schwatzgelber Saisonrückblick

Saison 1982/83: Nach Torrekord das Saisonziel verpasst

18.07.2007, 13:00 Uhr von:  CHS

Der BVB war 1982/83 in einer Saison, die man auch getrost als Spiegelbild der BVB-Geschichte sehen kann: Mal ganz oben, am Ende dann fast ganz unten (was die eigenen Ansprüche betrifft). Trainerquerelen, Ärger im Vorstand und Probleme mit den Spielern bestimmten das Bild, dass der BVB in dieser Saison von sich abgab. Gerne wird aber auch vergessen, dass es auch eine Saison mit schönen Spielen, einer guten Mannschaft und vor allem - mit einem historischen Sieg - war.

Das BVB-Logo
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Nach einer fünfwöchigen Sommerpause traf man sich am 14.07.1982 zum Trainingsauftakt in der „Roten Erde“ wieder. Dabei war der Nachfolger vom Erfolgstrainer Zebec, Karlheinz „Kalli“ Feldkamp. Neben diversen Verstärkungen aus der eigenen Jugend konnte der BVB auf einen Spieler zurückgreifen, der sich ein Jahr zuvor bei einem Freundschaftsspiel nach Deutschland abgesetzt hat: Marcel Raducanu.


Nach langem Tauziehen konnte der BVB am 21.06.82 endlich die Verpflichtung des gebürtigen Rumänen verkünden. Zuvor hatte Raducanu auch schon einen Vertrag bei Hannover 96 unterschrieben, aber der DFB entschied zugunsten der Borussen. Dafür bekam der Zweitligist aus Niedersachsen eine „Ablösesumme“ von ca. 550.000 DM.

Neben Feldkamp und Raducanu erschien auch Mirko Votava beim Training, dessen Wechsel nach Leverkusen geplatzt war. Beim Training fehlte Eike Immel, der während der WM in Spanien als einziger BVB-Spieler vor Ort war. Leider kam er da auch nicht zum Einsatz.

Am gleichen Tag wurde auch der Gegner des BVB im UEFA-Cup ermittelt. Es war der Verein, der den BVB beim letzten internationalen Auftritt rausgeworfen hat, es waren die Rangers aus Glasgow.

Aber nur zwei Tage nach dem Trainingsauftakt kam der große Schock, denn Präsident Dr. Reinhard Rauball verkündet öffentlich, dass er aus „privaten und beruflichen Gründen“ sein Amt aufgeben werde.

Für die Mannschaft ging es in der jetzigen Phase darum, Grundlagen für die neue Saison zu schaffen. Dazu fuhr man zu einem Trainingslager nach Überlingen am Bodensee. Drei Trainingseinheiten pro Tag standen dort auf dem Plan. Mit am Bord war auch Mirko Votava, der wohl oder übel einen stark leistungsbezogenen Einjahres-Vertrag beim BVB unterschrieben hatte.

Im ersten Spiel ging es zum ortsansässigen SC Überlingen und der BVB gewann klar mit 14-0. Drei Tage später wurde es sogar noch deutlicher: Der FC Villingen 08 kassierte von den Dortmundern 15 Treffer. Der erste Härtetest kam am 31.07. beim Turnier in Kassel gegen Celtic Glasgow, denn die Schotten deckten schonungslos die Schwächen der Schwarzgelben auf. Am Ende konnte man sich beim besten BVB-Spieler, Eike Immel, bedanken, dass man nur mit 0-3 verloren hatte. Ein Tag später musste der BVB im Spiel um Platz drei gegen den Gastgeber KSV Hessen Kassel antreten und kassierte eine 3-4-Niederlage im Elfmeterschießen. Während der regulären Spielzeit konnten Rüssmann und Eggeling zwar einen 0-2-Rückstand egalisieren, dennoch enttäuschen die Dortmunder erneut.

Am 03.08.1982 zeigte sich der BVB gegenüber den letzten Auftritten deutlich verbessert. Zum Glück, denn Gegner war der alte Rivale aus Gelsenkirchen und man besiegte den FC Sch*lke 04 dank Abramczik und Votava mit 2-1. Vor 13.000 Zuschauern begeisterte vor allem der aus der Jugend gekommene Michael Lusch.

Auch das nächste Freundschaftsspiel konnte der BVB gewinnen. Gegner war Partizan Belgrad. Erstmals nach der abgelaufenen Sperrfrist der Fifa konnte man den Exil-Rumäne Marcel Raducanu einsetzen. Beim Ausflug in die Benelux-Länder zeigte der BVB zwei verschiedene Gesichter. Während man beim niederländischen Klub Fortuna Sittard mit 2-4 verlor, konnte man beim belgischen Lierse SK einen 2-1-Sieg holen.

Am 16.08. konnte der BVB eine Rekordablöse verkünden. Für 1,3 Mio. DM wechselt Mirko Votava zum spanischen Erstligisten Atletico Madrid. Der BVB-Schatzmeister Jürgen Vogt erklärte dazu: „Ein Verkauf Votavas war die beste Lösung, zumal auch die Finanzen stimmen“. Am 17.08. begann die Bundesliga für den BVB mit dem vorgezogenen Auswärtsspiel bei Hertha BSC Berlin. Es war ein Traumeinstand für Marcel Raducanu, der nicht nur das 1-0 für die Dortmunder erzielte, sondern auch sonst überzeugen konnte. Die anderen beiden Torschützen waren Siegfried Bönighausen und Erdal Keser. Drei Tage später traf die Borussia daheim auf die Stuttgarter. Eine Stunde hatte der BVB den VfB Stuttgart unter Kontrolle und führte mit 1-0 durch den starken Bönighausen. Am Schluss verließen den Dortmunder jedoch die Kräfte und die Schwaben konnten den 1-1-Endstand erzielen.

Nach einem erfolgreichen Start in der Liga ging es für die Dortmunder ins Ausland zu einem Turnier im Madrid. Gegner im ersten Spiel ist der brasilianische Spitzenklub Atletico Mineiro. Den goldenen Treffer für den BVB erzielte per Handelfmeter Rolf Rüssmann und brachte damit den BVB ins Finale. Dieses fand ein Tag später statt, und zwar gegen Mirko Votavas neuen Klub: Atletico Madrid. Dank der tollen Paraden von Eike Immel und den Toren von Burgsmüller bzw. Zorc konnte Dortmund mit dem 2-0-Sieg das Turnier auch gewinnen. Drei Tage nach dem Turniersieg hatte der BVB seine erste Partie im DFB-Pokal. Und der BVB musste in der ersten Runde nicht weit reisen. Gegner war Nachbar Rot-Weiß Essen. Durch einen Doppelschlag von Abramczik und Burgsmüller kurz nach der Pause gewann der BVB mit 3-1 und konnte ein sicheres Weiterkommen verbuchen.

Am 01.09.1982 empfing der BVB den 1. FC Köln und dank einer starken Abwehrleistung und den Toren von Erdal Keser und Rolf Rüssmann konnte man die Geißböcke mit 2-0 besiegen. Ein Tag nach diesem Spiel stand die Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund auf dem Plan. Da Dr. Rauball nicht wieder angetreten war, wurde der bisherige Schatzmeister Jürgen Vogt zum neuen BVB-Präsidenten gewählt.

Am nächsten Spieltag konnten zwei Borussen eine triumphale Rückkehr an den Betzenberg feiern. Sowohl Trainer Kalli Feldkamp als auch Lothar Huber waren vor ihrer Zeit beim BVB dort angestellt und nun gewann der BVB klar mit 2-0 beim 1. FC Kaiserslautern. Somit war der Traumstart des BVB mit 7-1 Punkte perfekt.

Ein torloses 0-0 gab es am 11.09. gleichen Jahres bei Eintracht Braunschweig, aber jeder Borusse dachte wohl eher an das erste Spiel im UEFA-Cup gegen die Glasgow Rangers, der auch der Gegner vor fast 16 Jahren im Europapokal war, als der BVB sich das letzte Mal international beweisen konnte. Obwohl der BVB in Person von Manni Burgsmüller hochkarätige Möglichkeiten hatte, endet das Spiel mit 0-0, so dass die Chancen für das Weiterkommen stark gesunken waren. Besser lief es drei Tage später im Derby, das der BVB klar mit 2-0 gewinnen konnte. Die Abwehr war der Garant für den Erfolg: Man hielt nicht nur das Tor sauber, sondern erzielt mit Rüssmann und Loose auch die Tore. Eine doppelte Niederlage erlebt der BVB bei dem Besuch in Nürnberg. Nicht nur, dass man das Spiel mit 2-3 gegen den 1. FC verlor, auch das frühe Ausscheiden von Rolf Rüssmann musste beklagt werden.

Am 29.09. ging es dann im UEFA-Cup zum Rückspiel nach Glasgow. Der BVB zeigte zwar eine ordentliche Leistung, konnte aber die 0-2 Niederlage gegen die Rangers nicht verhindern. Somit war für den Bundesligisten bereits nach der 1. Runde Schluss. Auch beim Heimspiel gegen Werder Bremen konnten die Dortmunder Stürmer ihre Ladehemmungen nicht beheben. So endet das Spiel 0-0 torlos. Doch eine Woche später gewannen die Borussen beim Nachbarn aus Düsseldorf. Die Fortuna wurde von der Borussia klar beherrscht und die Schwatzgelben gewannen dank Treffer von zweimal Keser und Abramczik mit 3-2.

Vor dem folgenden Pokalspiel trat der BVB zu einem Freundschaftsspiel gegen Alemannia Aachen an und verlor dieses 1-4.

Auch in der zweiten Runde des DFB-Pokals zeigte sich der BVB nicht unbedingt gefestigt. Nach der frühen Führung von Klotz verwaltet Borussia Dortmund diese 1-0-Führung nur. Am Ende ist der Bundesligist der glücklichere Gewinner, vor allem, weil Eike Immel einen Foulelfmeter des ehemaligen BVB-Spielers Segler abwehrt.

In der Bundesliga macht es der BVB ebenso spannend. Gegen den Karlsruher SC zeigte der BVB in den ersten 80 Minuten die beste Saisonleistung und führt bereits mit 4-1. Doch in der Schlussphase sind die Borussen platt und verschenken fast noch einen Punkt. Beim 4-3 Heimsieg waren Keser und Raducanu die besten Spieler. Auch eine Woche später zeigte Raducanu eine Galavorstellung beim Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen. Dank den beiden Treffer von Manni Burgsmüller konnte der BVB mit 2-1 gewinnen und feierte seinen allerersten Bundesligasieg bei dem Bayer-Werksteam.

Am 06.11.1982 kam dann die Arminia aus Bielefeld ins Westfalenstadion. Eigentlich nichts besonderes… Pagelsdorf brachte die Gäste in der ersten Halbzeit in Führung, die drei Minuten später Manni Burgsmüller wiederum ausgleichen konnte. Zur Halbzeit stand es also 1-1. Was dann aber in den zweiten 45-Minuten folgte, kann man wohl nicht wirklich beschreiben. Man kann einfach nur die 35.000 Zuschauer und die BVB-Spieler beglückwünschen. Denn nach dem Doppelschlag von Burgsmüller und Abramczik kurz nach der Pause brechen bei den Arminen alle Dämme. Insgesamt treffen Burgsmüller fünfmal und Klotz dreimal ins Tor und die Dortmunder zaubern wie noch nie. Eigentlich hätte Manni Burgsmüller die Einstellung des Bundesligarekord von Dieter Müller (sechs Tore in einem Spiel) machen können. Aber er verzichtete in der 88. Minute auf die Ausführung des Elfmeters und überließ Lothar Huber die Ehre. Am Ende gewinnt der BVB 11-1 und feiert seinen höchsten Sieg in der Bundesliga. Aber nicht nur das gab es zu feiern, denn durch diesen hohen Sieg übernahm der BVB nach langer Zeit mal wieder die Tabellenführung und verdrängte den HSV auf den zweiten Platz. Auf einen Auftritt vom „Mann des Tages“ beim Aktuellen Sport-Studio musste man dennoch verzichten, denn Manni Burgsmüller erklärte: „Ich habe eine Familienfeier. Oma Frieda wird über achtzig.

Bis zur 78. Minute hielt die 1-0-Führung der Borussen bei Eintracht Frankfurt, doch der ehemalige BVB-Trainer Branko Zebec schaffte es mit seiner Mannschaft noch, das Spiel zu drehen. Am Ende verlor der BVB nicht nur mit 1-3 das Spiel, sondern auch die Tabellenführung. Erneut überragend war der Exil-Rumäne Marcel Raducanu. Doch sechs Tage drauf war der BVB wieder Spitze: Beim Heimspiel gegen den VfL Bochum gewann man durch die Tore von Burgsmüller, Koch und Abramczik klar mit 3-1.

Sportlich lief es also beim BVB, doch es gab zwischenmenschliche Probleme. Die Äußerung von Burgsmüller „Unser Training ist chaotisch“ sorgte für Wirbel. Grund dafür war, dass Trainer Feldkamp mehrfach das Training wegen externen Terminen nicht leiten konnte. Dies sorgte für Missstimmung bei den Spielern. Einen Tag später, am 25.11., setzten sich Präsidium, Trainer und Spieler zusammen, um die Unstimmigkeiten zu bereinigen. Nach einer Stunde verkündete BVB-Präsident Vogt: „Die Ruhe ist wieder hergestellt“.

Zwei Tage später ging es in bayrische Landeshauptstadt. Aber der BVB hatte keine Chance und verlor verdient mit 0-3 gegen den FC Bayern München. Auch beim Heimspiel gegen den Hamburger SV im ausverkauften Westfalenstadion war der BVB ohne Glück und verlor mit 1-3. Durch den Erfolg setzte sich der HSV mit 3 Punkten von den Dortmundern ab. Im abschließenden Ligaspiel in der Hinrunde ging es für den BVB zum Namensvetter nach Gladbach. Dank Lothar Huber, der alle drei Tore vorbereitete, gewannen die Dortmunder mit 3-2 und konnten auf dem dritten Platz (23-11-Punkte und 40-24-Tore) überwintern.

Doch vor der Winterpause folgte noch das Achtelfinale im DFB-Pokal. Gegner im Westfalenstadion war Darmstadt 98. Der Außenseiter ging mit 0-2 in Führung, eher Erdal Keser diese mit seinen Toren ausgleichen konnte. Am Ende erzielte er noch den 4-2-Endstand und Borussia Dortmund stand im Viertelfinale des DFB-Pokals.

Für die BVB-Profis ging es dann in einem vorweihnachtlichen Trainingslager nach Gran Canaria. Dort fehlte Trainer Kalli Feldkamp, der sich zuhause einer Kieferoperation unterzog. Die Einheiten leitete der Co-Trainer Helmut Witte. Wieder daheim, hatten die Spieler zehn Tage Weihnachtsurlaub.

Direkt am 09.01.1983 ging es für die BVB-Profis erneut in ein Trainingslager. Diesmal hieß der Aufenthaltsort für eine Woche der Atalaya Park in Estepona (Andalusien). Dort fand vier Tage später auch das erste Testspiel des Jahres statt. Gegner war der Klub aus Gibraltar: Real Balompedica Linense. Und ähnlich schwer wie er zu lesen ist, war er auch zu spielen. Dennoch gewann der BVB durch Tore von Klotz, Burgmüller und zweimal Keser mit 4-2. Und auch das zweite Testspiel gegen den SuS Hüsten 09 konnte die Borussia knapp mit 1-0 für sich entscheiden.

Doch zwei Tage vor dem Rückrundenstart gab es bei Borussia Dortmund erneut großen Ärger. Trainer Feldkamp meldete sich mit einer Venenentzündung arbeitsunfähig und Marcel Raducanu verlangte erneut, dass man seine Familie einreisen lässt. Daraufhin platze Präsident Vogt der Kragen und er teilte Raducanu mit, dass er für 2,8 Mio. DM den Verein wechseln könne.

Und auch sportlich lief es nicht von Beginn an rund: Im Spitzenspiel beim VfB Stuttgart stand es bis vier Minuten vor dem Ende 1-1, eher Allgöwer den 1-2-Siegtreffer für die Schwaben erzielte und den BVB auf den sechsten Platz abdrängen konnte.

Schlagzeilen lieferte der BVB zu dieser Zeit doch zumeist neben den Fußballplatz. Am 27.01. muss Marcel Raducanu wegen eines Leistenbruchs operiert werden. Seine Rolle im Borussen-Mittelfeld sollte von Erdal Keser übernommen. Aber auch Keser fällt beim Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin aus. Der BVB erringt einen mühsamen 2-1-Arbeitssieg, welcher durch den jungen Michael Zorc in der 86. Minute gesichert wird. Daraufhin wirft BVB-Präsident Jürgen Vogt dem Trainer Karl-Heinz Feldkamp vor, die Spieler nicht hart genug anzupacken. Das sahen die Spieler natürlich ganz anders. Einige der Stars fühlten sich gar vom Trainer unterbuttert.

Glücklich war der Punktgewinn beim 1. FC Köln, der erst in der 90. Minute erzielt wurde. Der Torschütze zum 2-2-Endstand war, wie auch schon beim 1-1, Bernd Klotz. Eine Woche später sollte eigentlich das Pokalspiel gegen den VfL Bochum stattfinden, doch dies mußte nach heftigen Schneefällen ausfallen.

In der Folge päsentierte sich der BVB, obwohl weiterhin ersatzgeschwächt, war, mit ganz starker Leistung und besiegten den 1. FC Kaiserslautern klar mit 4-0. Der Lohn war der vierte Platz in der Tabelle. Auch die Eintracht aus Braunschweig konnte die Borussen nicht aufhalten. Bei diesem Heimspiel siegten die Dortmunder mit 3-2. Als nächstes stand dann das Derby auf dem Plan. Der BVB gewann ausgerechnet durch zwei Tore des Ex-Sch*lker Rüdiger Abramczik mit 2-1 in Gelsenkirchen.

Am 08.03. fand dann das ausgefallene DFB-Pokal-Viertelfinale statt. Gegner im Westfalenstadion war der VfL Bochum. Dieser waren lange Zeit die bessere Mannschaft, aber in der Verlängerung konnten der eingewechselte Marcel Raducanu und der erst 19-jährige Franz-Josef Schmedding in seinem ersten Pflichtspieleinsatz den 3-1-Sieg herausspielen. Auch beim nächsten Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg kam der BVB erst spät zum Erfolg. Denn erst nach dem 0-0 Halbzeitstand drehte der BVB auf und gewann klar mit 4-0. Der Rückstand auf Tabellenführer HSV betrug zu dieser Zeit nur noch zwei Punkte. Aber auch das Verletzungspech kehrte zum BVB zurück: Am 17.03. zog sich Michael Zorc einen Bänderriss zu, der ihn bis zum Saisonende ausfallen ließ.

Sportlich sah es also nicht so gut aus. Bei der 2-4-Niederlage im Spiel gegen Werder Bremen musste Dortmund die erste Niederlage seit fünf Spiele kassieren. Sie verloren nicht nur das Verfolgerduell um die Tabellenspitze, sondern durch einen Platzverweis zudem auch noch den Spieler Bernd Klotz.

Dieser Trend setzt sich fort, denn auch beim Heimspiel gegen die fast zwei Jahre auswärts erfolglosen Fortunen aus Düsseldorf kassierte man eine 1-2-Niederlage und verabschiedete sich damit aus dem Meisterschaftsrennen. Dazu kamen Gerüchte auf, dass Trainer Feldkamp zu Arminia Bielefeld wechseln würde. Diese Gerüchte dementiert der Trainer am 30.03. und so bereitete man sich auf das Pokalhalbfinale vor.

Am 02.04. war es dann soweit. Der BVB musste in Köln gegen Fortuna Köln antreten, aber bereits in der 35. Minute war der Traum vom dritten Einzug ins Endspiel ausgeträumt. Zu diesem Zeitpunkt führten die Fortunen schon mit 0-3 durch Tore von Schatzschneider, Lemke und Baier. Nach einer blamablen Vorstellung in der ersten Hälfte konnten die Borussen in der zweiten Halbzeit aber auch gar nichts mehr reißen. Kurz vor dem Ende erzielten erneut Schatzschneider und Werres den 0-5 Endstand für den Zweitligisten. Nur 20 Stunden später stimmte das Präsidium des BVB mit 2-1 Stimmen für die Entlassung von Trainer Karl-Heinz Feldkamp. Favorit für die Nachfolge war Dietrich Weise, das Training wurde vorerst von Co-Trainer Helmut Witte geleitet.

Die Vorbereitung auf das nächste Spiel konnte länger geplant werden, da das Bundesligaspiel beim KSC wegen Dauerregens ausfiel. Und so fand das nächste Spiel am 12.04. bei Preußen Münster statt. Der BVB gewann klar mit 7-0. Im nächsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen lag man, wie im Pokal gegen Köln, erneut zur Halbzeit mit 0-3 zurück, doch diesmal zeigte die Mannschaft Kampfgeist und erreichte durch Treffer von Abramczik, Keser und Koch noch ein 3-3. Dieses Spiel sahen allerdings nur 15.000 Zuschauer.

Als Nachfolger für den entlassenen Karl-Heinz Feldkamp ist nun Braunschweigs Trainer Uli Maslo im Gespräch.

Durch die 0-2-Niederlage im Nachholspiel beim Karlsruher SC gerät der UEFA-Cup-Platz für den BVB in Gefahr.

Und erneut kriselt es in der Mannschaft: Kapitän Burgsmüller wird vom Trainingsbetrieb suspendiert, weil er sich nicht aufs Fußballspielen konzentriert hatte. Dies meint zumindest Interimstrainer Witte und erklärt: „Solange ich Trainer in Dortmund bin, spielt Burgsmüller nicht mehr“. Derweil kündigt Burgsmüller juristische Schritte an.

Am 22.04. stellte man beim BVB den neuen Cheftrainer vor. Es wurde der Favorit für diesen Posten: Uli Maslo. Er wird die Borussen ab dem 01.07. übernehmen, Helmut Witte wird bis zum Amtsantritt von Maslo die Verantwortung tragen.

Am 28.04. sorgte BVB-Präsident Vogt dann für Schlagzeilen. In der Zeitung „Quick“ wird er wie folgt zitiert: „Fußballspieler sind wie Huren. Die muss man vorher auch bezahlen und weiß nicht, was man dafür kriegt“.

Aber Fußball wird ja in Dortmund auch noch gespielt. Erneut verliert der BVB, diesmal bei Arminia Bielefeld. Borussia bleibt mit dieser 0-1 Niederlage auch nach der Trainerentlassung weiterhin sieglos.

Am 03.05. tritt BVB-Präsident Jürgen Vogt zurück und übernimmt damit die Verantwortung für die Entwicklungen der letzten Wochen. Allerdings sieht er sich keines Fehlers bewusst. Einzig die Trainerentlassung von Feldkamp hätte früher erfolgen müssen. Interimspräsident wird Friedhelm Cramer. Ein Tag später darf Manni Burgsmüller wieder mittrainieren, soll sich aber einen neuen Verein suchen.

Endlich wieder einen Sieg gab es kurz darauf zu bejubeln. Drei Treffer allein erzielte Rüdiger Abramczik beim 4-1 Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt am 07.05. Pikanterweise wurde ihm drei Tage zuvor mitgeteilt, dass er zur neuen Saison gehen könne. Auch der Bruch mit dem besten BVB-Torschützen, Manni Burgsmüller, ist entgültig. Eine Woche später holt der BVB ein 2-2 beim VfL Bochum. Trotz einem begeisterndes Spiel und einem dreimaligen Rückstand erreicht der BVB gegen den FC Bayern „nur“ einen Punkt. Durch das 4-4 beträgt der Rückstand zur Tabellenspitze zwei Spieltage vor dem Ende zwei Punkte.

Aber eine Woche später geht der BVB beim Meisterschaftskandidat Hamburger SV mit 0-5 unter. Um überhaupt eine Chance zu haben, hätten die Schwatzgelben am letzten Spieltag gewinnen müssen! Der Gegner im Heimspiel ist Borussia Mönchengladbach. Und das Spiel begann gut. Zur Halbzeit führt der BVB mit 3-1, aber am Ende verlieren die Dortmunder mit 4-6 und haben trotz 78 Tore den sechsten Platz verpasst. Somit hat man das selbstgesteckte Ziel verpasst.

Ein weiteres Umdenken gab es aber auch noch im Verein. Manni Burgsmüller sollte nun doch gehalten werden. Allerdings ist dieser schon beim 1. FC Nürnberg im Gespräch. BVB-Interimspräsident Cramer will den BVB professionalisieren und regt eine neue Organisationsstruktur für den Verein an. Vor allem soll der BVB endlich einen hauptberuflichen Manager kriegen, denn der die Borussia war der einzige Bundesligaverein, der diesen Posten nicht vergeben hatte. Für eine interessante Zeit in der Saison 1983/84 war also gesorgt.

Die BVB-Mannschaft 1982/83
Die BVB-Mannschaft 1982/83

Fazit:

Wäre die Saison am Jahresende 1982 beendet gewesen, hätte man von einer perfekten Saison gesprochen. Doch leider gab es die Rückrunde. Vieles, was in der Hinrunde der Erfolg übertüncht hat, brach in der Rückrunde offen hervor. Die Ursache war zum einen der Ausstieg von Präsident Dr. Rauball. Sein Nachfolger Jürgen Vogt konnte ihn niemals richtig ersetzen.

Auch bei der Trainerwahl hat der BVB nicht gerade ein glückliches Händchen gehabt. Vor allem seine vielen Fehlzeiten brachte die Spieler gegen Kalli Feldkamp auf. Auch kam er nicht mit dem eigenwilligen Charakter von Burgsmüller klar. Doch am Ende musste nicht nur Trainer Feldkamp und Präsident Jürgen Vogt ihren Hut nehmen. Nach dieser Saison verließen auch die Top-Torschützen Manfred Burgsmüller und Rüdiger Abramczik den Verein.

Ein weiteres Problem waren die Zuschauerzahlen. Gegenüber dem Vorjahr verlor man im Durchschnitt 1.400 Zuschauer. Ein Grund für diesen Rückgang war die Rückkehr des FC Sch*lke 04 in die Bundesliga. Da die Gelsenkirchener und der BVB ihre Heimspiele zur gleichen Zeit austrugen, mussten sich die Zuschauer entscheiden, zu welchem Verein sie gingen. Gewinner war bei diesem Vergleich die Blauen, die einen ähnlich hohen Zuschauerzuspruch hatten wie die Dortmunder im Vorjahr.

Sportlich sah diese Saison gar nicht so schlecht aus. Europapokalspiele, DFB-Pokalhalbfinale und Platz 7 ist aller Ehren wert. Allerdings hatte man sich in Dortmund mehr erwartet. War das Ausscheiden im UEFA-Cup erwartet worden, so war es im DFB-Pokal gleichwohl eine Katastrophe. Da es „nur“ gegen einen Zweitligisten ging, dachten viele BVB-Fans und wohl auch die Aktiven schon an das Finale.

In der Bundesliga hatte man meist immer Kontakt zur Spitze und war sogar zweimal Tabellenführer. Als es allerdings darauf ankam, Charakter zu zeigen und sich oben fest zu beißen, versagten die Dortmunder, die viel mehr mit sich selber beschäftigt waren als mit dem Gegner. Dies war leider ein Trend, der sich in den nächsten Jahren fortsetzen sollte. So bleibt nur zu sagen: Es gab viele gute Ansätze, aber am Ende hatte man das Saisonziel verpasst.

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