Eua Senf

Leserkommentar zum aktuellen BVB-Geschehen

23.10.2006, 00:00 Uhr von:  Gastautor

Die Vorgaben waren eindeutig - drei Punkte wären ganz nett, nach Möglichkeit ein überzeugender Sieg. Und wie üblich stimmte die Mannschaft in den Tenor ein, redete von der Möglichkeit sich oben festzusetzen bei einem Sieg gegen einen angezählten Gegner. Und wie immer wurde dem geneigten Fan schon vor dem Spiel Angst und Bange, man denkt das Mannschaft lernfähig sein könnte. Einmal mehr bewieß die schwarzgelbe Vereinigung von Solotänzern am Freitagabend, das sie unfähig ist in Drucksituationen zu bestehen.

Wobei man noch entsetzter dreinschauen darf, wenn man drüber nachdenkt, das die Drucksituation daraus bestand, gegen murbe geschossene Bochumer drei Punkte zu holen und mit der Tabellenspitze unterm Kopfkissen zu nächtigen. Es besteht anscheinend eine generelle Unfähigkeit, Spiele überlegen zu gestalten und aus spielerischer Attraktivität den entsprechenden praktischen Nutzen zu ziehen.

Steven Pienaar und Marc Kruska taumelten kampf- und mutlos durchs Mittelfeld, dem Südafrikaner fehlt obendrein das Verständnis, die Laufwege seiner Mitspieler zu kennen und zu nutzen. Tinga drängt von der Außenbahn immer wieder ins Zentrum, damit schneiden sich die Wege zwischen ihm und dem Nationalspieler Südafrikas und beide verlassen sich auf den jeweils anderen. Obendrein gibt es keine teaminterne Kommunikation im Mittelfeld. Ricken spricht deutsch, Pienaar englisch und Tinga portugiesisch. Pienaar selbst hat zugegeben, das er „zu Beginn Tinga nicht sagen konnte, dass der Gegner hinter ihm steht.“ Die Probleme scheinen sich mittlerweile nur noch verstärkt zu haben. Viele Pässe, die in den komplett menschenleeren Raum gingen sprechen dafür, das keiner über die Laufwege des Anderen Bescheid weiß.

Obendrein spricht einiges dafür, das selbst Bert van Marwijk die Probleme nicht kennt, oder noch schlimmer: ihnen hilflos gegenübersteht. Unter der Woche vor dem Bochum-Spiel bat der Niederländer nur zweimal zum Training. Und gab den Spielern damit das Signal, das es gegen Bochum wohl auch mit halber Kraft gehen würde. Ergebnis: siehe Freitagabend. Zudem bietet der über die Presse ausgefochtene Rosenkrieg zwischen Geschäftsführer Watzke und Trainer van Marwijk genug Angriffsfläche für die Medien, um die Unruhe und den Druck auf die Mannschaft weiter zu verstärken. Der Vorteil der wirtschaftlich komplizierten Phase war, dass sich die Medien kaum für den Verein interessierten und die Mannschaft kaum unter Erwartungsdruck stand. Satzenden wie „…wäre ganz schön“ standen hoch im Kurs. Jetzt wurde genügend Spielermaterial für die Qualifikation in einem internationalen Wettbewerb gekauft, jetzt ist der Druck und auch das Interesse der Medien größer. Das dieser Druck, der von Kapitän Christian Wörns auch nach dem peinlichen Freitagsauftritt als Alibi genutzt wurde und von Watzke telefonisch gemaßregelt werden musste, als Ausrede für derart einfallslose Auftritte in dieser Saison verwendet werden konnten, ist dem treuen Fan ein Schlag ins Gesicht. Schließlich muß mit einem derartigen Spielerkader der UEFA-Cup drin sein, das steht außer Frage.

Sollte Bert van Marwijk nicht in der Lage sein, diese relativ grundlegenden Probleme zu beseitigen, wird irgendwann auch sein Arbeitsplatz zur Debatte stehen, hauptsächlich dürfte dies von der Presse gefordert werden. Eine Reaktion des Vereins auf die heuchlerischen Rufe der Presse dürfte eine ähnliche Saison auslösen, wie die Spielzeit 99/00. Fans werden einem solchen Szenario schaudernd gegenüberstehen.

Geschrieben von Sönke Schulz

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