Spielbericht Profis

Arbeitssieg gegen die Huflahmen

13.12.2008, 17:34 Uhr von:  Redaktion
Arbeitssieg gegen die Huflahmen
Die Jubelwelle nach Abpfiff

Der Abend im eisigen Dortmunder Westfalenstadion begann eigentlich recht stimmungsvoll. Ein richtig schöner Freitagabend unter Flutlicht, 80.000 Zuschauer, Wunderkerzen auf der Südtribüne und ein durchaus gelungener Einlauf beider Mannschaften. Die Schalparade, mit einem ohrenbetäudenen „You'll never walk alone“, war wirklich schön anzusehen. Ein lautstarkes Fest für Augen und Ohren.

Seltsamerweise war der Anhang der Fohlen in diesem Jahr nicht sonderlich zahlreich erschienen. Vom Niederrhein kamen sogar 1.000 Karten nach Dortmund zurück. Das war vor einigen Jahren undenkbar. Da war man früher andere Zahlen aus Mönchengladbach gewohnt. Auch mit der Stimmung auf der Nordtribüne wollte es nicht so recht klappen. Das monotone Liedgut wurde schon nach 20 Minuten einfach überhört. Selbst der Mönchengladbacher Oberrang der Nordtribüne wollte diese Schmähgesänge nicht wirklich hören. Ein enttäuschender Auftritt – Niveau und Lautstärke waren eher der zukünftigen Spielklasse angepasst.

Torjubel durch Zidan & Co.
Torjubel durch Zidan & Co.

Die ersten dreißig Minuten des Spiels hätte man allerdings auch bei Glühwein und Punsch auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt verbringen können. Auf dem Platz wurde weitaus weniger Wärmendes geboten. Viel Kampf, viel Leerlauf und viele Ungenauigkeiten. Bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, wurden Hände und Füße langsam zu Eisklumpen. Der BVB war zwar bemüht, aber mit wenig Struktur im Spiel. Die streng limitierten Fohlen machten es auch nicht besser.

Nach einer halben Stunde wurde das Spiel dann zunehmend ruppiger und hektischer. Im Zeitraffer sah das dann so aus: Eine gelbe Karte für Tamas Hajnal (die noch Folgen haben sollte), fast direkt im Anschluss dann das 1:0 für den BVB. Einen eher harmlosen, hohen Ball köpfte die Hintermannschaft der Fohlen (Steve Gohouri) fast direkt vor die Füße von Mohammed Zidan. Der fackelte nicht lange und drosch das Leder unhaltbar aus 18 Metern in den Winkel. Ein Traumtor, aber auch ein Resultat der Marschroute von Jürgen Klopp. Nachsetzen, den zweiten Ball erzwingen und auch mal Risiko gehen. An einem schlechten Abend landet so ein Ball dann an der Bierbude hinter Block 15. Manchmal muss man sein Glück erzwingen.

Tamas Hajnal musste früh duschen
Tamas Hajnal musste früh duschen

Der Führungstreffer war noch nicht abschließend besungen, da folgte die kalte Dusche für den BVB. Tamas Hajnal raste mit überharten Einsatz und gestrecktem Bein auf Christofer Heimeroth zu. Innerhalb von fünf Minuten die zweite unschöne Szene des Ungarn. Die logische Konsequenz: Der gelb-rote Karton von Schiedsrichter Knut Kircher. Für Tamas war damit die Spätschicht im Kühlhaus frühzeitig beendet.

Bis zum Pausenpfiff wurde nach dieser Szene noch munter weiter geholzt. Kringe und Kuba kassierten auch noch Gelb. Mit einer gehörigen Nachspielzeit ging es dann in die Kabinen. Eine erste Hälfte mit nur einem einzigen Höhepunkt. Eigentlich konnte die zweite Halbzeit nur besser werden.

In dieser zweiten Halbzeit konnte man dann sehen, warum die Fohlen ihr Dasein im Keller der Bundesliga fristen. Ein mangelhaftes Überzahlspiel, haarsträubende Fehler in der Hintermannschaft und spielerische Defizite im gesamten Kader. So dürfte das mit dem Klassenerhalt nichts werden. Nach neun Spielen unter dem neuen Trainer Hans Meyer ist noch nicht viel Besserung in Sicht. Da hat der liebe Hans ein Himmelfahrtskommando übernommen.

Nuri Sahin bejubelt sein Tor
Nuri Sahin bejubelt sein Tor

Nach dem 2:0 durch Nuri Sahin (56. Minute, die klasse Vorarbeit von Kuba sei hier ausdrücklich erwähnt !) platzte dann auch vielen mitgereisten Fans der Kragen. Vom Oberrang Nordost kamen (deutlich vernehmbar auf der Osttribüne) Gesänge wie „Wir haben die Schnauze voll“, „Wir reisen weit, wir reisen viel – und wir verlieren jedes Spiel.“ und „Zweite Liga tut schon weh.“. Dort oben saß der Frust wohl ganz besonders tief.

Aber auch in Dortmund war nicht alles eitel Sonnenschein. Hinter der Trainerbank von Jürgen Klopp kam es wohl zu vereinzelten Pfiffen gegen die eigene Mannschaft. Jürgen Klopp war offenbar nicht gewillt, diese Pfiffe kommentarlos hinzunehmen. Fast unbemerkt entwickelte sich am Spielfeldrand, abseits des Spielgeschehens, eine recht hitzige Diskussion. Pfiffe gegen die eigene Mannschaft ? Eine Mannschaft, die fast eine Stunde in Unterzahl agiert ? Da sollten einige Besucher mal in sich gehen. Das kann und darf nicht sein. Die Reaktion von Jürgen Klopp war zu diesem Zeitpunkt durchaus verständlich.

Der Anschlusstreffer der Fohlen in der 80. Minute war ein Zufallsprodukt, weniger das Ergebnis eines strukturierten Überzahlspiels. So durfte das Stadion noch geschlagene 12 Minuten zittern.

Klopp macht die Welle
Klopp macht die Welle

Was bleibt als Fazit ? Ein verdienter Arbeitssieg gegen hufkranke Fohlen. Den Jahresabschluss und die Hinserie mit 29 Punkten kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Der Kontakt nach oben ist nach 17 Spielen nicht abgerissen. Der Rückrundenauftakt gegen Leverkusen und Bayern hat es natürlich in sich, aber dann dürften mit Valdez, Kehl und Dede (?) auch wieder einige Leistungsträger an Bord sein. Wir sind gespannt – und wünschen der Mannschaft & Jürgen Klopp ein paar besinnliche Wochen. Wunden heilen, Kraft tanken und schauen, was in der Rückrunde noch möglich ist. Die Grundsteine hat der BVB in der Hinrunde ordentlich gesetzt.

Die Spieler in der Einzelkritik

Roman Weidenfeller
Hatte nicht sonderlich viel zu tun. Dürfte sich zwischenzeitlich auch auf den Dortmunder Weihnachtsmarkt gewünscht haben. War auf dem Posten, als es dann doch einmal brenzlig wurde. 3

Hummels spielte wieder inder IV
Hummels spielte wieder inder IV

Lee
Gemeinsam mit Kuba der beste Dortmunder. Wirkte sehr sicher auf seiner Seite. Über 90 Minuten mit einer tadellosen Zweikampfbilanz. 2

Subotic
Unauffällig, aber mit sehr viel Arbeit während des Spiels in Unterzahl. 3

Hummels
Bis zum Platzverweis für Tomas Hajnal einige offensive Aktionen. Hatte in Unterzahl auch sehr viel zu tun. 3

Owomoyela
In einem Kampfspiel ohne größere Auffälligkeiten. Präsentierte sich kampfstark, wie die ganze Mannschaft in Unterzahl. 3

Kringe
Konnte dem Spiel, ähnlich wie Tinga, keine eindeutige Richtung geben. Viele Ballverluste im Aufbauspiel. Das kann der Florian besser. 4

Kringe in Action
Kringe in Action

Tinga
Eigentlich wie immer. Nur die Fehlerquote war etwas höher. Wirkt in seinen Aktionen immer etwas überhastet. In Unterzahl aber auch mit einem immensen Aktionsradius. 3

Kuba
Viel Laufarbeit. War auch häufiger in der Defensive zu finden. Kann auch mal ordentlich austeilen. Allein die grandiose Vorarbeit zum 2:0 rechtfertigt eine 2

Hajnal
Tja, seine fünf Minuten waren das im ersten Durchgang nicht. Die zweite Aktion, mit Gelb vorbelastet, war überflüssig und unschön. Das hat der Techniker doch überhaupt nicht nötig. Von daher eine 5

Zidan

Weidenfeller mit Zidan
Weidenfeller mit Zidan

Mit einem Traumtor. Ackerte in der zweiten Halbzeit fast allein in der gegnerischen Hälfte. Setzte den langen Bällen immer wieder nach. Auch wenn nicht alles geklappt hat, den Applaus in der 86. Minute hat er sich redlich erarbeitet. 3

Frei
Musste im zweiten Durchgang einer defensiveren Variante weichen. Für ihn kam Nuri Sahin. War in der ersten Hälfte aber auch nicht sonderlich aufgefallen. 4

Nuri Sahin
Kam im zweiten Durchgang für Alex Frei. Das 2:0 macht er ziemlich kaltschnäuzig. Der Rest war viel Arbeit. Eine glatte 3

Santana (82. Minute) und Klimowicz (86. Minute) ohne Note.

Stimmen von der Pressekonferenz

Klopp hatte gute Laune
Klopp hatte gute Laune

Jürgen Klopp
Ich könnte jetzt viel erzählen. Wichtig ist, wir haben jetzt 29 Punkte. Die nimmt uns niemand mehr. Wir waren heute etwas ungenau, unruhig und standen nach dem Platzverweis auch unter Druck. Wir haben dieses Kampfspiel 2:1 gewonnen. Die Mannschaft hat sich heute – und in den letzten Wochen – tadellos verhalten. Wir spielen seit vier Wochen ohne Valdez und Kehl, die ganze Hinrunde ohne Dede. Aus diesem Grund ziehe ich vor der Mannschaft den Hut. Die letzten Wochen und Monate hier in Dortmund haben wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir ruhen uns jetzt alle ein paar Wochen aus und greifen in der Rückrunde wieder voll an. Hätte man mir vor 2-3 Monaten 29 Punkte versprochen, ich hätte bedenkenlos zugegriffen. Darauf können wir sehr gut aufbauen. Den Gladbachern und Hans Meyer wünsche ich viel Glück. Ich kenne das. Wir hatten auch mal eine Situation mit 11 Punkten nach der Hinrunde und haben es fast noch geschafft. Möglich ist es.

Hans Meyer
Das zieht sich in Mönchengladbach wie ein roter Faden durch meine Amtszeit. In den neun Spielen hatten wir immer wieder gute Ansätze, schaffen es aber nicht, gegen gute Gegner auch mal zu punkten. Wir haben viele junge Kerle in der Mannschaft. Da können wir nicht erwarten, eine wiedererstarkte Dortmunder Mannschaft aus dem eigenen Stadion zu hauen. Die kassieren einfach sehr wenig Tore. Daran ändert auch die Unterzahl nichts. Diese Borussia ist in dieser Saison schwer zu spielen. Natürlich bin ich enttäuscht, wir waren nicht zwingend genug, um auch mal einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Ich bleibe dabei: Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir es noch schaffen können. Wir werden wohl mit 3-4 Teams da unten unsere eigene Meisterschaft ausspielen. In der Winterpause muss der Verein etwas Geld in die Hand nehmen. Wir benötigen einfach mal 2-3 Leute, die uns in dieser schwierigen Situation auf Anhieb helfen können. Jürgen Klopp möchte ich gratulieren. Ihr habt hier was Schönes aufgebaut. Vielleicht habt ihr im nächsten Jahr, am 34. Spieltag in Mönchengladbach, eure Saisonziele schon erreicht. Das würde mich freuen.

Hans Meyer hielt die gewohnten Reden
Hans Meyer hielt die gewohnten Reden

Für Freunde der Statistik

Borussia Dortmund mit der folgenden Aufstellung:
Weidenfeller, Lee, Subotic, Hummels, Owomoyela, Kringe, Tinga, Kuba, Hajnal, Zidan, Freitag

Die Huflahmen humpelten wie folgt:
Heimeroth, Brouwers, Gohouri, Levels, Dorda, Marin, Paauwe, Bradley, Jantschke, Friend, Matmour

Fahnen auf die Süd!
Fahnen auf die Süd!
Tore: 1:0 Zidan (35. Minute) - 2:0 Nuri Sahin (56. Minute) - 2:1 Van den Bergh (80. Minute)

Zuschauer: 79.700 (davon lediglich 5.000-6.000 Gladbacher)

Auswechslungen: Colautti für Jantschke (45. Minute) - Sahin für Frei (46. Minute) - Baumjohann für Bradley (59. Minute) - Van den Bergh für Dorda (67. Minute) - Santana für Kringe (82. Minute) - Klimowicz für Zidan (86. Minute)

Gelbe Karten: Hajnal, Kringe, Kuba - Marin, Bradley

Gelb-Rote Karte: Hajnal


geschrieben von
Rolf

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