Spielbericht Profis

Die neue Zeitrechnung hat begonnen

09.08.2008, 22:04 Uhr von:  Redaktion
Die neue Zeitrechnung hat begonnen
Groß war die Erleichterung nach dem Sieg gegen den RWE

Einen Tag, nachdem hunderte heiratswillige Paare den Umstand des leicht zu merkenden Datums nutzten und in den Hafen der Ehe einfuhren, wurde die frische Ehe zwischen Borussia Dortmund und Jürgen Klopp an der Hafenstraße einem ersten Härtetest unterzogen.Die Bindung hielt der Situation stand: Mit 3:1 besiegte der BVB die tapferen Regionalligisten von Rot-Weiß Essen.

Die Vorfreude war riesig. Der Neu-Trainer hat in der Vorbereitung solch eine Aufbruchstimmung unter den Fans vermitteln können, dass im Forum sogar einige angekündigt haben, sich im Misserfolgsfall diese Saison am Riemen reißen zu wollen und nicht sofort losmeckern würden. Und schon im Zug nach Essen wurde deutlich, wie groß die Kloppomanie unter den BVB-Fans inzwischen ist: Alle tranken Radler. Nicht irgendeins, sondern genau das von jener Brauerei, das auch Jürgen Klopp beim Fantreffen am letzten Mittwoch genoss.

Im Stadion war schon lange vor dem Anpfiff sehr gute Stimmung. Als dann um 14.45 Uhr Roman Weidenfeller einlief, verkündeten die BVB-Fans genau das, was alle schon vorher wahrgenommen haben, nämlich: „Hurra, hurra, die Dortmunder sind da". Als dann auch noch die Stadionregie „Am Tag, als Conny Kramer starb“, einspielte, war sich das ganze Stadion einig: „Am Tag, als der FC Scheiße starb,………..“. Und auch der Spruch „Ihr seid Scheiße, wie der S04“, konnte von beiden Seiten benutzt werden.

Die Sektion Essen klärt die Fronten
Die Sektion Essen klärt die Fronten

Die Sektion Essen hatte sich für die RWE-Fans etwas besonderes ausgedacht und zeigte ihnen per Spruchband, was eine Geburt in Essen eigentlich für einen Sinn hat: In Essen geboren, um für Dortmund zu sterben. Die Rot Weißen unter den 21.000 Zuschauern im Georg Melches-Stadion werden da wohl anderer Meinung sein.

Der BVB legte in der Offensive los wie die Feuerwehr, in der Defensive hakte es noch etwas. Antonio Rukavina und Giovanni Federico machten einigermaßen Wind über rechts. Vor allem fiel aber Nelson Valdez auf, den ich schon an dieser Stelle zum besten Borussen küren möchte. Nicht so recht ins Spiel fanden Neven Subotic, der zu Anfangs nicht in die Zweikämpfe kam. Und Mats Hummels wirkte nicht so präsent wie in manchem Testspiel. Beide hatten einige Abstimmungsprobleme mit ihren Außen Rukavina und Dede. Beide sollten sich aber steigern.

Essener Ausgleichsjubel
Essener Ausgleichsjubel

In der 12. Minute hatte Mladen Petric nach schönem Rukavina-Run plus eingabe die erste große Chance. Zwei Minuten später klingelte es dann tatsächlich im Essener Kasten. Über links setzte sich Nelson Valdez schön durch, passte in die Mitte und Tamasz Hajnal hatte keine Mühe, den Ball in den Winkel zu chippen. Der Ungar hatte bis dahin nichts gezeigt. Um so schöner, dass er sich mit einem Tor in die Pflichtspiele meldete.

Die Stimmung unter den BVB-Fans war bis dahin grandios. Unter dem Kommando von Wolle wurden viele neue, schöne Gesänge vorgetragen. Gleichzeitiges Hüpfen und Klatschen klappte auch ganz ordentlich. Insgesamt eine gute Supportleistung.

Als alle dachten, dass die Messe nun schon gelesen, die Banane schon geschält sei, nahm ein Essener, ich glaube es war Stefan Lorenz, Maß und erzielte per Sonntagsschuss das 1:1. Nun war es die Zitterpartie, die niemand wollte. Die BVB-Fans griffen nun auf älteres, zum Antreiben der Mannschaft geeigneteres Liedgut wie "Auf geht's, Dortmund, kämpfen und siegen."

Phasenweise eine Klasseauftritt des BVB-Anhangs
Phasenweise eine Klasseauftritt des BVB-Anhangs

Der BVB behielt die Oberhand. Außer einem Hummels-Kopfball an die Latte mit anschließendem Subotic-Nachschuss brachte die Elf von Jürgen Klopp aber nichts mehr zustande. Auffälligste Szene: Bei einer Grätscheinlage am Seitenrand musste sich Sebastian Kehl als Wi****** bezeichnen lassen. Naja.

Die zweite Halbzeit ging mit ordentlichem Gestochere los. Die Härte nahm zu. Und langsam witterten auch die Essener Fans ihre Chance. Sehr beeindruckend, wie sie ihr „Rot Weiß Essen“ über drei Tribünen skandieren. Das Stadion glich zu diesem Zeitpunkt einem Hexenkessel. Das Spiel drohte zu kippen. Der Support der BVB-Fans ließ nach. Aber zum Glück haben wir Florian Kringe. Viel gescholten, aber von allen verehrt. Nach Dede-Flanke köpfte er zum 2:1 ein.

BVB-Torjubel um Florian Kringe
BVB-Torjubel um Florian Kringe

Von nun an nahm die Gegenwehr der Essener Mannschaft ab, die der Essener Fans aber dagegen zu. Sie beschmissen Tamasz Hajnal bei einer Ecke mit Bier und Feuerzeugen. In der 70. Minute war dann aber endgültig Ruhe. Nach Hajnal-Flanke nahm Nelson Valdez den Ball perfekt mit dem Kopf an, spielte den Essener Keeper aus und netzte zum 3:1 ein.

Für eine besondere Pflichtspielpremiere sorgte Bajram Sadrijaj. Kaum war er eingewechselt, durfte er auch schon wieder vom Platz. Rote Karte. Dabei hatte er nur Jürgen Klopps Anweisungen ausgeführt. Er hat den anstürmenden Essener gestoppt. „Ich habe ihn genau auf diese Situation eingestellt, nämlich, dass er den über die Seite durchbrechenden Essener attackieren solle“, sagte Jürgen Klopp auf der anschließenden Pressekonferenz. „Dass er meine Worte aber so interpretiert, habe ich nicht geahnt, ich muss mal an meiner Wortwahl feilen“, schmunzelte der Trainer und nahm die Rote Karte zu 70 Prozent auf seine Kappe. Der ebenfalls eingewechselte Marcel Schmelzer deutete sein Talent in den letzten Minuten an. Es blieb aber beim 3:1, auch wenn jeweils Mats Hummels und Sebastian Kehl frei vor dem Essener Tor standen.

Kopfballduell mit Kringe und Subotic
Kopfballduell mit Kringe und Subotic

Auch wenn man es keinem Verantwortlichen, keinem Trainer, keinem Fan und auch keinem Spieler des BVB vorher angesehen hatte, allen ist wohl nach dem Schlusspfiff ein mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen, dass diese Pflichtaufgabe einigermaßen mit Bravour erfüllt wurde. Roman Weidenfeller strahlte übers ganze Gesicht, klatschte mit jedem ab, den er finden konnte. Die Mannschaft machte die Welle vor dem jubelnden Fans. Und auch Jürgen Klopp sah hinterher wesentlicher entspannter als noch in der Halbzeitpause aus. „Die Mannschaft hat das neue Gesicht angedeutet, von dem wir alle seit fünf Wochen sprechen“, sagte er. „Es war noch nicht alles perfekt, aber insgesamt bin ich zufrieden, dass wir mit den diszipliniert spielenden Essenern so gut umgegangen sind.“ Wenn es so weitergeht, dann kann die Bindung zwischen Klopp und dem BVB noch lange halten. Auch wenn die nächsten Wochen nicht gerade Flitterwochen werden könnten.

Daumen hoch für Klopp
Daumen hoch für Klopp

Statistik

Tore:
0:1 Hajnal (14., Rechtsschuss, Vorarbeit Valdez),1:1 S. Lorenz (18., Sonntagsschuss), 1:2 Kringe (60., Kopfball, Vorarbeit Dede), 1:3 Valdez (70., Rechtschuss, Hajnal)

So spielten sie:

Rot-Weiß Essen:
Maczkowiak – Kotula, Csyszczon, S.Lorenz, Bührer – M. Lorenz (76. Türkeri), Kühne – Pagano (68. Karadag), Mainka (76. Ritz) – Kurth, Mölders

BVB:
Weidenfeller – Rukavina, Subotic, Hummels, Dede – Hajnal (88. R.Kovac), Kehl – Federico (72.Sadrijaj), Kringe – Petric (77. Schmelzer), Valdez

geschrieben von DvB

Die Welle nach dem Spiel
Die Welle nach dem Spiel

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