Fehlfarben

80.000 Fliegen wurden getäuscht

05.08.2002, 00:00 Uhr von:  Redaktion

Saisoneröffnung in Schlacke - nirgendwo in Deutschland ist die Hoffnung auf Erlösung vom Elend größer. 80 000 Besucher - alles, was laufen konnte musste dort hin, um endlich die von Rudi "Cigar" Assauer seit langem versprochenen "Hochkaräter" vorgestellt zu bekommen. Aber wie das mit erwarteten Überraschungen so üblich ist, sie enden in der Enttäuschung. Assauer war vorsichtshalber gar nicht erst erschienen und als neue Spieler gab es außer 2 Namenlosen nur die bereits in der Vorrunde engagierten Rost und Povlsen.

"Sypathieträger" Effenberg - Foto: OnlinesportAlle gingen davon aus, dass an diesem Tage wohl endlich die beiden angekündigten Fußballer der Extraklasse dabei sein würden. Aber die bestenfalls als leichtflüchtige Nebelschwaden aus der Gerüchteküche der nimmermüden königsblauen Phantasten zu bezeichnenden Geheimtipps, Stefan "Stinkefinger" Effenberg und Marco Bode, waren nirgendwo zu entdecken. Erstaunlich auch, wie viele "sichere Quellen" mal wieder herhalten mussten, die natürlich alle nicht genannt werden durften, aber auf jeden Fall 100% zuverlässig seien.

Alles "sichere Quellen"

Zumindest was Effe betrifft, verdichteten sich zeitweise die Gerüchte an Hand von diversen Indizien, die das Lauffeuer der Gerüchte schnell anheizten. Denn der Stinkefinger brachte so ziemlich alles mit, was ihn als sicheren Neuzugang prädestinierte.

Er hat keinen Vertrag mehr, kostet somit keine Ablöse (die sie sowieso niemals hätten zahlen können), hat das richtige Alter um mit Andy Möller und Marc Wilmots das "erfahrenste" zentrale Mittelfeld aller Zeiten zu bilden. Nicht zu vergessen auch die bewährte Methode der Wohnungsbeschaffungsgerüchte (siehe Davids-Ente), sollte er doch angeblich bereits dabei erkannt worden sein, als er in Gladbeck das Haus eines verstorbenen Schlagersängers gekauft haben soll.

Und er ist so unendlich unsympathisch, dass die Fans das allein schon als Beweis seiner Schlacke-Tauglichkeit ansehen.

2 Jahre nachdem das absolut Undenkbare zur Realität geworden war und Rudi seine Untertanen mit der Verpflichtung von Andy "Sissy" Möller auf sofortigen Verzicht der Papiertaschentücher einschwor, waren die Schlacker Untertanen bereit, absolut jeden zu akzeptieren, der in der Lage ist, die Mannschaft der Blau-Weissen in ihrer Schäbigkeit irgendwie zu verstärken: "Fußballspielen kann er ja und als Leitfigur ist eine Klasse für sich - ein Siegertyp wie wir ihn brauchen..." war der Tenor unter den verwirrten Gemütern.

Brauchen täten sie ihn schon, denn mittlerweile ist der schlacker Spielerdecke dünner als die Nylonstrümpfe von Assauer-Freundin Simone Thomalla geworden, da die große Anzahl der "Eurofighter" - Pensionäre, die am Ende der letzten Saison in Rente geschickt wurden, bislang weder durch Qualität noch durch Quantität ersetzt wurden.

Aber woher denn auch ? Woher sollte das Geld kommen - auch ein Effenberg spielt nicht ehrenamtlich für die Vorstädter nur weil die Fans so tuffig sind und zu mehr im Angebot reicht es wohl kaum, da nicht nur die Fernsehgelder schrumpfen, sondern sich die supiteure Schlacke-Arena nach technischen Problemen nun auch finanziell als Flop erweist.

Unfunktionelle Multiarena

Für € 260,- dabei - ein Fensterplatz für Jedermann - Foto : OnlinesportAuch eine gut ausgelastete "Arena" bringt nicht genug ein, um frisches Geld in den Spieleretat zu spülen, denn die Zuschauereinnahmen sind weitestgehend für den Schuldendienst (knapp 9 mio. € /Jahr) verplant, derweil das Geld mit den letzten leeren Sesseln mittlerweile andere verdienen. Wer gelegentlich noch eine Karte braucht, dem sei der Geheimtipp schalkeloge.de empfohlen. Hier gibt es Eintrittskarten zum "Spottpreis" von € 260,- je Spiel mit logenmässiger Verköstigung. Aber da die "Glashäuschen" komplett vermietet sind, fließt der Gewinn natürlich in die Kasse des Logenbetreibers a.b.a.-tec. Das zeigt dem neutralen Beobachter welch absurde Züge das Logenwesen in den Stadien annehmen kann.

Mehr als die Eintrittsgelder sind langfristig wohl nicht zu erwarten. Dabei war alles so schön gedacht, eine Art Mehrzweckhalle musste es ja unbedingt werden, nebenher fußballtauglich und so 8-10 mal im Jahr eine Großveranstaltung. Dafür musste ein schließbares Dach und eine Rasenschublade her. Technik, die sich nur durch eben diese Anzahl von Großveranstaltungen amortisieren kann. Aber die Realität sieht anders aus, die nächste grössere Veranstaltung außerhalb der Fußballs ist für den 15.6. 2003 (!) geplant (Herbert Grönemeyer) dann gibt's im Juli 2003 vielleicht noch die "Event-Classics-Auf Schlacke", die für diesen September schon mal abgesagt wurden. Das war's dann mit Multifunktion in den nächsten 12 Monaten, so wurde aus der Multifunktionsarena innerhalb eines Jahres eine unfunktionelle Multiarena.

Die Frauen sind Schuld

Nun gut - was sollen sie machen, wenn die Halle keiner mag, aber eigentlich ist das ja die volle Bestätigung derer, die (wie wir) immer an diesem Konzept gezweifelt haben. Königsblauer Fußball in der Mehrzweckhalle auf Schlacke, das hört sich an wie Volleyball in der Dreifachsporthalle an der Gesamtschule Bergerfeld - auch ganz nett, aber irgendwie belanglos.

Nichts geht mehr.. - Foto: OnlinesportSo wird es immer schwieriger, die Ideen, die hinter dem Multikonzept standen, gewinnbringend umzusetzen. Folgerichtig scheiterte auch die bis zum Tage der diesjährigen Saisoneröffnung tätige Arena-Managerin Sabine Kierdorf. Wer keinen Umsatz macht, der verdient auch keinen Job auf Schlacke. Offiziell hat sie zwar von sich aus gekündigt, aber der Vergleich mit ihrer Vorgängerin Gabriele Rihn, deren Nachfolgerin Kierdorf erst vor einem Jahr wurde, zeigt wie's läuft. Die hatte den Laden auch nicht ans Laufen gekriegt und Rudi Cigar hatte lapidar erklärt, die "Chemie" hätte nicht gestimmt. Die Zusammenarbeit mit Frauen ist nun mal nichts für den Macho mit der Vorliebe für Kaschmir und den Manieren eines Proleten.

Also weg mit den Frauen und nun behauptet der Alleinherrscher auf der Bergehalde, der das höchstzulässige Maß der Selbstüberschätzung bereits seit langem überschritten hat, er sei für den FC Schlacke "der beste Türöffner" und will die Verhandlungen mit Künstlern und Agenturen lieber selbst führen.Wahrscheinlich war das der beste Vorwand um statt der Saisoneröffnung beizuwohnen, lieber auf Sylt zu verweilen. Ein Manager, der so etwas vermarkten muß, sollte natürlich gute Kontakte zur Szene haben und wo kann man besser anfangen sie aufzubauen als dort ?

Außerdem soll Ex-Profi und "Eurofighter" Ives Eigenrauch schon bereits einen Teil der Tätigkeiten übernommen haben - na denn einen Tusch auf "Iiiif". Seine Wasserträgermentalität kommt dem diktatorischen Anspruch des Managers sicher sehr entgegen, so dass die "Chemie" hier wohl leichtes Spiel haben dürfte.

Natürlich ist auf diese Art gar nichts mehr zu machen und letztendlich musste Rudi jetzt auch eingestehen dass weder der Ives noch Sylt etwas zählbares eingebracht hat.

In einem offiziellen Interview erklärte er nach seiner Rückkehr nun, dass der FC Schlacke keinen neuen Spieler mehr holen würde.

15 Nationalspieler seien ja auch genug. Damit ist sie wieder mal von ihm getäuscht worden, die treue, kritikunfähig geformte Anhängerschar der Blauen Skandaltruppe. Wetten, dass sie jetzt wieder alles anders sehen und schönreden ?

Aber so sind sie nun mal, die Fussballfans mit der vereinsfarbenen Brille und ganz besonders die in Königsblau.

Geschrieben von Klopfer, 05.08.2002

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