Eua Senf

Über Sachsen fahr´n wir nach Berlin

04.05.2008, 23:35 Uhr von:  Gastautor

Wochenlang gab es für mich nichts Wichtigeres, als den 19.4.2008. Tag für Tag stimmte ich mich morgens mit BVB-Musik in den Tag. Die schrecklichen Tage weit weg von zu Hause nahmen ein Ende. Am 18.4.2008 ging ich nicht wie sonst ins Bett. Ich war glücklich, weil ich wusste, dass der folgende Tag wunderschön werden würde. Wohl einer der schönsten Tage in diesem grauseligen Jahr. Egal, mit welchem Ergebnis der Tag endete, ich wusste, dass ich mit Menschen zusammen sein werde, die das gleiche empfinden wie ich und genau die gleiche große Liebe spüren.

Berlin, Berlin...
Berlin, Berlin...

Durch mein Praktikum bin ich nun schon 5 Monate weg aus Dortmund und ich kann es kaum erwarten, wieder zurück zu kehren. Nie hätte ich gedacht, dass Menschen so verschieden sein können. In Sachsen zieht jeder sein Ding durch, es herrscht kaum Menschlichkeit und wenn sich mal jemand für Fußball interessiert, dann sind es die falschen schwarz-gelben ;)

Die Nacht verbrachte ich unruhig, träumte gar vom Finale, stand voller Freude auf, kochte für meine Begleiter Kaffee und zog stolz mein BVB-Trikot an. Gegen 7:30 Uhr begann die kurze Reise Richtung Berlin. In Riesa waren noch keine schwarz-gelben zu sehen, aber ab Berlin-Südkreuz sah man vermehrt welche und am Berlin Zoologischer Garten stießen wir dann auf die Massen. Ab diesem Moment fühlte ich, wie das Kribbeln ins unermessliche stieg. Wie hatte ich das vermisst.

Zu Schnell verging die geniale Zeit und schon begann das Spiel. Die Stimmung am Brandenburger Tor war genial. 250.000 Menschen, und fast nur schwarz-gelb zu sehen. Die wenigen Bayern-Fans interessierten nicht. Die Mannschaft präsentierte sich nach dem 0-1, so wie ich es mir gewünscht hatte. Sie kämpften, rannten und taten alles dafür, dass man stolz sein konnte.

Olympiastadion
Olympiastadion
Das 1:1 war der Hammer. Ich konnte es gar nicht glauben, ich hatte Tränen in den Augen und stand mitten in der schwarz-gelben Familie. Leider reichte es nicht zum verdienten Sieg. Die Bayern liefen nach Hause und ich war glücklich - trotz Niederlage. Ich war und bin froh, dass ich Dortmunder bin. Ich war stolz auf die Jungs. Ich weiß, dass mir das nie einer nehmen kann und dass ich diesen Verein immer lieben werde.


Heute hatte ich meinen ersten Tag auf Arbeit. Gedanklich summte ich Lieder, dachte an Samstag und wusste, dass die Kollegen nie so was fühlen würden wie ich. Komisch schauten sie mich an, weil ich am Wochenende beim Fußball war. Sie werden nie den Zusammenhalt, niemals dieses Kribbeln spüren. Nun hoffe ich einfach, dass ich beim nächsten Spiel nicht wieder auf den Boden zurück geholt werde, sondern das ich das Glück noch ein wenig genießen kann.

geschrieben von Judith Nowacki

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