Stimmungsbericht

BVB schlägt Kassel ? Frei fit fürs Derby

06.09.2008, 15:09 Uhr von:  Redaktion

BVB in Kassel Solche Wochenenden sind schon irgendwie blöd. Spiele der deutschen Nationalmannschaft sind wohl nicht ansatzweise mit denen unserer Borussia zu vergleichen, vor allem, wenn es wie heute Abend gegen einen Fußballzwerg geht. War es in der letzten Saison noch üblich, dass nur die ersten beiden Bundesligen mit dem Spielbetrieb aussetzen, trifft es nun auch schon die dritte und vierte Liga, damit also auch unsere BVB-Zweitvertretung. Sehr schade. So bleiben diese Pausen nur noch für ein oder zwei Testspiele – quasi so wie in dieser Woche. Nachdem am Dienstag zum drölften Mal gegen den SC Preußen Münster gespielt wurde (7:0) und Münster damit Ahlen in der ewigen Testspiel-Statistik ablöste, sollte es zumindest gestern Abend gegen einen richtig attraktiven Gegner gehen. Der BVB war zu Gast beim KSV Hessen Kassel im Auestadion.
Da ein Großteil der aus Dortmund angereisten BVB-Fans den Ground Auestadion noch nicht gekreuzt hatten, nutzte man die Gunst der Stunde um den BVB nach Kassel zu begleiten. Für einen Freitag relativ spät, verließen die Auto- und Bulli-Besatzungen Dortmund erst ab 16 Uhr. Das BVB-Fanmobil dürfte dabei mit 16:30 Uhr die späteste Abreisezeit gewählt haben, zumal man den Parkplatz der Geschäftsstelle erst fünfzehn Minuten später verließ. Über die B1 ging es im Schneckentempo – Feierabendverkehr eben. Dank Navi durfte man dann auch noch einen kleinen Umweg über die U52 fahren, da die charmante Frauenstimme uns zwar den Stau kurz vor Lee in AktionHolzwickede ersparte, allerdings verschwieg, dass die Anschlussstelle Unna-Ost gesperrt ist. Technik die begeistert. Damit durfte man weitere zehn Kilometer über die Dörfer düsen, ehe man erneut auf die A44 auffahren durfte. Von hier an ging es recht zügig gen Osten, wenngleich die zahlreichen Baustellen und LKW-Fahrer nervten, die sich partout nicht an das LKW-Überholverbot halten wollten. Hier könnte der Staat mal richtig Kasse machen. Kurz vor Warburg fing es dann auch richtig an zu schütten, so dass man letztlich froh sein konnte, genau um 19 Uhr, pünktlich zum Anpfiff im Stadion zu sein.

Netter Ground

Also so schnell wie möglich rein ins schmucke Auestadion. Für einen Viertligisten ein richtig geiles Stadion. Eine alte Sitzplatztribüne als Haupttribüne, dazu eine modernisierte Sitzplatztribüne auf der Gegengerade. In den Kurven dann auf der rechten Seite der Gästeblock und auf der linken Seite der Heimblock. Dazu rahmten vier futuristische Flutlichtmasten das Stadion ein. In solch einem Stadion sollte so schnell wie möglich wieder Drittligafußball gespielt werden.
Das Stadion war mit 8.000 Zuschauer für ein Testspiel sehr gut besucht, da hat man schon mal schlechter besuchte BVB-Testspiele gesehen. Auch der Gästeblock war für ein Freitagsspiel recht gut gefüllt. Etwa 400 Tinga is backFans fanden sich im Gästebereich ein, sowie viele, die einen Sitzplatz auf der Haupttribüne bevorzugten. Die Sitzplatztribünen waren nahezu ausverkauft, nur in den Stehplatzbereichen waren größere Lücken auszumachen, bzw. waren einzelne Blöcke komplett gesperrt. Die Heimseite konnte sich sogar via Vorsänger auf dem Zaun und einer Handvoll Fahnen zu einigen Gesängen hinreißen. Stimmung im Gästeblock war wie zu erwarten eher die Ausnahme. Der Zaun zeigte sich recht gut beflaggt und einige Umlandfans hatten auch ein paar Fahnen und Doppelhalter mitgebracht, die der Sicherheitsdienst des KSV erst verbieten wollte. Recht sinnlos, aber was wundert einen heute eigentlich in Zeiten des modernen Fußballs noch?

Startelf mit Lee, Frei und Tinga

Die 8.000 Zuschauer sollten ihr Kommen auch nicht bereuen und bekamen eine richtig gute BVB-Elf zu sehen. Neben Neuzugang Young-Pyo Lee (spielte auf rechts), waren die wiedergenesenen Tinga und Frei ebenfalls in der Startelf, Lee und Frei spielten sogar die vollen neunzig Minuten durch. Darüber hinaus bekamen noch Federico, Buckley und Santana die Chance sich zu beweisen.
Zumindest die erste Halbzeit erinnerte doch sehr stark an das Pokalspiel gegen Essen. Der BVB hatte eine Vielzahl an Chancen, nutzte diese aber nicht effektiv und Kassel spielte auf der anderen Seite richtig gut mit und stellte Subotic und Santana in der Innenverteidigung vor jeder Menge Schwierigkeiten. Zu musste Ziegler doch das ein oder andere Mal Kopf und Kragen riskieren, um einen Rückstand zu verhindern. Erst in der 40. Torjubel zum 3:1 durch Alex FreiMinuten erzielte Alex Frei den Führungstreffer aus recht spitzen Winkel. Den macht auch nicht jeder rein. Doch fast im Gegenzug schloss Thorsten Bauer einen Konter zum 1:1-Ausgleich ab. Es sollte die letzte Aktion in der ersten Halbzeit gewesen sein.
In der zweiten Halbzeit agierte der BVB deutlich überlegener, was wohl auf die zahlreichen Wechsel der Gastgeber zurückzuführen ist. Wieder war es Alex Frei, der die Schwatzgelben kurz nach Wiederanpfiff in Führung brachte, Mohamed Zidan sorgte mit seinem ersten Tor für den BVB kurz vor Schluss für den Endstand. Insgesamt ein sehr unterhaltsames Spiel, dass vor allem für Tinga und Frei in Bezug auf das Derby am nächsten Samstag sehr wichtig gewesen sein dürfte. Einziger Kritikpunkt dürfte somit auch nur die zum Teil fehlende Organisation in der Abwehr gewesen sein.
Nach dem Spiel kamen die Spieler noch zur Kurve, um sich bei den Fans für die Anwesenheit zu bedanken. Kringe und Ziegler zeigten sich gewohnt fannah und klatschen diese sogar am Zaun ab. Zidan nahm sich als Neuzugang hieran ein Beispiel und tat es den beiden gleich. Als krönender Abschluss kam wenig Später auch Coach Jürgen Klopp in die Kurve und klatsche die Fans ab. Sehr nette Geste. Auch wenn es nur ein Testspiel war, zeigt dies doch den hervorragenden Charakter unseres Trainers.

„Seid ihr von der TU?“

Blick auf die Heimkurve des AuestadionsSo hieß es bei mittlerweile strömenden Regen so schnell wie möglich den Weg nach Dortmund anzutreten. Doch vorher sollte noch das Highlight des Abends folgen. Nachdem bereits ein anderer Mitfahrer von einem Kasseler Möchtegernhool auf ein 15:15-Match angesprochen wurde, ließen es sich zwei Kasseler vom Fanclub „Rabauken Kassel“ nicht nehmen uns persönlich zu fragen, ob wir denn nicht „Bock“ hätten. Wie aus dem Nichts tauchten diese beiden Vögel plötzlich vor dem Fanmobil auf und fragten, ob wir „von der TU seien“. Ganz davon abgesehen, dass es „von TU“ heißt, eine recht lustige Situation. So ergriff BVB-Fanbeauftragter Sebastian die Initiative und machte die beiden Gestalten darauf aufmerksam, dass er Fanbeauftragter sei und dienstlich hier sei. Dies wollten beide nicht so recht glauben. Kein Wunder - läuft der Fanbeauftragter des KSV auch nicht in zivil, sondern „verkleidet“ durch das Stadion (man munkelt mit dem Spitznamen „Lemmi“ auf dem Trikot). Dennoch nahmen die beiden Kasseler plötzlich Abstand von ihrer ursprünglichen Anfrage, wobei beide noch zugaben, früher selbst BVB-Fans gewesen zu sein. Großartige Aktion.
Nachdem dies also auch geklärt worden war, konnte endlich die Heimreise angetreten werden. Diesmal ohne Stau, dafür bei strömendem Regen erreichte man die Westfalenmetropole wieder kurz nach elf Uhr.

Tommy, 06.09.2008

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