schwatzgelber Saisonrückblick

Saison 1965/66: Mit "Fischken" zum "Wunder von Glasgow"!

11.10.2005, 11:30 Uhr von:  CHS

Trotz der Abgänge von Brungs und Konietzka kann der BVB wieder eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten. Mit Stan Libuda und Siggi Held konnten die Lücken gut geschlossen werden. Die Erfolge von Trainer Multhaup waren beeindruckend. Nicht nur der erste Europapokalgewinn einer deutschen Mannschaft wurde mit ihm erreicht. Auch in der Bundesliga spielte man lange oben mit, bevor der Mannschaft letztendlich durch die Mehrfachbelastung die Luft ausging.

Das BVB-Logo
Das BVB-Logo

Nach dem ganzen Hickhack um Timo Konietzka musste man sich auf die neue Saison vorbereiten. Als Ersatz für die gegangenen Spieler besorgte man sich mit Reinhard „Stan“ Libuda vom Reviernachbarn aus Gelsenkirchen und dem Offenbacher Siegfried „Siggi“ Held hervorragenden Ersatz. Dazu kam noch Jürgen Weber vom SV Schüren. Am 24.07. begann die Saisonvorbereitung mit einem Testspiel bei Kickers Offenbach. Wosab erzielte den Endstand zum 1-1. Allerdings fehlten die prominenten Neuzugänge Libuda und Held. Bereits vier Tage später hieß der Testspielgegner Grün-Weiß Paderborn. In der Bistumsstadt gewannen die Borussen klar mit 11-1. Das erste Heimspiel der Saison fand vor 15.000 Zuschauern am 31.07. gegen Roter Stern Belgrad statt und die Dortmunder gewannen mit 4-1. Überragender Mann war der „Joker“ Wosab, der für den verletzten Libuda eingewechselt wurde und einen Hattrick erzielte. Eine Woche später empfing der BVB die Nationalmannschaft von Rumänien und erreichte ein 1-1.

Am 14.08. fand dann der Ligaauftakt statt und die Mannen um Willi Multhaup verloren überraschend die Partie bei Eintracht Braunschweig mit 0-4. Neuzugang Held fehlte wegen einer Sperre. Auch am zweiten Spieltag lief es noch nicht richtig rund beim BVB, aber dank eines Treffers von Lothar Emmerich gewannen die Dortmunder das Heimspiel gegen Borussia Neunkirchen mit 1-0. Auch das Spiel bei Tasmania Berlin konnten die Dortmunder mit 2-0 für sich entscheiden. Langsam lief es besser für den BVB. Das Heimspiel gegen den Karlsruher SC gewannen die Dortmunder klar mit 4-1. Jürgen Weber erzielte seinen ersten Bundesligatreffer und auch bei Emmerich zeigte die Formkurve nach zwei Treffern nach oben. Drei Tage nach dem Bundesligaspiel fuhr der BVB zum Testspiel zum FV Breidenbach und gewann dort nur knapp mit 3-2. Ein Tag später erschien Hermann Staschitz nicht zum Abschlusstraining, weil er vorher wissen wollte, ob er in Gladbach zum Einsatz käme. Am 11. September trat man in Gladbach an und es wurde eine legendäre Begegnung. Es gab fünf (!) Elfmeter, den Einstand von Siggi Held beim BVB und drei Treffer von Emma, die für den 5-4-Auswärtssieg der Westfalen sorgten.

Und auch der nächsten Begegnung mangelte es nicht an Brisanz. Der BVB musste zum Ex-Club von Stan Libuda, zum FC Sch*lke 04. Trainer Multhaup verzichtete auf Libuda, der dort wohl keinen freundlichen Empfang bekommen hätte. Trotzdem gewannen die Borussen das Spiel mit 3-2 und holten sich den 5. Ligasieg in Folge. Da anschließend wieder die WM-Qualifikation anstand, schloss der BVB zwei Testspiele gegen eine Kombination von SV Schüren/SuS Hörde (2-0-Sieg) und bei Eintracht Osnabrück (11-1-Sieg) ab. Im Qualifikationsspiel gewannen die Deutschen in Stockholm mit 2-1 und waren damit fast sicher bei der WM in England. Vor allem der einzige Dortmunder, Hans Tilkowski, freute sich, hatte er doch beim 0-1-Rückstand die Flanke der Schweden unterlaufen.

Drei Tage nach dem Länderspiel begann für den BVB das „Abenteuer Europacup“. Als Pokalsieger durfte man im Europapokal der Pokalsieger mitspielen. Gegner war dort in der ersten Runde die Mannschaft von Floriana FC aus Malta. Das Spiel bei den Maltesern fand auf Lehmboden statt. Am Ende gewannen die Borussen klar mit 5-1 und waren mit mehr als einem Bein in der nächsten Runde. Vor dem Heimspiel gegen den HSV wurde Hans Tilkowski als „Deutschlands Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Dank des zweifachen Torschützen Sigi Held endete das Spiel mit einem 2-2-Unentschieden.

In Stuttgart folgte wieder ein Länderspiel, diesmal hieß der Gegner Österreich. Da Helmut Schön eine sehr junge Mannschaft (Durchschnittsalter war 23,6 Jahre) aufgeboten hatte, war der 30-jährige Tilkowski einer der erfahreneren Spielern. Die Deutschen gewannen das Spiel am Ende mit 4-1.

Das Rückspiel gegen Floriana FC konnte man getrost als Trainingsspiel bezeichnen. Die Malteser hatten keine Chance und verloren klar mit 8-0. Dabei zeichnete sich vor allem Lothar Emmerich mit seinen 6 Treffern aus. Die restlichen Tore erzielte „Aki“ Schmidt. Am 16.10. musste der BVB zum Neuling FC Bayern nach München reisen. Allerdings war der Neuling gleichzeitig aktueller Tabellenführer. Dieser hatte aber der Routine der Borussen nichts entgegenzusetzen und verlor durch zwei Treffer von Wosab mit 2-0. Hans Tilkowski hielt dabei einen Elfmeter von Franz Beckenbauer.

Vier Tage später hieß der Gegner 1. FC Nürnberg und der BVB besiegte die Franken durch zwei Emmerich-Tore. Damit war der BVB punktgleich mit dem TSV 1860 München Zweiter. Einen kleinen Dämpfer kassierten die Borussen bei Hannover 96. Das Spiel endete mit einem 1-1-Unentschieden. Aber schon eine Woche später meldeten sich die Borussen beim Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern eindrucksvoll zurück. Nach verschlafener erster Hälfte drehten die Dortmunder auf und gewannen am Ende das Spiel durch Treffer von Libuda, Held, Emmerich und Schmidt mit 4-0. Die nächste Reise ging zum VfB nach Stuttgart und der BVB lag zwischenzeitlich durch Emmerich auch in Führung. Am Ende kassierten die Borussen aber einen Gegentreffer und man trennte sich mit 1-1. Damit war der BVB seit elf Ligaspielen ohne Niederlage.

Das Abenteuer Europapokal ging am 10.11. in die Zweite Runde. Der BVB empfing im Stadion Rote Erde die Mannschaft von ZSKA Sofia. Durch ein deutliches 3-0 durch Treffer von Sturm, Held und Libuda konnten die Dortmunder beruhigt zum Rückspiel reisen. Während die Nationalmannschaft bei einem WM-Qualifikationsspiel auf Nikosia weilte (Dortmund wurde vertreten durch Tilkowski und die Deutschen gewannen mit 6-0), machte der BVB ein Testspiel bei Wattenscheid 09. Was vielen Bundesligisten vorher nicht gelungen war, die Dortmunder verloren bei den Bochumer Vorstädter mit 1-3.

Eine Woche später war der Meidericher SV zu Gast. Die Duisburger entführten aus dem Stadion „Rote Erde“ durch ein 1-1-Unentschieden einen Punkt. Vier Tage später reiste der BVB nach Sofia zu ZSKA. Das Endergebnis lautete 4-2 und sah gefährlicher aus als es in Wirklichkeit war. Allerdings verloren die Dortmunder durch einen Platzverweis „Hoppy“ Kurrat für das Viertelfinale. Nur drei Tage später ging es zum Spitzenspiel nach Köln. Trotz der Strapazen des Europapokalauftrittes gewannen die Dortmunder beim 1. FC Köln mit 2-1 und feierten beim punktgleichen Konkurrent einen überraschenden Erfolg. Und Borussia blieb auf der Erfolgswelle. Eine Woche später kam der ehemalige Verein des Trainers, Werder Bremen, nach Dortmund. Obwohl der BVB in Rückstand geriet, siegte man mit 2-1 durch den überragenden Libuda sowie Emmerich per Elfmeter.

Am 11. Dezember stand das nächste Spitzenspiel auf dem Programm. Erneut ging es nach München, diesmal zum TSV 1860. Die Dortmunder wollten ihre Ligaserie mit 14 Partien ohne Niederlage weiter ausbauen. Aber in einem hochklassigen Spiel gewannen die Löwen mit 2-1. Trainer Multhaup nach dem Spiel: „Ein großes Spiel zweier großen Mannschaften“. Der Abschluss der Hinrunde gegen Eintracht Frankfurt fiel buchstäblich wegen Dauerregens ins Wasser. Diese Partie wurde nun für den 19.01.66 angesetzt. Zur Halbzeit der Saison stand der BVB auf Platz drei mit 24-8 Punkten und 33-20 Toren. Allerdings trennten die Borussen nur vier Punkte von den führenden Löwen aus München.

Da das nächste Pflichtspiel schon am zweiten Tag des neuen Jahres auf den BVB wartete, begann das Training direkt nach den Weihnachtsfeiertagen am 27.12. Kurz vor dem Jahreswechsel kamen Gerüchte auf, der FC Neapel wolle Siggi Held für eine Million Mark verpflichten.

Das neue Jahr begann nicht sehr erfreulich. In der Qualifikationsrunde zum DFB-Pokal verlor der BVB bei Bayern München mit 2-0 und schied als Titelverteidiger aus dem Wettbewerb aus, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. Im Trainingslager in der Sportschule Wedau ist es erneut Hermann Straschitz, der mit seinen Eskapaden die Verantwortlichen reizte. Der Stürmer verschwand ohne sich abzumelden aus der Sportschule. Trainer Multhaup verlor langsam, aber sicher die Geduld mit Straschitz und der Vorstand, durch Spielausschussvorsitzenden Heinz Stork vertreten, erklärte: „Straschitz wird gefeuert, das lassen wir uns nicht gefallen.“ Zehn Tage später nahm der Verein die Suspendierung von Straschitz allerdings zurück.

In der Zwischenzeit ging die Bundesliga weiter. Der BVB empfing die Eintracht aus Braunschweig. Die Gäste kamen auf dem gefrorenen Boden im Stadion besser zurecht und gingen mit 0-1 in Führung. Wieder einmal Emmerich konnte die erste Heimniederlage per Kopfball verhindern und erzielte den 1-1-Endstand. Eine Woche später fuhr man ins Saarland zu Borussia Neunkirchen. Durch den 3-1-Sieg verringerte sich der Abstand auf die beiden Münchener Klubs auf einen Punkt, da beide nur Remis spielten. Auch aus dem Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt ging der BVB als Sieger hervor, 3-0 lautete das Endresultat. Auch das nächste Spiel sollte nur ein Testspiel sein, denn es kam Tasmania 1900 Berlin nach Dortmund, der Punktelieferant der Liga. Aber wie meistens bei solchen Partien, wurde auch dieses Spiel nicht so leicht. Am Ende stand mit einem 3-1 durch Emmerich, Held und Sturm ein Arbeitssieg zu Buche. Torlos ging die Partie in Baden gegen den KSC aus. Dortmund musste auf die Verletzten Schmidt und Wosab verzichten, dafür feierte Gerd Cyliax ein gelungenes Comeback. Trotz eines Schneebodens bewies Emma seine Standfestigkeit und besiegte den VfL aus Gladbach beim 3-1 fast im Alleingang, als er alle drei Tore erzielte.

Nach Spanien ging es für die Borussen im Viertelfinalhinspiel. Gegner im Europapokal war diesmal die Mannschaft von Atletico Madrid. Die Dortmunder hielten bis zur 87. Minute eine 1-0-Führung durch Emmerich. Aber die Spanier schafften noch den Ausgleich. Trotzdem war dies eine hervorragende Ausgangslage für das Rückspiel.

Eine Woche später war wieder Länderspieltime. Diesmal spielten die Deutschen beim Gastgeber der nächsten WM, England. Die Engländer gewannen die Partie mit 0-1, aus Dortmund waren Hans Tilkowski und erstmals Siggi Held dabei.

Am 25. Februar war Mitgliederversammlung. Dort wurde der Trainerstab neu strukturiert. Max Michallek übernahm den Posten des Co-Trainers. Der bisherige Co-Trainer Heinrich Kwiatkowski betreute nun die Amateure.

Ein Tag später folgte das Derby in der „Roten Erde“. Doppelter Grund zu Freude für die Borussen. Zum einen schafften die Dortmunder mit dem 7-0 einen Kantersieg gegen die Erzrivalen. Zum anderen übernahm der BVB die Tabellenführung, da die beiden Münchner Clubs nicht gewinnen konnten.

Diesen Schwung nahm der BVB in das Europapokal-Rückspiel gegen Atletico Madrid mit. In einer kampfbetonten Partie gewannen die Borussen mit 1-0 und zogen ins Halbfinale ein. Bereits in der 16. Minute erzielte Toptorjäger Emmerich den Siegestreffer. Drei Tage später reiste man in die Hansestadt Hamburg. Man trennte sich dort vom HSV mit 1-1. Eine Woche später kam aus München der FC Bayern nach Dortmund und war chancenlos im Stadion Rote Erde. Dank der BVB-Stürmer zweier Treffer von Emmerich und einem von Held konnten die Borussen das Spiel mit 3-0 nach Hause fahren.

Im Spiel beim 1. FC Nürnberg hatte der BVB bereits nach zehn Minuten Pech. Verteidiger Groppe schied mit Kreuzbandriss aus und der BVB musste die restliche Spielzeit in Unterzahl bestreiten. Dank des überragenden Torhüter Tilkowski rettet sich der BVB zu einem torlosen Unentschieden. Zwei Borussen durften der anschließenden Länderspielreise nach Rotterdam beiwohnen, auf der die Niederlande von Deutschland mit 4-2 bezwungen wurden. Neben Held war auch Debütant Emmerich dabei, der gleich das 2-0 erzielte.

Eine Schrecksekunde gab es nur einen Tag später. Torwart Hans Tilkowski wurde in einen Umfall mit einem LKW verwickelt. Er kam mit leichten Prellungen davon. Sein Auto dagegen hatte weniger Glück, sondern einen Totalschaden. Allerdings war Tilkowski hart im Nehmen, denn beim Heimspiel gegen Hannover 96 stand er wieder zwischen den Pfosten. Mann des Spiels war aber Lothar Emmerich, der mit seinen drei Treffern seine persönliche Statistik auf 28 Toren erhöhte und die Niedersachsen fast im Alleingang besiegte. Den vierten Treffer beim 4-0 erzielte Hoppy Kurrat. Eine Woche führte die Reise in die Pfalz zum 1. FC Kaiserslautern. Der BVB erreichte dort ein 0-0-Unendschieden.

Am 05.04.66 war es endlich soweit. Borussia reiste zum Europapokal-Halbfinalhinspiel zu Titelverteidiger West Ham United nach England. In einer Klassepartie waren der überragende Tilkowski und Kapitän Wolfgang Paul die Türme in der Abwehrschlacht gegen die Engländer. Trotzdem führten diese bis 4 Minuten vor dem Ende. Aber dank eines Doppelschlages von Lothar Emmerich gewann der BVB auf der Insel kurz vor Schluss noch mit 2-1 und hatte hervorragende Aussichten für das Rückspiel in Dortmund. Eine Woche später fanden sich 35.000 Fans im Stadion „Rote Erde“ ein und hofften auf das Fußballwunder. Bereits in der ersten Minute war natürlich Emmerich da und erzielte die Führung, die er nach 29. Minute erhöhte. Zwar kamen die Engländer noch vor der Pause zum Anschlusstreffer, aber Cyliax erhöht eine Viertelstunde vor dem Ende auf 3-1, was gleichzeitig der Endstand war. Es war vollbracht, der BVB hatte das Finale im Europapokal erreicht! Trainer Multhaup steckte im Anschluss die Ziele ab: „Unser großes Ziel ist der Europapokal, den hat noch keine deutsche Mannschaft errungen. Da möchten wir die ersten sein. Und dafür lassen wir sogar, wenn es notwendig sein sollte, die Meisterschaft sausen.

Aber anscheinend war das gar nicht nötig. Das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart gewannen die Dortmunder klar mit 4-0 und erhöhten ihre Serie auf 13 Bundesligaspiele ohne Niederlage. Fünf Spieltage vor dem Ende betrug der Vorsprung auf die beiden Münchener Vereine nur zwei Punkte. Vier Tage später wurde erstmals BVB-Kapitän Wolfgang Paul vom Bundestrainer Helmut Schön eingeladen und feierte sein Debüt gegen eine Budapester Stadtauswahl. Aber er war nicht der einzige Borusse im Team. Neben ihm waren noch Libuda, Held und Emmerich, der natürlich den 1-0-Siegtreffer erzielte, dabei.

Dreizehn Mal war es gut gegangen, aber in Duisburg gegen den Meidericher SV war es wieder soweit. Dortmund musste den Belastungen Tribut zollen und kassierte ein 1-2-Niederlage. Damit waren die Dortmunder punktgleich mit den Münchener Titelrivalen. Beim Länderspiel in Dublin am 04.05. kamen wegen des Europapokalendspiels keine Dortmunder Spieler zum Einsatz. Deutschland gewann aber mit 4-0.

Am 05.05.1966 war es dann soweit. Im Stadion Hampden Park in der schottischen Stadt Glasgow trat der BVB zum Endspiel im Europapokal der Pokalsieger. Gegner war das englische Topteam vom FC Liverpool. Die spielerisch starken Engländer schaffen es nicht, ihre Überlegenheit auszuspielen. Die Deutschen hielten ihren Kampfgeist dagegen und versuchten, ihren Konterfußball anzubringen. In der zweiten Hälfte gingen die Dortmunder durch Held in Führung, aber Hunt konnte noch vor dem Ende ausgleichen. Das Spiel ging in die Verlängerung, in der Stan Libuda mit einer herrlichen Bogenlampe über den englischen Keeper das 2-1 erzielt. Diese Führung konnten die Borussen bis zum Schlusspfiff halten. Es ist vollbracht, der BVB errang seinen bis dahin größten Triumph und gewann als erste deutsche Mannschaft überhaupt den Europapokal. Ein Tag später landete die Mannschaft auf dem Kölner Flughafen. Danach ging es mit einem Autokorso durch die Dortmunder Innenstadt, in der rund 250.000 Leute ihre Helden feierten.

Beim Länderspiel am 7.5. fehlten die Dortmunder Spieler, Deutschland gewann gegen Nordirland in Belfast mit 2-0. Eine Woche später war wieder Bundesligaalltag und Dortmund konnte immer noch Meister werden. Die Reise ging nach Bremen zum SV Werder und durch einen umstrittenen Foulelfmeter in der 89. Minute verlor der BVB mit 0-1. Da der TSV 1860 und der FC Bayern nur Unentschieden spielten, blieben die Dortmunder Tabellenführer. Zum Spitzenspiel kam es nun in der „Roten Erde“. Der BVB empfing den TSV 1860 München. Vor dem Spiel erhielten die Spieler des BVB von Bundeskanzler Ludwig Erhard das Silberne Lorbeerblatt, Deutschlands höchste Sportauszeichnung. Im Spiel selber zeigten sich die Münchner mit mehr Biss und gewannen gegen die Dortmunder mit 0-2. Nach diesem Spiel war den „Löwen“ der Meistertitel kaum noch zu nehmen.

Zwei Tage später begann im Stadion „Rote Erde“ der Ausbau. Es wurden die Tribünen renoviert und das Fassungsvermögen auf 55.160 gesteigert. Die Kosten dafür beliefen sich auf 550.000 DM. Am 28.05. trat der BVB zum letzten Spieltag der Saison bei Eintracht Frankfurt an. Die Dortmunder gingen durch Wosab mit 1-0 in Führung, aber am Ende gewannen die Hessen mit 4-1. Und da der TSV 1860 gegen den HSV einen Punkt holte, war die Meisterschaft endgültig entschieden. Aber der BVB konnte trotzdem feiern, denn die Mannschaft war immerhin Vize-Meister geworden. Außerdem wurde Lothar Emmerich Torschützenkönig mit 31 Treffern. Die meisten Einsätze, nämlich alle 34, hatten Lothar Emmerich, „Hoppy“ Kurrat und Hans Tilkowski.

Am 01.06.66 fand in Ludwigshafen das Länderspiel Deutschland – Rumänien statt (1-0), in dem die Dortmunder Tilkowski und Held (wurde eingewechselt) zum Einsatz kamen. Währenddessen gab es aus Köln betrübliche Nachricht. Der 1. Vorsitzende des 1. FC Köln erklärte am 06.06., dass man sich mit BVB-Trainer Multhaup einig sei. Man wollte den Trainer als Sportdirektor verpflichten. Allerdings müsste der BVB dem zustimmen, da Multhaup einen Vertrag bei den Borussen hat. Am 13.06 gab der BVB-Vorstand den Trainer frei, so dass Multhaup bei Köln unterschreiben konnte. Allerdings nicht wie angekündigt als Sportdirektor, sondern als Trainer. Nachfolger beim BVB wurde Heinz Murach, der davor Verbandstrainer am Niederrhein war.

Für die neue Saison wurden Peehs von Borussia Neunkirchen, Mikulasch von ESV Ingolstadt, Neuberger von TuS Röllfeld und Trimhold von Eintracht Frankfurt verpflichtet. Den Verein verließ das Problemkind Straschitz, der zu Hannover 96 wechselte.

In der WM-Vorbereitung traf die Nationalmannschaft auf die B-Elf von Österreich, die man mit 4-0 besiegte. Dabei waren aus Dortmund Lothar Emmerich und Sigi Held, der auch die Treffer zum 2-0 und 3-0 erzielte. Beim Länderspiel in Hannover gegen Jugoslawien waren mit Keeper Tilkowski und Stürmer Held zwei Dortmunder dabei. Am 28.06. stellte Bundestrainer Helmut Schön seinen WM-Kader vor. Im 22er Aufgebot waren mit Tilkowski, Paul, Held und Emmerich vier Borussen dabei. Die WM konnte kommen.... *

*) Dazu mehr im Saisonrückblick 1966/67.

Der Europapokalsieger 1966 - Borussia Dortmund
Der Europapokalsieger 1966 - Borussia Dortmund

Fazit:

Natürlich überstrahlte der Europapokal die gesamte Saison. Allerdings sollte man auch nicht übersehen, dass der BVB auch in der Bundesliga richtig gut war. So oft wurde der BVB in der Bundesliga ja nicht Vizemeister. Und wären nicht die 9 Spiele im Europapokal gewesen, vielleicht hätte der Meister Borussia Dortmund geheißen.

Aber Trainer Multhaup hatte natürlich Recht, dass er die gesamte Kraft in den Europapokal gelegt hat. Damals gab es in dem Wettbewerb zwar nicht das große Geld wie heutzutage. Aber allein durch die Erfolge gegen Atletico, West Ham und Liverpool war der BVB international eine Bekanntheit. Damals sprach niemand von Sch*lke oder Bayern. Dortmund war durch den Sieg gegen die Engländer die Nummer Eins in Deutschland. Und hätte man damals die Sache richtig angefangen, vielleicht wäre die BVB-Geschichte ganz anders weiterverlaufen.

Unterstütze uns mit steady