Eua Senf

Jürgen Klopp oder: Die letzte Patrone

16.06.2008, 19:09 Uhr von:  Gastautor
Jürgen Klopp oder: Die letzte Patrone

Nun ist er also da. Jürgen Klopp ist neuer Trainer von Borussia Dortmund. Eine Liebesheirat zumindest von Seiten der BVB-Vereinsführung, die schon früh ihre Bewunderung für Klopp durchscheinen ließ. Aber auch eine Vernunftehe:

Jürgen Klopp hätte wohl keinen anderen Bundesligisten vom Beginn der nächsten Saison an trainieren können, als Feuerwehrmann bei der 1. Trainerentlassung findet man auch nicht gerade rosige Bedingungen vor. Und für die weitere Karriere von Klopp hätte ein Engagement im Ausland (z.B. für Twente Enschede) wohl wenig Sinn gemacht, erst einmal gilt es sich Reputation in der Bundesliga zu verschaffen.Der BVB hätte, glaubt man so ziemlich allen Medien, im Falle einer Absage Klopps wohl niemanden in der Hinterhand gehabt. In meinem privaten Umfeld spukte nach der Entlassung Skibbes schon der Name Neururer durch das Haus. Aber da hätte der BVB wohl eher auf Theo Schneider zurückgegriffen, als den Peter zu fragen. Auch wenn der Peter nach eigener Aussage der beste Trainer auf dem Markt ist.

Aber Klopp und der BVB: passt das? Dass er gut mit den Medien kann, beweist er bei jedem Länderspiel der Deutschen im ZDF. Dazu fällt er auch nach Mainz-Spielen nicht grade durch Phrasenschwein-Sprüche auf. Zwar fordert er seine Mannschaft auch des Öfteren zum „Aufstehen" auf, aber darüber hinaus sind seine Aussagen in der Regel nicht nichtssagend. Dass der Jürgen Klopp ein Fußballfachmann ist, ist ebenso unbestritten. Aber wie ein Freund von mir immer sagt: „Ahnung haben se alle. Aber wichtig ist, wie sie es vermitteln", „... und wie die Mannschaft es aufnimmt" möchte ich noch dazufügen. Lange Zeit hab ich fröhlich zu der als untrainierbar geltenden Mannschaft aus Herne-West herabgeschaut und stolz ausgerechnet: in 18 ½ Jahren haben wir (lässt man großzügig den Übergangs-Whiskey-Udo weg) 7 Trainer gehabt. Das sind mehr als 2,5 Jahre im Schnitt, trotz Kurzzeit-Kraus und dem Scala Intermezzo. Klingt zwar nicht überragend, doch verglichen mit den meisten anderen Vereinen über so eine lange Spanne doch schon beachtlich.

Jürgen Roeber blieb gerade mal drei Monate bei uns
Jürgen Roeber blieb gerade mal drei Monate bei uns

Doch nach van Marwijk haben wir schon 2 Trainer in 1,5 Jarhen verschlissen. Sollte es auch Klopp nicht schaffen, dann läuft hier grundlegend was schief. Und das kann man auch nicht aufs Umfeld schieben. Da müsste dann im Verein was falsch laufen. Entweder wäre die Mannschaft untrainierbar oder maßlos überschätzt oder planlos zusammengestellt. Der Sportdirektor würde wohl seinen Hut nehmen müssen, falls die nächste Saison nicht erfolgreicher wird. Und als erfolgreicher würde ich schon die Uefa-Cup Gruppenphase und einen Platz in der Bundesliga zwischen 5 und 9 gepaart mit attraktiverem Fußball ansehen. Auch wenn man immer so schön sagt, dass Geld keine Tore schießt: wer seine Mannschaft zum zweiten Mal mit sehr viel Geld verstärken kann, muss die Zeche bezahlen, wenn man wieder bis kurz vor Toreschluss den Ligaverbleib nicht in der Tasche hat.

Ob Klopp auch bei in der Gehaltsliste weiter oben angesiedelten (ohne „Fußballmillionär" werten zu wollen) Mannschaft für einen solchen Teamgeist, Kampf- und Laufbereitschaft wie in Mainz sorgen kann, ist noch offen. Ich wünsche es ihm, uns, und gehe optimistisch in die nächste Saison. Denn wenn einer etwas erreichen kann mit der Mannschaft, dann kein 08/15-Trainer a la Ewald Lienen, sondern einer, der Mannschaft wie Umfeld begeistern kann, und so eine Kettenreaktion in Gang bringt. Und das traue ich einem Jürgen Klopp zu.

Ich werde da sein. Zu jedem Heim-, und so manchem Auswärtsspiel.

geschrieben von Julian Schulze

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