schwatzgelber Saisonrückblick

Saison 1976/77: Zuschauerboom, aber Hauptsache dabei!

30.08.2005, 12:56 Uhr von:  CHS

Nie mehr Zweite Liga! Aufbruchstimmung herrschte beim Aufsteiger Borussia Dortmund in der Saison 1976/77. Das Westfalenstadion erwies sich als Goldgrube, Borussia konnte bekannte Spieler wie Lippens, Kostedde oder Burgsmüller verpflichten und spielte lange Zeit um die internationalen Plätze mit. Ein Novum brachte das letzte Heimspiel: es wurde in Gelsenkirchen ausgetragen.

Das BVB-Logo
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Bereits am 12.07. war Trainingauftakt, bei dem Präsident Heinz Günther die Neuzugänge „Ente“ Lippens (für nur 30.000 DM von Rot-Weiß Essen), Herbert Meyer (Hannover 96) und Ersatztorhüter Peter Endrulat (SpVgg. Erkenschwick) vorstellte. Der Transfer von Hattenberger (Fortuna Köln) scheiterte an einer zu hohen Ablösesumme und Günther erklärt, dass man sich bei der Verpflichtung weiterer Spieler bis zum 31.12. Zeit lassen wollte. Zoltan Varga dagegen, einst gefeierter Mittelfeldstar, wollte um seinen Platz kämpfen, schloss sich aber dem FC Augsburg an. Fünf Tage später begann das Training für die ganze Mannschaft. Der damals noch junge Trainer Otto Rehhagel sah eine ganz schwere Saison auf den Aufsteiger zukommen.


Nichtsdestotrotz gewann der BVB das erste Testspiel, beim SV Hohenlimburg, gleich mit 11-1. Sechs Tage später traf man in Minden auf den Bundesligisten Werder Bremen und trennte sich mit einem 1-1. Erfolgreicher wurde im August das nächste Testspiel gestaltet: gegen Leeds United gewann der BVB mit 2:1. Positive Nachrichten gab es auch vom Transfermarkt. Von Hertha BSC Berlin holte der BVB kurz vor Saisonbeginn für 600.000 DM Erwin Kostedde, der als Deutschlands erster farbiger Nationalspieler bereits in die Geschichte eingegangen war. Der Stürmer unterschrieb einen Zweijahresvertrag.


Am 07.08. dann endlich das erste Pflichtspiel: der BVB musste in der DFB-Pokal-Hauptrunde gegen Landesligisten Concordia Haaren im Westfalenstadion spielen. Einen Einstand nach Maß feierte Kostedde mit 6 Treffern beim 10-0-Sieg des Bundesligisten. Auch „Ente“ Lippens traf gleich zweimal. Bis zum Bundesligaauftakt eine Woche später absolvierte der BVB noch zwei Testspielen in De Graafschap (2-0-Sieg) und in Lünen (7-0-Sieg).


Das „Abenteuer Bundesliga“ begann für den BVB auswärts beim Urgestein der Bundesliga und Rivalen aus besseren Tagen, dem Hamburger SV, der gerade mit Kevin „Mighty Mouse“ Keegan einen absoluten Superstar verpflichtet hatte. 8.000 BVB-Fans waren mitgereist, um das erste Erstligaspiel des BVB seit 4 Jahren nicht zu verpassen. Und wie das „Abenteuer Bundesliga“ begann! Sensationell schlug man den HSV in deren Stadion, der BVB führte bereits zur Halbzeit mit 3-0 (Tore durch Hartl, Geyer und Kostedde). Zwar kamen die Hamburger, nachdem sie alles auf eine Karte gesetzt hatten, wieder auf 3-2 heran, aber Kostedde erzielte im Gegenzug seinen zweiten Treffer. In der 74. Minute erzielte der HSV nach einem „geschenkten“ Elfmeter den 4-3-Anschlusstreffer, aber es blieb bei diesem Ergebnis. In einer sehr guten Mannschaft stachen Burkhard Segler, Torhüter Horst Bertram, Erwin Kostedde und Peter Geyer heraus.


Auch am 2. Spieltag war der BVB erfolgreich. Gegen Mitaufsteiger 1. FC Saarbrücken gewann man das erste Heimspiel mit 2-1. Aufgrund der Falschmeldungen über den Kartenverkauf waren „nur“ 40.000 Zuschauer im Stadion, das somit nicht ausverkauft war. Weniger erfolgreich war die folgende Reise nach Baden, denn gegen den Karlsruher SC gab es beim 1-2 die erste Saisonniederlage. Ein Erfolgserlebnis gab es jedoch immerhin unter der Woche zu verzeichnen, TuS Iserlohn wurde in einem Freundschaftsspiel mit 9-2 vom Platz gefegt.


Am 04.09. war dann das Westfalenstadion zum ersten Mal in der 1. Bundesliga ausverkauft. Trotz eines torlosen Unentschieden sahen die 54.800 Zuschauer gegen den Meister aus Gladbach ein tolles Spiel. Vor dem nächsten Spieltag legte der BVB ein Testspiel beim Bezirksligisten VfL Schwerte ein, das die Dortmunder knapp mit 2-1 gewinnen konnten. Erneut keine Tore konnten die Zuschauer beim Gastspiel gegen den MSV Duisburg sehen, in dem der BVB mit einer starken Abwehrleistung überzeugte. Das obligatorische Testspiel in der Gegend fand diesmal in Wanne Eickel beim DSC statt und Borussia gewann standesgemäß mit 13-0. Am nächsten Wochenende kam Hertha BSC nach Dortmund. Dank des Siegtores von Segler gewannen die Borussen mit 2-1 und erklommen Platz 5. Vor dem nächsten Spieltag setzte der BVB zwei Freundschaftsspiele bei der SpVgg. Marl (3-1-Sieg) und bei der SpVgg. Erkenschwick (5-1-Sieg) an.


Wenig erfreulich war die Reise ins benachbarte Bochum, wo kurz zuvor die neue Südtribüne des Ruhrstadions eingeweiht und die Kapazität auf 17.000 gesteigert worden war. Erneut verloren die Borussen mit 1-2. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der BVB sich um die Verpflichtung des Sch*lkers Hannes Bongartz bemüht, die jedoch nicht zustande kam. Ein Spitzenspiel war am 02.10. die Begegnung gegen den FC Bayern. Dortmund lag bereits mit 0-2 bzw. 1-3 zurück, immerhin konnte der FC Bayern im Sturm ja auch Spieler wie Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge aufbieten. Am Ende retteten Kostedde und Hartl in der 89. Minute den 3-3-Endstand. Nach der ersten Heimniederlage (2-4) gegen Werder Bremen (Dortmund war zweimal in Führung gegangen) belegte der BVB nun den zehnten Platz. In der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokal hieß der Gegner Alemannia Aachen. Beim Zweitligisten fielen in 120 Minuten keine Tore, so dass der BVB sich glücklich in ein Wiederholungsspiel rettete. Vor dem nächsten Spieltag stand ein Testspiel beim Ahlener SV auf dem Plan, das der BVB mit 1-3 verlor. Auch in Kaiserslautern stand der BVB mit leeren Händen da, 1-2. Das war besonders ärgerlich, weil in der letzten Minute Lothar Huber einen Elfmeter verschoss. Wenigstens das Testspiel bei der TSG Dülmen gewann der BVB mit 5-2.

Endlich wieder ein Sieg in der Bundesliga! Gegen das Tabellenschlusslicht Rot-Weiß Essen gewannen die Borussen ihr Heimspiel mit 4-2. Einen gelungenen Einstand feierte die Neuverpflichtung von Bayer Uerdingen, der 700.000 DM teure Manfred „Manni“ Burgmüller. Das Comeback nach fünfwöchiger Verletzung des ehemaligen Esseners „Ente“ Lippens konnte man ebenfalls als gelungen bezeichnen. Und auch auswärts klappte es nun beim BVB. Bei Eintracht Frankfurt siegte der BVB mit 4-1, gleich zweimal war Manni Burgsmüller erfolgreich. Der BVB hatte einen Lauf und gewann auch das Wiederholungsspiel im Westfalenstadion gegen Aachen mit 2-0. Leider war der Lauf mit diesem Spiel direkt wieder zu Ende, nach den vielen Erfolgsmeldungen gab es gegen Fortuna Düsseldorf mit einer unnötigen 1-2 Heimniederlage einen Dämpfer. Die Dortmunder versemmelten Chancen für drei Spiele.


Auch der Tabellendritte war zu stark für den Aufsteiger aus der Bierstadt. Bei Eintracht Braunschweig kassierte der BVB eine 1-3 Niederlage. Eine weitere Niederlage gab es beim Freundschaftsspiel gegen TuS Hessisch Oldendorf. Das Spiel im Norden Deutschlands endete aus Sicht der Dortmunder mit 0-1. Eine Woche später gelang zu Hause mit dem 4-0 gegen Tennis Borussia Berlin der höchste Saisonsieg. Die anschließende Reise zum 1. FC Köln wurde mit einer starken Leistung und einem Tor von Hartl gekrönt. Der Endstand lautet 1-1. Zum Abschluss der Hinrunde stand das 80. Revierderby im Westfalenstadion auf den Plan. Obwohl Sch*lke 04 ohne seine gesperrten Stars antrat und eigentlich eine Jugendmannschaft aufbot, hatten die Dortmunder mehr Mühe als erwartet. Die Gäste gingen durch Bongartz in Führung, die Hartl in der 26. Minute ausglich. Aber nur 9 Minuten später traf Meyer ins eigene Netz, so dass die Gäste erneut in Führung lagen. Erst in der 77. Minute konnte der beste BVB-Spieler, Willi Lippens, per Kopfball nach einer Flanke von Huber den Ausgleich und Endstand erzielen.


Nach dem Heimspiel gegen Sch*lke 04 belegte der BVB mit 17-17-Punkten und 33-29-Toren einen überraschenden 8. Tabellenplatz. Besser sah es sogar in der Zuschauertabelle aus. Dort war der BVB mit 45.000 Zuschauern pro Spiel Krösus. In der Saison 2004/05 hätte dies trotz der Liveübertragungen von Premiere gerade mal für den 6.Platz gereicht. Ein Zeichen für die gestiegene Popularität des Fußballs und der Bundesliga.


Dritte Runde im DFB-Pokal. Der BVB musste zum Angstgegner VfL Osnabrück reisen. Vor 10.523 Zuschauern gingen die Dortmunder durch „Ente“ Lippens mit 1-0 in Führung, aber der BVB versäumte es, seine Chancen zu nutzen. So begab man sich mit einem 1-0 in die Halbzeit. In der zweiten Halbzeit zeigte die Abwehr immer größere Unsicherheit, während die Osnabrücker wie entfesselt losstürmten. Durch einen Abwehrfehler konnten die Osnabrücker eine Viertelstunde vor dem Ende noch ausgleichen. In der Verlängerung spielt nur noch der Zweitligist und gewann mit 3-1 nach Verlängerung. Auch diese Tore fielen nach Abwehrfehlern. Beim BVB konnten nach der Halbzeit nur Bertram und Burgsmüller überzeugen. Das Jahr endet für den BVB in der Halle. Einen Tag vor Silvester gewann der BVB sein eigenes Hallenturnier in der Westfalenhalle mit 5-3 gegen Werder Bremen.


Das neue Jahr begann mit einem Transfergerücht. Es hieß, der BVB sei an dem 22-jährigen Holländer Jan Peters vom NEC Nijmegen dran. Allerdings sollte der Nationalspieler eine Millionen DM Ablöse kosten, so dass der Transfer nichtverwirklicht wurde. Die Generalprobe für das erste Rückrundenspiel misslang. Dortmund verlor in Offenbach mit 1-2, aber Wolfgang Vöge zeigt bei dem Spiel eine gute Leistung, so dass Otto Rehhagel überlegte, ob er nicht Vöge spielen und dafür Kostedde auf der Bank lassen solle.


Ähnlich hoch her wie im Hinspiel ging es beim Rückrundenauftakt gegen den HSV im Westfalenstadion. Viermal gingen die Norddeutschen in Führung, viermal konnte der BVB ausgleichen. Trainer Rehhagel meinte nach dem Spiel: „Herz, was begehrst du mehr? Von diesem Spiel werden die 42.500 Zuschauer noch lange sprechen.“ Und HSV-Manager Dr. Peter Krohn (richtig, das war der mit den rosa Trikots) meinte nach der Partie: „Ich schaue mir nie mehr einen Krimi an, dieses Spiel stellt alles in den Schatten.“ Die Reise zum nächsten Spiel nach Saarbrücken konnte sich der BVB sparen, denn das Spiel fiel den winterlichen Bedingungen zum Opfer. Auch das vorgesehene Freundschaftsspiel gegen die CSSR konnte nicht durchgeführt werden, weil der Rasen im Westfalenstadion nicht bespielbar war.


Nach 2 Wochen Pause ging es also am 29.01. weiter. Und wie! Der BVB fertigte den Karlsruher SC in Dortmund mit 7-2 ab. Vor allem der Badener Deckungsverband hatte einen schwarzen Tag erwischt. Sowohl Schäfer gegen Segler, als auch Struth gegen Burgsmüller sahen kein Land und wurden regelrecht vorgeführt. Den Torreigen hatte in der 13. Minute Geyer begonnen, bevor Burgsmüller sieben Minuten später auf 2-0 erhöhte. Das 3-0 übernahmen die Gäste durch ein Eigentor von Kalb selbst. Elf Minuten später trafen die Karlsruher zwar ins richtige Tor, aber noch vor der Pause erzielte der BVB den alten Abstand durch Segler. Einen weiteren seiner insgesamt 135 Bundesligatreffer für den BVB erzielte „Manni, Manni! Manni, Manni, Manni, Manni“ Burgsmüller nach zwei Minuten in der zweiten Hälfte zum 5-1. Fast zwanzig Minuten mussten die 35.000 BVB-Fans warten bis sie den sechsten Treffer der Dortmunder bejubeln konnten. „Ente“ Lippens durfte sich auch in die Torschützenliste eintragen, aber nur eine Minute später konnten die Badener den Abstand verkürzen. In der 72 Minute durfte auch Segler mal und erzielte mit seinem zweiten Treffer den 7-2-Endstand. Im Anschluss erhielt dann Segler auch eine Einladung zur deutschen B-Nationalmannschaft. Anfang Februar reagierte der BVB auf Gerüchte und meldete, dass die Verpflichtung Paul Breitners beim BVB kein Thema sei. Auch die Reise zum Namensvetter aus Gladbach konnte der BVB sich sparen, da auch dort der Platz nicht bespielbar war. So kam es zu drei Heimspielen in Folge.


Bereits nach einer Viertelstunde war das Heimspiel gegen den MSV Duisburg entschieden. Denn Erwin Kostede in der 6. und Manni Burgsmüller in der 14. Minuten brachten den BVB in Front. Der BVB gewann mit 2-1 und rückte damit auf Platz 6 vor. Am 16.02. konnte der BVB das Nachholspiel in Saarbrücken bestreiten. Zweimal ging der BVB in Führung, aber die Spieler vom 1. FC Saarbrücken konnten beide Male ausgleichen. So endete das Spiel mit 2-2 und Dortmund verlor einen wichtigen Punkt im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze. Zehn Tage später musste der BVB nach Berlin reisen. Es folgte die erste Rückrundenniederlage des BVB. Ganz bitter wurde das Heimspiel gegen den VfL aus Bochum. Viermal traf der BVB das Tor, allerdings nur das Holz, der Endstand lautete 0-2 für den VfL. Somit stürzt der BVB auf den 13. Platz ab.

Erfolgreicher war die Reise nach München. Der BVB gewann beim Europapokalsieger der letzten 3 Jahre durch einen Treffer von Lothar Huber in der 89. Minuten mit 2-1. Dies wollten nicht nur die mitgereisten Fans, sondern auch Willi „Ente“ Lippens feiern. „Los Jungs, der Whisky wartet“ sagte er nach dem Spiel. Währenddessen wurden bereits eifrig potentielle Neuverpflichtungen gehandelt: Stielike, Kliemann und Bast wurden genannt. Die Reise zum SV Werder Bremen brachte eine Niederlage. Der BVB hatte beim 0-3 keine Chance. Es folgte ein Heimsieg. Beim 5-2 gegen den 1. FC Kaiserslautern können Lippens und Kostedde erst in der Schlussphase diesen deutlichen Sieg herausholen.


Durch einen Foulelfmeter, den Lothar Huber fünf Minuten vor Ende zum 1:1 verwandelte, konnte der BVB beim Titelanwärter und späteren Meister in Mönchengladbach einen Punkt entführen. Und so ging es weiter. Bei Rot-Weiß Essen konnte der BVB klar mit 5-1 gewinnen. Vor allem die Ex-Essener Lippens (ein Tor) und Burgsmüller (zwei Tore) machten ein gutes Spiel. Im Heimspiel gegen die seit 15 Spielen ungeschlagenen Frankfurter rettete in der 90. Minute Segler mit dem 2-2-Ausgleich einen Punkt. Gleich zweimal ging Borussia beim Auswärtsspiel in Düsseldorf in Führung, aber am Ende verlor der BVB mit 2-3 gegen Fortuna und verpasste so den Sprung auf einen Uefa-Cup-Platz. Drei Tage nach dem Spiel wurde der Wechsel von Werner Schneider vom MSV Duisburg nach Dortmund zur neuen Saison bekanntgegeben. Die stolze Ablösesumme betrug eine Million DM. Am 23. April musste der BVB vor heimischem Publikum gegen Eintracht Braunschweig antreten. Die Zuschauer sahen keine Tore, das Spiel endete mit Hilfe des „Ackers“, der ein Gegentor verhinderte, 0-0. Nach längerer Zeit kam endlich mal wieder ein Borusse zu internationalen Ehren: beim B-Länderspiel gegen Belgien wurde Manni Burgsmüller für Jacobs eingewechselt und schoss beim 2-1-Sieg gleich ein Tor.


Die Bundesliga zitterte vor den „neureichen Dortmundern“! In der Öffentlichkeit hieß es, der BVB wolle die Stars der Liga aufkaufen. Für den Essener Horst Hrubesch bot der BVB eine Million Mark. Zum Verkauf standen dagegen Schildt, Schwarze und Kasperski, die wohl nicht mehr den neuen Dortmunder Ansprüchen genügten. Novum beim vorletzten Auswärtsspiel gegen Tennis Borussia Berlin: der Aufenthalt in Berlin wird bis zum Sonntag verlängert und auch die Spielerfrauen durften mitreisen. Das Experiment gelang, der BVB gewann mit 3-2 und wieder war es Lothar Huber, der in der 89. Minute den Siegestreffer erzielte. Da im Westfalenstadion der Rasen dringend erneuert werden musste, geschah das zumindest heute Undenkbare: das letzte Heimspiel fand im Gelsenkirchener Parkstadion statt. Glück brachte das (natürlich) nicht, denn der BVB verlor sein „Heimspiel“ gegen den 1. FC Köln mit 1-2. Das war die erste Heimniederlage gegen den FC seit 1963. Auch finanziell war das Spiel eine Niederlage, denn nur 25.000 Zuschauer wollten ein BVB-Heimspiel in der verbotenen Stadt sehen. Nur eine Woche später ist man wieder in Gelsenkirchen, diesmal zum Auswärtsspiel. Aber auch diesmal endete das Spiel des BVB mit einer Niederlage. Die Sch*lker gewannen mit 4-2.


Nur ein Sieg aus den letzten sechs Spielen war einfach zu wenig, Borussia verpasste den Sprung auf einen Uefa-Cup-Platz. Trotzdem war Rang 8 mit 34-34 Punkten und 73-64 Toren für einen Aufsteiger ein gutes, vorher nicht erwartetes Ergebnis. Den damals noch aktuellen Zuschauerrekord der alten Dame aus Berlin verpassten die Dortmunder nur um 4.000 Zuschauer. In den 17 Heimspielen besuchten 733.950 Zuschauer die Spiele. In der gesamten Bundesliga erreichte man die Rekordzahl von 7.511.804 Zuschauer, das machte einen Schnitt von 24.548.


Als Belohnung für die Saison fuhr die Mannschaft vom 22. bis zum 28. Mai gemeinsam in den Urlaub ins spanische Benidorm. Zwei Dortmunder durften weiterspielen: die Amerikareise der B-Nationalmannschaft mit drei Spielen stand an. Beim 4-1 überzeugte Manni Burgsmüller nicht nur als Torschütze, sondern war gleichzeitig auch Kapitän beim Sieg gegen die USA. Eine Woche später war der Gegner eine Juniorenauswahl von Honduras. Erneut traf Burgsmüller einmal und auch Peter Geyer wurde eingesetzt. Abschließend spielte Deutschlands B-Vertretung gegen Jamaika. Beim 1-1 traf wieder Burgsmüller, aber sowohl er, als auch Geyer spielten nur mäßig. Unterdessen wurde bekannt, dass der BVB sich um den Kölner Bernd Cullmann und den Stürmer Maik Galakos vom FC St. Pauli bemühte. Beide landeten nie beim BVB.

Die BVB-Mannschaft 1976/77
Die BVB-Mannschaft 1976/77

Fazit:

Die Saison 1976/77 war für den BVB erfolgreich. Vor allem finanziell war der BVB in die obersten Gefilden aufstiegen. So titelte die Westfälische Rundschau nach dem Aufstieg: „Borussia gilt als der Kösus im Profifußball, fast auf einer Stufe mit dem FC Bayern und dem Hamburger SV Krohnscher Prägung“. Und so konnte der BVB in neue Spieler wie Kostedde, Lippens oder Burgsmüller investieren, durch die Trainer Rehhagel sein Faible für ältere Jahrgänge entwickelt haben soll.

Auch sportlich zeigte der BVB zumindest oft Zähne. Das musste der Hamburger SV ebenso wie der FC Bayern erleben, die gegen die „Neureichen“ aus dem Pott nicht gewinnen konnten. Die Zuschauerzahlen waren beeindruckend. Zum BVB kamen im Schnitt fast 20.000 mehr als zu den Heimspielen des alten und neuen Deutschen Meisters aus Mönchengladbach. Und auch der Vizemeister aus Gelsenkirchen, dem man damals schon eine treue Gemeinschaft nachsagte, lag ungefähr 6.000 Zuschauer im Schnitt hinter dem BVB. So titelte die Westfälische Rundschau: „Die Dortmunder sind finanziell so gut bestückt, dass sie auf dem Transfermarkt mittlerweile fast ohne Konkurrenz dastehen.“ Dass dies nicht lange gut ging, zeigten die nächsten Jahre. Aber die Krankheiten „Überheblichkeit“ und „Verschwendungssucht“, die beim BVB häufiger vorkommen, kennt man ja aus der jüngeren Vergangenheit.

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