Spielbericht Profis

Apocalypse now

16.11.2008, 00:21 Uhr von:  Arne
Apocalypse now
Der Jubel nach Abpfiff war groß

Zumindest für unsere Gäste aus Hessen bewahrheitete sich, was der weise Prophet bereits im Vorbericht verkündet hatte: Gegen die vierzehn in Schwarz und Gelb gewandeten Kicker der Apokalypse war Eintrachts Rumpfmannschaft gnadenlos unterlegen und ließ sich von den tapferen Kämpfern der glorreichen Borussia gekonnt auseinander nehmen. Mit Toren und Siegen macht Fußball irgendwie gleich noch mal mehr Spaß.

Dabei war es gar nicht mal das beste Saisonspiel, das die Borussen dort auf den Rasen brachten. Da gab es - auch zuhause - sicherlich schon Partien, die netter anzusehen waren. Diesmal aber stimmte vor allem die Effektivität der Schwarzgelben, die unerbittlich beinahe jeden Fehler der Gäste bestraften. Insbesondere bei Standardsituationen.

Die erste Freude gab es aus Fansicht schon weit vor dem Anpfiff. Irgendein Mädchen aus irgendeiner Stadt hatte irgendeine Wahl gewonnen. So weit, so uninteressant. Doch an ihrer Seite tauchte plötzlich der tapfere Recke aus fernen Landen auf, der bei den Kickern der Apokalypse üblicherweise den Gegnern auf der linken Seite den Garaus macht und der auf den wohlklingenden Namen Dede hört. Von einem auf den anderen Moment war das Publikum völlig aus dem Häuschen und feierte das Wiedersehen minutenlang. Ein schöner Augenblick, der damit endete, dass sich erst Dede und nach und nach dann auch die Tribüne verabschiedete. In der Partie selbst sollte man sie nur noch selten vernehmen.

Dede war wieder da
Dede war wieder da

Friedhelm Funkel dürfte auf Frankfurter Seite nicht allzu lange über der Aufstellung gegrübelt haben. Die Ausfallliste ist schließlich lang und dürfte so bald auch nicht mehr kürzer werden. Da hatte es Jürgen Klopp schon weitaus einfacher. Zwar musste Santana den gesperrten Kovac ersetzen, doch ansonsten hatte sich die personelle Lage merklich entspannt. Schmelzer, Frei und Valdez standen allesamt im Kader, letzterer sogar von Beginn an auf dem Rasen.

Vom Start weg waren es dann auch die Borussen, die das Spiel diktierten und den Gästen die Statistenrolle zuwiesen. Keine fünf Minuten waren gespielt, da durfte Schwarzgelb schon das erste Mal jubeln: Eckball Hajnal, der kleine Spielmacher trittt den Ball direkt an den Fünfmeterraum, wo Subotic vor Torwart Nikolov an den Ball kommt und das Leder per Kopf in die Maschen wuchtet. So einfach kann Fußball manchmal sein, 1:0 für den BVB.

Torjubel zum 2:0
Torjubel zum 2:0

Besser kann ein Spiel kaum beginnen und der BVB zeigte sich sichtlich bemüht, unbedingt nachlegen. Vor allem Tamas Hajnal war immer wieder an den Angriffsversuchen beteiligt. So nach knapp zehn Minuten: Fast 30 Meter vor dem Tor guckt der Ungar Oka Nikolov aus, der weit vor seinem Gehäuse steht, und versucht es mit einem satten Distanzschuss, der sein Ziel nur knapp verfehlt.

Neun Minuten später hat er mehr Glück. Sebastian Kehl nimmt Frankfurts Fink geschickt den Ball ab, treibt das Leder nach vorn und spielt auf die rechte Seite, wo Kuba durchstartet, in den Strafraum zieht und schließlich Hajnal auf der anderen Seite bedient. Der braucht nur noch einzuschieben und es steht 2:0. Großer Jubel über diesen sehenswerten und schnell vorgetragenen Angriff.

Doch die Borussen waren noch immer nicht satt. Nur kurz nach dem Wiederanpfiff ist es Owomoyela, der aus etwa 25 Metern einfach mal direkt draufhält. Oka Nikolov schaut regungslos zu, wie der Ball gegen den Pfosten prallt und bekommt erst den Rückpraller zu fassen. Unglaublich, mit welcher Zielstrebigkeit die Borussen in dieser Phase zu Werke gingen.

Und schon stand es 3:0
Und schon stand es 3:0

Und mit welcher Effektivität. 26. Spielminute, langer Freistoß von der halbrechten Seite. Einmal mehr ausgeführt von Tamas Hajnal. Wieder ist es Subotic, der nicht angegriffen wird, völlig frei zum Kopfball kommt und den Ball erneut in die Maschen befördert. 3:0 nach nicht einmal einer halben Stunde. Der Wahnsinn!

Bevor es mit diesem Spielstand jedoch in die Pause gehen konnte, wollte Frankfurt zumindest ein Lebenszeichen absenden. Zuerst muss Weidenfeller gegen Fenin retten (28. Minute), zwei Minuten später ist es sein Gegenüber Nikolov, der den Eigentor-Versuch von Mitspieler Fink vereitelt und zur Ecke klärt. Wiederum zwei Minuten später bekommt Fenin einen Abpraller in zentraler Position, verpasst das Tor aus 16 Metern jedoch knapp links.
Das war's allerdings bereits aus Hälfte Eins, mehr tat sich bis zum Pausentee nicht mehr. Die Borussen nahmen sich ihrerseits zusehends zurück und die Frankfurter schienen viel zu geschockt, als dass sie den Angriffen der Borussia auch nur irgendetwas hätten entgegen setzen können.

Anderes Bild auf den Rängen, denn der Gästeblock ließ sich auch von dem 3:0-Rückstand nicht sonderlich beeindrucken und feierte sich stattdessen selbst. Das gibt Pluspunkte, die allerdings umgehend wieder abzuziehen sind. Denn als ihre Mannschaft noch halbwegs im Spiel war, befassten sich die Gäste lieber mit Hurensohn-Gesängen und anderen Pöbeleien, als ihr Team wirklich zu unterstützen.

Tamas Hajnal war bester Borusse
Tamas Hajnal war bester Borusse

Nun denn, die zweite Halbzeit sollte beginnen und das tat sie genauso wie die erste geendet hatte. Es sollte mehr als zehn Minuten dauern, bis sich erneut Sehenswertes tat auf dem Spielfeld: Urplötzlich läuft Kuba völlig frei auf Nikolov zu, der Schussversuch scheitert jedoch am Frankfurter Schlussmann. Weitere zehn Minuten, diesmal der BVB im Glück: Schöne Flanke von Steinhöfer, doch der Kopfball von Liberopoulos landet lediglich an der Latte.

In dieser Phase war das Spiel weit davon entfernt, ansehnlich zu sein. Von der zielstrebigen Torgefährlichkeit der ersten halben Stunde war beim BVB nichts mehr zu spüren. Auch die Südtribüne passte sich mehr und mehr der Partie an. Anstatt angesichts der hohen Führung Spiel und Mannschaft zu feiern, ließ man sich vom Gästeblock locker an die Wand singen. Selbige, nämlich die gelbe, gaben die Frankfurter in ihren Gesängen vor zu vermissen. Dem kann man sich nur anschließen, bis auf wenige Lichtblicke war die Darbietungen auf den Rängen heute mehr als mau.

Glücklicherweise hatte es die Schlussphase dann trotzdem noch einmal in sich. Und wie! Nur noch 20 Minuten zu spielen. Erneut ist es ein Freistoß, wieder von der rechten Seite, diesmal nahe der Seitenauslinie. Hajnal führt aus, findet in der Mitte Felipe Santana und auch der zweite Innenverteidiger darf sich in die Torschützenliste eintragen. Sein wuchtiger Kopfball markiert das 4:0.

Auch Sanatana durfte mal wieder jubeln
Auch Sanatana durfte mal wieder jubeln

Der Held des Spiels war jedoch der Vorlagengeber: Tamas Hajnal setzte sich in dieser Partie selbst die Krone auf. Ein Tor selbst erzielt, die anderen drei per Eck- und Freistoß vorbereitet - unglaublich gut. Und es hätte noch besser kommen können, doch als das Leder nach sehenswerter Kombination in der 78. Minute erneut seinen Weg von Hajnals Fuß ins Tor findet, versagt Schiedsrichter Dr. Brych dem Treffer die Anerkennung. Zu Unrecht, wie die Fernsehbilder beweisen.

Also versuchten die Borussen weiter, den Spielstand zu erhöhen. Erst in der 84., dann in 86. Minute. Beide Male ist es Zidan, der mit dem Kopf durch die Wand will und sich durch die gesamte Hintermannschaft der Frankfurter dribbelt. Doch weder Alex Frei noch Nuri Sahin, bei denen die vertändelten Bälle letztlich landen, bringen die Kugel aus aussichtsreichen Positionen im Netz unter.

So blieb es beim 4:0 und einem seltsamen Gefühl. Denn anders als das Resultat glauben macht, hat die Borussia wahrlich nicht ihre beste Saisonleistung dargeboten. Aber mit Abstand die effektivste.

Jubel bei schwarzgelb, Trauer bei schwarzweiß
Jubel bei schwarzgelb, Trauer bei schwarzweiß

Wo die Mannschaft zuletzt allzu häufig in Schönheit starb, reichte heute im Prinzip die erste halbe Stunde, um das Spiel zu entscheiden. Doch auch wenn der Gegner es den Schwarzgelben heute leicht gemacht hat; Mit 21 Punkten hält sich der BVB in der Tabelle weiterhin alle Optionen offen, und es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft schon kommenden Freitag bei schwächelnden Karlsruhern dort weitermacht, wo sie heute begonnen hat. Wie verdient und überlegen dieser Sieg gegen Eintracht Frankfurt jedenfalls war, ließ sich nach Spielende allein schon daran feststellen, dass Friedhelm Funkel ausnahmsweise mal nicht dem Schiedsrichter die Schuld an der Niederlage gab.

In Sachen Stimmung allerdings dürfen wir gerne wieder zulegen. Das war heute gar nichts, und wie es besser geht, wurde uns im Norden schmerzlich vor Augen geführt. Die Frankfurter waren trotz hohem Rückstand einfach nur laut und haben uns auf den Rängen nach Strich und Faden vorgeführt. Peinlicher Höhepunkt auf Dortmunder Seite: Die Pfiffe, weil die Mannschaft nicht bei jedem noch so gewöhnlichen Spiel Lust auf eine Humba hat. Früher war die Humba mal besonderen Spielen vorbehalten. Man hätte es dabei belassen sollen.

Block Drölf zeigte sich sehr farbenfroh
Block Drölf zeigte sich sehr farbenfroh

Die Borussen in der Einzelkritik

Weidenfeller: Stand nicht gerade unter Dauerbeschuss und wehrte die wenigen Bälle, die Gefahr bedeuteten, souverän ab. Gute Partie, das kann er gerne beibehalten. Note 2

Lee: Hinten unterbeschäftigt, darum viel in der Offensive zu finden. Im Spielaufbau vor allem während der zweiten Hälfte allerdings auch mit einigen Stockfehlern. Darum lediglich: Note 3

Subotic: Astreine Partie. Ließ hinten nichts anbrennen und machte vorne die Tore. Inzwischen der beste Dortmunder Torschütze. Das sagt ein bisschen was über den Sturm, vor allem aber über ihn. Klasse Leistung. Note 1,5

Kehl musste verletzt raus...
Kehl musste verletzt raus...

Santana: Ebenfalls hinten sicher und vorne torgefährlich. Konnte sich gegen die schwache Frankfurter Offensive naturgemäß allerdings nicht für zukünftige Aufgaben empfehlen. Mal sehen, wie er sich in Karlsruhe präsentiert. Note 2,5

Owomoyela: Bemühte sich, ähnlich wie Lee, das Offensivspiel der Borussia zu beleben und tat das sogar mit mehr Fortune. (Selbst)sichere Leistung. Note 2,5

Kehl: Bis zum frühen Ausscheiden wirklich gut und mit der hervorragenden Vorarbeit zum 2:0. Gute Besserung! Note 2

Kringe: Ging im Mittelfeld etwas unter und agierte nicht ganz so glücklich. Braucht vielleicht auch mal eine Pause. Note 4

Tinga: Ebenfalls recht unauffällig, aber im Prinzip auch ohne Fehl und Tadel. Note 3,5

Hajnal: Bester Spieler auf dem Platz. Wir lassen die Zahlen sprechen: Drei Tore vorbereitet, eines geschossen, zu allem Überfluss wurde ihm das zweite geklaut. Geht's besser? Definitiv nicht. Note 1

...und Valdez auch
...und Valdez auch

Valdez: Mühe sich wie immer, lief wie immer, wirkte aber nicht ganz so durchsetzungsstark wie sonst und musste ebenfalls früh raus. Auch ihm eine gute Besserung. Note 4

Kuba: Schnell, quirlig, aber nicht ganz so gut wie in seinen Paradespielen. Note 3,5

Sahin: Sehr unauffällig, wenngleich das als defensiver Mittelfeldspieler ja nicht zwangsläufig schlecht sein muss. An die Form von Sebastian Kehl aus den letzten Partien kam er jedoch nicht heran. Note 3,5

Zidan: Wirkte (über)motiviert und wollte kurz vor Schluss unbedingt mit dem Kopf durch die Wand. Kam sichtlich besser ins Spiel als zuvor Valdez, blieb dabei aber zu ineffektiv. Wenn er so eigensinnig dribbelt, muss er das Tor auch machen. Trotzdem: Note 2,5

Frei: Kam spät und hatte eine Riesenchance zum 5:0.

Aufstellungen und Statistik

Block Drölf in Feierlaune
Block Drölf in Feierlaune
Borussia: Weidenfeller - Owomoyela, Santana, Subotic, Lee - Kehl (32. Sahin) - Tinga, Hajnal, Kringe - Kuba (73. Frei), Valdez (40. Zidan)


Frankfurt: Nikolov - Mahdavikia, Russ, Galindo, Köhler - Steinhöfer, Fink, Inamoto (82. Ljubicic), Toski (71. Caio) - Liberopoulos, Fenin

Tore: 1:0 Subotic (5.), 2:0 Hajnal (19.), 3:0 Subotic (26.), 4:0 Santana (69.)

Gelbe Karten: keine einzige

Rote Karten: gab's auch nich

Zuschauer: 72.200

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych, Note 2: Pfiff zwar zu Unrecht das zweite Tor Hajnals ab, präsentierte sich ansonsten aber als sehr angenehmer Leiter und ließ das Spiel weitgehend laufen. Beide Teams machten es ihm allerdings auch einfach.

Link:
-> Stimmen zum Spiel gegen die Eintracht

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