Helden in schwatzgelb

Obrigado e adeos Julio

14.11.2005, 00:00 Uhr von:  Redaktion

Wer erinnert sich nicht an die Zeit, als Julio Cesar zusammen mit Jürgen Kohler die wohl beste Innenverteidigung stellte, die der BVB je gesehen hat? Gestern konnten wir sie alle nochmals bewundern und viele von uns ereilte eine stark ausgeprägte Gänsehaut, als Norbert Dickel die Namen des Dream Teams von 1997 verkündete. Dementsprechend wurden unsere Helden auch vom Dortmunder Publikum empfangen. Es waren Namen wie: Stefan Klos, Teddy de Beer, Jürgen Kohler, Jörg Heinrich, Stefan Reuter, Matthias Sammer, Steffen Freund, Günter Kutowski, Paul Lambert, Andreas Möller, Knut Reinhardt, Lars Ricken, Karl-Heins Riedle, Paulo Sousa, Michael Zorc, Flemming Povlsen, Stephane Chapuisat und Heiko Herrlich“. Allerdings gab es auch eine unrühmliche Ausnahme, als der Name Andreas Möller fiel: Er wurde von den 35.000 Zuschauern mit Pfiffen bedacht. Ebenfalls mit Pfiffen wurde im Team von „Julio and Friends“ das kleine, dicke Ailton empfangen. Die meisten dürften sich wohl gefragt haben, was Norbert Dickel wohl damit meinte, als er sagte: „…und hier ist mit der Nummer 32 Toni Ailton. Vielleicht spielt er bald bei uns“. Hallo???

Ist es das, was Hans-Joachim Watzke meinte, als er im Sommer verheißungsvoll verlauten ließ: „Man wird sich hier noch wundern“? (schwatzgelb.de berichtete darüber „Das Wunder(n) von Dortmund“) Diese Aussage wurde von Herrn Watzke im Hinblick auf die Transferpolitik geäußert. Sportmanager Miachel Zorc weigerte sich im DSF-Interview ebenfalls standhaft, einen Ailton-Transfer zu dementieren.

Lieber Herr Watzke, die schwatzgelb.de Redaktion spricht hiermit sicherlich jedem BVB-Fan aus der Seele, wenn wir sagen, dass wir auf solche Wunder liebendgern verzichten würden.

Dennoch: Man hätte sich wünschen können, dass für 90 Minuten einmal vergessen würde, dass Möller und Ailton mal bei dem Herner Vorstadtverein gekickt haben. Nur leider wurde dadurch nicht gerade eine Respektbekundung für Julio ausgesprochen. Diese hätte er zumindest in allen Belangen verdient gehabt.

Insgesamt fanden sich 35.000 Zuschauer im Westfalenstadion ein, um dem Abschiedsspiel von Julio Cesar den nötigen Rahmen zu verleihen. Vor Spielbeginn wurde auf der Südtribüne sogar der Oberrang für die Zahlreichen Fans geöffnet. Einige Fangruppen präsentierten selbstverständlich auch diverse Spruchbänder auf denen zu lesen war: „ DU KAMST ALS FREMDER UND GINGST ALS FREUND – ALS BORUSSE“. Auf einem anderen war zu lesen: „DANKE JUNGS FÜR DIE GEILE ZEIT“.

Zu Anfang der Partie spielte Julio Cesar in Reihen des BVB. Dann war es auch noch Ailton, der ausgerechnet in der 09. Minute, während von einigen Fans auf der Nord das BVB-Vereinslied gesungen wurde, das 1:0 für „Julio and Friends“ erzielte. Auch hierbei kamen leider wieder Pfiffe auf, die man sich getrost hätte sparen können. Die erste große Möglichkeit auf Seiten des BVB hatte Kalle "Air" Riedle, als er von außen durch Chapuisat in Szene gesetzt wurde. Kurze Zeit darauf war es wiederum Air Riedle, der einen herrlichen Fallrückzieher auf den Kasten von Claudio Taffarel brachte. Bei diesen Aktionen kamen selbstverständlich wieder nostalgische Erinnerungen hoch, an denen wir uns in den 90ern so erfreut hatten. Leider gab es dann bis zur 45. Minute, als Andi Herzog das 2:0 erzielte, nichts Nennenswertes.

Erst in schwarz, dann in gelb

In der 2. Halbzeit wechselte Julio Cesar das Trikot und spielte von nun an bei „Julio and Friends“. Wie bereits auch schon in der ersten Hälfte, wurden die BVB-Spieler von Ottmar Hitzfeld reihum aus- und eingewechselt. So war es dann der gerade ins Spiel gekommene René Schneider (beim BVB von 1996-99), der den Anschlusstreffer markierte. Das nächste Tor für den BVB fiel dann bereits nach weiteren fünf Minuten, als Heiko Herrlich, so wie man ihn kennt, eine Flanke per Kopf in den Winkel wuchtete. Auf Seiten des BVB stand nun Teddy de Beer im Tor, der einiges zu tun bekam, aber durch seine Glanzparaden das Dortmunder Publikum entzückte. Bei vielen seiner Aktionen wurden Sprechchöre laut wie: „Teddy für Deutschland“. Leider musste er in der Schlussviertelstunde noch dreimal hinter sich greifen, als Giovane Elber, Bernardi und Roger Milla den Endstand von 5:2 erzielten. Leider hatte man teilweise nicht den Eindruck, dass es sich um ein Abschiedsspiel handelte, da man weder Julio die Möglichkeit gab, ungestört in den Strafraum zu laufen, um sein Tor zu erzielen, noch andere „Spielchen“ aufkommen ließ. Hier zieht man doch gerne Parallelen zu anderen Abschiedsspielen, wie das von Jürgen Kohler. Dort spielte man zeitweise 12 gegen 12, schnappte sich den Ball zu einer Ecke, auch wenn man ihn selbst rausgeschossen hatte oder spielte auch schon mal Doppelpass mit dem Gegner.

Stimmung!? Auf den Rängen war das Spiel ähnlich mau. Leider waren die Anti-GE Rufe und diverse Pfiffe gegen einige Spieler in der Überzahl, anstatt altes Liedgut aufkommen zu lassen und die Helden von damals entsprechend zu feiern. Hiermit stelle ich den anwesenden „Fans“ auf der Süd ein Armutszeugnis aus! Es ist schon bedauerlich, dass noch nicht einmal ein so einfaches Lied wie: „Chappi, Chappi, Chappi Chapuisat“ gesungen werden kann. Auch die Musikunterspielungen während des Spiels waren nicht gerade angebracht. Jetzt verstehen einige vielleicht, wie es in Salzburg zugeht. Leider dürften ja viele von den anwesenden Protagonisten keine Probleme damit haben, wenn dadurch ja so tolle Lieder wie: „Viva Colonia“ durch die Weiten des Westfalenstadions hallen und ein Großteil der Fans sogar freudig mitgrölt. Was hat das mit Borussia Dortmund oder gar mit Julio Cesar zu tun? Lobenswert hingegen war die kleine Gruppe an Fans, die sich im Stehplatzbereich der Nordtribüne eingefunden hatte. Dort hörte man ständig Lobgesänge der einzelnen BVB-Helden. In der ersten Hälfte hörte man ständig: „Wir singen Stefan, Stefan, Steeeeefan Klooooos, alles hält er, der Held von Auxerre.

Trotz allem:

Es war ein sehr bewegender Abschied eines tollen Fußballspielers!


Geschrieben von gk

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