Eua Senf

Gastautorenwettbewerb "Warum bin ich eigentlich Borusse?" - Die Platzierten Teil 3

05.01.2004, 00:00 Uhr von:  Gastautor
Gastautorenwettbewerb "Warum bin ich eigentlich Borusse?" - Die Platzierten Teil 3

Vor gut einem Jahr lief bei schwatzgelb.de ein Gastautorenwettbewerb "Warum bin ich eigentlich Borusse", bei dem es Karten für "das Derby" zu gewinnen gab. Nachdem wir in der Sommerpause schon den zweiten Teil der Beiträg präsentierten, möchten wir die Winterpause nutzen, um Euch den dritten und letzten Teil der kleinen Serie vorzustellen.

Artikel 1:

Tja, "Warum bin ich Borusse?", diese Frage ist eigentlich einfach zu beantworten, so dachte ich, denn Borussia ist meine große Liebe, seit ca. 26 Jahren. Haste gedacht, Brauner. Bei weiterem Überlegen ist es gar nicht so einfach. In meiner Kindheit hatte ich nämlich als Kind aus Essen drei Vereinsfarben. Ich bekam Schals, Mützen und andere Utensilien von Borussia (von meinen Eltern), vom RWE (die gute Oma und von einem Verein, den ich hier nicht erwähne, weil ich mich noch heute dafür schäme (vom Opa).

Ich kann mich weder an mein erstes Spiel erinnern (da war ich noch zu klein, meine Eltern behaupten, es war noch in der Roten Erde?) noch kann ich wie Nick Hornby nähre Daten zu einzelnen Spielen sagen.

Irgendwann zogen meine Eltern mit mir ins Sauerland nach Arnsberg, ich war gerade 7 und wurde so den "Bösen Mächten" (Oma und Opa) entzogen und wir fuhren ende der Siebziger regelmäßig ins Westfalenstadion. Der kleine Ingo kaufte sich vor dem Spiel ne Jugendkarte an den alten Steinverkaufshäuschen und es ging auf nen Sitzplatz der "Haupttribüne" (war damals die Trainerbank nicht auf der anderen Seite?). Ich erinnere mich noch an Ente Lippens (mein Vater und auch meine RWE-Oma waren riesen Fans vom Willi), Votava, Huber, etc. Fanartikel bekam ich mittlerweile nur noch von Borussia. Mein Opa hatte mich fußballtechnisch aufgegeben und versuchte sich mit einer Eisenbahn, ohne Erfolg.

Ich weiß nicht mehr genau wann es war, da meinten meine Eltern, dass der kleine jetzt auch mal stehen könnte und wir standen von nun an auf der alten Nordtribüne, immer über einem Eingang, da der kleine auch was sehen sollte. Mittlerweile kamen aus dem Sauerland schon einige Leute immer mit. So brachte ein Schulkamerad seinen Vater mit und mehrere Freunde meiner Eltern standen da auch immer. Ich erinnere mich noch an einige Streitigkeiten mit Kölnern und Blauen, die es Lustig fanden, uns Dötzen die Fahnen zu klauen etc. Der Vater eines Freundes hat mal nem Blauen nen Kaugummi aufs Auge geklebt und nem HSVer ne Kippe auf ner Backe ausgedrückt. Er war unser Held!

Tja, ich weiß noch, dass ich zu jenen Tagen schon eine große Sehnsucht hatte, auch mal die andere Seite des Stadions, sprich die Südtribüne zu besuchen, aber ich war noch zu klein (danke Mama).

Dann irgendwann, Borussia spielte mehr schlecht als recht, Ingo fand mittlerweile auch noch Werder Bremen ganz O.K., weil da der Völler und der Meier den Bayern in den Arsch traten, geschah das, woran ich mich am allerbesten erinner. Ich war mittlerweile 14 und Borussia stand das Wasser bis zum Hals. Mein Vater schimpfte auf alle und ihm war klar, dass Borussia dieses Jahr absteigen würde. Er wollte nie mehr zum Fußball und überhaupt, wäre das Ganze eh für den Arsch. Ich fuhr trotzdem mit den Eltern eines Schulfreundes. Doch der Abstieg schien unvermeidlich. Was ich dann noch weiß ist, dieses unglaubliche Erlebnis gegen Fortuna Köln. Die Relegation. Das Hinspiel ging verloren und mein Vater war schlechter Dinge, mußte aber nebst meiner Ma und mir den Untergang der ehemaligen Geliebten mit ansehen. (Natürlich wieder über dem Eingang auf der Nord). Was folgte war ein Fest in Schwarz und Gelb. Ich behaupte, dass es nie wieder so eine Stimmung wie an diesem Abend gab. Seit diesem Abend war es endgültig klar, hier ist mein Zuhause. Die nächste Saison verfolgte ich schon auf der Süd und Vater schenkte mir ne Dauerkarte, da er auch wieder regelmäßig fuhr und ne Dauerkarte sein Eigen nannte.

Und nach super Erlebnissen, Pokalsieg, Uefa-Cup-Fahrten und dem 14-täglichen Besuch des Westfalenstadions stand für mich 1992 fest, studieren und leben geht nur noch in Dortmund. Tja, so bin ich hier gelandet. Mittlerweile wohne ich jetzt 11 Jahre hier (Oma sagt, das Kinder aus dem Ruhrgebiet immer zurückkommen) und stehe immer noch auf der Süd. Nicht mehr lange, denn man wird älter und nächstes Jahr gibts nen Sitzplatz in Block 36.

geschrieben von Ingo Braun

Artikel 2: Warum bin ich Borusse?

Ich finde, dass diese Frage im Moment passend kommt, da in dieser Mannschaft einfach zu wenig Spieler sind, die sich mit Borussia Dortmund identifizieren. Mir macht es eigentlich nichts aus, wer auf dem Feld steht, da man eine Mannschaft und keine Spieler supportet. Für diese Mannschaft geht man dann auch durch dick und dünn. 1979 war ich zum ersten mal im Westfalenstadion, was mich fortan nicht mehr losgelassen hat, trotz aller Probleme in den 90er Jahren, um an Karten zu kommen.

Trotzdem kann man uns nur schwerlich als Modefans betiteln denke ich. Ich hab mal eine Aufstellung gemacht und habe festgestellt, dass ich im Laufe der Jahre ca. 200.000 km für den BVB gefahren bin. Was ich in den letzten Jahren echt vermisse, sind Spieler, die man respektiert, weil sie für IHRE Mannschaft spielen - aber das ist nicht nur in Dortmund der Fall, da das mit all den femden Spielern ein allgemeines Phänomen ist. Wir haben im Laufe der Jahre viele gute und auch viele schlechte Spiele gesehen, aber das eine gute macht das andere schlechte wieder wett. Am besten erinnere ich mich an ein 4-4 gegen die Bazis in den 80er Jahren und auch an ein Pokalspiel in Uerdingen im Schnee vor 11.000 Zuschauern. Den meisten Spaß hatte ich bei der "ersten Meisterschaft", als wie am letzten Spieltag zu Hause gegen den HSV spielten. Ich kriege heute noch Tränen in den Augen, unvergesslich. Nun in den letzten Jahren und mit Hilfe von Schwatzgelb.de und dem Internet ist alles viel einfacher geworden um an die letzten Neuigkeiten ranzukommen, was früher anders war. So sind wir einmal sogar eine Woche zu früh in Dortmund angekommen und dann ohne Fussball zurück nach Belgien gefahren, was heute natürlich nicht mehr passieren würde. Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre nach Dortmund kommen kann, mit oder ohne Erfolg, ich bleib für alle Zeit BVB-Fan.

geschrieben von Marc Gevers aus Belgien

Artikel 3:

So, was soll ich sagen. Geboren wurd ich in Tiflis an einem schönen Junitag 1985. Genau gesagt am 11. Mit 6 gings dann in die Schule. Leider (oder Gott sei Dank?) gehörten meine Eltern nicht zu der Sorte Menschen die sich mit „überm Strich“ zufrieden geben. Also lernte ich fleissig unterm strengen, aber auch lieben Auge meiner Oma. Mein bester Freund Mischa, aus einer Basketballerfamilie stammend, nahm mich mit zum Basketballtraining. Ich war da eher nicht so der Hit, und einmal als ich das ganze Spiel lang nicht eingewechselt wurde, zeigte ich dem Trainer den Mittelfinger und ging heim. Das Kapitel Basketball war beendet. Die Jahre vergingen, meine sorglose Jugend, wurde ab und zu von über-nachbars-Auto-rollenden-Panzern gestört aber ansonsten war eher alles "Olé-Olé" Und dann war dieses bemerkenswerte Jahr 1994, das dazu bestimmt war, viele Dinge in meinem Leben umzukrempeln.

Das erste war die Fussball WM. Die Fussballeuphorie besiegte mich und ich wehrte mich gar nicht dagegen. Baggio, Romario, Bulgarien & Co, einfach geil…

Es folgten viele sonnige barfuß-aufm-heißen-Asphalt-kicken Tage. Einmal stellte ich mich ins Tor und bin bis heute, trotz Bein- & Armbrüchen nicht mehr rausgekommen (was wahrscheinlich auch an meiner tollen Kondition liegt...). Das zweite war, dass ich nach Moskau umziehen musste. Am Anfang wars schwer. Meine ganzen Freunde bleieben im sonnigen Tiflis zurück, aber ich habe schnell welche in Moskau gefunden. Da verlor ich mein Herz an ein Paar hier zu unwichtig-zu-erwähnenden Mädchen und den FC Spartak Moskau. Eine Mannschaft die super Fussball spielte und spielt und der ich wünsche, endlich mal Erfolg auf der internationalen Bühne zu haben. Dann war da diese Champions League. Borussia Dortmund gegen Juve. Um ehrlich zu sagen fand ich Dortmund nur wegen den knallgelben Trikots sympatisch (ja was erwartet ihr, ich war 11!).Aber dieses Gefühl, zu einem Fan zu werden, es ist unbeschreiblich. Man kann das nicht erklären, sowas muss man einfach erleben. Diese Mannschaft, ein absoluter Outsider. Dann dieser Hitzkopf Sammer, dieser junge Ricken. Es machte „KLACK“ und ich ging Spartak mit Borussia Fremd. Ich glaube nicht, dass Spartak es mir übel nahm.

Und dann dieses glorreiche Finale gegen Juventus Turin. Das Münchener Olympiastadion ganz in schwarz-gelb. Fans aus ganz Deutschland sind angereist um ihre Mannschaft zu unterstützen, die Stimmung war sogar vorm Fernseher in Moskau unglaublich. Das Spiel sah ich wie in Trance, das 1:0 und 2:0 von Kalle Riedle, der Anschlusstreffer der Turiner der mich, sowie Millionen von Zuschauern die nächsten Minuten zittern ließ, bis endlich Lars Ricken uns alle mit seinem Traumtor zum 3:1 erlöste. Das ist wahrscheinlich ein Tag, den ich niemals im Leben vergessen werde. Seitdem bin ich mit der Borussia „liiert“, vieles hat sich seit dem Tag verändert, inzwischen wohne ich sogar seit längerem in Deutschland (aber das ist wohl ein anderes Thema… wenn ihr allerdings mehr über mich erfahren wollt: http://mitglied.lycos.de/zweim... >nicht vergessen ins GB eintragen!< *gg*) aber meine Liebe zu Borussia ist geblieben. Nein, ich bin keiner von den Modefans, die Borussia an diesem Tag gewonnen hat, ich bin einer von der Sorte die ihren Verein lieben und alles für ihn geben würden, in guten wie in schlechten Zeiten.

Zum Schluss noch ein Zitat von „The Master“ himself, Nick Hornby:

We all have our reasons for loving things the way we do… Und in diesem Satz steckt für uns alle (jaja, sogar für die bösen Schlacke Fans) mehr drin als man glaubt…

geschrieben von Taimuraz Gogodze

Artikel 4: Warum ich ein Borusse bin?

Gute Frage. Den Grundstein dazu legten auf alle Fälle mein Cousin und mein Onkel, die mich damals in der Saison 1993/1994 zum Heimspiel gegen Freiburg mitnahmen. Dabei war auch mein Vater, der bis heute leichte Sympathien für die kleine/falsche/angebliche Mythos-Borussia hat. Dieses erste Spiel im Stadion hat allerdings mir den ersten kleinen Schubser auf den Fussball- und Borussia-Zug gegeben. 0:2 lagen wir zur Halbzeit zurück. Dabei war auch ein Foulelfmeter von Cardoso, der wiederholt werden musste (Wieso war mir damals allerdings völlig unklar, schließlich war ich erst 9 Jahre alt). In der Halbzeitpause sagte ich zu meinem Vater, dass ich mir dieses Spiel bestimmt nicht in der Sportschau anschauen werde. Doch dann kam ja alles anders. Als das 1:2 fiel war ich erstaunt wie laut es in einem Stadion sein kann wenn ein Tor fällt. Dann kam das 2:2 und die Tribüne links von mir wurde immer lauter und forderte die gelben Leute da unten auf dem Rasen auf noch ein Tor zu schießen. Kurz vor Schluss erzielte dann Matthias Sammer nach einem Solo (soweit ich mich erinnern kann) das 3:2 und damit den Siegtreffer. Mein Vater hebte mich kurz vor dem entscheidenden Schuss hoch damit ich auch alles sehen konnte. Vor mir sprang alles auf was kurz zuvor noch am meckern war, die Tribüne links von mir war unglaublich laut und die gelben Leutchen da unten fielen sich in die Arme. Auf dem Rückweg kaufte mir mein Vater noch einen BVB-Schal, den ich bis heute zu jedem Spiel als Glücksbringer mitnehme.

Seit diesem Erlebnis interessierte ich mich viel mehr für Fussball als zuvor. Samstags ab 15:30 Uhr hing ich ab sofort vorm Radio und hörte was Borussia machte. Am Ende der Saison war ich gegen Frankfurt nochmals da, als Kalle Riedle direkt vor meinen Augen in der 3. Minute das 1:0 machte. Und da ich wohl noch nicht richtig ein Fan von Borussia war, versuchten meine Nachbarn und Verwandte die Scheiße- oder gar Bauern-Fans waren, mich umzupolen. Ich erinnere mich da noch an den Spruch von unseren Nachbarn, der mich fragte „Wieso willst du dich über Niederlagen und schlechte Spiele von diesen Borussen ärgern wenn du dich über Siege der Bayern freuen kannst?“… In der nächsten Saison wurden wir Meister, und ich war wieder einige Male im Stadion. Aber erst im Jahr darauf stand ich zum ersten Mal auf dieser „linken Tribüne“, die andere Leute die Südtribüne nennen. Es war definitiv ein unglaubliches Erlebnis. Die Spielernamen bei der Aufstellung rufen, die Gegenspieler bei misslungenen Aktionen verhöhnen und die eigenen nach eben solchen durch Anfeuerungsrufe wieder aufbauen. All das sind auch die Zutaten die mich zu einem Borussen gemacht haben. In dieser Saison holten wir auch die deutsche Meisterschaft und danach holten wir sogar die Champions-League und den Weltpokal. Unvergessen diese Abende zu Hause am Fernseher mit der ganzen Familie (meine Eltern erlaubten mir damals nicht den Besuch eines Spiels in der Woche).

Mittlerweile sind fast 10 Jahre vergangen, seitdem ich zum ersten Mal im Westfalenstadion war. In der Zwischenzeit war ich bei sehr vielen Spielen. Habe in Bremen, Hamburg und Leverkusen dumme und schmerzhafte Niederlagen erlebt, habe ein ganz gemeines 0:4 gegen die Blauen miterlebt und mich nachher den Kommentaren meiner Nachbarn und Schulkollegen ausgesetzt. Aber ich war auch in der letzten Saison gegen Bremen da, was als das Fussballerlebnis in meinem Gedächtnis bleiben wird, welches ich später mal meinen Enkeln erzählen werde. Ich war in der Zeit aber auch dreimal in München zum Auswärtsspiel gegen die Bazis. Bin jeweils 8-9 Stunden im Bus gehockt nur um knapp mit einem Tor Unterschied zu verlieren (94/95 1:2, 95/96 0:1 und 02/03 1:2). Dennoch ist es interessant, dass wir in den Jahren in denen ich in München war, immer Meister geworden sind. Dieses Jahr war ich ja auch da…

geschrieben von Daniel Hansmeier

Artikel 5: Meine Liebe zur Borussia- Eine Liebe auf Umwegen!

Schon im Kindesalter war klar, das runde Leder ist das wichtigste in meinem Leben!

Allerdings durfte ich erst nach Erlernen des Schwimmens selber gegen den Ball treten, damals im zarten Alter von 5 Jahren in einem Bochumer Vorort-Club bei den Minis.

Den ersten Kontakt zu schwatzgelb gab es dann in der Grundschule, als ich mein erstes Panini-Album sammelte! Als ich dann als eines der ersten Bilder das schwatzgelbe Wappen in den Händen hielt, war der Weg vorbestimmt. Zwischenzeitlich wurde ich von meiner blau-weissen Familie zum ersten Mal mit ins Ruhrstadion genommen, zwar begeisterte mich das Spiel (6-1 für Bochum gegen Düsseldorf), aber eine Fahne wie mein Bruder wollte ich nicht haben!

Voll und ganz war es dann Mitte der 80-er um mich geschehen, als die Borussia zu Gast im Ruhrstadion war. Damals machte unser Verein eher durch Skandale auf sich aufmerksam als durch positive Nachrichten, doch das Gefühl anders zu sein, als die meisten in meinem Fussballverein war schon schön! Das Spiel endete unentschieden, meinem Vater hat nicht das Ergebnis, sondern eher meine Liebe zur Borussia das Herz gebrochen.

Es folgten dann gemeinsame Besuche mit Vater im Westfalenstadion (unvergessen mein erstes internationales Spiel damals im Pokal der Pokalsieger gegen Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt), doch waren die leider sehr unregelmässig. Damals konnte ich 2 Wochen vorher kaum schlafen, wenn ich wusste, dass mein Vater Karten hatte!

Seitdem gab es Erlebnisse, die Borussia haben zur Sucht verkommen lassen. Nicht nur die Erfolge 89,95,96,97,02 waren sehr prägsam, es waren eher andere Erlebnisse. Im Jahre 93, als man das UEFA-Cup-Finale erreicht hatte, verlor man kurz darauf ein Heimspiel gegen Stuttgart mit 0-4, aber die Stimmung war unbeschreiblich! Das Klatschen der Fans kam mir wie Donnerschläge vor, und Borussia waren nicht nur 11 Leute auf den Platz, nein es waren auch 55.000 (später 42.800) mit Dir im Stadion.

Unvergessen auch 91/92 die Invasion am 34. Spieltag in Duisburg, die verlorene Meisterschaft, die Tränen, aber auch der Zusammenhalt untereinander!

Oder auch das Heimspiel gegen Lazio Rom, als Ricken uns mit seinem 3-1 in einen unvergessenen rausch versetzte, die Sitzplätze standen und mehr Stimmung machten als es heute 25.000 auf der Süd tun.

Leider sind diese Art der Fan-Erlebnisse rar geworden, nur noch auswärts kommt man da annähernd wieder ran! Aber die Gemeinschaft, die Freunde die man in den letzten Jahren durch die THE UNITY gewonnen hat, lassen jedes Spiel wieder zu einem Ereignis werden.

geschrieben von Rasti

Artikel 6:

Diese Frage habe ich schon desöfteren gehört. "Du bist doch n Norddeutschen!" (Das sagt man hier so) Es fing auch alles sehr norddeutsch an. Ich war wohl so 10 Jahre alt, als es in meiner Heimatstadt Schwerin ein

fußballerisches Higlight gab. Im FDGB-Pokal traf der damalige DDR-Zweitliga-Verein Eintracht Schwerin auf den großen 1. FC Magdeburg. Und wie es bei Höhepunkten so ist, ströhmte alles ins Fußballstadion, so auch ich mit meiner Familie. Und schon vor dem Stadion wurde es für mich sehr aufregend. Ein wildfremder Mann fragte, ob ich für ihn eine Schnapsflasche mit reinnehmen könnte, da Kinder nicht kontrolliert wurden. Damals war ich mir meiner Tat nicht bewußt, aber heute muß ich darüber schmunzeln, besonders wenn man bedenkt, daß heute sogar kleinen Kindern die Fahnen vor dem Stadion weggenommen werden.

Schwerin hat natürlich verloren. Aber von nun an war mein Interesse für Fußball geweckt. Mit meinem Großvater guckte ich von nun an Fußball. Im Osten war mein Verein Dynamo Dresden und die spielen bekanntlich ja in gelbschwarz. Eines Samstags nachmittag entdeckte ich bei der ARD-Sportschau (wir konnten Westfernsehen empfangen und sogar in Farbe), dass es im Westen einen Verein gibt der in schwatzgelb spielt. Es war Borussia Dortmund. Da ich mir nicht so viele Farbkombinationen merken wollte, beschloß ich diesem Verein auch die Daumen zu drücken. Ich fragte meinen Großvater, ob das okay sei und er sagte nur, solange ich den Bayern nicht die Daumen drücke, geht das in Ordnung. Vielleicht fand ich es auch nur lustig, daß der Torwart Teddy hieß.

Bis zu meinem 1. Stadionbesuch bei einem Spiel des BVB dauerte es auch wegen der politischen Lage noch eine ganze Zeit. Ich fuhr nur ab und zu nach Hamburg oder Bremen. Aber am 10. Dezember 1994 ging es zum HSV gegen unsere Jungs. Ein Freund hatte die Karten besorgt und eine über. Also nahmen wir meine Freundin (bis dahin Fußball-Hasserin) auch mit. Allerdings waren die Karten für den HSV-Block, da meine Kumpels HSV-Fans waren. Egal, Hauptsache die Dortmunder Jungs mal live sehen. Die erste Halbzeit ist ja nicht so viel passiert, aber die zweite Hälfte hatte es in sich. 4 Tore in einer Halbzeit und alle auf meiner Seite, einfach geil. Bis zum 0:2 durfte ich mich auch noch richtig freuen. Danach bewachten mich drei Ordner vor aufgebrachten HSV-Fans. Auf dem Rückweg zum Bahnhof kamen wir in den Pulk der Borussen. Ich fing schon vorsichtig an, die Lieder mitzusingen und hatte einen Riesenspaß. Meinen Freunden war es egal, sie waren nur in Sachen Fußball unterwegs. Und zu meinem Glück war meine Freundin von nun an auch fußballverrückt. Humba und Gesänge in der S-Bahn, das war schon geil.

Mitte 1995 zog ich dann nach Oldenburg, Niedersachsen, eine von Hosenscheißern verseuchte Stadt. Rudi A. hatte den hier ansässigen Verein kurz vor der Pleite geschippert. Irgendwie ist man ihm dafür immer noch dankbar. Ein Vorteil hat die ganze Sache, ich wusste endlich was eine richtige Fußballrivalität ist und mischte und mische immer noch ordentlich mit. Der Fußball-Bundesliga geographisch ein Stück näher gekommen, nahmen die Fußballfahrten Jahr für Jahr zu. Und 1998 schafften wir es auch endlich mal ins berühmte Westfalenstadion. Bis dahin sind wir nur auswärts dabei gewesen. Bis heute fahren wir auch mehr auswärts als heim. Die wichtigen Spiele gegen den Erzfeind oder das letzte Saisonspiel sind wir natürlich dabei. Was immer mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Da wir am Tag des Vorverkaufbeginns immer direkt nach Dortmund fahren. Wegen der "guten" Telefon-Bestell-Möglichkeiten. Es gab natürlich auch viele Schattenseiten. Besonders hervorzuheben ist hier die Saison 97/98, als wir nach 6 Auswährtsfahrten nur 1 Tor zu bejubeln hatten und man nachher nur noch die selben leidverzerrten Gesichter im Away-Sektor gesehen hat. Aber im Großen und Ganzen ist es schon richtig geil im Block zu stehen und Borussia Dortmund spielen zu sehen. Manchmal haben wir auch Transparente mit in den Block genommen. Aber keines war so erfolgreich wie diese Saison in Bremen. Wir wußten nichts von der Anfangschoreographie, aber unser Transparent paßte voll dazu. "Das Runde muß in das Eckige" Da es nicht auf portugiesisch oder tschechisch war, wusste Frings was Sache war und nach kurzer Zeit stand es 0:1. Mitte der 2. Halbzeit forderten einige, ich sollte es nochmal hochhalten. Aber unsere Jungs hatten es wohl doch verstanden, 1:4 in Bremen, einfach geil. Ich habe das Transparent aufm Dachboden und vielleicht brauchen wir es ja noch einmal. Wenns denn hilft... Aber die Frage war ja, warum ich Borusse bin. Es ist eigentlich ganz einfach. Borussia Dortmund bereitet mir schlaflose Nächte, ein gewisses Kribbeln, man "wirft sich in Schale" für sie, "läuft" ihr hinterher und kennt die Stärken und Schwächen. Es muß Liebe sein. Und weil es die erste und größte (Fußball-)liebe ist, bin ich Borusse.

geschrieben von Karsten Borchmann

Artikel 7: Warum bin ich BVB-Fan?

Die Suche nach der Antwort auf diese Frage hat mich in den letzten Tagen wirklich beschäftigt. Die Schwierigkeit war hierbei, dass ich mir diese Frage nie selbst gestellt habe. Es gab auch nie das einschneidende „Erlebnis“, den Tag X, an dem ich beschlossen hätte, dem BVB die Treue zu schwören. „Trotzdem“ dachte ich, „irgend etwas muss doch irgendwann diesen Virus in mir ausgelöst haben?“. „Wann war ich denn überhaupt das erste mal im Stadion?“ grübelte ich vor mich hin. Nun, eigentlich erinnere ich mich nicht. Ich bin Jahrgang `70 und mein Vater hat mich schon als kleinen Jungen in das damals neue Westfalenstadion mitgenommen. „Ja, mein Vater, der ist an allem schuld!“ schoss es mir in den Sinn. „ Der hat 1966 nach dem legendären Pokalsieg sogar seinen Wagen, einen alten Kadett, schwatz-gelb angemalt. Das ganze veredelt, um die Namen aller BVB-Spieler dieser legendären Elf. „Aber eigentlich,“ so wurde mir klar „ ist meine ganze Familie schwatz-gelb verrückt“. Ich stamme aus dem Dortmunder Norden, genauer gesagt aus Hostedde. Mein Vater ist Evinger und meine Mutter wurde in Mengede geboren. Etwas anderes als den BVB hat es somit nie gegeben. Das hat zweifellos sehr viel mit Lokalpatriotismus zu tun: Stahl, Kohle und der BVB sind Synonyme für Dortmund. Ich bin stolz auf meine Wurzeln, stolz auf meine Stadt und jeder Sieg des BVBs ist für mich auch ein Sieg für Dortmund. Somit gilt meine Liebeserklärung nicht einfach nur dem BVB, sondern vielmehr auch der Stadt, die meine Heimat ist: Dortmund.

1985 hatte ich dann meine erste Dauerkarte. Schlappe 65 DM für eine Jugendkarte auf der Südtribüne. Meine Freunde und ich waren zu jenem Zeitpunkt regelrechte Fanatiker. Der BVB stand damals für unser eigenes Selbstverständnis: immer Underdog, keine echte Perspektive aber immer bemüht und willig, das Beste zu geben. Nebenbei bemerkt: ich besuchte damals die Theodor-Heuss-Realschule in Eving. Genauso wie Stefan Klos, der zwei Jahrgänge unter mir, so etwas wie einen Helden symbolisierte: „Wow. Der spielt in der BVB Jugend!“. Nebenan, auf dem Heisenberg Gymnasium gab es dann ein paar Jahre zuvor noch eine andere Ikone: Michael “Susi“ Zorc. Der wiederum war für mich geradezu ein Gott, als er Anfang der 80er Junioren Weltmeister wurde. Und um an dieser Stelle mal mit einer Anekdote aufzuräumen: Der Spitzname „Susi“ hat dann doch wesentlich mehr mit „ Susi sag mal saure Sahne“ zu tun, als mit seiner damals wallenden Haarpracht. Diesen „Running Gag“ musste derzeit wohl jeder über sich ergehen lassen, der mit lispeln gestraft war. Zurück zum Thema: In den darauf folgenden Jahren hat sich viel verändert. Die Stadt verdient längst nicht mehr mit Kohle und Stahl ihr Geld und aus dem BVB ist ein mittelprächtiges und erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen geworden. So kommt es nicht von ungefähr, dass viel zu viele der angeblichen BVB-Anhänger lediglich Mode-Fans sind (was ich zutiefst verachte, weil ich es nicht verstehe). Die Spieler heute stammen dann auch eher weniger aus Dortmund, ja oftmals sogar nicht einmal aus Deutschland. Aber ich war nie ein Anhänger des Personenkults, insofern ist mir das egal. Der BVB ist mein Kult und alles für was dieser Klub steht. Ich brauche deshalb kein „Feverpitch“ um das Fan-Dasein zu begreifen. Meine eigenen Erinnerungen sind dafür viel zu lebendig. Ein paar persönliche Highlights seien mir an dieser Stelle erlaubt:

  • Relegation gegen Fortuna Köln
  • Uefa Cup, erste Runde gegen Celtic Glasgow, nach unendlich langer Zeit internationaler Abstinenz
  • Die Spiele in Rom
  • Die Meisterschaft 1995
  • Der Thron, Champions League Sieg `97 (meine Stadt war plötzlich eine Begriff in der gesamten Welt! „Dartment“ erklang sogar damals auf CNN „ is the winner of the european Champions League“

Ein besonderes Highlight stellte für mich aber ein Besuch Anfang der 90er im Limericks in Dortmund dar: Mit zwei Kumpels lauschte ich damals dem Gesang der anwesenden Iren, bis ich zu meiner Verwunderung mehrmals das Wort „kelmisch“ oder so ähnlich wahrnahm. „ Hey, Micha – könnte das Celtic heissen?“ .“ Kein Problem“ sagte selbiger „ das finde ich raus“. Michael stand auf und begann völlig losgelöst zu singen: „ If you hate the F***g Rangers clap you Hand“ nach der Melodie „und schon wieder deutscher Meister BVB“. „Oh Gott“ dachte ich „gleich sind wir tot“. Aber was sich dann abspielte war unbeschreiblich: Die gesamte Kneipe stimmte ein und so erklang dieser Anti-Rangers-Gesang gegröhlt von zig dutzenden von Gästen. Anschließend mussten wir uns einem ungleichem Gesangswettbewerb stellen, wobei wir im Wechsel mit den anwesenden Iren/Schotten, schottische und Dortmunder Fangesänge zum Besten gaben. Bezahlen mussten wir natürlich auch nichts mehr, sondern waren fortan eingeladen: von einem Celtic Fanclub, der aufgrund der gemeinsamen Fan-Freundschaft an diesem Abend dort zu Gast war. Aber das konnte Michael unmöglich geahnt haben...

Um meine Liebe zum BVB auf dem Punkt zu bringen, zitiere ich Fitzi, einen Kollegen vergangener Zeiten: „Ich bin in Dortmund geboren und werde hier auch sterben. Ich arbeite in Dortmund und trinke Dortmunder Bier. Wieso zum Teufel, sollte ich Fan von irgend so einem Seppel Club sein?“

geschrieben von Martin Grollmuß

Artikel 8: Fitzi - und davon bin ich überzeugt - hatte recht.

Meine Borussia-Geschichte beginnt 1989. Damals, mit meinen fünf Jahren, machte ich die ersten Erfahrungen mit "meiner" Borussia. Ich fing an, Sammelbilder zu sammeln und bekam schnell durch meinen Vater und meinen Onkel, beide Dauerkartenbesitzer, einen Draht zur Borussia.

So kam es, dass ich bald die Spieler beim Namen kannte und mich mit meinem ersten Trikot schmücken durfte. Das Schlüsselerlebnis schlechthin war mein erster Stadionbesuch im Jahre 1990 mit 6 Jahren. Ich ging mit meinem Vater, welcher mich auf seinen Schoss nahm. Schon als ich das Stadion betrat, überkam mich eine Gänsehaut und ein unbeschreibliches Gefühl, welches ich bis heute nicht vergessen habe.

Ich starrte auf die singende und bebende Südtribüne und dieser Eindruck prägte sich mir unwiderruflich ein. Ich war so fasziniert, dass ich mich von der Südtribüne nicht mehr lösen konnte und so begleitet mich "meine" Borussia noch heute. Das war also meine Geschichte.

geschrieben von Philip Fröhlich

Artikel 09: Warum bin ich eigentlich Borusse?

So ein richtiges „Einstiegsdatum“ kann ich eigentlich nicht festmachen. Anfang der 70er war ja auch nicht ganz soviel los. Mein Vater erzählte zwar immer mal wieder von glorreichen Europacupspielen (5:0 gegen Benfica und 1966 natürlich, „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn……“) aber er war auch kein regelmäßiger Stadiongänger mehr.

An mein erstes Spiel erinnere ich mich dann aber ganz genau, Samstag, 19. April 1975 Regionalliga Auswärtsspiel in Erkenschwick (1:1 laut www.fussballdaten.de). Nicht gerade ein Spiel, das in die Annalen eingegangen ist, egal. Schon anders sah mein Debüt im Westfalenstadion aus: November 1975 gegen Preußen Münster ein 1:0 Sieg vor über 35.000 Zuschauern. Ich war schwer beeindruckt.

Danach ging es recht schnell: Aufstieg, 1. Bundesliga-Jahr, „Kick and Rush“-Fussball (Mein Liebling übrigens: Peter Geyer) und längst war der schwatzgelbe Virus im Blut.

Highlights waren natürlich der Aufstieg, der erste Sieg gegen Herne-West nach langen Jahren (2:1 Elfmeter, Hartl kurz vor Schluss…..) und an ein 3:3 (nach 1:3 Rückstand) gegen die Supperbeian kann ich mich auch noch gut erinnern (Ich durfte damals auf der Penne eine Reportage darüber schreiben. Ich hab niemals wieder eine so gute Note gekriegt, muss wohl Herzblut dabei gewesen sein!).

Die längeren Durststrecken Ende der 70er und in weiten Teilen der 80er konnten einem überhaupt nichts anhaben. Obwohl ich sagen muss, was hab ich schlechte Spiele gesehen, ich sage nur Darmstadt 98!

Der Rest ist Geschichte: 89´ natürlich nach Berlin, 93´ UEFA-Cup, die Meisterschaften, CL-Sieg immer mehr oder weniger dabei.

Heute bin ich etwas ruhiger geworden (Auswärtsspiel, was ist das?). Dafür kümmere ich mich um den Nachwuchs! Mein Sohn (6 Jahre) hat schon „Süd“-Erfahrung.

geschrieben von Schroeter

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