der wenigen Gewinner von München, wohl von der Tribüne in die Startformation zurückkehren. Valdez wird dafür wahrscheinlich auf dieEntsetzen auch auf der Trainerbank Bank rotieren. Den gelbgesperrten Tinga, eine der besten Borussen der letzten Wochen, gegen Bayern allerdings auch Totalausfall, ersetzt der Südafrikaner Buckley. Ansonsten werden wohl die gleichen Spieler auf dem Platz stehen, die schon in der Allianz-Arena versagten. So wird auch Phillip Degen in der altbekannten 4-4-2 - Taktik mit Rautenspitze wieder von Beginn an auflaufen, da Antonio Rukavina immer noch an seiner Nagelbettentzündung laboriert und für das Pokalfinale geschont werden soll.

Beim Blick auf die Abwehr kann dem geneigten Dortmunder wieder Angst und Bange werden. Vor allem die Innenverteidigung, die momentan Hummels und Wörns besetzen, wirkt alles andere als sicher. Vielleicht aber zaubert der ratlose Doll ja vor dem Pokalfinale wieder eine neues Hummels zeigte am Sonntag eine ganz schwache LeistungAbwehr-Pärchen aus dem Hut. Für Überraschungen ist der ehemalige HSV-Trainer bekanntermaßen immer gut.

Apropos Finale: Es gibt kaum jemanden, der nicht schon irgendwie in Vorbereitungen steckt. Alle scheinen nur auf dieses eine Spiel gegen die Bayern zu warten. An die Zeit davor oder danach wird kein einziger Gedanke verschwendet. Und die BVB-Fans dürfen das auch. Aber die Spieler?

Natürlich ist Borussia Dortmund in der Bundesliga im sicheren Tabellen-Mittelfeld. Klar scheint es um kaum noch etwas zu gehen. Trotzdem wäre es wünschenswert, dass die Spieler auch in diesen vermeintlich "langweiligen" Spielen alles geben. Immerhin geht es um eine gewisse Entwicklung, außerdem kann sich der ein oder andere durch gute Leistungen auch für die Startelf am Wochenende empfehlen.

Man darf gespannt sein, ob es dem BVB gelingen wird, gegen die flinke Außen des Tabellen-10. die Null zu halten und vorne gegen eine massierte, aber überwindbare Deckung Tore zu erzielen. Zu hoffen wäre es, auch wenn die Entwicklung nicht gerade dafür spricht. Dafür scheinen die Spieler zu sehr auf Berlin fokussiert. Doch wer den BVB kennt, weiß: Kurzen Abwärtstrends folgen oft klare Leistungssteigerung. Der BVB ist einfach konstant inkonstant wie kein anderes Team der Bundesliga. Hoffen wir, der BVB bleibt nicht nur bezüglich der Aufstellung, sondern auch bei der Leistung vorerst inkonstant. Bei einem Sieg würde man an Hannover auf einen Punkt herankommen und auch das letzte Abstiegsgespenst aus dem Ruhrpott vertreiben.

Der Gegner

Das von Dieter Hecking gecoachte Team hat viele hoffnungsvolle Spieler, die eine große Perspektive aufweisen, in seinen Reihen, wie es ihnen Per Mertesacker - der Nationalverteidiger von Werder Bremen kommt aus der "96"- Jugend - vorgemacht hat. So sind Leute wie Balitsch, Rosenthal, Hanke oder auch der in dieser Saison aus Bremen gekommene Schulz noch lange nicht am Zenit ihrer Leistung angekommen. Genau diese Spieler stehen für das durchaus ansprechende Konzept von Hannover. Junge, am besten deutschsprachige Spieler mit Talent werden immer öfter in die Landeshauptstadt gelockt. In Robert Enke hat Hecking zudem einen Torhüter, der zu Recht beim DFB hoch im Kurs steht. Angeblich sollen mehrere Teams mit internationaler Perspektive an dem Schlussmann interessiert sein. Nur der Anhang zeigte am Sonntag NormalformWohin der Weg vom auslandserfahrenen Enke gehen wird, steht scheinbar noch in den Sternen.
Doch Hannover hat trotz seines starken Torhüters ähnliche Probleme wie der BVB. Mit 38 Punkten rangieren die Niedersachsen 4 Punkte vor den Schwatzgelben auf Tabellenplatz 10. Gerade in der Rückrunde war ein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen, durch den die Roten ihre Hoffnungen auf einen Uefa-Cup-Platz begraben mussten.

Auch die Abwehr wirkt seit langem nicht mehr sattelfest. Waren die Hannoveraner zu Beginn der Saison mit einer relativ starken Defensivleistung und einer lauen Offensive gestartet, läuft es jetzt genau andersherum. 46 Gegentore stehen 40 selbst erzielte Tore gegenüber. Auch hierfür zeichnen sich große Formschwankungen der Innenverteidiger verantwortlich. So findet sich beispielsweise Thomas Kleine, anfangs aus Fürth gekommener Stammspieler, höchstens auf der Bank wieder. Auch Ismael schlug bisher nicht wie erhofft ein.

Aufstellungen:

H96: Enke - Cherundolo, Vinicius, Ismael, Schulz - Balitsch, Lala - Krebs, Stajner, Huszti - Hanke

Auf der Bank: Golz - Zuraw, Fahrenhorst, Zizzo, Bikmaz, Rausch - Hashemian, Lauth

BVB: Ziegler - Degen, Hummels, Wörns, Dédé - Kehl - Buckley, Kringe - Federico - Petric, Frei

Auf der Bank: Bade - Amedick, Kovac - Kruska, Gordon, Kuba - Klimowicz, Nöthe, Valdez

Statistik: Im Hinspiel verlor der BVB mit 1:2. Dortmund holte aus den letzten drei Heimspielen gegen Hannover gerade einmal zwei Punkte. Hannovers 2:0 2005/06 war der erste Sieg beim BVB seit 1964/65. Höchster Erfolg des BVBs war das 6:2 (2003/04).

Bilanz: 8-6-2, 36:18 Tore.

Daniel R., 15.4.2008

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