Spielbericht Profis

Kampf gewollt, Kampf angenommen ? Sieg!

25.09.2008, 03:22 Uhr von:  Redaktion

Wilkommen im WestfalenstadionEin Kampfspiel sollte es werden. Und genau das wurde es auch. Zumindest von Seiten des BVB. Mit Erfolg. Borussia Dortmund schlägt Hertha BSC Berlin mit 2:1 nach Verlängerung in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Der Super-Gau ist damit abgewendet, die Mannschaft hat einigermaßen wieder in die Spur gefunden.

Verdammt viele Fragezeichen über den Köpfen der Zuschauer sah man auf der Südtribüne, als alle gemeinsam mit Nobby Dickel die Nachnamen der elf BVB-Spieler brüllten. Was ist das denn für eine Aufstellung? Bruce Lee und Marcel Schmelzer, eigentlich beide linke Außenverteidiger. Marc-Andre Kruska, Tinga und Sebastian Kehl, eigentlich alles typische Sechser. Dazu Robert Kovac mit seinem ersten Saisoneinsatz. So groß kann die Personalnot also doch nicht sein, wenn Jürgen Klopp die völlig durcheinandergeworfene Mannschaft vom letzten Sonntag nun noch einmal komplett umstellt.Er machte aber mit der Aufstellung genau das deutlich, was er angekündigt hat. Ein Kampfspiel soll es werden. Mit Kehl, Tinga und Kruska packte er eine personifizierte Mittelfeldgrätsche im Trio aus. Tamas Hajnal sollte davor als typischer 10er für Spielkultur sorgen. Was ihm – soviel vorweg – nur mäßig gelang. Einsnull

Sehr gelungen war dagegen diesmal der Support der Südtribüne. Von Minute 1 an Dauergesänge, die nach zehn Minuten in einem „Nur der BVB, unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz" gipfelten. Dass Borussia zu diesem Zeitpunkt schon 1:0 führte, wirkte sich nicht kontraproduktiv auf die gute Stimmung aus.

Aber der Reihe nach. Schon nach drei Minuten hätte Robert Kovac nach einer Ecke von Alex Frei einschießen können. Er stand aber etwas schräg zum Ball und schlug ihn deswegen weit neben das Tor. Es sollte sein einziger Patzer im Spiel bleiben. Der Kroate bot eine starke Leistung.Wie immer fleißig präsentierte sich Nelson Valdez. Nach fünf Minuten nahm er eine lange Flanke auf, sprintete mit Ball in den Strafraum, wurde gestört, fiel spektakulär hin und nach einigem Überlegen entschloss sich Schiri Michael Weiner, einfach mal auf den Punkt zu zeigen. Auf jenen, mit Kreide im Strafraum gekennzeichneten Punkt, von dem die Elfmeter geschossen werden.

Nun beginnt eine merkwürdige Episode des Spiels, in der Hertha-Torwart Jaroslav Drobny die Hauptrolle spielt. Der Goalie geht zum Elfmeterpunkt und lässt sich von einem seiner Mitspieler anscheinend erklären, in welche Ecke Alex Frei schießen wird. Dabei macht Drobny einen fatalen Fehler. Er dreht sich zum Tor, sieht die Situation nun wie ein Feldspieler und hört anscheinend die Worte: „Der Frei schießt wie gegen Schalke links oben." Drobny geht ins Tor zurück. Frei schießt, der Hertha-Torhüter schmeißt sich nach links. Und fliegt ins Leere, weil er nicht umgedacht hat. Links oben für den Feldspieler ist rechts oben für den Torhüter.

Tor Frei1:0 für den BVB, der aber in der Folgezeit das Fußballspielen einstellte. Und weil Neven Subotic anscheinend einen rabenschwarzen Tag hatte, den wir ihm aber gerne verzeihen, ließ er einfach mal einen Ball passieren, von dem er dachte, dass Roman Weidenfeller ihn aufnehmen könne. Das war aber für den BVB-Torwart nicht möglich. Weil er Subotic aber zur Hilfe eilen wollte, stand Dortmunds Torhüter zu weit vor dem Tor. Marko Pantelic ließ sich die Chance nicht nehmen und lupfte zum 1:1. Der BVB-Support war zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr gut - von denen, die supporteten. Diejenigen, die in Roman Weidenfeller den Schuldigen sahen und ihn mit höhnischem Applaus bedachten, wenn er einen Ball aufnahm oder klärte, haben sich dagegen nicht mit Ruhm bekleckert. In der Folgezeit hatte der BVB Chancen durch Frei und durch einen strammen Schuss von Neven Subotic, der knapp am Winkel vorbei flog. Der Ball, nicht Subotic selbst. Hertha hätte aber auch führen können, aber Andrej Voronin traf nach erneutem Subotic-Patzer nur das Lattenkreuz.

HajnalDie zweite Halbzeit begann mit einem Dauergesang des BVB-Anhangs. Auf dem Rasen war derweil nichts los. In der 59. Minute wechselte Trainer Jürgen Klopp Nuri Sahin für den eher unauffällig agierenden Hajnal ein. Und Sahin hatte schon mit seiner ersten Ballberührung mehr Kreativität bewiesen, als der Ungar eine Stunde lang zuvor, wie mein Tribünennachbar meinte. Nicht falsch verstehen, liebe Leser, dies soll kein Hajnal-Bashing werden. Aber wer fordert, auf der Spielmacherposition spielen zu wollen, der muss auch mal diese Forderung durch Leistung untermauern.Hertha hatte in der Folgezeit zwei dicke Chancen, aber Weidenfeller verhinderte Schlimmeres. Auf der anderen Seite verpasste Alex Frei die Führung. Seinen Schuss wehrte Drobny zur Ecke. Egal, die Südtribüne ließ sich den Spaß nicht nehmen und stimmte in Minute 72 einen ersten Wechselgesang mit Südost an. Der klappte wunderbar, 30.000 machten ordentlich Rabatz.

Ach ja, es ging übrigens in die Verlängerung. Und schon wieder stimmte der BVB-Anhang einen Wechselgesang an, die Stimmung war hervorragend. Irgendwie hatte man nicht das Gefühl, dass das Ganze trotz dicker Berliner Chancen, trotz Verlängerung schief gehen könnte. Beide Mannschaften kamen in der Folgezeit zu Möglichkeiten. In der 92. verzog der inzwischen für Kruska eingewechselte Florian Kringe nach Sahin-Flanke, in der 95. vereitelte Weidenfeller eine Berliner Einschussmöglichkeit.

2:1 KlimoDrei Minuten später zirkelte Alex Frei einen Freistoß in Richtung Winkel, aber nicht an Drobny vorbei. In der 99. Minute brachte Klopp dann Diego Klimowicz für Valdez, der von den Fans ziemlich gefeiert wurde. Aber auch Klimo sollte noch seine Ovationen bekommen. Als irgendein Berliner irgendeinen Dortmunder in der Hertha-Hälfte foulte, Tinga gerade mit dem Ball auf und davon wollte und Schiri Weiner aber pfiff, waren alle Dortmunder zunächst entsetzt wegen des abgepfiffenen Vorteils. Nuri Sahin nahm sich den Ball und schoss einen präzisen Freistoß in den Strafraum. Klimo fuhr eines seiner langen Beine aus, erwischte die Kugel und es stand 2:1. Gut, dass der Vorteil abgepfiffen wurde.

WelleNun wurde es eine Abwehrschlacht, in der sich alle Dortmunder Spieler mit letzter Kraft dazwischen warfen. Egal ob Schmelzer, Kehl, Subotic oder Lee – der Südkoreaner machte sein bisher bestes Spiel im BVB-Trikot. Auch Robert Kovac half kräftig mit und klärte sogar per Karatesprung. Die Berliner hatten in der letzten Minute noch drei oder vier Eckbälle und Torwart Drobny wollte vorne mithelfen. Aber immer wieder war ein BVB-Bein, vor allem das von Neven Subotic, dazwischen. Dem Schiri wurde es dann zu bunt und er pfiff kurzerhand das Spiel ab. Riesenjubel über den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Die Spieler wurden anschließend noch mit einer amtlichen Humba gefeiert. Einige Profis machten da aber nur widerwillig bei mit. Wir müssen uns eh mal fragen, ob die Humba durch inflationäre Anwendung nicht ihren Reiz verliert, bzw. nicht schon längst verloren hat.

Warten wir nun mal ab, wen uns die Auslosung als nächsten Gegner beschert. Aber egal wer es wird, ein Heimspiel wäre mal ganz nett, oder?

DvB, 25.09.2008

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