Spielbericht Profis

Pflichtsieg im Fightclub

27.02.2008, 12:53 Uhr von:  Redaktion

tor petricDass wir das noch erleben dürfen. Ein Bundesligaspiel ist beendet und Borussia Dortmund hat nicht ein einziges Gegentor bekommen. Dass wir vorne immer treffen können, das ist ja nun nichts Neues. Aber zu null zu spielen, das erlebten wir zuletzt am 11. Spieltag. Interessanterweise gegen Bayern München. Aber diese statistischen Werte sind jetzt erstmal egal. Wir haben 2:0 in Cottbus gewonnen und holen drei ziemlich wichtige Punkte nach Dortmund. Mladen sei Dank.

Fangeschichten aus dem Fight Club

Die 2.500 mitgereisten schwarzgelben Freunde der sportlichen Achterbahnfahrt machten trotz des Grottenkicks und klirrender Kälte ordentlich Stimmung im Block, wobei vor allem die aus Kurvensicht rechte Hälfte des Blockes rockte. Wie immer bei Auswärtsspielen im Osten mischten sich viele „Locals" (Anwärter auf das Unwort des Jahres?) unter das Volk. Die hatten auch weniger die Anfeuerung der Borussen im Sinn, sondern versuchten sich eher in vielfältigsten Beschimpfungen der Cottbuser mit Gesängen wie: „Ihr seid der Meister aus Polen". Lotto King Karl hätte seine wahre Freude an dem Spektakel gehabt.

Doch beginnen wir chronologisch. Drei Fanbusse bekamen es auf der Hinfahrt auf dem Berliner Ring mit der Polizei zu tun. Wer jetzt erwartet, dass zuvor mindestens eine Tankstelle überfallen, ein McDonalds in Flammen aufgegangen und ein gegnerischer Fanbus angegriffen wurde, der muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden. Es war schlicht die fehlende Umweltplakette an den Bussen, die von der Polizei beanstandet wurde. Der vereinbarte Treffpunkt vor den Toren von Cottbus bvb blockwurde von ca. 10 PKWs und 5 Fanbussen wahrgenommen. Da in Cottbus jedoch die Busse auf den Busparkplatz geleitet wurden und den PKWs die Einfahrt verwehrt wurde, verteilte man sich dann zum Parken doch wieder auf die umliegenden Wohngebiete. Doch es sollte alles friedlich bleiben. Die Polizei agierte unauffällig und unstressig, was man vom Ordnungsdienst nicht behaupten konnte. Die Fitnessbuden-Module am Eingang des Stadions der Freundschaft haben eben doch Nachholbedarf in Sachen deeskalierendes Verhalten und Freundlichkeit.
Wenn die Kanzlerin kommt, ist alles anders. Das bekamen die Borussen am Gästeeingang zu spüren. Direkt nach Toreöffnung stand man bis zu 30 Minuten um ins Stadion zu gelangen. Wolfgang Schäuble persönlich schien die Ordner instruiert zu haben, wie die Fans zu durchsuchen seien. So mussten sowohl die Schuhe ausgezogen, als auch Portemonaies geöffnet werden um die Sicherheit der werten Kanzlerin zu schützen und terroristische Anschläge jeglicher Couleur zu verhindern.

Der Stadionsprecher verwandelte das um eine hohe Tribüne erweiterte Stadion der Freundschaft denn auch prompt verbal in den „Fight Club" um. Was eine zusätzliche Tribüne so ausmacht. Erstaunlich! Erstaunlich auch, das etwas von den Heimfans zu hören war. Zwar waren es meist die Pöbelgesänge, bei denen es richtig laut war, aber man ist in Cottbus ja schon froh, wenn man überhaupt mal einen Gesang der Heimfans zu Ohren bekommt. Früher fühlte man sich meist sehr einsam im Gästeblock.

Das Spiel im Fight Club

Viererkette Nr. 13 bot Thomas Doll in der Lausitz auf. Mats Hummels vetrat die Degen-Vertretung Antonio Rukavina auf der rechten Abwehrseite. Und für den rot-gesperrten Dede lief Delron Buckley auf. In der Innenverteidigung wie gewohnt Robert Kovac und Martin Amedick. Im Sturm feierte Alex Frei endlich sein Debut von angela merkelAnfang an. Hört sich doch alles gut an. Zumal es im Stadion der Freundschaft bisher nur Siege für den BVB zu feiern gab. Dass es diesmal wieder so war, lag an dem wie so oft treffsicheren Mladen Petric und an ungefährlichen und hausbacken agierenden Cottbussern.

Recht flott ging es los. Die Dortmunder wollten direkt klar machen, wo es lang geht. Und das gelang eindrucksvoll. Ein Pass auf Giovanni Federico, der spielte direkt hoch weiter auf Mladen Petric und der fackelte nicht lange und zog direkt vom 16er aus ab. Der Ball schlug im Winkel ein. Ein typischer Petric-Weitschuss. Die Cottbusser wollten aber kurz vor dem Tor ein Foul von Sebastian Kehl an Daniel Ziebig im Dortmunder Strafraum gesehen haben. Kehl soll den Energie-Spieler umgerempelt haben. Aber seit letzten Sonntag wissen wir ja, dass ein Abwehrspieler einen Stürmer schon mit einem 18-Tonner umhauen muss, bevor es Elfmeter gibt. Sebastian Kehl hat sich das wohl gemerkt. Und Ziebig entlarvte sich nach dem Spiel selbst, als er ins Mikro sprach: "Kehl berührte mich, ich ließ mich dann fallen, äähh, bzw. er rempelte mich um, ich fiel dann hin......" Ja, ja, alles klar.

In der Folgezeit hätte der BVB das Spiel diktieren können, wenn er sich nicht durch leichte Abspielfehler und Querschläger immer wieder das Leben selbst schwer gemacht hätte. So kamen die Cottbusser zu Gelegenheiten, die sie aber recht leicht verbaselten. Marc Ziegler machte nicht mehr als nötig und das reichte diesmal voll aus. Er musste auch nicht mehr machen.

In der zweiten Halbzeit erhöhte Energie den Druck und drängte auf den Ausgleich. So richtig gefährlich kamen sie jedoch nur in der 62. und 72. Minute vors Tor. Aber sowohl der Kopfstoß von Branko Jelic als auch der Flugkopfball von Timo Rost segelten knapp an Zieglers Gehäuse vorbei. Wenn man bisher nicht das Gefühl hatte, dass Cottbus ein Tor schießen könnte, so wurde einigen BVB-Fans jetzt doch etwas mulmig.

Das schienen auch die Spieler zu merken und hielten nun wieder etwas vehementer dagegen. Sebastian Kehl und Tinga fingen viele Bälle im defensiven Mittelfeld ab und leiteten immer wieder Angriffe ein. Alex Frei, nach ordentlicher erster Halbzeit völlig untergetaucht, bekam nun öfter die Kugel. Der erste Versuch einen Eckball petric und amedickrauszuholen, scheiterte noch, aber in der 84. Minute bekam er endlich seinen Eckstoß. Frei führte ihn selber aus, fand den Kopf von Mladen Petric und der nickte über Torwart Tremmel ins Cottbusser Gehäuse ein. Die Entscheidung. Danach brachte der BVB die Partie relativ sicher über die Zeit.

Fazit und Abreise

Insgesamt war es ein eher schwaches Bundesligaspiel. Wir hatten zwei Torchancen, beide waren drin. Cottbus hatte auch zwei Möglichkeiten, beide vergeben. Also: Die drei Punkte dankend einpacken, nach Hause fahren und auf Rostock vorbereiten. EIn besonderes Augenmerk wurde diesmal auf Schiedsrichter Sippel gelegt, weil sowohl Cottbus als auch der BVB sich in den letzten Spielen stark benachteiligt fühlten. Sippel leitete die Partie fehlerfrei.

Nach dem Spiel verlief die Abreise relativ reibungslos, bis auf das die Cottbuser wohl einige Lehrstunden in Magdeburg genommen haben müssen. An einem stadionnahen Parkplatz warteten einige Gestalten wie paramilitärische Splittergruppen auf Opfer. Unseren Kenntnissen nach haben sie keine gefunden. Schön, dass die Kanzlerin das nicht mit ansehen musste. Sie verschwand 15 Minuten vor Spielende.


Bewertungen und Spielstatistik

Marc Ziegler: Machte nicht mehr als nötig, aber wenn er gefordert war, dann fing er die Bälle sicher.
Mats Hummels: Nervöser Beginn, im späteren Verlauf sicherer. Über seine Seite liefen aber viele Cottbusser Angriffe, Amedick musste oft mithelfen. Schaltete sich auch in Offensivaktionen ein, wenn auch relativ erfolglos.
Martin Amedick: Solide Partie des Innenverteidigers.
Robert Kovac: Ebenfalls solide, ohne zu glänzen. Musste in der Halbzeit in der Kabine bleiben.
Christian Wörns: Kam rein und blieb ohne große Patzer.
Delron Buckley: Ganz gut auf der ungewohnten Position in der Verteidigung. Ging auf Nummer sicher und drosch die Bälle oft hinten raus. Ansonsten aufmerksam. In trainerbankder ersten Halbzeit sensationelle Grätsche im eigenen Strafraum.
Tinga: Rackerte wie immer viel und gewann einige Bälle im Mittelfeld. Immer anspielbereit und diesmal sogar recht ballsicher.
Sebastian Kehl: Gewann viel wichtige Bälle, manchmal schlampig im Abspiel, aber trotzdem neben Petric bester Borusse.
Florian Kringe: Besser als in den Partien zuvor. Arbeitete viel nach hinten, schaltete sich in die Offensive ein. Leistung war ok.
Giovanni Federico: Schöner Assist zum 1:0, ansonsten eher unscheinbar. Diesmal auch defensiv aktiv, wenn auch ungestüm. Hatte Glück, keine Karte gesehen zu haben.
Alexander Frei: In der ersten Halbzeit immer anspielbar, in der zweiten tauchte er bis zu seiner Ecke zum 2:0 komplett ab. Er braucht halt Spielpraxis.
Mladen Petric: Bester Borusse, aber nur wegen seiner zwei Tore. Nutzte seine Torchancen, aber verliert leider immer noch Bälle im Mittelfeld, die dann zu unnötigen Gegenangriffen führen.

Marc-Andre Kruska: Durfte ein paar Minuten mitspielen und verteilte wie gewohnt die Bälle im Mittelfeld.
Markus Brzenska: Zu kurz in der Partie, als dass eine Bewertung möglich wäre.

Energie Cottbus: Tremmel - Radeljic, Mitreski, Cvitanovic, Ziebig - Bassila - Angelov, Rost - Skela - Papadopulos, Sörensen.
Bor. Dortmund: Ziegler - Hummels, Amedick, Kovac, Buckley - Kehl - Kringe, Tinga - Federico - Frei, Petric.
Einwechselungen: 59. Jelic für Bassila, 73. Vasiljevic für Skela, 81. Aloneftis für Sörensen - 46. Wörns für Kovac, 73. Kruska für Federico, 85. Brzenska für Kringe.
Tore: 0:1 Petric (8., Federico), 0:2 Petric (84., Ecke Frei).
Eckstöße: 3:4 (Halbzeit 2:2), Chancenverhältnis: 2:2 (0:1).
Schiedsrichter: Peter Sippel (München), Gelbe Karte: Kehl
Zuschauer: 17.842.

DvB/Jakob/Thomas - 17.02.2008

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