Spielbericht Profis

Mund abputzen, weiterspielen!

27.02.2008, 13:14 Uhr von:  Redaktion

torjubelIn einer über weite Strecken langweiligen Partie behielt am Samstagnachmittag mit dem BVB die glücklichere der beiden Mannschaften die Oberhand. Und das nur dank Diego Fernando Klimowicz, dessen Verpflichtung sich im Laufe der Saison immer mehr auszuzahlen scheint. Dass der Argentinier ein wirklich hervorragender Joker ist, scheint die einzige Erkenntnis des Tages. Viel mehr zu erzählen gibt es nicht nach den 90. Spielminuten zwischen Borussia Dortmund und Hansa Rostock.

1.Hälfte

Von Anfang an wirkte es, als würde an diesem kühlen, aber sonnigen Tag überhaupt kein Tor fallen. Zu schwach begannen sowohl die Hausherren als auch die Gäste aus dem Norden. Beide Mannschaften waren völlig ungefährlich vor des Gegners Tor, was vor allem der hausbackenen und ineffektiven Spieleröffnung zuzuschreiben war.
Konnte man in den ersten Minuten noch annehmen, die vielen Fehlpässe auf dem grünen Rasen seien alleine der Anfangsphase und des Abtastens geschuldet, zeigte sich bald das zumindest für heute auf beiden Seiten die spielerische Klasse fehlte.

Hansa Rostock hielt so bei schwachem Niveau in der ersten Viertelstunde gut mit, auch wenn der Kroate Mladen Petric auf Seiten der Schwarzgelben, bei denen kurzfristig Kruska für den angeschlagenen Kehl im defensiven Mittelfeld begann, die erste richtige Torchance hatte. Sein Sturmpartner Alex Frei zog eine Flanke mustergültig an den zweiten Pfosten, doch Petrics Direktabnahme verfehlte das Gehäuse von Stefan Wächter knapp (8. Minute).
Auch dieser schöne Spielzug konnte nicht dafür sorgen, den Knoten im Dortmunder Offensivspiel zum Platzen zu bringen. Während die Hanseaten, die mit einer lautstarken Fanschar angereist waren, sich auf das Defensivspiel verlegten, versuchte der BVB ein ums andere Mal, ordentliche Angriffe einzuleiten. Beim Versuch blieb es aber. Ballverluste zogen sich durch alle Mannschaftsteile, Unkonzentriertheiten zerstörten den Spielfluss. Da Rostock sich bei der gezeigten Darbietung seines rukavinaGegners nicht lumpen lassen wollte, kamen sie ebenfalls wegen spielerischer Mängel kaum einmal gefährlich vor das Dortmunder Tor. Die Spieler fanden ihren Rhythmus einfach nicht.

Eine halbe Chance von Rostock - ein Kopfball in die Arme von Schlussmann Ziegler (23.) - sowie eine weitere gute Chancen auf Seiten der Borussia für Federico, der am herauseilenden Wächter scheiterte (32.), blieben die einzigen erwähnenswerten Ereignisse in Halbzeit eins.

2. Hälfte

Angesichts dieser Offenbarung wagte man es nicht einmal mehr zu hoffen, dass die zweite Hälfte besser und ansehnlicher würde. Ohne Erwartungen wurde man wenigstens dann auch nicht allzu sehr enttäuscht.
Mit dem gleichen Personal in die zweiten 45 Minuten gestartet, machten sowohl Borussia Dortmund als auch Hansa Rostock da weiter, wo sie aufgehört hatten. Ein schwacher Spielaufbau, geprägt von einer unzählbaren Anzahl an Fehlpässen, sowie Unmengen an Stockfehlern, waren das Einzige, das über 70.000 Zuschauer (unter ihnen übrigens 1.600 Nokianer aus Bochum, die Freikarten bekommen hatten) im Westfalenstadion zu sehen bekamen.

Nur die Hansa-Spieler bemühten sich etwas mehr im Spiel nach vorne und kamen so zu deren größter Chance. Ein schöner Spielzug über Stein und Rahn fand Enrico Kern, der im Rücken der Abwehr den Ball allerdings relativ weit über das Tor drosch (57.) und so eine große Möglichkeit leichtfertig vergab.
Kurz nach dieser Szene ließ Trainer Doll dann wechseln. Der von seiner Schultereckgelenkssprengung wiedergenesene Klimowicz kam für den abermals unauffälligen und formschwachen Kringe, was sich als federicospielentscheidende Maßnahme herausstellen sollte. Petric rückte dafür hinter die Spitzen und Federico nahm die Position in der rechten Mittelfeldraute ein.

Nur zehn Minuten nach dieser Umstellung war der Ex-Wolfsburger Klimowicz schon genau am richtigen Ort und netzte zum 1:0 ein (67.). Ein schöner Spielzug über Tinga und Rukavina, der mit seinem Pass eine seiner wenigen brauchbaren Flanken an diesem Tag schlug, machte es dem Linksfuß allerdings auch nicht allzu schwer.
Rostock musste von nun an aufmachen, was schließlich ein paar Chancen für den BVB nach sich zog. Allerdings scheiterte sowohl Frei zweimal am Torwart und am eigenen Unvermögen (72., 74.), Mann des Tages Klimowicz sowie der ebenfalls eingewechselte Nelson Valdez setzten jeweils einen Kopfball knapp neben das Tor von Wächter (81., 88.).

Einmal noch mussten auch die Dortmunder Anhänger zittern. Ein übel flatternder und schwer zu haltender Freistoss von Christian Rahn konnte mit viel Mühe und etwas Glück von Marc Ziegler gerade so entschärft werden (84.).
So blieb es dann beim nur aufgrund der etwas größeren Offensivbemühungen verdienten 1:0-Sieg für Borussia Dortmund. Wie schon im Hinspiel verlässt man den Platz somit als knapper Gewinner, darf aber keineswegs stolz sein auf die eigene Leistung. Eine klare Steigerung, vor allem im spielerischen Bereich, muss schleunigst vollzogen werden, gerade im Hinblick auf das Pokal-Viertelfinale gegen die TSG aus Hoffenheim. Auch hier trifft der BVB am Dienstag auf eine Mannschaft, die - ähnlich wie Hansa Rostock - erst einmal verteidigen wird. Doch das sollte die Schwarzgelben nicht schrecken. Bei einem Sieg ruft nämlich das Halbfinale. Ansporn genug.

Unter den gut 70.000 Fans auch die Reisegruppe aus Rostock mit ca. 2.000 Blockfüllern. Die Hansestadt hat sich in Sachen Reisefreudigkeit einen sehr ordentlichen Ruf erworben. Man stellt quer durch die Republik einen mehr als respektablen Auswärtshaufen. Der Hansa Anhang auch wie immer eifrig bemüht das Liedgut der Ostseeküste unters Volk zu bringen. Ganz schön laut was die Herrschaften da zu Beginn des Spiels und auch über weite Strecken der ersten Halbzeit auf dem Unterrang der Nordtribüne zum Besten gegeben haben. Respekt im Gegensatz zur eigenen Mannschaft befindet man sich damit ganz klar im oberen Drittel der Bundesliga. Auffällig dabei die Geschlossenheit der Kurve. Man singt und hüpft wirklich vollständig. Das macht einen ziemlich erfahrenen, reisekundigen und mobilisierten Eindruck.

Die Aufstellungen :

Borussia Dortmund mit der folgenden Startaufstellung:
welleZiegler, Amedick, Kringe, Tinga, Federico, Petric, Frei, Rukavina, Kovac, Kruska, Buckley
Um 15:30 langweilen sich noch auf der Bank:
Bade, Brzenska, Wörns, Valdez, Hummels, Klimowicz und Degen
(57) Klimowicz für Kringe
(72) Hummels für Federico
(83) Valdez für Frei

Die Kogge mit der folgenden Besatzung:
1. Wächter, Orestes, Kern, Yelen, Stein, Sebastian, Lukimya-Mulongoti, Rathgeb, Shapourzadeh, Bülow
Um 15:30 noch strafversetzt an die Ruder:
Hahnel, Lense, Hähnge, Dorn, Beinlich, Bartels und Agali
(52) Bartels für Yelen
(80) Dorn für Bülow

Zuschauer: 70.700

Die Noten:

Ziegler: Hatte nicht viel zu tun. Wenn doch was von Hansa kam, war er auf dem Posten. 3

Amedick: Durchwachsener Part in einem durchwachsenen Spiel. Wiederholungstäter in der Vorwärtsbewegung. Da fehlt vielleicht auch das Selbstvertrauen. 4

Kringe: Als Kapitän auf dem Platz. Auch mit diesem neongelben Erkennungszeichen nicht immer Herr der Lage. Mit einer schwächeren 3 noch gut bedient

Kovac: Wird nie der Liebling der Massen. Im schwarz-gelben Dress nicht mehr. Trotzdem solide. Mit einer sehr gefährlichen Aktion am Strafraum. Schwache 3

Rukavina: Schon aufgrund seiner klugen Torvorbereitung eine 2

fans rostockTinga: Aktivposten, Rackerer, Kämpferherz, Vorbereiter. Tinga macht wenig falsch und spielt sich immer mehr in die Herzen der Fans. 2

Federico: Wie immer mit einem Hagener Bonus. Technik & Ideen zahlen sich leidöer nicht immer aus. Unauffällige 3

Petric: Nicht so auffällig wie sonst. Mladen wirkte etwas angeschlagen und ausgelaugt. Krankheitsbedingte, schwache 3.

Frei: Alex braucht noch etwas Zeit. Da fehlt es noch an der Feinabstimmung. Nach so einer langen Pause kann er noch nicht wieder auf dem alten Level sein. Schwache 3

Buckley: Immens fleißig. Nicht immer glücklich, aber trotzdem wie eine Arbeitsbiene. Seine undankbare Aufgabe hat er gut gelöst. 3

Kruska: Nicht sehr auffällig. Da hapert es manchmal im Aufbau. Solide Hausmannskoste gegen einen, gerade Auswärts, schwachen Gegner. Schwache 3

Klimo: Alles richtig gemacht. Als Joker gekommen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das ist die Aufgabe eines Stürmers. Glatte 2

Hummels: Gute Aktionen, gute Ansätze. Hummels möchte man mal über einen längeren Zeitraum mit Spielpraxis sehen. Da schlummert einer. Glatte 3

Nelson ist leider nicht zu bewerten. Dafür reicht die Spielzeit nicht aus.

Stimmen zum Spiel

Frank Pagelsdorf: Was auffällig war wir hatten keine gute Ordnung im Spiel. Wir waren in den Zweikämpfen zu weit weg vom Mann. Die Dortmunder hatten zu viel Platz. Ärgerlich ist, dass der Elfmeter für uns nicht gegeben wurde. Aber isgesamt ist der Sieg für Borussia Dortmund in Ordnung

Thomas Doll: Das war kein gutes Spiel, dass haben meine Spieler so auch gesagt. Froh sind wir über die drei Punkte. Wir hatten Defizite im Mittelfeld. Da hat der Florian noch Nachholbedarf, Federico war auch nicht im Spiel. Mladen war angeschlagen und krank.
Wir haben in der zweiten Halbzeit auf unsere Chance gewartet. Wir wussten das. Wir wussten auch, dass diese Chance irgendwann kommt. Unsere Offensive ist dafür einfach zu stark. Da waren heute drei ganz wichtige Punkte. Hansa war mit breiter Brust hier. Sie hatten in Nürnberg gepunktet und daheim Eintracht Frankfurt geschlagen. Es gibt manchmal halt diese schweren Spiele in der Bundesliga. Die Punkte muss man sich erarbeiten. Das haben wir heute getan.

doll und pagelsdorfMichael Zorc: Das war heute nicht das beste Spiel von uns, das wissen wir. Trotzdem, denke ich, haben wir verdient gewonnen und die drei Punkte geholt. Das ist das Wichtigste. Solche Spiele muss man auch erst einmal gewinnen.

Marc-Andre Kruska: Sebastian (Kehl, Anm. d. Red.) konnte ja auch schon am Abschlusstraining nicht teilnehmen, deswegen war ich nicht allzu überrascht wegen meines Einsatzes. Als Spieler bereitet man sich ja immer so vor, als würde man spielen.
Ich denke, wir haben heute verdient gewonnen. Wir wollten erst einmal zusehen, dass hinten die null steht und ich denke, ich bin da auch der passende Spielertyp für. Imeine Stärken sind ganz klar in der Defensive.

DanielR/Rolf - 23.02.2008

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