Spielbericht Profis

Nichts reimt sich auf Eike Immel

23.03.2008, 00:43 Uhr von:  Redaktion

Marc André Kruska kann's nicht fassen Trotz großer Überlegenheit hat es der BVB gegen die Gäste aus Karlsruhe nicht geschafft, endlich auch in der Liga mal wieder einen Sieg zu landen. Stattdessen verbaselte die Borussia in der zweiten Halbzeit noch ihre 1:0-Führung.

Gemäß dem Dollschen Konstanz-Prinzip stellte sich die Mannschaft im Heimspiel gegen den Karlsruher SC quasi von alleine auf. Mats Hummels ersetzte in der IV Martin Amedick und Christian Wörns lief für Robert Kovac auf. Nelson Valdez sollte den gefrusteten Alexander Frei ersetzen. Man merkte dem Schweizer in den vergangenen Spielen an, dass Wirklichkeit und eigener Anspruch bei ihm nach der langen Verletzungspause noch weit auseinander liegen.

Die ungemeine Vorfreude auf das Spiel konnte weder durch die Schiedsrichteransetzung in Person von Michael Weiner, noch durch den angedrohten Halbzeitauftritt von Eike Immel und Bata Ilic getrübt werden.

Eine Schrecksekunde hatte es vor der Partie für einen BVB-Fanclub aus Österreich gegeben. Die zum Spiel angereisten Borussen waren auf der A45 bei Lüdenscheid von einem LKW gerammt worden. Bis auf ein paar Leichtverletzte blieb der Unfall glücklicherweise jedoch ohne Folgen, so dass die Schwarzgelben aus der Südsteiermark es sogar noch pünktlich zum Anpfiff ins Westfalenstadion schafften.

Der Karlsruher Gästeblock Die Partie begann aus Borussen-Sicht recht munter. Vor allem Nelson Valdez zeigte sich in den Anfangsminuten sehr quirlig, wurde von seinen Mitspielern ein ums andere Mal schön in Szene gesetzt und erarbeitete sich auf diesem Wege gleich mehrere Torchancen, scheiterte aber mit jedem Torschussversuch an KSC-Keeper Miller: Zuerst setzte er sich in der zweiten Spielminute nach Pass von Petric schön gegen zwei Gegenspieler durch, drei Minuten später war es ein Zuspiel von Federico. In der 13. Spielminute schließlich hatte Sebastian Kehl Valdez in Szene gesetzt.

In der Folge verflachte das Spiel im selben Maße, wie sich das Wetter verschlechterte. Während der Himmel bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt seine Schleusen öffnete, zog sich der BVB stärker zurück und erlaubte es den Karlsruher Gästen, ihrerseits auch etwas für Spiel zu tun – ohne dass sich der KSC dabei allerdings sonderlich kreativ zeigte.

Die entstehende spielerische Armut spiegelte sich auch auf den Rängen wider. Während die mit geschätzten gut 4.000 Fans recht spärlich angereisten Karlsruher anfangs immerhin recht lautstark auf sich aufmerksam machten, fielen inzwischen lediglich noch die Ultras durch obligatorischen Dauersingsang auf. Kaum besseres Bild auf der anderen Seite: Auch die Süd passte sich dem lethargisch gewordenen Spielverlauf an.

Mitten in das Nichts hinein ein Freistoß: 24 Minuten gespielt, Antonio Rukavina war knapp 25 Meter vor dem Karlsruher Tor von Iashvili gefoult worden. Mladen Petric legte sich das Leder zurecht. Ein sehenswerter Schlenzer, ein machtloser Markus Miller im KSC-Gehäuse und das 1:0 waren die Folge. Sehr geiler und völlig verdienter Treffer des Kroaten.

Miller hechtet vergebens nach dem BallDanach gehörte die Partie ausschließlich noch der Borussia – und auch Nelson Valdez durfte es noch einmal probieren. Doch auch nachdem ein Abpraller in der 33. Minute vor seinen Füßen landete, präsentierte sich der Südamerikaner nicht glücklicher im Abschluss. Wieder endete der Schussversuch bei Miller, der das Privat-Duell der beiden bisher sehr deutlich mit 4:0 für sich entscheiden konnte.

Auch in der Folge spielte nun praktisch ausschließlich die Borussia, konnten sich trotz recht munterer Spielweise gegen erschreckend schwache Badener Gäste allerdings keine weiteren nennenswerten Torchancen herausspielen. So ging es schließlich nach 45 Minuten mit der verdienten 1:0-Führung des BVB in die Halbzeitpause.

In der ebenfalls verregneten Halbzeitpause dann die Peinlichkeit des Tages: Eike Immel und One Hit Wonder Bata Ilic performten den Hit „Michaela“ auf dem Rasen. Wie man als einstiges Idol vieler Dortmunder Fans so tief sinken kann, war die Frage, die sich dem Beobachter beim Betrachten des gruseligen Schauspiels stellte.

Zurück ins Spiel, zurück zum Duell Valdez versus Miller. Das 5:0 für Miller gab es in der 48. Minute zu bewundern. Valdez wieder freistehend vor dem Karlsruher, doch schwarzgelbes Unvermögen gepaart mit blauweißem Reflex verhinderte eine klarere Führung der Borussen. Die Karlsruher agierten zu Beginn der zweiten Hälfte mit wesentlich mehr Elan als in Hälfte eins, was aufgrund der miserablen Vorstellung vor dem Seitenwechsel auch nicht schwer war.

Thomas Doll kann es nicht fassenIn Minute 52 machten die Badener das erste Mal durch einen gezielten Torschuss von Eichner auf sich aufmerksam und nur eine Minute später folgte die erste richtige Chance, die Bradley Carnell nach Zuspiel von Freis aus acht Metern vergab, weil er in Marc Ziegler seinen Meister fand. In Minute 55 folgte eine für viele nicht nachvollziehbare, aber ebenso ins Dollsche Konstanz-Prinzip passende Auswechslung. Für den Antreiber des Offensivspiels kam Kruska, der wohl eher der Spezialist für das Zerstören des gegnerischen Spiels ist. Man wollte ergo auf Ergebnis halten spielen. Fortan lahmte das zuvor oftmals gefällige Offensivspiel der Dortmunder und Karlsruhe übte mehr Druck auf die Dortmunder Defensivabteilung aus.

Delron Buckley scheiterte in der 61.Minute nach einem Zuspiel von Kehl am besten Karlsruher, dem Mann im Tor. Im Gegenzug dann der 1:1 Ausgleich für den KSC durch Freis. Geschehen war Folgendes: Kringe verlor den Ball an Eichner, der den diagonal nach vorne auf Hajnal passte und dessen direkte Weiterleitung dann Freis fand. Der einzige Dortmunder, der das Tor zu verhindern suchte, war Dede, dessen Fuß aus dem Schuss eine für Ziegler unhaltbare Bogenlampe machte. Das bislang zurückhaltende Spiel der Borussen in Hälfte zwei war bestraft worden. Jubel unter den mitgereisten Gästefans. Nun sangen sie doch wieder. „You only sing, when it’s Unentschieden!“

Mats Hummels mit vollem EinsatzFortan versuchte Mladen Petric sich im Privatduell mit Miller und auch er verlor sang- und klanglos mit 0:3. In den Minuten 76, 80 und 83 versuchte Petric sein Glück aus aussichtstreicher Position nachdem er vom eingewechselten Klimowicz und Rukavina in Szene gesetzt worden war. Doch seine teils ungenauen Schüsse konnte Miller allesamt parieren. Auf der Gegenseite verhinderte Mats Hummels einen Karlsruher Auswärtssieg, indem er den Ball nach einer von Ziegler unterlaufenen Freistoßflanke und einem strammen Schuss von Freis von der Linie kratzte.

Mit dem Schlusspfiff erzielte Borussia dann doch noch das vielumjubelte 2:1. Oder doch nicht? Nach chaotischen Szenen im Karlsruher Strafraum zimmerte Wörns den Ball aus zwei Metern ins leere Tor, doch der Schiedsrichter entschied auf Abseits. Eine knappe aber vertretbare Entscheidung. Wörns stand einen halben Schritt näher am gegnerischen Kasten als Torhüter Miller und damit im Abseits. Das wurde auch nicht durch den am Pfosten stehenden Abwehrspieler aufgehoben.

Fazit:

Nach der Pokaleuphorie hatte niemand Bock auf diese Partie im Ligaalltag. Die Profis zum Glück schon. Dass es nicht zu einem Heimsieg langte, ist der mangelnden Chancenverwertung, einem starken Karlsruher Keeper und einer etwas zu zurückhaltenden Spielweise zu Beginn der zweiten Hälfte geschuldet. Der beste Dortmunder des Spiels verhinderte kurz vor Schluss ein mögliches 2:1 der Karlsruher. Mats Hummels heißt er und auf seinen Namen reimt sich im Übrigen auch nix.

Einzelbewertungen

Ziegler (2,5):
Marc Ziegler angeschlagenLässt Weidenfeller durch eine erneut sehr solide Leistung langsam vergessen. Stark in der 1-gegen-1-Situation gegen Carnell; beim Gegentor machtlos. Einzige Unsicherheit bei einer Freistoßflanke kurz vor Schluss

Rukavina (3,5):
Nach schwacher Leistung im Pokal gegen Jena, heute weitgehend solide, aber unauffällig. War defensiv wie die gesamte Viererkette relativ unbeschäftigt, hätte nach vorne daher etwas aktiver sein können.

Hummels (2):
Bester Dortmunder. Wirkte souverän in seinen Aktionen; sehr gutes Stellungsspiel und Zweikampfverhalten. Was ihn von anderen Dortmunder Abwehrrecken unterscheidet, ist seine teils sehr gute Spieleröffnung. Harmonierte gut mit Wörns.

Wörns (3):
Solide Leistung und gute Abstimmung mit Hummels. Allerdings ging er beim 1:1 nicht konsequent genug zu Werke.

Dede (3,5):
Behütete seine Außenbahn ordentlich, allerdings fehlten (wie bei Rukavina) die schönen Offensivaktionen.

Kehl (3):
Zweikampfstärkster Borusse. Versuchte ein ums andere Mal das Spiel mit langen Pässen zu öffnen. War der Lenker im defensiven Mittelfeld.

Kringe (4):
Agierte unauffällig und teils unglücklich. Phasenweise überhaupt nicht zu sehen.

Tinga (3):
Erneut der Meister des Querpasses. Allerdings kämpfte er wieder einmal unermüdlich und merzte dadurch den einen oder anderen Abspielfehler der Offensivabteilung aus. Musste zur Pause verletzungsbedingt raus

Hummels im Zweikampf mit KapllaniFederico (3):
Bis zu seiner Auswechslung Antreiber des Dortmunder Offensivspiels. War immer anspielbereit, setzte mehrfach seine Mitspieler gut in Szene und hatte sehr viele Ballkontakte.

Valdez (4,5):
Viele klare Einschussmöglichkeiten, kein Tor.

Petric (3):
Geiles Freistoßtor und wie immer technisch stark. Danach tauchte er etwas ab, und mühte sich nach dem Ausgleich vergebens, den Siegtreffer zu erzielen. Die Möglichkeiten dazu hatte er.

Kruska (4):
Kam für Federico und konnte kaum Akzente setzen.

Buckley (3,5):
Kam zur Halbzeit für Tinga ins Spiel. Sehenswerte Szene, als er sich durch zwei Gegenspieler dribbelt. Schwache Szene direkt im Anschluss beim überhasteten Zuspiel in die Mitte. Insgesamt zufriedenstellende Leistung.

Klimowicz (-):
Kam 19 Minuten vor Schluss und vermochte sich kaum in Szene zu setzen.

Aufstellungen und Statistik

Borussia: Ziegler – Rukavina, Hummels, Wörns, Dede – Kehl – Kringe (71. Klimowicz), Federico (58. Kruska), Tinga (46. Buckley) – Valdez, Petric

Karlsruhe:
Miller - Görlitz, Eggimann, Franz, Eichner - Mutzel, Aduobe - Freis, Hajnal, Iashvili - Kapllani

Tore: 1:0 Petric (24.), 1:1 Freis (63.)

Gelbe Karten:
Federico, Wörns – Mutzel, Adoube, Eggimann

Zuschauer:
74.300

Schiedsrichter: Weiner, Note 3. In den entscheidenden Situationen sicher in der Beurteilung, manchmal zu kleinlich in der Bewertung von Zweikämpfen. Zerpfiff so gerade in der Schlussphase die Partie.

Jakob/Arne, 22.03.08

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