Spieler im Fokus

?....und dann spielen wir Fußball!?

23.05.2008, 15:38 Uhr von:  Redaktion

Watzke, Klopp und Zorc vor der PKNun ist es ganz offiziell: Jürgen Klopp heißt der neue BVB-Trainer. Nicht mehr sonderlich überraschend, aber trotzdem nicht weniger bemerkenswert. Und Klopp gab schon in seiner ersten Pressekonferenz eine Kostprobe von dem, was wir in der nächsten Zeit erwarten können: Eloquenz, ein Konzept, massig intelligente Sätze und Fokussierung auf das Wesentliche. Böcke umstoßen war gestern, heute wird endlich wieder Fußball gespielt.

Verblüfft schaut Jürgen Klopp, als sich bei seiner Ankunft im BVB-Presseraum ca. 40 Kameraobjektive auf ihn richteten. Etwas schüchtern sogar, nervös, angespannt. Diesen Andrang hatte er wohl nicht erwartet. Er nahm Platz und es scheint, als ob ihm dadurch richtig deutlich wird, welche Dimension diese Aufgabe hat, die er nun antritt. Zweifel sind das nicht, was man in seinem Gesicht ablesen kann, eher Demut und Respekt vor diesem großen Fußballverein aus dem Ruhrgebiet, dessen Übungsleiter er nun ist.
In seinen ersten Sätzen dankt er Hans-Joachim Watzke „für die lobenden Worte“. Es sei eine Ehre für ihn, Trainer des BVB zu sein. Es sei eine „großartige Geschichte“. Und schon ist der Klopp da, den alle kennen. Gut gelaunt, witzig, ironisch und nicht sparsam mit klugen Sätzen. „Ich freue mich auf die Mannschaft, auf die Vorbereitung.“ Man nimmt es ihm ab, wenn er das sagt. Und: „Der Stamm der Mannschaft hat Qualität, Potenzial. Trotzdem müssen Veränderungen passieren.“ Welche, fragt jemand. „Naja“, sagt Klopp. „Es wäre zunächst mal nicht schlecht, weniger Gegentore zu bekommen.“ Gelächter unter der zahlreich erschienen Journalistenschar.

Jürgen Klopp ist schwatzgelbJürgen Klopp, laut Sportdirektor Michael Zorc „eine sehr überzeugende Lösung für den BVB“, ist kein Träumer. Er weiß, was von ihm verlangt wird. „Die Zeit beim BVB muss erfolgreich sein, das ist mir klar“, sagt er. Und macht sofort deutlich, dass er sich für diesen Erfolgsdruck aber keinesfalls verbiegen werde. „Rasenschach wird es bei mir nie geben. Wenn Spiele langweilig sind, verlieren sie ihre Berechtigung.“ Er zählt dabei auch auf unsere Hilfe. Denn „die Gelbe Wand ist beeindruckend“, sagt Klopp. „Wer einmal hier im Stadion stand, der ist absolut beeindruckt.“ Es stimme tatsächlich: Die Südtribüne sei etwas Besonderes. Die Fans, diese Fußballeuphorie beim BVB habe ein große Rolle gespielt, bei seiner Entscheidung pro Dortmund. Deswegen freue er sich, dabei mithelfen zu dürfen, dass der BVB den Fußball spiele, den die Fans sehen wollen. Es klingt glaubhaft, wenn Klopp das sagt. Da schwingt nicht ein Hauch von Populismus mit. Andere Trainer sprechen hier vom „Fußball, den die BVB-Fans verdient haben“. Dabei stellt sich die Frage: Wieso haben wir Dortmundfans besseren Fußball verdient, als die Fans von beispielsweise SC Freiburg? Nein, Klopp spricht richtigerweise vom Fußball, den wir sehen wollen. Und das reicht völlig aus.

Der Kollege Felix Meininghaus, der die aktuelle sg-Printausgabe mit einem Grußwort veredelte, spricht Jürgen Klopp auf seine angeblich zu kumpelhafte Art an. Der Ex-Mainzer lächelt und sagt dann, dass während seiner Zeit bei Mainz 05 so gut wie keine Disziplinlosigkeiten stattfanden. Außerdem hätten sie dort auch nicht dauernd die Pappnase auf und würden Polonäse tanzen. Er kündigt den BVB-Profis an: „Die Mannschaft bekommt klare Vorgaben. Wer die nicht erfüllt, hat weniger Möglichkeiten, in die erste Elf zu rutschen.“ Disziplin sei ihm sehr wichtig.

Seine lockere, freundliche Persönlichkeit werde Klopp nicht verändern. „Mir sind Fußballer eben sympathisch, ich war selbst einer.“ Und auch wenn der BVB ein größerer Verein sei (oder ein „richtiger“ Verein, wie Freddie Röckenhaus meinte) als Mainz 05, werde seine Persönlichkeit, sein Charakter nicht darunter leiden, so Klopp.

Ein sehr überzeugendes Stelldichein im nicht ganz so einfach zu handhabenden Arbeitsumfeld BVB. Klopp ist zum richtigen Zeitpunkt ironisch, witzig, wird dann wieder ernst und spricht über das, was er vorhat, um dann wieder freundlich grinsend einen rauszuhauen. Es wäre schön, wenn sich seine Lockerheit auch auf das ganze BVB-Umfeld übertragen könnte. Und für die nächste Saison wollen wir Fans nichts anderes, als das, was Klopp möchte: „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine ordentliche Mannschaft zusammenkriegen, und dann spielen wir Fußball.“ Wir freuen uns drauf. Herzlich willkommen beim BVB, Jürgen Klopp.

DvB, 23.05.2008

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