Spielbericht Profis

Der BVB als Geburtstagsgeschenk

10.10.2008, 13:59 Uhr von:  Redaktion

Mit 25:0 gewann der BVB als Ehrengast beim Kreisligisten FC Herdecke-Ende und sorgte damit für einen der höchsten Siege in der jüngeren Geschichte der Testspiele. Neben den sehr eifrigen Sadrijaj und Kringe war auch das 45-minütige Comeback von Patrick Owomoyela bemerkenswert. Auch der über 90 Minuten gallige Einsatz aller BVB-Akteure und eine regelrechte Torsucht war auf Seiten unserer Schwarzgelben zu beobachten.

Bereits 80 Jahre ist der FC Herdecke-Ende jetzt schon alt und wie es sich für solch einen runden Geburtstag gehört, muss natürlich auch ein passendes Geschenk her. Durch die persönlichen Kontakte eines Sponsors zu Präsident Rauball konnte also dieses Spiel realisiert werden. Eigentlich sollte die Partie bereits Ende der letzten Saison ausgetragen werden, doch musste sie wegen der Beurlaubung des damaligen Trainers Doll abgesagt werden. Anstatt sich jedoch den Arsch abzulachen, blieben die Ender Verantwortlichen dran und konnten nach langer Suche gemeinam mit Manager Zorc einen Termin in der Länderspielpause freischaufeln. Dies ist auch zugleich das erste Probleme, denn im Gegensatz zur letzten Saison hat der BVB doch wieder einige Auswahlakteure in seinen Reihen, sodass diese sich dem Ender Publikum schon einmal nicht präsentieren konnten.

Weiterhin verfügt der Rasenplatz "Am Kalkheck" über kein Flutlicht, sodass man entweder im September auf dem angrenzenden, beleuchteten Aschenplatz hätte spielen müssen oder am Nachmittag. Da die BVB-Profis nicht mehr über Aschenschuhe verfügen, wurde das Spiel also um 16.30 Uhr angepfiffen. Viele Kinder und Familien gaben ein tolles Bild ab, auch wenn darunter die Stimmung streckenweise zu leiden hatte. Nur wenige aktive BVB-Fans fanden den Weg ins malerische Kirchende (der Autor dieser Zeilen ist übrigens überhaupt nicht befangen.;) Die trotzdem knapp 2.000 Zuschauer durften trotzdem eine prominente BVB-Elf bewundern. Marc Ziegler konnte mal wieder etwas Spielpraxis sammeln, wobei das übertrieben formuliert ist. Auch ohne Torwart wäre ein lockerer Sieg kein Problem gewesen. Nur bei einem Schuss in der siebten Minute musste sich der in Herdecke lebende Ziegler vergleichsweise lang machen. Seine weitere Zeit verbrachte er mit lockeren Lauf- und Dehnübungen. Neben Ziegler haben übrigens auch Kovac, Tinga, Federico, Nachwuchskoordinator Ricken und Präsident Rauball ihren Wohnsitz in der Ruhrstadt.

Regen trübt tolles Gesamtbild

Leider regnete es ausgerechnet am Spieltag stark, was nicht nur zu Standproblemen der Akteure führte, sondern auch zu Matschflecken und tendenziell weniger Zuschauer, zumal in NRW ja auch noch Herbstferien sind. Die Organisation war familiär gehalten. Von der A-Jugend bis zu Helfern aus der zweiten und dritten Mannschaft sorgten alle für einen reibungslosen Ablauf. Da der BVB auf das Mitbringen eigener Ordner verzichtete, hatten viele Kinder die Chance, ihren Idolen nah zu sein. Diese zeigten sich trotz des Wetters auch absolut fannah. Nach einem gemeinsamen Mannschaftsfoto für die örtliche Presse konnte das "Spiel des Jahrzehnts" für den Kreisligisten beginnen und der BVB neben Training etwas den Ball bewegen, auch wenn intensives Training sicherlich mehr gebracht hätte.

Neben Ziegler waren die Augen auf den endlich wieder spielfähigen Owomoyela gerichtet, der jedoch auch auf so einem Niveau noch deutliche Anpassungsprobleme zeigte. Auch der fast schon als verschollen geglaubte Federico durfte endlich mal wieder 90 Minuten spielen, knüpfte dabei jedoch tendenziell eher an seine schwächere Leistungen in den vergangenen Wochen an. Besonders seine eigentliche Stärke, der Torabschluss, kam heute nur selten zum tragen. Dies galt übrigens in gleichem Maße für den Amateurstürmer Christopher Kullmann, der in der zweiten Halbzeit zum besten Abwehrspieler der dann bemitleidenswerten Gastgeber avancierte. Ob Latte, Pfosten oder eigenes Unvermögen: Kullmann traf bei einem knappen Dutzend Chancen nur ein einziges Mal. Ein Trend, der sich bei ihm schon in den letzten Amateurspielen andeutete. Nicht mit von der Partie waren übrigens Marcel Schmelzer und Mats Hummels, die jedoch in ziviel von der Borussenbank aus das Spiel verfolgten. Während Schmelzer eine kleine Schonpause erhalten sollte, machen der Bayern-Leihgabe weiterhin Sprunggelenksprobleme zu schaffen, welche auch einen Einsatz im so wichtigen EM-Qualifikationsduell der U 21 mit Frankreich unmöglich machen.Owomoyela war auch aktiv

Von der ersten Sekunde an rollte Angriff auf Angriff auf das Ender Tor, die in der Kreisliga A mit sechs Punkten nach acht Spielen einen sehr schwachen Start erwischten, obwohl zu Beginn der Vorbereitung das inzwischen utopische Ziel Aufstieg propagiert worden war. Bei solchen Kräfteverhältnissen versucht man als schwächere Mannschaft natürlich, die Null so lange wie möglich zu halten. Dies gelang hervorragend bis zur 54. Jedoch nicht Minute, sondern Sekunde. Dann traf der Kosovare Sadrijaj, der später wegen einer Fußverletzung das Feld verlassen musste. Übrigens spielten die Borussen die Partie ab der 78. Minute eben wegen dieser Verletzung nur noch zu zehnt, auch wenn sich Weidenfeller als Einwechselspieler angeboten hat. Erst nach dem Spiel wurden einige Akteure der Gastgeber auf diese numerische Überzahl aufmerksam gemacht. Im Spiel selbst haben sie davon nichts bemerkt.

Sadrijaj empfiehlt sich

Mit schönen Direktkombinationen wurde die Abwehr also immer wieder ausgehebelt und besonders Sadrijaj war richtig heiß. Viele Tempoläufe bestimmten sein Spiel. Klimowicz hingegen traf auch oft, hatte jedoch gleich zweimal mit schönen Hechtversuchen Pech. In der 16. Minute traf er übrigens nach einem Billardtor und der Schiri wollte fast schon wieder anpfeifen, als er seinen verzweifelt winkenden Assistenten bemerkte. Mit dem Zwischenstand von 10:0 ging es dann in die Kabinen und man konnte sich an den vielen Wurst- und Bierständen etwas stärken. Kein Schnickschnack, einfach nur Fußball. So muss das sein! Selbst die extra für Klopp und Co. gezimmerte und überdachte Trainerbank erinnerte an die guten alten Zeiten, als die Sitzbänke noch aus dem gleichen Holz geschnitzt waren wie die Kerle auf dem Rasen.

Nachdem in der ersten Hälfte zehn Treffer fielen, wechselte auch der Kreisligist durch und brachte Ersatz- und Reservespieler zum Einsatz, sodass das Spiel noch einseitiger wurde. Nun fiel vor allem Florian Kringe auf, der immer wieder über die linke Seite anschob und an jeder gefährlichen Szene beteiligt war. Auch nach dem Spiel zeigte sich der Siegerländer wieder als einer der bodenständigsten Akteure, die der aktuelle Kader des BVB zu bieten hat. Trotz aller technischer Mängel spielt Kringe wohl auch deshalb jede Saison eine gute Rolle beim BVB und das, obwohl er vor Saisonbeginn stets aus der Wunschelf verbannt wird. Der Publikumsliebling des überwiegend jungen Publikums war einmal Tinga, der bei zwei Treffern bewies, dass er auch hart platziert schießen kann. Ein Umstand, den man in den letzten Monaten nur selten bei ihm beobachten durfte. Eher hat man das Gefühl, dass er auch auf der Torlinie noch einmal quer passen möchte anstatt selber den Torerfolg zu suchen.

Wer hat noch nicht? Wer will noch mal?

Alle packen mit anObwohl der BVB in den letzten Minuten nur noch mit Tinga hinten agierte, gelang den Gastgebern nicht einmal mehr die Chance auf einen Ehrentreffer, sodass man innerlich sicher erleichtert war, dass nach 90 Minuten Schluss war. Andererseits spielt man ja auch nicht alle Tage gegen solch ein Team. Beim BVB ist es nach diesem Spiel einfacher zu sagen, wer denn nicht das Tor traf. Neben Keeper Ziegler waren das lediglich Owomoyela, Kovac, Hille und Kehl. Aber besonders Hille konnte sich mit vielen Flügelläufen immer wieder in Szene setzen und da viele Zuschauer ihn noch nicht kannten, er zudem keinen Namen auf seinem Trikot hatte, war eine der häufigsten Fragen am Kalkheck diesen Nachmittag: "Wer ist denn der mit der 44?"

Auch unserem Trainer Jürgen Klopp, der wohl wirklich im Gegensatz zu Doll auch im noch so kleinen Testspiel stets vollen Einsatz verlangt, hat es sehr gut gefallen. "Ein wirklich sehr angenehmer Nachmittag", so Klopp nach dem Spiel. Denn wenn man mal vergleicht: Im letzten Jahr spielte der BVB in einem Testspiel beim FSV Witten gerade einmal 7:0. Auch wenn dieser Gegner als Bezirksligist eine Liga über Ende spielt und das damalige Testspiel die erste Partie in der Vorbereitung war, so muss man doch eine deutliche Änderung in der Einstellung feststellen. Nur ein Kritikpunkt musste der charismatische Trainer dann doch noch augenzwinkernd loswerden: "Ich habe gehört, die Trainerbank wurde extra für uns gebaut. Vielen Dank dafür! Allerdings wollten wir uns anlehnen können, doch ging das leider mal so gar nicht."

Der BVB im Torrausch

BVB: Ziegler - Owomoyela (46. Tinga), Santana, Kovac (46. Subotic), Hille - Kehl (46. Kringe) - Gordon, Buckley - Federico - Klimowicz (46. Kullmann), Sadrijaj

Tore: 0:1 Sadrijaj, 0:2 Sadrijaj, 0:3 Klimowicz, 0:4 Gordon, 0:5 Buckley, 0:6 Klimowicz, 0:7 Klimowicz, 0:8 Sadrijaj, 0:9 Buckley, 0:10 Klimowicz, 0:11 Kringe, 0:12 Sadrijaj, 0:13 Tinga, 0:14 Kringe, 0:15 Kringe, 0:16 Buckley, 0:17 Sadrijaj, 0:18 Tinga, 0:19 Sadrijaj, 0:20 Kullmann, 0:21 Federico, 0:22 Subotic, 0:23 Federico, 0:24 Kringe, 0:25 Santana.

Malte, 10.10.2008

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