Eua Senf

Kein Bock auf Bundesliga?

14.05.2008, 08:09 Uhr von:  Gastautor
Kein Bock auf Bundesliga?

Was ist das nur wieder für eine verrückte Saison 07/08. Grenzenlose Euphorie gepaart mit totaler Enttäuschung, legendäre Spiele und solche, die irgendwann in den Tiefen der Datenbanken verschwinden und nie wieder aufgerufen werden.

Am Anfang stand die Euphorie, aufbauend auf einer verheißungsvollen Aufbruchstimmung, die zu dieser Zeit wohl alle Schwarzgelben ergriffen hat. Scheinbar gute Neuverpflichtungen und ein offenbar gut durchdachtes Konzept, eine klare Struktur, führten dann zu Sätzen wie: "Mensch, dieses Jahr reißen die Jungens was" oder "Man, watt freu ich mich auf die neue Saison, endlich wieder Zauberfußball".

Da waren Spiele wie das 4:0 gegen Rom, die Süd skandiert: "Deutscher Meister wird nur der BVB"

Was dann folgte könnte wohl bitterer nicht sein. 2 deutliche Auftaktniederlagen gegen den MSV und den selbst ernannten Bayernjäger aus GE. Nichts mehr zu sehen von der anfänglichen Euphorie, jeder Hauch von Aufbruchstimmung verflogen. So kämpfte man sich also durch die Saison. Spiele wie das 3:0 gegen Bremen, ein gutes 0:0 gegen Bayern, das tolle 6:1 gegen die Arminia, gepaart mit Enttäuschungen und unerwarteten Pleiten.

Frustriert nach der Pleite in Wolfsburg
Frustriert nach der Pleite in Wolfsburg

„Fehlende Konstanz ist die einzige Konstanz in Dortmund" - so titelten die Zeitungen.

Doch Moment, etwas war an dieser Saison besonders. Mit schöner Regelmäßigkeit spielten sich die Schwatzgelben im Pokal von Runde zu Runde. Erst eine lästige Pflicht, dann willkommene Abwechslung, dann der Hoffnungsschimmer der Saison und zum Schluss totale Ekstase.

All das findet man bei keinem anderen Verein. Wo, wenn nicht in Dortmund, ist die vorabendliche Spieltagsprognose gleich einer Lotterie? Die Antwort liegt nahe - Nirgendwo.

Und genau deshalb kann von einer KEINEN-BOCK-EINSTELLUNG wenn überhaupt nur kurzfristig die Rede sein. Das Phänomen Fußball in seiner ausgeprägtesten Form - Das Gefühl "Wir Sind Borussia" - ist es, was uns allen wohl ewig die Lust geben wird, egal was auf dem Rasen passiert, ins Stadion zu pilgern, um UNS, die Grundlage des BVB, zu feiern.

Diese Saison mag noch so verkorkst sein, sie mag all das vermissen lassen, was sich der Otto-Normal-Fan wünscht, doch sie hat etwas, das keiner von uns je vergessen wird.
Wir haben den Farben schwarz und gelb in dieser Saison wieder ein Gesicht gegeben. Ein Gesicht, dass so lange hinter Pfeiffkonzerten bei Ballverlusten und Schmähgesängen gegen den Gegner versteckt war. Die Welt hat gesehen, wer hinter dieser von Außen äußert langweiligen Mannschaft des BVB steht. Und sie hat es nicht nur gesehen, es hat sie beeindruckt und Sympathie ergreifen lassen.

Jeder, egal ob im Stadion oder vor dem Fernseher, ob Dauerkarteninhaber oder Gelegenheitsbesucher, hat gesehen, warum es sich lohnt, Borusse zu sein auf ewig. Egal was passiert. Kein 0:4 in Wolfsburg, kein 1:4 in GE, kein 0:3 gegen Hamburg, kein 0:5 in München und kein 1:3 gegen Hannover kann uns das nehmen.

Dede bejubelt seinen Last-Minute-Treffer
Dede bejubelt seinen Last-Minute-Treffer
Deshalb können wir erhobenen Hauptes jetzt als Fans in den verbleibenden Spielen uns selber und der Welt noch einmal zeigen, warum wir Borussen sind und nie die Lust auf Fußball verlieren werden. Wir können noch einmal mit unendlicher Hingabe diesen einen Gesang immer lauter werden, ihn Gänsehaut verursachen lassen:


Nur der BVB, unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz"

Dauerhaft wird wohl keiner von uns sagen: "Keine Lust auf Fußball". Jeder wird in 10 Jahren auf die heutige Fangemeinschaft blicken und sich daran erinnern, was man mit ihr erlebt hat.

Die Fähigkeit, unabhängig von Ergebnissen ins Stadion zu kommen, ist schließlich seit unserem Gründungsjahr eine Tugend, die auch nicht verloren gehen wird.

Und so skandiert der BVB-Block auch noch in 50 Jahren an einem Samstagabendspiel in Yokohama gegen Hoffenheim:

"Spieler kommen und gehen, Borussia Dortmund bleibt bestehen", denn Erfolge kann man vielleicht kaufen, Stolz und Tradition aber nicht!


geschrieben von Julian Kappus

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