Fehlfarben

Slomka scheitert an Müllers Größenwahn

13.04.2008, 16:04 Uhr von:  Redaktion

Für Slomka gibt es nichts mehr zu lachen Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr (lustiger), dann kommt von irgendwo her (nämlich aus GE) ein Lichtlein her. Beziehungsweise eine absolut absurde Entscheidung, bei der eine unheilvolle Liaison von Selbstüberschätzung und Größenwahn deutlich wird. Die Blauen haben tatsächlich Mirko Slomka gefeuert. Ganz Dortmund und sicherlich auch weite Teile Deutschlands lachen sich kaputt oder schütteln zumindest voller Unverständnis mit dem Kopf.

Was war vorgefallen? Der Möchtegern-Meister und Möchtegern-mit-Barcelona-auf-einer-Stufe-stehende Vorortclub aus GE hat gegen einen CL-Mitkandidaten in der Bundesliga verloren. Und zwar deutlich mit 1:5. So weit, so hervorragend. Diese Niederlage passierte drei Tage nach dem Champions League-Viertelfinalaus beim FC Barcelona. Kann alles passieren. Der Vorstand des FC Sch**** kann mit dieser Situation aber anscheinend nicht leben. Mirko Slomka, eh schon seit Wochen auf einer Art Abschussliste stehend – ein Umstand, den man wohl nur versteht, wenn man total verblendet ist – ist seinen Job nun endgültig los.

Nun haben Vereinsvorstände das gute Recht, Clubangestellte zu beurlauben, wenn sie keine ordentliche Arbeit abliefern. Aber die Bilanz von Slomka liest sich bis dato so: CL-Viertelfinale, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte, als größter Erfolg gefeiert, und in der Bundesliga auf Platz 3. In der Halbzeitpause diktierte Manager Andreas Müller noch den Journalisten in den Block, dass sein Verein ja so deutlich überlegen sei beim Spiel bei Werder Bremen. Und auch die Leistung in Barcelona sei ja so toll gewesen. Diese Meinungen hatte er zwar weltexklusiv, aber trotzdem muss die Frage erlaubt sein: Wieso feuern Sie dann Mirko Slomka, Herr Müller?

Nicht Mirko Slomka ist das Problem beim FC Sch****, der Manager ist es. Seine teils wahnwitzigen Transfers lassen nur einen Schluss zu: Müller hat so viel Ahnung von Fußball, wie Lukas Podolski von Atomphysik. Carlos Großmüller und Vicente Sanchez wurden mit viel Ablösesumme und einer Menge Vorschusslorbeeren in GE empfangen. Bisher haben sie es aber nicht geschafft, leistungsgemäß der Kategorie „blinde Vollpfosten“ zu entschwinden.

Slomka beim Spiel in der Arena Während Müller anscheinend den kompletten südamerikanischen Markt leer kaufen möchte, weil er wohl glaubt, damit die Meisterschale holen zu können, werden Talente auf Sch**** vergrault. Muss man das Thema Mesut Özil noch mit Vorsicht genießen – keiner weiß genau, was da vorgefallen ist – so ist der Transfer von Sebastian Boenisch ohne große Not geschehen. In Bremen zeigte Boenisch gute Leistungen auf der linken Außenverteidigerposition. Genau da hätten die Blauen nach der Pander-Verletzung aber die gesamte Saison einen Backup gebraucht. So musste Innenverteidiger Heiko Westermann immer auf die Außenbahn. Einfach mal ein bisschen nachdenken, Herr Müller.

Seit Wochen meint Andreas Müller mit halbgaren Treuebekenntnissen die neugierigen Journalisten beruhigen und Mirko Slomka zu besserer Arbeit motivieren zu können. Das einzige, was er aber erreicht hat, ist, dass Slomka Albert Streit, erst zur Winterpause für eine nette Summe ins Ruhrgebiet gewechselt, permanent ignorierte. Somit hat Müller einfach nur die Millionen verbrannt, denn Streit wäre nach der Saison eh ablösefrei gewechselt. Das kann der gewiefte Manager natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Hat er doch den Transfer so prima eingefädelt. In Frankfurt lachen sie sich heute noch kaputt. Ein unverhofftes Millionensümmchen kam aus Gelsenkirchen und die Eintracht spielt seit dem Transfer wie befreit auf. Auf jeden Fall wird der Hickhack um Albert Streit ein nicht unerheblicher Punkt bei der Trainerentlassung gewesen sein.

Müller als Problem?Man kann natürlich Slomka vorwerfen, dass das Verhalten, Albert Streit zu übergehen, relativ kindisch war und nur aus „purer Nickeligkeit“ geschah. Aber nachzuvollziehen ist es. Slomka lieferte Ergebnisse und CL-Qualifikationen. Und wurde trotzdem vom schlechtesten Manager des Profifußballs permanent in Frage gestellt. Schade, dass die Fehde auf dem Rücken eines Spielers ausgetragen wurde. Zumal Streit der einzige in der Sch**** Mannschaft ist, der so etwas wie Spielkultur an den Tag legt. Ansonsten besteht der Kader eher aus perspektivlosen Kickern, wie Fabian Ernst und Mladen Krstajc oder mittelmäßig talentierten Profis wie Rafinha oder Levan Kobiashwili. Sportliche Lichtblicke sind da nur Marcelo Bordon und „Funky Pee“. Die beiden nerven lediglich durch ihre musikalischen Ambitionen: Bordon als Saxophonist der Christenband „Allee der Kosmonauten“ und Christian Pander mit seinen peinlichen Hip Hop-Stammeleien. Ansonsten regiert eine uninspirierte Beamtenmentalität das Sch**** Spiel.

Klar hat Mirko Slomka sicherlich eine Menge Fehler gemacht in seiner ersten Station als Cheftrainer. Und sicher ist er auch nicht der beste Trainer der Welt. Aber trotzdem ist es ein Witz, einen ziemlich erfolgreichen Übungsleiter zum jetzigen Zeitpunkt zu feuern. Aber wer so einen größenwahnsinnigen, untalentierten und verblendeten, realitätsfernen Manager beschäftigt und dazu noch einen Präsidenten vom gleichen Schlag hat, der darf sich zum einen nicht wundern, wenn die Fans die gleiche Mentalität wie Müller an den Tag legen und darf sich zum anderen nicht darüber beklagen, wenn die Mannschaft einfach einen schlimmen, wenn auch relativ erfolgreichen Fußball spielt. Auch der neue Trainer wird einem Carlos Großmüller nicht das Fußball spielen beibringen können. Es wird auf jeden Fall lustig in Zukunft. Denn die Blauen sollen ja auch – ich sage jetzt mal – relativ abenteuerliche Finanzbilanzen vorlegen. Und wir wissen ja wohl am besten, wo das enden kann.

DvB, 13.04.2008

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