Spielbericht Profis

B1 Freundschaftskick

03.11.2008, 01:22 Uhr von:  Redaktion

In froher Erwartung auf drei PunkteDie Erwartungen waren in beiden Fanlagern groß. Nach der Heimschlappe gegen Hoffenheim hoffte man in Bochum auf eine Reaktion der Mannschaft, befürchtete aber zugleich in Dortmund eine ordentliche Packung zu bekommen. Letzteres erhofften sich auch die meisten Dortmunder. Nach der guten Leistung in Köln lechzte ein ganzes Stadion nach einem Heimsieg. Dortmund ist zwar in dieser Bundesliga-Saison zu Hause noch ungeschlagen, jedoch stehen bereits vier Unentschieden im Westfalenstadion auf dem Konto. Einen Heimkomplex stritten Trainer und Spieler bisher ab.

Aufstellungen

Nach dem Auftritt in der Domstadt verändert Klopp die Mannschaft auf drei Positionen. Frei, Zidan und Owomoyela sollen nach der englischen Woche frischen Wind in das Spiel der Borussia bringen. Statt des 4-4-2 Systems läuft Dortmund in einem offensiveren 4-3-3 System auf, in dem Frei als Keilstürmer durch die hängenden Spitzen Zidan und Kuba unterstützt werden soll. Grund für die Umstellung innerhalb der Mannschaft und des Systems spielte sicherlich der kurzfristige Ausfall des Spielmachers Haijnal.
Bochum hingegen spielt in einem 4-4-2 System und setzt dabei auf die Durchschlagskraft der Stürmer Hashemian und Kaloglu. Für die Kreativität im Bochumer Mittelfeld sollen Azaough und Freier sorgen. Freier zählte bei der "Schlappe" gegen Hoffenheim noch zu den besten Akteurern.

Danke an das Ehrenamt

Vor dem Spiel wurde sich brav und artig beim Ehrenamt für dessen Engagement bedankt und die Wichtigkeit des Ehrenamtes betont. Schade, dass vielen Ehrenamtlichen der Gang ins Bundesligastadion verwehrt wird, da sie überwiegend sonntags für ihren Verein im Einsatz sind. Ehrenamtliche Dortmund-Fans haben es in diesem Jahr besonders schwer.

Spiel

Von Beginn an geht Dortmund engagiert zu Werke. Bereits nach einer Minute erhält Dortmund einen Freistoss aus gut 25 Metern Torentfernung in zentraler Position. Doch der FREIstoss bleibt in der „Mauer" hängen. In den folgenden Minuten neutralisieren sich beide Mannschaften zunehmend. Bochum versteckt sich keineswegs. Immer wieder setzen die Bochumer kleine Vorstöße, ohne dabei allerdings viel Gefahr auszustrahlen. Dortmund beschränkt sich auf Fernschüsse durch Kehl (14') und Kringe (17'). Dann die 23 Minute. Grober Stellungsfehler der rechten Dortmunder Verteidigung und ein Bochumer dringt gefährlich in den Straffraum ein. Seine Flanke kann gerade noch zur Ecke geklärt werden. Zwei Minuten (26') später segelt erneut ein hoher Ball durch den Strafraum. Erneut wird der Ball zur Ecke geklärt. Der folgende Eckball, nur halbherzig geklärt, landet direkt auf dem Fuß des Bochumer Kapitäns Zdebel, der aus gut 20 Metern „abzieht" - 1:0 für Bochum.

Eine Führung die in Ordnung geht, weil Dortmund mit zunehmender Spieldauer immer passiver agierte und die Abspielfehler zunahmen. Die Zahl der Eckbälle und Freistöße nahm auf dem Konto der Bochumer stetig zu. Eine Mannschaft die auswärts "mauert" spielt anders. Die Dortmund Mannschaft ist nach dem Gegentor zunächst geschockt und verliert den Faden. Die gelbe Wand zu diesem Zeitpunkt eher eine Last als eine Unterstützung. Pfiffe gegen Weidenfeller, als er sich bei einem Abschlag zu viel Zeit nimmt, anstatt das Spiel schnell zu machen. Pfiffe gegen Subotic, als er am gegnerischen Strafraum den Ball wieder zurück nach hinten spielt, anstatt den Angriff auszuspielen. Vier Unentschieden bei Heimspielen hiterlassen auch bei den Fans ihre Spuren. Dann die 37 Minute: Der bereits mit gelb verwarnte Zdebel hätte nach einem rüden Einsteigen gegen Kehl die gelb-rote Karte sehen müssen. Schiedsrichter Kirchner beließ es bei einer energischen Ermahnung. Der Bochum Fan-Block läuft stimmungstechnisch zur "Hochform" auf, als Zidan aus heiterem Himmel das 1:1 erzielt. Nach einem langen Pass in die Spitze steht der bis dato eher unauffällig agierend Zidan frei vor dem Tor und versenkt den Ball eiskalt im Netz. Ein Stadion atmet auf. Halbzeit.

Mit viel Schwung kommt Dortmund aus der Kabine. Lee setzt sich schön auf der linken Seite durch, holt einen Eckball heraus, der direkt in den Armen des Bochumer Keepers landet.Kurz darauf segelt ein Freistoss von halb links getreten knapp am Bochumer Tor vorbei. Die Süd erwacht langsam aus ihrer Lethargie. Es kommt Stimmung auf. Erst recht, nach dem Zidan sich wunderbar im Strafraum durchsetzt den Ball jedoch knapp am Tor vorbei zieht. Sobald Dortmund direkt spielt, kommt die Bochumer Abwehr in große Nöte. Dortmund sammelt Eckbälle. Häufig herausgeholt durch Lee, dessen Flanken den Strafraum nie erreichen, da sie immer vom Gegner zur Ecke geklärt werden. Nach einer hohen Flanke- nicht von Lee geschlagen- steht Kringe plötzlich frei im Strafraum und schießt den Ball direkt auf das Tor. Ein Torschrei geht durchs Stadion, doch der Ball geht knapp am Tor vorbei. Dortmund macht Druck und Bochum kann kaum noch Luft holen. Lediglich bei Standards kommt von Bochumer Seite ein Hauch von Gefahr auf. Klopp bringt in der 70 Minute den mit Sprechchören gefeierten Nelson Valdez und nimmt den bis dahin unauffälligen Alex Frei vom Platz. Die Fehlpässe auf beiden Seiten nehmen wieder zu. Das Spiel plätschert vor sich hin, bis Kehl plötzlich alleine, unbedrängt vor dem Tor steht und sich die Ecke, in die er schießen möchte, aussuchen kann. Kläglich verzieht er den Ball. Es wäre in der 81 Minute ein großer Schritt zum Heimsieg und zu drei wichtigen Punkten gewesen. Auf der Gegenseite dann ein Freistoß aus halbrechter Position für Bochum. Der Ball landet genau auf dem Kopf eines Bochumer und senkt sich knapp über dem Tor nieder. Sieg oder Niederlage! Nach einer Flanke des eingewechselten Miecel steht Fuchs mutterseelenallein im Strafraum und hat die Entscheidung auf dem Fuß. Knapp fliegt der Ball am Pfosten vorbei. Das Dortmunder Publikum wird immer nervöser. Kein Einwurf der eigenen Mannschaft wird in ihren Augen schnell genug ausgeführt. Pfiffe gegen die eigene Mannschaft. Als Owomoyla dann einen Ball Richtung Torwart zurückschiebt tobt die Süd. Das Spiel ist aus. Bochum feiert einen Punktgewinn - die Dortmunder quittieren die Leistung ihrer Mannschaft mit Pfiffen. Am Ende ein verdientes Unentschieden nach einem schlechten Spiel beider Mannschaften.

Fazit

In den ersten zehn Minuten konnte Dortmund an den Kölle-Auftritt anknüpfen, verlor dann aber zunehmend die Kontrolle über das Spiel. Die Führung der Bochumer kam nicht von ungefähr, sondern deutete sich in den Szenen zuvor durch mutiges Spiel nach vorne an. Dortmund nach dem 0:1 geschockt und erzielt aus heiterem Himmel das 1:1. Bochum hatte es verpasst nachzulegen und wurde mit dem Ausgleich bestraft. In der zweiten Halbzeit hatten beide Seiten den Siegtreffer auf dem Fuß. Am Ende hatten sich beide Mannschaften nach einem eher langweiligen und schlechten Bundesligaspiel den Punkt redlich verdient. Nicht mehr und nicht weniger!

Stimmung

Der Funke mochte an diesem Sonntag nicht so recht auf die Tribünen überspringen. Selten bebte die Süd. Pfiffe und Unmutsbekundungen begleiteten die Mannschaft das ganze Spiel über. Das lang gezogene "Leeeeeee" blieb das einzige Stimmungstechnische Highlight. Aber auch die Bochumer machten nur dann auf sich aufmerksam, wenn es darum ging einen Handelfmeter einzufordern oder den Gegner zu beschimpfen. Insgesamt glich die Stimmung eher einem Freundschaftkick, als einem "kleinen Derby". Die Tauben unter dem Dach der Südtribüne zeigten ihren Unmut über den Kick, in dem sie sich des Öfteren auf die Ränge unter sich entleerten.

Noten:

Weidenfeller: Konnte sich nur in wenigen Szenen auszeichnen. Ein Weidenfeller in Topform hält den Ball zum 1:0! Note 3,5

Owomoyela: Wirkte sehr unsicher und anscheinend fehlt ihm noch die nötige Spielpraxis. Ließ nur in wenige Szenen sein können aufblitzen. Note 4,0

Subotic:. Verlieh der Abwehr Sicherheit. Lediglich sein Spielaufbau ist noch ausbaufähig. Note 2,5

Hummels: Ging vermutlich angeschlagen in die Partie. Wirkte beim 1:0 unglücklich, als er den Ball wunderschön für Zdebel vorlegte. Note 3,5

Lee: Stellungsspiel nicht vorhanden. Flanke erreichen nie die Mitspieler. Note 4,5

Kehl: Ein Staubsauger vor der Abwehr aber halt kein Goalgetter. Spielte sehr aufmerksam und zweikampfstark. Note 2,5

Tinga: Zweikampfstark, wie immer! Manchmal wünscht man sich etwas mehr Kreativität und etwas weniger Tempoverschleppung. Note 3,0

Kringe: Kämpferisch erneut überzeugend. Flanken und Pässe sind noch ausbaufähig. Note 3,0

Kuba: Nach dem Köln-Spiel kaum wiederzuerkennen. Erst wurde er kaum in Szene gesetzt, dann stand er sich meist selbst im Weg. Note 4,0

Zidan: Macht aus dem Nichts ne' Bude und hat eine weitere gute Strafraum-Szene...mehr auch nicht. Note 3,0

Frei: Nur bei Standardsituationen zu sehen, die dann noch schlecht von ihm ausgeführt wurden. Note 5,0

Kovac: Solide und spielte ohne größere Fehler. Note 3,0

Valdez: ohne Bewertung

Klimo: ohne Bewertung

Stimmen zum Spiel

Marcel Koller:
"Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und nicht sehr viel zugelassen. Wenn wir unsere Angriffe in der ersten Halbzeit konsequent ausgeführt hätten, dann hätten wir höher führen können. Das 1:1 kurz vor der Pause fiel aus dem Nichts. In der zweiten Halbzeit hat Dortmund Druck gemacht. Aufgrund der zwei unterschiedlichen Halbzeiten geht das Ergebnis in Ordnung, auch wenn wir kurz vor Schluss die eine oder andere Kontermöglichkeit hatten"

Jürgen Klopp:
"Mehr als den einen Punkt haben wir heute nicht verdient. Obwohl wir in einer guten Form waren, haben wir den roten Faden früh verloren. Selbst wenn uns in der zweiten Halbzeit noch ein weiteres Tor gelungen wäre, hätte es das Spiel nicht besser gemacht"


Bor. Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Hummels, Lee - Tinga, Kehl, Kringe - Kuba, Zidan - Frei.

VfL Bochum: Fernandes - Schröder, Maltritz, Yahia, Bönig - Zdebel - Freier, C. Fuchs - Azaouagh - Hashemian, Sinan.

Einwechselungen: 46. Kovac für Hummels, 70. Valdez für Frei, 81. Klimowicz für Kuba - 41. Pfertzel für Schröder, 64. Mieciel für Hashemian, 73. Mavraj für Zdebel.

Tore: 0:1 Zdebel (27.), 1:1 Zidan (44., Subotic).
Eckstöße: 5:6 (Halbzeit 1:5)

Chancenverhältnis: 4:4 (1:2)

Schiedsrichter: Kircher

Gelbe Karten: Kringe - Azaouagh, Zdebel, Freier. (war ja auch nur ein Freundschaftskick!)

Zuschauer: 71.600

Christoph, 02.11.2008

Unterstütze uns mit steady