Spielbericht Profis

Dramatik bis zum Schluss endet im Freudentaumel - Eine Stadt im Ausnahmezustand: Borussia Dortmund ist zum 6x Deutscher Meister

05.05.2002, 00:00 Uhr von:  Wade
Borussia Dortmund ist zum 6x Deutscher Meister
Borussia Dortmund ist zum 6x Deutscher Meister

Vor dem großen Saisonfinale schrieb uns Bruno "Günna" Knust eine e-mail und beschrieb seinen Seelenzustand vor dem Spiel so: "Mental habe ich im Moment noch Schwierigkeiten den Kopf von null auf Hundert in Sachen Meisterschaft umzustellen." Genauso ging es auch sicher den größten Teil der BVB Anhänger. Immerhin hatten sich schon viele auf den 2. oder 3. Platz eingestellt. Eine solche Anspannung ünter der Woche ist gesundheitsschädlich. Das hält doch ein normaler Mensch nicht aus auf Dauer. Deshalb sollte die Erlösung heute von 15:30 Uhr bis ca. 17:15 Uhr folgen. Borussia sollte nach Wunsch der Fans möglichst früh in Führung gehen, damit man sich schon mal locker auf die Siegesfeier vorbereiten könnte. Denkste! Was da in den zwei Halbzeiten auf dem Rasen geboten wurde, dürfte als Lehrfilm für junge Notärzte herhalten. Thema: Schwächeanfälle und Herzinfarkte während des Stadionbesuches.

Niemals geht man so ganz....

Vor dem Spiel der bewegenden Abschied von Micky Stevic und unserem "Kokser" Jürgen Kohler. Wie sehr Jürgen über die Jahre einer von uns geworden ist durfte dann jeder im Stadion auf den Videowänden verfolgen. Der eisenharte "Kokser" ließ seinen Tränen freien Lauf und viele fühlten sich an den bewegenden Abschied von Flemming erinnert. Uns bleibt in Richtung "Kokser" nur ein zu sagen: "Danke Jürgen!" Wir Fans werden Dich nie vergessen, denn niemals geht man so ganz.... Auch zu "Erster Alles!"- Micky Stevic schicken wir von dieser Stelle einen Dankesgruß!

Im Zeichen der Abschiede und der greifbar nahen Meisterschaft hatten wieder einmal die Supporter "The Unity" zusammen mit vielen fleißigen Helfern eine tolle Choreo über die West-, Nord-, und Osttribüne erstellt. Ein mehr als würdiger Rahmen für diesen denkwürdigen Tag.

Meisterhafte Choreo zur 6. Meisterschaft
Meisterhafte Choreo zur 6. Meisterschaft

Bremen schockt die BVB Anhänger

Der BVB im neuen Balkendress wählte die offensivere Aufstellung der beiden Mannschaften. Mit dem gleichen Team wie gegen Hamburg, einzige Änderung Dede spielte von Beginn an für den gesperrten Wörns. Sammer verzichtete somit auf Kohler und spielte mit Heinrich, Metzelder, Reuter und Kehl auf einer Linie. Von Beginn an schenkten sich beide Mannschaften nichts und bereits in der 6. Minute rutschte den BVB Anhängern zum ersten Mal das Herz in die Hose. Der blitzschnelle Ailton enteilt Metzelder und konnte erst durch das beherzte Eingreifen von Lehmann am Torschuss gehindert werden. Im direkten Gegenzug wurde Ricken am Bremer Strafraum gefoult. Amoroso schnappte sich den Ball und setzte den Freistoss mit viel Gefühl über die Bremer Mauer. Torwart Rost war bereits geschlagen, doch der Ball landete anstatt im Tor an der Latte. Die Bremer spielten wunderbar mit und waren immer brandgefährlich. Vor allem Frings verdiente sich wieder Bestnoten. Immer auf Ballhöhe löste er seine Aufgabe, dass Bremer Spiel anzutreiben erstklassig. Mancher BVB Fan dürte ihn sich in diesen Momenten schon im Dortmunder Dress gewünscht haben.

Dann der Schock. Dortmund vertändelte an der Außenlinie den Ball und durch eine Kette von Fehlern, landet der Ball bei Stalteri. Der braucht nur noch zur 1:0 Führung für die Bremer einschießen. Totenstille in der Südtribüne, dass saß...

Freistoss von Marcio Amoroso
Freistoss von Marcio Amoroso

Borussia zeigte jedoch die richtige Reaktion, versuchte mit aller Macht die anzumerkende Verkrampfung abzuschütteln. Ab der 30. Minute folgten die Chancen für den BVB im Zweiminutentakt. Amoroso setzte dabei seine zweite "Hundertprozentige" übers Tor. Kurz darauf war es Ricken, der nach einer Flanke von Addo mit einem Flugkopfball an Rost scheiterte. Dann endlich das erlösende 1:1. "Dino" Koller bekam den Ball am Strafraumrand zugespielt, drehte sich mit dem Ball am Fuß, suchte eine Anspielstation, fand aber keine. Was macht ein Stürmer in so einem Moment mit dem Ball? Richtig, am besten selbst auf das Tor schießen. Gedacht getan und zum Jubel der Borussenfans trudelt der Ball an Torwart Rost vorbei ins lange Eck. Mit diesem Zwischenergebnis ging es in die Halbzeit. Die Anspannung war fast greifbar unter den Anhängern der Borussia. Nach der Bekanntgabe der Halbzeitergebnisse aus Leverkusen und München war klar, dass Spiel musste gewonnen werden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Der BVB schien nach dem Wiederanpfiff wild entschlossen das Spiel zu gewinnen. Für die Fans wurde dass Spiel bis zur 73. Minute eine aufreibende Nervenprobe. Mehrmals erstarb der Torschrei auf ihren Lippen und so manch einer unter ihnen sah schon den BVB zum Schluss mit leeren Händen auf dem Rasen stehen. Bereits in der 49. Minute hatte Addo die große Chance zur Führung, doch die Hereingabe von Amoroso setzte Otto ans Außennetz. Die nächste große Chance hatte wenige Minuten später wiederum Addo. Der lange Schlacks drang alleine in den Strafraum ein, zielte genau....zu genau...der Ball landete am Pfosten. Die Bremer bleiben immer gefährlich. In der 71. Minute hätten sie den Dortmunder Traum von der 6. deutschen Meisterschaft fast wie eine Seifenblase zerplatzen lassen. Werder Bremens Mann für die rechte Außenbahn, Tijkuzu, sprintete alleine auf Lehmann zu, hatte den Dortmunder Torsteher mit einem Schuss bereits überwunden, doch zum großen Glück der Schwatzgelben prallte das Leder vom Pfosten zurück ins Feld.

Ein Spruchband, dass alles sagt!
Ein Spruchband, dass alles sagt!

Dann der Glücksgriff des BVB-Trainers. Sammer wechselte Ewerthon für Heinrich ein und der "Sambafloh" war sofort zur Stelle. Sein brasilianischer Landsmann Dede nahm den Ball im Strafraum direkt an und flankte auf den langen Pfosten. Mit der Fußspitze erreichte Ewerthon den Ball, schoss ihn gegen den Pfosten. Doch der Weg des Balles nahm wie im ganzen Spiel wieder den schwersten Weg. Anstatt ins Tor zu gehen, schoss er an der Torlinie entlang. Alle blicken gespannt auf den Ball, es kam einem wie eine Ewigkeit vor. Doch der zweite Pfosten und Koller "stellen" die Kugel entgültig zum erlösenden 2:1. Der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Das Stadion wurde um Hexenkessel.

Über den Rest des Spiels kann ich nicht mehr berichten, weil ich vor lauter Nervosität keine Notizen mehr machte. Ich wartete ebenso wie alle anderen im Stadion nur noch auf den Abpfiff. Dann endlich, in der 91. Minute der erlösende Schlusspfiff.....

AUS...AUS...AUS...Borussia ist Meister...unfassbar, unglaublich. Eine Stunde stehe ich auf der Tribüne und sauge die Bilder in mich auf. Schwerenherzens beachten die meisten der Dortmunder Anhänger zunächst die Bitte, nicht das Spielfeld zu betreten. Die Übergabe der Schale, verläuft ordnungsgemäß, aber überschwenglich. Besonders die Brasilianer reissen immer wieder aus, um nah bei den Fans zu feiern.

Schalenübergabe im Westfalenstadion
Schalenübergabe im Westfalenstadion

Großes Lob an die mitgereisten Bremer Fans. Hatten Sie uns während des Spieles das ein oder andere Mal eingenebelt, blieben doch alle zur Feier auf Ihren Plätzen und feierten einfach mit. Solche Auswärtsfans wünscht man sich zu einem solchen Rahmen.

Zum Schluss möchte ich Bruno Knust noch einmal aus seiner e-mail zitieren: " Da Borussia immer Doppelmeister wurde kann die Schale dann auch gleich 2 Jahre in Dortmund bleiben!" Das lieber Bruno wünschen wir uns alle und wir hoffen Du hast Recht.

Stimmen zum Spiel:

Sammer: Ich denke wenn man die Saison zusammenfasst, hat dass die Mannschaft auch durch den Sieg heute verdient hat. Ich möchte meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, vor allem nach der Niederlage in Kaiserslautern hat die Mannschaft eine große Moral bewiesen.

Statistik:

Der Meister: (heute verzichten wir auf Noten, irgendwann muss man auch mal feiern!)

Lehmann, Metzelder, Heinrich, Reuter, Kehl, Dede, Addo, Ricken, Rosicky, Koller, Amoroso

Schiedsrichter: Steinborn

Karten: Keine Ahnung!?

Tore: 0:1 Stalteri, 1:1 Koller, 2:1 Ewerthon

Zuschauer: 68.600 (ausverkauft)

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