Eua Senf

Schlechter Fußball hilft Geld sparen

24.09.2002, 00:00 Uhr von:  Gastautor
Schlechter Fußball hilft Geld sparen

Kann man dem Spiel zwischen Arsenal und dem BVB etwas Positives abgewinnen? Wohl nur, wenn man sich - wie ich - gegen ein Premiere-Abo entschieden hat.

Zwar kehrt die quälende Überlegung, ob man sich nicht doch dem Druck des Pay-TV beugen soll, zu Beginn jeder Saison wieder. Aber das Bezahlfernsehen ist, und dafür bin ich dankbar, teuer und unüberschaubar. Soll ich es mit Kabel oder Sattelitenempfang versuchen? Welcher Receiver ist der Beste? Interessante Fragen, die jedoch die Entscheidung nur hinauszögern.

So gehe ich Jahr für Jahr bei BVB-Auswärtsspielen in eine der vielen Kneipen, in denen man exklusiv, live und in Farbe am Bildschirm mitfiebern kann. Aber auch das hat, Dank der Spiele-Flut einen Haken: Spielen der BVB und ein weiteres Team zeitgleich, muss man sich schon mal mit dem Konferenzkanal begnügen, was darin enden kann, dass kein einziges Tor live zu sehen ist, sondern immer nur das langweilige Ballgeschiebe des jeweils anderen Spiels. Mag es in Dortmund außer Frage stehen, dass immer das Spiel mit BVB-Beteiligung gezeigt wird, so ist das bei mir in Köln wirklich nicht sicher. In der letzten Saison habe ich regelmäßig die Kneipen abtelefoniert und verlor dabei die Nerven.

Nie bekam ich einen kompetenten Gesprächspartner an die Strippe, der mir mit Sicherheit verraten konnte, welches Spiel wirklich zu sehen sein würde. Erschreckend, wie vielen das Thema überhaupt am Arsch vorbei geht und wie wenigen Kneipiers mein Bedürfnis, die Borussia spielen zu sehen, logisch erschien.

Abgesehen davon fließt an einem solchen Abend viel teures Bier die Kehle hinunter, und dann denke ich - für den Ärger und das Geld kannste ja auch n Abo finanzieren, aufm Sofa ne billige Büchse saufen und nebenbei noch einen auf guten Ehemann machen.?

Also grüble ich so vor mich hin, und die ersten CL-Spiele finden auch in dieser Saison ohne mich statt. Beim Spiel Arsenal gegen Dortmund habe ich mich nicht aus dem Haus bewegt - man hat schließlich daheim Verpflichtungen - und wartete geduldig auf die Zusammenfassung bei RTL. Sicherlich eine weitere, wenn auch die Geduld strapazierende, Variante. Und während ich da so das traurige Spiel sah, freute ich mich über das eingesparte Geld. Ich habe nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben, und so hat die Fußballmisere doch etwas Gutes: Ich werde wohl eine weitere Saison ohne Pay-TV auskommen!

Geschrieben von Nils Kügler


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