schwatzgelber Saisonrückblick

Saison 1966/67: Platz drei nach dem großen Triumph

29.11.2005, 23:18 Uhr von:  CHS

Nach dem ersten Europapokalgewinn einer deutschen Mannschaft gab es noch ein weiteres Ziel für einen Teil der Helden von Glasgow: die Weltmeisterschaft in England. Nach der WM kam dann wieder der Ligaalltag. Nach einem völlig misslungenen Start konnte der BVB vorne mitmischen, verpasste aber die Meisterschaft um vier Punkte.

Das BVB-Logo
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Vier Borussen mussten während der Sommerpause trotzdem Fußball spielen. Im 22-köpfigen Kader für die Fußballweltmeisterschaft in England wurden aus Dortmund Hans Tilkowski, Wolfgang Paul, Siggi Held und Lothar Emmerich benannt. Das erste Vorrundenspiel fand am 12. Juli in Sheffield gegen die Schweiz statt. Beim 5-0-Sieg waren die Dortmunder Tilkowski und Held, der auch das 1-0 erzielte, dabei. Vier Tage später beim 0-0 in Birmingham gegen Argentinien setzte Bundestrainer Helmut Schön auf die gleiche Mannschaft. Die deutsche Nationalmannschaft blieb in Birmingham und musste zum letzten Vorrundenspiel gegen Spanien antreten. Diesmal schickte Schön sogar drei Borussen auf den Platz. Neben Tilkowski und Held kam noch Lothar Emmerich ins Team. Dieser war es dann auch, der den 1-1-Ausgleich aus einem unmöglichen Winkel fast von der Torauslinie erzielte. „Emma“ dazu: „Ich habe meine ganze Kraft in den Schuss zum 1-1 gelegt und den Ball dann nicht mehr gesehen. Erst der Jubel verriet, dass es ein Tor war. Es war das schönste meiner Tore – und das ausgerechnet in einem WM-Spiel.“ Am Ende gewannen die Deutschen mit 2-1 und erreichten das Viertelfinale.

Während vier Borussen in England waren, forderte der neue BVB-Trainer Heinz Murach am 22. Juli die restlichen Borussen zum ersten Training auf. Bei den Neuverpflichtungen hielt sich der BVB zurück. Man holte den Abwehrspieler Peehs von Borussia Neunkirchen, Mittelfeldspieler Horst Trimhold von Eintracht Frankfurt, Stürmer Willibald Mikulasch vom ESV Ingolstadt und Stürmer Willi Neuberger vom TuS Röllfeld. Von Nachwuchsarbeit hielt man in dieser Zeit beim BVB nicht viel. Einen Tag später standen erneut drei BVB-Spieler im Viertelfinale gegen Uruguay auf dem Platz. Während beim 4-0-Sieg der Deutschen die Spieler Emmerich und Tilkowski überzeugten, konnte Siggi Held seine Bestform nicht erreichen. Aber auch so reichte es für das Halbfinale, das zwei Tage später in Liverpool gegen die UdSSR stattfand. Beim 2-1-Sieg waren wieder die drei Dortmunder Tilkowski, Held und Emmerich dabei.

Am 30.07.66 war es dann soweit: Im Endspiel standen die Deutschen dem Gastgeber England gegenüber. Erneut standen mit Tilkowski, Held und Emmerich drei Dortmunder im Team. Und Tilkowski war im Brennpunkt des Endspiels in Wembley. Die reguläre Spielzeit endete mit 2-2 unentschieden. Dann folgte die denkwürdige Verlängerung. Geoff Hurst trifft die Latte und von da aus landet der Ball nicht hinter der Linie. Leider sah es der Linienrichter nicht so und die Legende um das Wembleytor wurde geboren. Hans Tilkowski sagte zum Endspiel: „Die englischen Stürmer schonen keinen Torhüter. Ich habe es gespürt. Aber das dritte Tor von Hurst war kein Tor. Der Ball hatte die Linie niemals überschritten.“ Am Ende verloren die Deutschen mit 4-2 nach Verlängerung, konnten sich aber über die Vizeweltmeisterschaft freuen.

Für den BVB ging es dann einen Tag später mit einem Freundschaftsspiel los. Aber das Spiel bei TuS Neuendorf verloren die Dortmunder mit 1-3. Auch gegen Kickers Offenbach setzte es einen Tag später mit 2-3 eine weitere Niederlage. Am 3. August gab es dann ein kleines Erfolgserlebnis. Bei Preußen Münster erreichte der BVB ein 1-1. Drei Tage danach war in Dortmund der AS Monaco zu Gast und die Dortmunder erreichten mit dem 2-0 den ersten Saisonsieg. 48 Stunden später besiegte die Mannschaft eine Kreisauswahl von Oberberg mit 7-1, bevor man dann gegen eine Auswahl Ostwestfalens zwei Tage später eine 1-3-Niederlage kassierte. In Pocking spielte der BVB 1-1 gegen den FC Bayern. Torschütze war der starke Neuzugang Peehs. Beim letzten Test vor dem Bundesligastart spielte der BVB in Belgien gegen KSV Waterschei und gewann mit 5-0.

Gegen den Bundesliganeuling Fortuna Düsseldorf kassierte die Borussia dann zum Saisonauftakt eine 1-2-Heimniederlage. Im ausgebauten Stadion „Rote Erde“ gaben die Neuzugänge Trimhold und Peehs ihr Debüt beim BVB, aber es fehlten WM-Held Tilkowski und Gerd Cyliax. Trotz der Niederlage gab es was zu Feiern, denn Lothar Emmerich erhielt als bester Torjäger der Saison 65/66 die vom Kicker gestiftete Torjäger-Kanone. Auch das Spiel eine Woche später verlor der BVB. Beim Auswärtsspiel gegen Hannover 96 kassierten die Dortmunder zwei Treffer und trafen das Tor nicht. Erst am 3. September kommen die Borussen zu ihrem ersten Saisonsieg: Im Heimspiel gegen den Karlsruher SC erreichte der BVB trotz des Fehlens von Libuda einen 2-1-Sieg. Trainer Murach suspendierte Libuda, weil der ein Freundschaftsspiel verschlafen hatte.

Einen herben Rückschlag kassierte der BVB in Gladbach am Bökelberg. Die Dortmunder verlieren nach einer schwachen Leistung klar mit 0-4 und fallen auf den vorletzten Platz zurück. Torlos ging es eine Woche später beim Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen weiter. Zwar fehlte die spielerische Linie, aber der Wille war da. Dass kein Tor fiel, lag weniger an den Chancen (davon hatte der BVB genug), sondern am Unvermögen und an Essens Torhüter Roß. Ein gelungenes Debüt feierte hingegen Willi Neuberger, der sein erstes Bundesliga-Spiel bestritt. Auch der Ausflug ins Frankenland brachte nichts, denn beim 1. FC Nürnberg verliert der BVB mit 0-2. Die WM-Teilnehmer des BVB, Hans Tilkowski, Siggi Held und Lothar Emmerich stecken in der Krise und somit ist auch die gesamte Mannschaft davon betroffen.

Endlich die Wende im Oktober? Beim Heimspiel beendet Emmerich seine Torflaute und erzielt beide Treffer beim 2-0-Heimsieg gegen Werder Bremen. Auch eine Woche später bleibt der BVB siegreich. In München beim TSV 1860 gewinnen die Borussen mit 2-1, obwohl die Begleitumstände beim Deutschen Meister skandalös waren. Es gab zwei Platzverweise (Ex-Borusse Konietzka ohrfeigte Kurrat und wurde darauf für sechs Monate gesperrt) und dazu noch Zuschauerausschreitungen. Auch der Siegtreffer von Held war nicht rechtens, denn Held nahm vor dem Tor die Hand zur Hilfe. Am 11.10.66 fand dann ein Freundschaftsspiel bei Wattenscheid 09 statt und die Borussen gewannen 2-0. Am 15.10.1966 kam es zum Wiedersehen mit Ex-Trainer Multhaup. Seine Kölner unterlagen in Dortmund mit 6-1. Aber eine Woche später verliert der BVB bei Tabellenführer Braunschweig mit 1-3. Das nächste Heimspiel gegen den VfB Stuttgart endet 1-1. Allerdings spielte der BVB zum Schluss nur mit neun Feldspielern, weil Stan Libuda eine Rote Karte wegen Nachtreten bekommen hat.

Am 5. November bringt die Reise nach Duisburg endlich wieder einen doppelten Punktgewinn. Der BVB gewinnt gegen den Meidericher SV klar mit 5-1. Und der BVB macht weiter. Beim Derby gegen die Gelsenkirchener gewinnt man klar mit 6-2. Bis zur 28. Minute erzielte Emmerich bereits drei Tore. Von der zweiten Hälfte kann man nicht viel berichten, da ein dichter Nebel über dem Stadion Rote Erde lag. Für sein zwölftes Länderspiel kehrte Siggi Held beim 3-0-Sieg gegen Norwegen in Köln zurück ins deutsche Nationalteam.

Auf Grund des Erfolges im Vorjahr startete der BVB im Europapokal-Achtelfinale. Erneut ging es nach Glasgow zu den Rangers. Auch das Stadion war nicht der Hampton-Park, sondern die Heimstätte der Rangers, der Ibrox-Park. Das Spiel endete mit 2-1 für die Schotten, doch durch den zwischenzeitlichen Ausgleich von Trimhold besteht bei den Dortmundern eine Chance auf das Weiterkommen. Wieder zurück in der Bundesliga ging es für die Dortmunder in die Pfalz, wo man auf den 1. FC Kaiserslautern traf. Das Spiel endete mit 1-1. Auch die Reise in den Norden eine Woche später endete mit dem gleichen Ergebnis, obwohl Schiri Wengenmayer gleich Handelfmeter pfiff. Während die Hamburger Sandmann und Pohlschmidt ihre Elfer versemmelten, traf Lothar Emmerich.

Am 06.12.66 war das Rückspiel im Europapokal der Pokalsieger gegen Glasgow Rangers. Der Titelverteidiger BVB fand aber kein Mittel, die schottische Abwehr zu überwinden. Dortmund spielte verkrampft und selbst das Ausscheiden von Watson (nach einem Revanchefoul von Emmerich musste er das Spielfeld verletzt verlassen) brachte keine Besserung. Borussia flog nach dem 0-0 im Rückspiel raus. Allerdings konnten sich die Dortmunder trotzdem freuen, denn die 40.000 Zuschauer plus TV-Gelder im Rückspiel bescherten dem BVB mit 367.000 DM die höchste Einnahme in der Vereinsgeschichte. Das darauffolgende Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt musste wegen schlechter Witterungsverhältnisse abgesagt werden. Am 11. Dezember findet dann eine Weihnachtsfeier des Vereins im Goldsaal der Westfalenhalle statt. Allerdings fallen die Spieler Emmerich und Held negativ auf. Als ein Pressefotograf die beiden ungefragt fotografieren will, setzen die sich handgreiflich zur Wehr. Der Vorsitzende Steegmann spricht von einer Schande für den ganzen Verein und kündigt an: „Die beiden kommen natürlich vor den Disziplinar-Ausschuss.

Im letzten Spiel in der Hinrunde reist der BVB nach München zum FC Bayern. Man verliert die Partie knapp mit 0-1. Vor der Pause zeigte der BVB das gefälligere Spiel, hatte aber Pech, das Schiri Deuschel nicht auf Elfmeter entschieden hat, als Beckenbauer in der 16. Minute Emmerich unsanft vom Ball trennte. Nach dem Seitenwechsel musste der BVB der kraftraubenden Spielweise Tribut zollen und so kam der FCB besser ins Spiel. Den Siegtreffer in der 64. Minute erzielte Müller mit einem Kopfball. Damit belegte der BVB mit 16-16 Punkten den neunten Platz. Nur einen Tag später gab es für drei Dortmunder was zu feiern. In Baden-Baden wird die deutsche Nationalmannschaft von den Sportjournalisten zur „Mannschaft des Jahres 1966“ gewählt. Das letzte Spiel im Jahr 1966 bestritt der BVB gegen eine Bundeswehrauswahl und gewinnt mit 6-2.Zwei Tage vor Sylvester ist die „Foto-Affäre“ von der Weihnachtsfeier vom Tisch. Held und Emmerich entschuldigen sich bei dem Fotografen für ihr Fehlverhalten.

Im Januar war ein anderes Thema in der Mannschaft aktuell: Zwischen den beiden BVB-Torhütern Hans Tilkowski und Bernhard Wessel herrschte ein angespanntes Verhältnis. Tilkowski meinte dazu: „Wir sitzen höchstens noch manchmal am Kartentisch beim Skat zusammen.“ Die Rückrunde begann allerdings furios. Bei Fortuna Düsseldorf gewann der BVB mit 5-0, Dank der überragenden Assauer und Neuberger. Und damit hatte die Fortuna auch noch Glück gehabt. Denn der BVB hatte weitaus mehr Chancen gegen die nervösen Düsseldorfer. Eine Woche später ging es dann im DFB-Pokal in die erste Hauptrunde. Gegner beim Heimspiel war der 1. FC Köln. Bis zur 82. Minute führten die Gäste mit 0-2, ehe Lothar Emmerich mit zwei Treffern das Unentschieden erzielte und damit ein Wiederholungsspiel erwirkte. Einen Tag später absolvierte der BVB ein Testspiel beim FC Lohberg und gewann 4-2. In der Bundesliga bekamen die Dortmunder Besuch von Hannover 96 und besiegten die Niedersachsen klar mit 3-0. Bei dem Sieg fehlten aber Redder, Held, Trimhold, Assauer und Cyliax. Dazu hatten sich Schmidt und Kurrat gerade erst von einer Grippe erholt und Libuda hatte wegen seiner Bundeswehrbeschäftigung keine Kondition. Leider ließ der BVB zu viele Chancen aus, aber wenn man die Begleitumstände sieht, muss man diesen Sieg hoch bewerten. Drei Tage später war das Abenteuer DFB-Pokal beendet. In Köln behielt der 1. FC in einer spannenden Partie mit 0-1 die Oberhand. Beim Tabellenletzten Karlsruher SC kassierten die Dortmunder nicht nur eine enttäuschende 0-2 Niederlage, sondern auch einen Platzverweis für Willi Sturm.

Der Februar begann erfolgreich. Im Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt erreichten die Dortmunder einen 3-1-Heimsieg, sprangen auf den sechsten Platz und verkürzten den Abstand auf Tabellenführer Braunschweig auf vier Punkte. Auch das Heimspiel gegen den Namensvetter aus Gladbach endete erfolgreich. Der BVB gewann mit 3-2. Trotz des Punktverlusts bei Rot-Weiß Essen (Endstand war 1-1) rückt der BVB erstmals in der Saison auf den dritten Rang vor. Vor dem nächsten Spieltag darf Siggi Held nach Karlsruhe reisen, um ein Länderspiel gegen Marokko zu bestreiten. Deutschland gewinnt 5-1, Held bereitet drei Tore vor.

Die Pause tat dem BVB nicht gut, denn man verlor das Heimspiel gegen Nürnberg mit 0-1, wobei Lothar Emmerich sogar einen Elfmeter verschoss. Auch die Reise an die Weser war nicht von Erfolg gekrönt. Werder gewann mit 2-1. Positiv war jedoch, das erstmals seit mehreren Monaten wieder Hans Tilkowski im Tor stand. Erneut ohne Sieg blieben die Borussen beim Heimspiel gegen den TSV 1860 München. Das Spiel endete mit 1-1, allerdings war es erneut Emmerich, der einen Elfmeter verschoss. Eigentlich sollte diesen Elfer der Jubilar Reinhold Wosab (Es war sein 200. Spiel für die Borussia) schießen. Vor dem Kölnspiel gab es erst einmal ein Testspiel gegen Schwarz-Weiß Essen und die Dortmunder gewannen in einem torreichen Spiel mit 8-5. Nach dem Pokal-Aus konnte der BVB auch in der Liga nicht bei den Geißböcken gewinnen. Allerdings drehten die Dortmunder beim 1-1 den Elfmeterspieß mal um, denn diesmal hielt Tilkowski einen von Overath geschossenen Elfmeter.

Vor dem nächsten Spieltag machte der BVB eine Reise nach Wien zu einem Freundschaftsspiel gegen Rapid Wien. Man trennte sich freundschaftlich mit 1-1. Ohne Sieger blieb auch das nächste Bundesligaspiel. Der BVB erreichte beim Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig ein 0-0. Vor dem EM-Qualifikationsspiel in Dortmund fordern Experten, dass der Bundestrainer Hans Tilkowski ins Tor stellen soll. Und überraschenderweise steht tatsächlich Tilkowski im Spiel gegen Albanien im Tor. Beim 6-0-Sieg vor 32.000 Zuschauern im Stadion Rote Erde bekommt er aber fast nichts zu tun und verlebt einen ruhigen Tag. In einem Testspiel trennte sich der TuS-Eving-Lindenhorst vom BVB mit 1-1.

Der BVB kann seit dem 10.04.67 exklusiv zu Bundesligaspielen reisen. Denn der BVB besitzt nun einen Hubschrauber, den man von der Bundeswehr gekauft hat. Das Fluggerät trägt natürlich die Farben Schwarz und Gelb. In Stuttgart kassiert der BVB eine 0-1 Niederlage gegen den VfB. Zwar gewinnt der BVB ein Testspiel beim SV Großwallstadt, aber es gab dann auch eine Niederlage im Freundschaftsspiel beim englischen Verein Leicester City. Die Vorstellung des Cupgewinners des Vorjahres war peinlich und die Niederlage fiel mit 0-6 deutlich aus. Drei Tage später schien der BVB gut erholt zu sein und besiegte den MSV Duisburg mit 4-1. Dabei erzielte Emmerich seinen ersten Treffer seit dem 11.02.67. Aber nicht nur Emmerich kann jubeln, auch der letzte Bundesligasieg des BVB liegt solange zurück. Jubeln kann auch Jürgen Weber, der erstmals nach 19 Monaten nach seinem schweren Autounfall wieder dabei war.

Am 23.04.67 kündigt Stan Libuda fristgerecht seinen Vertrag. Im Derby gab es wie immer den obligatorischen Sieg. Der BVB setzte sich in Gelsenkirchen mit 4-1 durch und feierte den sechsten Sieg im sechsten Spiel (seit 1964) und hat dabei eine Tordifferenz von 30-7 Toren. Auch die drei Testspiele gegen die Auswahl Ostwestfalens (4-0), Tennis Borussia Berlin (4-2) und Hombruch 07 (2-8) konnte der BVB siegreich bestreiten. In Belgrad läuft Siggi Held zu seinem 13. Länderspiel auf. Allerdings zeigt er wenig beim EM-Qualifikationsspiel gegen Jugoslawien und Deutschland verliert mit 0-1.

Beim 8-2-Sieg im Freundsspiel bei Hombruch 07 erzielt Emmerich alleine 6 Treffer. Auch vier Tage später war Emmerich torhungrig. Mit seinen Saisontreffern 21 und 22 beschert er seinem BVB einen knappen 2-1-Heimsieg. Zwei Tage nach dem Spiel erklärte Tilkowski, dass er weiterhin in Dortmund bleiben will. Zur gleichen Zeit übernimmt der Ex-Torhüter Kwiatkowski das Training der Amateure.

Richtig torreich wird das Heimspiel gegen den Hamburger SV. Dortmund gewinnt mit 7-0. Bereits zur Halbzeit führen die Borussen mit 4-0. Neben jeweils zwei Treffern von Emmerich und Wosab treffen auch die Abwehrspieler Peehs, Cyliax und Paul. Vor dem Spiel gegen Frankfurt gab es ein Freundschaftsspiel beim TuS Belecke und der BVB gewann mit 12-0. Pech hatte der BVB eine Woche später, denn erst kurz vor dem Ende kassierten die Borussen den Ausgleich (Endstand 3-3) beim Titelanwärter Eintracht Frankfurt. Beim VfR Limburg war der BVB danach zu Gast und gewann beim Freundschaftsspiel mit 14-2.Am letzten Spieltag trifft der BVB auf den FC Bayern und gewinnt mit 4-0. Durch seine beiden Treffer beim Duell des alten Europacupsiegers gegen seinen Nachfolger kann Emmerich noch zu Gerd Müller aufschließen und so werden beide Spieler Torschützenkönige. Der BVB beendet die Saison auf dem dritten Platz mit 39-29-Punkten und 70-41-Toren.

Vom 4.06. bis zum 11.06.67 geht der BVB auf Reisen. Ziel ist Kanada, wo im Rahmen der Weltausstellung in Montreal der BVB an einem Turnier teilnahm. In der Vorrunde gewann man gegen Standard Lüttich (1-0-Sieg) und gegen die Sowjetunion (2-1). Im Finale verlor man dann gegen eine englische Auswahl (2-3-Niederlage). Wieder daheim geht es nach Frankreich, wo man beim FC Rennes ein 2-2 erzielte, gegen AC Le Havre mit 2-0 verlor und im Freundschaftsspiel in Le Havre einen 2-0 gegen St. Etienne feiern konnte. Für die neue Saison sind Brakelmann von Preußen Horstmar und aus der eigenen Jugend die Spieler Köddermann und Wendland im Gespräch. Außerdem sorgt der Wechsel von Tilkowski nach Frankfurt für Wirbel. Anscheinend wollte der BVB den verdienten Nationalspieler nicht mehr haben.

Die BVB-Mannschaft der Sai­son 1966/67
Die BVB-Mannschaft der Sai­son 1966/67

Fazit:

Präsident Steegmann verkaufte den dritten Platz als Erfolg, weil der BVB durch die vielen Verletzungen nie richtig in den Tritt kam.

Einer der größten Fehler dieser Zeit lag bei der Mannschaft und beim Präsidium. Rudi Assauer sagte damals: „Bei diesem Team ist es egal, wer auf der Trainerbank saß.“ Und weiter: „Wir haben uns selbst die Taktik zurechtgelegt, sind rausgegangen und haben losgelegt.“ Diese Ansicht hatte wohl auch das Präsidium unter Präsident Steegmann und ließ vor der Saison Trainer Multhaup nach Köln gehen. Als Ersatz kam dann der bis dahin unbekannte Übungsleiter Heinz Murach vom Fußballverband Niederrhein. Die Qualität seines Vorgängers hatte er aber nicht, so dass die Mannschaft sich nicht weiterentwickelte, sondern eher stagnierte. Die Borussia begann nun in jeder Hinsicht zu rasten und zu rosten.

Der BVB machte weiterhin den Fehler, sich nicht zu entscheiden. Man hätte entweder auf die Nachwuchsarbeit setzten sollen oder eben fertige Spieler für Geld holen müssen. Aber Dortmund holte nur dann Leute, wenn es ein Notfall war. Das Hauptaugenmerk lag auf der Bilanz. Es wurde nicht nach Alternativen geguckt, wenn Spieler gingen. Für Reinhold Wosab markierte diese Saison den Wendepunkt. Entweder Geld investieren oder die Jugend heranführen. Beides tat der BVB nicht und die Folgen sah man dann in den nächsten Jahren. Der erste Europapokalsieger verschwand in der Versenkung. Es begann die Ära von Bayern und Gladbach.

Auch endete mit dem Spiel gegen Glasgow in dieser Saison die erste große Phase von Borussia Dortmund in Europa. Allerdings konnte man durch den Triumph im Vorjahr endlich aus dem großen Schatten von Sch*lke 04 treten und man mobilisierte durch den Erfolg auch Anhängerschaft außerhalb von Dortmund.

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