Im Gespräch mit...

Hans-Joachim Watzke: "Ein großartiger Mensch und ein hervorragender Trainer."

31.10.2008, 06:15 Uhr von:  Redaktion

Watzke im GesprächEin neuer Trainer, eine neue Spielweise und viel Euphorie: In Dortmund scheint eine neue Zeitrechnung angebrochen. Doch was ist wirklich neu beim BVB? Warum hat der Positivtrend diesmal Bestand? Wir trafen Hans-Joachim Watzke zum Gespräch über den Stand der Dinge bei der Borussia.

schwatzgelb.de: In letzter Zeit hört man wenig von Ihnen. In der Vergangenheit sind Sie oft kritisiert worden, weil Sie sich zu oft zu Wort gemeldet hätten. Haben Sie gelernt? Oder gibt es einfach weniger Anlass, sich zu äußern?

Watzke: Das war ja das angestrebte Ziel, dass ich nur dann etwas sagen möchte, wenn es über den Tagesverlauf hinausgeht. Das hat mir ja nie jemand geglaubt. Es ist allerdings immer einfacher, das in geordneten Bahnen durchzuziehen, als wenn es drunter und drüber geht. Wir haben, was das Wirtschaftliche angeht, natürlich heute eine Situation, wo die Relevanz nicht mehr so groß ist. Wir haben kein Krisen-Szenario mehr. Wir gehören sicherlich zu den fünf wirtschaftlich am besten aufgestellten Bundesliga-Klubs. Von daher ist das Thema weitestgehend aus der Öffentlichkeit raus. Was das Kerngeschäft angeht, fällt das in letzter Konsequenz zwar in meine Verantwortung, aber es war ja immer klar, dass ich da nicht unbedingt nach Themen suche, um mich zu äußern. Der Zustand, den wir jetzt haben, ist der Idealzustand. Und das wird hoffentlich so bleiben.

Hängt das auch mit Thomas Dolls Wutrede zusammen? Ist die Kommunikation von Borussia Dortmund seitdem defensiver geworden?

Watzke: Wir wussten immer schon, wie Kommunikation funktionieren muss. Das Entscheidende ist aber, ob alle Beteiligten das auch wissen. Wir haben jetzt mit Jürgen Klopp einen Trainer, der sehr medienerfahren ist und die Effekte kennt und alle Auswirkungen vielleicht besser als sein Vorgänger einschätzen kann. Daher ist es leichter, das mit Jürgen zu koordinieren. Darüber hinaus hat Michael Zorc im Verlauf der vier Jahre, die er jetzt mit mir zusammen arbeitet, erkannt, dass er sich öfter äußern muss. Ihm muss man da aber auch einräumen, dass er das erst lernen musste. In der Zeit vor mir war es ja nicht unbedingt gewünscht, dass sich der eine oder andere da zu sehr äußert. Andererseits müssen wir durch die Börsennotierung auch öfter Stellung nehmen als andere. Ich glaube aber, so wie es im letzten halben Jahr gelaufen ist, ist es richtig.

Was macht Jürgen Klopp im sportlichen Bereich anders oder besser als seine vier Vorgänger in den letzten zwei Jahren?

Watzke: Wenn man es so überspitzt formulieren will, kann man sagen, es waren in zwei Jahren vier Trainer. Man kann aber auch sagen, wir hatten in viereinhalb Jahren vier Trainer. Das hört sich etwas besser an (lacht). Grundsätzlich ist es aber so, dass wir jetzt eine Situation erreicht haben, in der wir einen Trainer verpflichten konnten, von dem wir zu 100 Prozent überzeugt waren. Da ist bei mir auch ein Lerneffekt eingetreten. Ich habe das vielleicht in seiner Bedeutung unterschätzt, was es heißt, einen Trainer in einer Pause verpflichten zu können - mit der nötigen Ruhe - oder von Montag auf Mittwoch einen neuen Trainer finden zu müssen. Speziell beim Wechsel von Jürgen Röber zu Thomas Doll mussten wir das sehr schnell machen, weil wir in einer sehr kritischen Situation waren. Gleichwohl war die Entscheidung ja nicht falsch, weil wir mit Doll dann sehr souverän durch die Klasse gegangen sind. Im nächsten Jahr gab es dann das eine oder andere Problem. Aber die Überzeugung, dass Jürgen Klopp für Dortmunder Verhältnisse der Ideal-Trainer ist, haben wir ja nicht erst im Mai angestellt. Insofern sind wir sehr froh und bestrebt, dass wir jetzt auch auf der Trainer-Position Kontinuität haben. Da bin ich mir sehr sicher. Es gibt keine Angriffsflächen, wir haben persönlich ein außergewöhnlich gutes Verhältnis. Jürgen Klopp ist authentisch. Das ist wohl das Beste, was man überhaupt über einen Trainer sagen kann. Er ist ein großartiger Mensch und ein hervorragender Trainer. Das gibt es nicht so oft. Ich glaube auch nicht, dass man mich da einmal eines Besseren belehren muss.

Watzke im GesprächWenn Sie sagen, dass Sie endlich von einem Trainer zu 100 Prozent überzeugt sind, heißt das im Umkehrschluss, dass Sie von seinen Vorgängern nicht überzeugt waren?

Watzke: Man musste sich einfach kurzfristiger entscheiden. Der Thomas Doll zum Beispiel hatte sein Ende in Hamburg noch nicht verarbeitet. Das Thema HSV hatte er noch sehr lange auf dem Schirm. Jürgen Klopp ist dagegen sofort mit Sack und Pack hierher gezogen. Natürlich hatte er es auch leichter als Thomas Doll, dessen Tochter noch deutlich jünger ist. Dass Jürgen Klopp komplett nach Dortmund gegangen ist, heißt, dass er komplett mit einer Phase abgeschlossen hat. Das sind aber alles Nuancen, über die man nicht großartig nachdenken kann, wenn man am nächsten Samstag schon einen Trainer präsentieren muss. Im Nachhinein haben wir dann gemerkt, dass die Grundphilosophien unterschiedlich waren. Ich habe nach wie vor eine hohe Wertschätzung für Thomas Doll. Wir haben uns eigentlich auch immer gut verstanden. Aber die Grundphilosophie, mehr auf junge Spieler zu setzen und denen mehr Kredit zu geben, ist nicht Thomas Dolls ureigenste Überzeugung. Im Gegensatz zu Jürgen Klopp. Das macht aber nicht den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Trainer aus. Ottmar Hitzfeld setzt ja auch nicht unbedingt auf junge Spieler. Aber für uns als Borussia Dortmund, mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten, die ja wieder ordentlich sind, aber nicht so wie bei Wolfsburg, Hoffenheim oder Leverkusen, passt es einfach besser.

Richtig langfristig geplant wirkte die Verpflichtung von Jürgen Klopp aber auch nicht. Für das Umfeld kam das ja schon plötzlich - wenn man den Tag des Pokalfinals auslässt. Da wurde ja schon verkündet, dass Klopp nach Dortmund käme. War da nicht doch schon etwas dran? Dann wäre es wirklich eine sehr langfristige Planung gewesen.

Watzke: Das war eine Ente. Aber beide Seiten wussten, dass gegenseitig eine hohe Wertschätzung füreinander herrschte. Aber du kannst ja hundertmal planen, den Jürgen Klopp zu verpflichten, wenn der am Sonntag noch den Aufstieg mit Mainz schaffen kann. Insofern muss man immer auch eine alternative Planung haben. Aber Fakt ist, dass wir schon lange vorher gesagt haben, dass Jürgen Klopp jemand wäre, der ideal zu uns passen würde. Von seiner Mentalität her passt er hervorragend ins Ruhrgebiet. Aber um so eine Strategie dann auch zu verwirklichen, gehören mehrere Dinge.

"Jürgen Klopp ist auf seine Art auch ein Menschenfänger."

Wusste Jürgen Klopp denn schon um das Werben von Borussia Dortmund? Die offizielle Version ist ja die, dass er erst am Montag nach dem Nichtaufstieg angerufen worden sei.

Watzke: Das ist auch korrekt. Aber man trifft sich im Fußball ja immer mal wieder. Er und sein Berater konnten aus dem einen oder anderen Gespräch sicherlich ersehen, dass es unsererseits eine hohe Wertschätzung gab. Und umgekehrt konnte man heraushören, dass Jürgen Klopp einen Verein wie Borussia Dortmund nicht ganz unten auf seiner Prioritätenliste hatte. Aber den direkten Kontakt haben wir erst an dem Montag gesucht. Alles andere wäre nicht in Ordnung gewesen. Wir hatten ja am Sonntag noch gar keine Vakanz, weil wir uns da noch gar nicht von Thomas Doll getrennt hatten. Die Zeit mit Thomas Doll war ja auch keine totale Misserfolgsgeschichte, sondern sehr ambivalent. Am Ende standen wir immerhin im Pokalfinale. Was ihm dann letztlich alles verhagelt hatte, war dieser 13. Platz. Wenn Borussia Dortmund hinter dem VfL Bochum steht, dann hast du definitiv etwas falsch gemacht.

Sie sprachen Jürgen Klopps positive Ausstrahlung an. Die hat er auch ins Spiel gebracht, als es um die von den Fans ungeliebte Fahne vor der Südtribüne ging. Sie hatten mit Evonik-Chef Werner Müller auch schon ohne Erfolg über das Thema gesprochen. Was hat Herr Klopp, was Sie nicht haben?

Watzke: (lacht) Die Gesprächsatmosphäre war sehr entspannt. Jürgen Klopp ist auf seine Art auch ein Menschenfänger. Werner Müller war von seiner Art sehr fasziniert. Aber es war auch das erste Mal, dass wir das Thema mit Werner Müller besprochen hatten. Der hatte schon eine große Wertschätzung verspürt, weil Jürgen Klopp und ich extra nach Essen gekommen sind, um mit ihm zwei Stunden zu verbringen.

Watzke im GesprächWer war denn der Initiator des Treffens?

Watzke: Die Initiative ging von uns aus. Ich wollte den zwei, drei größten Partnern von Borussia Dortmund den Mann vorstellen, der bei uns in den nächsten Jahren eine wesentliche Funktion ausfüllen wird.

Wann wird die Fahne abmontiert? Viele stören sich noch an den Fäden, die da herunterhängen...

Watzke: ... ja, das wird jetzt auch kommen. Es wird noch nach Möglichkeiten gesucht, die Fahne außerhalb des Stadions verwenden zu können.

Zurück zum Sportlichen. Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Watzke: Man ist ja immer unter dem Eindruck des letzten Spiels. Letzten Samstag nach dem Bremen-Spiel war ich noch sehr zufrieden. Nach dem Spiel gegen Berlin war ich enttäuscht. Nicht von der Leistung der Mannschaft, sondern einfach, weil es schön gewesen wäre, auf Platz Fünf zu stehen. Das war ja möglich. Aber wenn man das etwas glättet, bleibt die Überzeugung, dass wir rein punktemäßig das erreicht haben, was wir uns vorgestellt haben. Wir haben aber auch deutlich die Erwartungen übertroffen, weil wir wieder mit einer anderen Art Fußball auftreten. Das war auch gegen Berlin so. Das ist das, was den Fans hier am meisten gefällt. Das macht Mut und gibt Hoffnung. Wir müssen aber fairerweise sagen, dass es deutlich schwieriger ist, unter die ersten Fünf zu kommen als vor zwei oder drei Jahren. Da gab es zwei der Player noch nicht, die jetzt dabei sind. Das sind mit Hoffenheim und Wolfsburg Klubs, die in der Bundesliga spielen dürfen, obwohl für sie die 50+1-Regel nicht gilt. Wir haben jetzt zehn Klubs, die einen Platz unter den ersten Fünf anstreben. Wenn ich davon rede, dass ich nach dem Berlin-Spiel etwas enttäuscht war, kann ich ungefähr nachfühlen, wie sie sich in Schalke oder Bremen fühlen, die ja deutlich höhere Ansprüche haben als wir. Wir sind im Pokal weiter und hatten im Uefa-Cup alles Pech dieser Welt: Um einen Platz die Setzliste verfehlt, dann mit Udine den Tabellenführer der Serie A gelost und dort im Elfmeterschießen ausgeschieden. Aber das hat uns zumindest eine Menge Sympathien gebracht.

Können Sie sich erinnern, dass es in letzter Zeit schon mal so war, dass selbst nach Unentschieden und Niederlagen gar keine Enttäuschung herrscht, sondern eher Aufbruchstimmung? Die sportlichen Ergebnisse sind ja mit den vielen Unentschieden gar nicht unbedingt so gut.

Watzke: Die sportlichen Ergebnisse sind schon da. Wir haben jetzt 13 Pflichtspiele gemacht und nur zweimal verloren. Die Leute sind ja am meisten frustriert, wenn man verliert. Hätten wir die letzten drei Spiele zweimal verloren und einmal gewonnen, hätten wir genauso viele Punkte geholt, die Leute wären aber frustriert. In Udine sind wir ausgeschieden, haben aber am äußersten Level gespielt. Die Leute spüren, dass wir mehr Hingabe und Leidenschaft haben. Und natürlich einen Umbruch in der Mannschaft mit einem Trainer und jungen Spielern, die das alles verkörpern. Bei Jürgen Klopp ist das auch nicht aufgesetzt. Der sagt das nicht, weil die Fans das hören wollen, sondern der erwartet das. Das spüren die Zuschauer, und auf Dauer wird das auch belohnt. Vielleicht ist aber auch im Dortmunder Umfeld etwas mehr Ratio eingekehrt, und die Leute wissen, dass wir alle ein Stück mehr Geduld haben müssen.

"Die jungen Spieler sind ja auch Super-Typen"

Merkt man auch im internen Bereich beim BVB, dass die Stimmung besser geworden ist?

Watzke: Intern war die Stimmung eigentlich immer okay. Der Unterschied ist der, dass man mit Jürgen Klopp einen sehr guter Kommunikator hat, der die Leute erreicht. Bei den handelnden Personen, die alle mitbekommen haben, wie eng die wirtschaftliche Situation damals war, war die Stimmung nie schlecht, weil da noch mehr innere Dankbarkeit herrschte. Im sportlichen Bereich haben wir uns natürlich in den letzten Jahren nicht durch viele temperamentvolle Auftritte ausgezeichnet. Bei der finanziellen Konsolidierung ist es schneller vorangegangen als im sportlichen Bereich, weil wir dort die Idealkonstellation noch nicht gefunden hatten.

Liegt es denn nur am Trainer, dass die Mannschaft - zum Teil auch dieselben Spieler - so ganz anders auftritt als in der Vorsaison? Kuba zum Beispiel ist ja nicht wieder zu erkennen.

Watzke: Bei Kuba liegt es auch am Trainer, aber auch an einem Reifeprozess. Er verfügt über außergewöhnliches Potential. Außerdem hat er einen hervorragenden Nationaltrainer. Ich weiß von ihm auch selbst, dass er mehr angekommen ist und gemerkt hat, dass man sich etwas mehr öffnen muss. Da hat Jürgen Klopp bestimmt auch zu beigetragen, weil er das vorlebt. Bei Kuba ist es aber einfach auch Teil eines Entwicklungsprozesses. Außerdem ist es auch so, dass du mit zwei 19-Jährigen in der Innenverteidigung automatisch mehr Kredit hast. Wenn du dann viermal mit denen verlierst, sieht die Sache natürlich anders aus. Aber gerade die Mentalität hier bewertet ja die Spieler, die alles geben, ganz anders als das in Regionen, wo eher der Erfolg zählt, der Fall wäre. Die jungen Spieler sind ja auch Super-Typen. Es war keine einfache Entscheidung, für einen jungen Zweitligaspieler wie Neven Subotic so viel Geld auszugeben. Aber da muss man auch mal der Einschätzung des Trainers vertrauen.

Pressesprecher Josef Schneck und Geschäftsführer Hans-Joachim WatzkeWie ist denn der aktuelle Stand bei den jungen Spielern? Bei Kuba haben Sie gesagt, er sei unverkäuflich...

Watzke: ... so unverkäuflich, wie einer im Leben ist, ja (lacht).

Genau. Und bei Mats Hummels stehen ja die Verhandlungen mit dem FC Bayern an. Wie sieht es da aus?

Watzke: Bei Mats haben wir das Heft des Handelns nicht in der Hand. Da sind wir auf Bayern angewiesen. Der Mats muss uns das Signal geben, dass er in Dortmund bleiben möchte. Die Bayern haben uns gesagt, dass wir uns im Winter unterhalten können. Aber erst muss Mats uns mitteilen, dass er definitiv und am liebsten in Dortmund spielen möchte. Da bin ich zuversichtlich. Wenn er ein bisschen Karriereplanung betreibt, dann muss ihm klar sein, dass - egal, wer bei Bayern München Trainer ist - in der WM-Saison weder der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft noch Martin Demichelis auf der Bank sitzen wird, sondern immer Mats Hummels. Damit würden die Bayern dem deutschen Fußball und dem Spieler selbst keinen Gefallen tun, weil jeder weiß, dass Mats spätestens 2010 ein ernsthafter Kandidat für die Nationalmannschaft ist. Wir sind da aber nur in der zweiten Reihe der Akteure. Wenn Bayern München bereit ist, Mats zu verkaufen, werden wir sicherlich die Mittel und Wege finden, das zu realisieren.

Wie ist der Stand bei Roman Weidenfeller?

Watzke: Man darf nicht jede Woche Personalpolitik betreiben. Man darf sich nicht von Einschätzungen von einem oder zwei Spieltagen abhängig machen. Das macht man vielleicht zweimal im Jahr, dann zusammen mit dem Trainer und dem Sportdirektor. Da muss man besonnen sein. Roman war lange verletzt, und man muss seine Leistungen mal nach einem gewissen Zeitraum resümieren. Da ist jetzt aber nicht der richtige Zeitpunkt.

Der Name Hildebrand fiel ja im Zusammenhang mit der Winterpause.

Watzke: Ja, das ist ja völlig normal, das hatten wir im letzten Jahr mit Jens Lehmann ja auch. Mit der Verletzung von Roman wurde das ein Thema. Aber Tatsache ist, dass keiner von uns Kontakt zu Hildebrand hat.

Watzke im GesprächZu Beginn der Saison gab es Verwirrung um den Tausch Petric/Zidan. Jedes Tor, das Petric für den HSV schießt, ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Wie ist das aus Ihrer Sicht abgelaufen, und warum wurde dieser Tausch vollzogen?

Watzke: Dass das ein Transfer war, der Diskussionen nach sich ziehen würde, war uns allen klar. Wir wussten aber von Mladen, dass er gerne wechseln würde. Das muss nichts bedeuten, aber es war schon mal Fakt. Das konnte man ihm angesichts der finanziellen Möglichkeiten, die er dann in Hamburg vorgefunden hat, auch nicht verübeln. Hamburg war auf einmal mit den Millionen für van der Vaart gesegnet. Das war aber nicht entscheidend. Entscheidend war, dass unsere sportliche Leitung gesagt hat, dass wir drei zentrale Stürmer haben, die sich alle am liebsten im Strafraum tummeln und alle drei nicht unbedingt Sprinter sind. Also Frei, Petric und Klimowicz. Nelson Valdez ist der einzige Stürmer bei uns, der weite Wege geht und Freiräume schafft. Wenn der mal verletzt ist, haben wir drei ähnlich gestrickte Stürmer. Wir haben uns gedacht, dass es ideal wäre, jeweils zwei Stürmer von jedem Typus zu haben. Jürgen Klopp hat darüber hinaus eine hohe Meinung von Mohamed Zidan. Dann kam das Hamburger Angebot. Mladen wusste davon sicherlich schon etwas früher als wir (lacht), aber das ist alles sehr fair abgelaufen. Wir haben uns dann beraten. Immerhin haben wir Mladen für 3,5 Millionen eingekauft und für 7,3 Millionen verkauft, was auch wirtschaftlich nicht uninteressant war. Wir konnten den Mohamed für 2,5 Millionen kriegen - der hatte ein Jahr vorher noch 5,8 gekostet. Michael Zorc und Jürgen Klopp haben dann eine sportliche Einschätzung abgegeben und gesagt, dass wir uns mit diesem Transfer auf keinen Fall verschlechtern. Das und die Tatsache, dass wir noch knapp fünf Millionen einnehmen konnten, hat mich dann bewogen, mein Okay zu geben. Was die Tore angeht, müssen wir am Ende abrechnen. Mladen und Alex wären auswärts sicher nicht die Idealkombination gewesen. Mladen wurde ja auch als Zehner geholt. Keiner hatte vor, die beiden im Sturm zusammenspielen zu lassen.

War denn das Verhältnis zwischen den beiden auch außerhalb des Platzes so schwierig?

Watzke: Ich glaube nicht, dass das so kompliziert war. Du hast nicht das Gefühl gehabt, dass sie beide der Wunschpartner des anderen im Sturm waren. Die kommen beide durch die Mitte und suchen den Abschluss. Das ist entscheidender.

Wie ist generell das Verhältnis untereinander? Voriges Jahr soll da ja einiges im Argen gelegen haben. Nach Außen wirkte Petric immer etwas stinkstiefelig. Ist das auch ein Grund, weshalb er abgegeben wurde?

Watzke: Ich glaube, dass Jürgen Klopp alle Antennen ausfährt, um Stimmungen auszuloten. Daher kann es sein, dass es kaum Spannungen gibt. Das kann aber auch mit der sportlichen Situation zu tun haben. Wenn es gut läuft, ist die Stimmung immer besser.

Macht Jürgen Klopp denn bei der Alltagsgestaltung vieles anders?

Watzke: Da bin ich nicht so eng dran. Aber ich glaube schon, dass die Spieler jetzt etwas mehr zusammen sind. Wir trainieren einmal pro Woche mehr, haben jetzt also oft zwei Tage in der Woche, an denen zweimal trainiert wird. Und sie essen auch oft miteinander, weil das ja auch der Kommunikation dient und einige sich nicht abhetzen müssen. Er mischt auch ein bisschen mehr durch. Die jungen Spieler dürfen ihre Meinung sagen. Man braucht zwar eine Hierarchie, aber die ist nicht ganz so starr. Das liegt natürlich auch an der Persönlichkeit. Neven oder Mats sind ja mit ihren 19 Jahren schon sehr abgeklärt.

Das Gespräch führten Jakob Scholz, Arne Kazperowski und Stefan Reinke von DerWesten.


Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit Hans-Joachim Watzke über Morgan Stanley, die Finanzkrise, einen neuen Ausrüstervertrag, Martin Kind und die 50+1-Regel.

Redaktion, 30.10.2008

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