Unsa Senf

Problemzone rechte Außenbahn

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Die großen Probleme des BVB im Torabschluss sind hinlänglich bekannt. Doch nun kristallisiert sich auch eine zweite Position in der BVB-Mannschaft immer mehr als eine Schwachstelle heraus. Dass damit die rechte Außenbahn und gleichsam Evanilson gemeint sind, dürfte inzwischen jedem bekannt sein.

EvanilsonGerade das zuletzt in Freiburg von Evanilson dargebotene, entfachte die Kritik an dem 25-jährigen Brasilianer auf ein Neues. Neben einer taktischen Unzulänglichkeit, die mitunter entscheidend für den 2:2-Ausgleichstreffer der Freiburger war, wollte ihm auch ansonsten nicht viel gelingen. Und diese Formulierung dürfte ihm noch eher schmeicheln. Nichts zu beschönigen gab es für Matthias Sammer indes nach dem Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht. Trotz eines 6:1-Sieges war er vor allem über den zwischenzeitlichen Ausgleich der Hessen erbost. Zur Beschreibung von Evanilsons Abwehrleistung bediente sich Sammer dann auch solcher Worte wie "herumgeturnt" oder "herumgegurkt"... Und dieses Vokabular ist tatsächlich angemessen, um die Großzahl von Evanilsons Leistungen in der Rückrunde zu beschreiben.

Während er in der Hinrunde noch auf bessere Zeiten hoffen ließ, indem er vor allem in der Offensive für einigen Wirbel sorgen konnte, zeigt sich jetzt mehr und mehr, dass sein Nachholbedarf in Sachen Taktik selbst die größten Befürchtungen noch übertrifft. So stellt der brasilianische Nationalspieler anstatt einer Stütze des BVB-Spiels auch viel mehr ein nicht kalkulierbares Sicherheitsrisiko dar und hätte durchaus eine Denkpause verdient. Doch genau hier weist der BVB-Kader leider eine Schwachstelle auf. Eine Alternative besitzt Matthias Sammer - im Gegensatz zu den meisten anderen Positionen - für die rechte Außenbahn nämlich nicht. Höchstens der äußerst biedere, aber dafür zuverlässige Kapetanovic könnte Evanilson ersetzen. Doch der Bosnier scheint ob seiner permanenten Nicht-Beachtung das Vertrauen des Trainers nicht wirklich zu genießen.

Rückkehrer Reuter als Alternative?

Alternative Stefan ReuterGeht also doch kein Weg vorbei an dem oft reichlich planlosen Brasilianer? Nein! - Denn mit Stefan Reuter, der lange Zeit eher als Alternative für den Libero-Posten sehnlichst vermisst wurde, könnte "Eva" Konkurrenz im eigenen Kader erwachsen! Und allzu abwegig wäre ein solcher Wechsel nicht. Schließlich war es ebendiese rechte Außenbahn, auf der Stefan Reuter seine größten sportlichen Erfolge (z.B. Weltmeistertitel) feierte und zum geschätzten Nationalspieler aufstieg. Nach knapp siebenmonatiger Verletzungspause kämpft er sich nun Stück für Stück an den Kader heran.

Zuletzt in Leipzig lief er dann auch erstmals wieder über 90 Minuten auf und spielte grundsolide. Die nötige Spritzigkeit und vielleicht auch der letzte Tick Entschlossenheit in den Zweikämpfen werden ihm zwar noch fehlen. Doch mit seiner großen Routine und Erfahrung wäre er sicherlich in der Lage vermeintliche und vorübergehende Schwächen auszugleichen. Letztlich würde mit Reuter sogar wieder mehr Sicherheit in das BVB-Spiel zurückkehren. Genau diese Sicherheit, die zur Zeit in Person von Evanilson abgeht. Wenn auch Sammer bisher noch nicht allzu viele Gedanken daran verschwendete Reuter im rechten Mittelfeld einzusetzen, eine Überlegung sollte es ihm gewiss wert sein!

Pro [Cosmin] Contra für die nächste Saison?

Cosmin ContraIm Hinblick auf die nächste Saison sollte es dem BVB auch mindestens eine Überlegung wert sein, wie man langfristig die Position des rechten Mittelfeldspielers zu einer sicheren Bank werden lässt. Denn Stefan Reuter wird im Herbst immerhin schon 35 Jahre alt. Ein Mann mit Zukunft - weil gerade erst 25 - wäre der Rumäne Cosmin Contra vom spanischen Erstligisten Deportivo Alaves. Angeblich soll Contra im Sommer 1999, als "Susi" Zorc den "Evanilson-Deal" für stolze 8 Mio. DM perfekt machte, in Dortmund für die verschwindende Ablösesumme von unter einer Million DM angeboten worden sein. Man lehnte jedoch dankbar ab, weil die sportlichen Referenzen als nicht ausreichend angesehen wurden. Dass genau das Gegenteil der Fall ist, beweist der 25-jährige Rumäne nun schon seit etwa 20 Monaten in Spanien, wo er zu einem der begehrtesten rechten Mittelfeldspieler emporgestiegen ist. In einem Team, das als letztjähriger Aufsteiger nun mit mehr als nur einem Bein im UEFA-Cup-Halbfinale steht, ist er zu einer ganz wichtigen Stütze geworden. Sein Marktwert dürfte somit inzwischen auch schon bei den 8 Mio. DM von Evanilson angekommen sein. Dafür, dass der BVB seine Verpflichtung aber dennoch in Erwägung ziehen sollte, spräche - polemisch gesagt - folgendes: Im Gegensatz zu dem Evanilson von Freiburg [und dieses Gesicht sieht man von ihm inzwischen leider eher öfter als seltener] wäre er dieses Geld auch wert!

Geschrieben von Sebi, 14.03.2001

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