Unsa Senf

Das "Phantom" Koller geistert in Dortmund herum!

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Schon seit Monaten - und ganz intensiv in den letzten Tagen - wird der Name Jan Koller mit dem BVB in Verbindung gebracht. Aber vor allem, weil auch ein so renommiertes Fachblatt wie der "Kicker" von starkem Interesse seitens des BVB und häufigen Beobachtungen der BVB-Spitzel zu berichten weiß, scheint es lohnenswert dieser Fährte einmal nachzugehen.

Jan Koller mit einem SchuhDass sich der BVB auf Stürmersuche befindet, ist ganz offensichtlich. Nach Heiko Herrlichs krankheitsbedingtem Ausfall stellte sich nämlich schnell heraus, wo den BVB der Schuh ganz besonders drückt. Addo und Reina beispielsweise bewiesen nachhaltig, dass sie bei allem Engagement keine Torjäger sind und wohl auch nicht mehr werden. Den Nigerianer Ikpeba hat aufgrund seines anhaltenden Formtiefs überhaupt keiner mehr auf der Rechnung. Der Mann, der noch am ehesten in die Rolle des Torjägers schlüpfen könnte, heißt Fredi Bobic. Doch auch dieser bekleckerte sich im Saisonverlauf nicht gerade mit Ruhm. Und obwohl er zuletzt deutlich zulegen konnte, will Manager Michael Meier den BVB-Fans in der nächsten Saison endlich wieder einen richtigen "Knipser" präsentieren.

Dabei scheint der beim RSC Anderlecht unter Vertrag stehende Tscheche das Objekt seiner Begierde zu sein. Astronomische Ablösesummen von bis zu 40 Mio. DM werden für den 27-jährigen gehandelt. Doch wer ist dieser Mann, der dem BVB so viel Geld wert sein soll?

Der tschechische Nationalspieler, mit 2.02 Meter und 104 Kilogramm eine Hüne von Mann, steht seit 1999 beim belgischen Traditionsverein RSC Anderlecht unter Vertrag. Mit großem Erfolg! In seiner ersten Saison konnte er gleich 17 Mal ins Schwarze Treffen und damit seine für belgische Verhältnisse horrende Ablösesumme von 8 Mio. DM rechtfertigen. Diese wurde im Übrigen fällig, als man ihn vom Ligakonkurrenten SC Lokeren verpflichtete, nachdem er dort mit 24 Treffern zum belgischen Torschützenkönig aufgestiegen war. In dieser Saison liegt er wiederum bei beachtlichen 18 Treffern. Angesichts der Überlegenheit des RSC Anderlecht in der belgischen Belletage relativiert sich diese Zahl aber recht schnell. Sein Sturmkollege Radczinsky erzielte zum Beispiel ebenfalls schon 19 Tore.

Auch bei der Euro 2000 konnte der tschechische Nationalspieler stark für sich werben. Zwar mussten die Tschechen [sehr unglücklich] schon nach der Vorrunde und ohne Koller-Tor ihre Koffer packen, doch dieser konnte vor allem mit einer beeindruckenden Leistung gegen die Niederländer seinen Marktwert um ein Vielfaches steigern! Heiß umworben, insbesondere durch englische Klubs, verlängerte er aber dennoch im Herbst letzten Jahres seinen Vertrag in Anderlecht bis 2004.

Jan Koller im EinsatzUnd trotzdem soll der BVB so intensiv um seine Dienste buhlen!? Welche Stärken machen denn diesen Jan Koller so begehrt in Europa und allen voran beim BVB?

Zuerst einmal spricht seine Trefferquote, der Beweis für große Effektivität schlechthin, für sich! Abgewertet wird sie aber andererseits dadurch, dass er bei dem absolut überlegenen Team einer mittelmäßigen Liga kicken darf. Dass aber nicht nur das schwache Liganiveau Belgiens ihm das Toreschießen - wie am Fließband - ermöglicht, bewiesen die Einsätze bei der Euro 2000, als er mit den ganz Großen mithalten konnte und selbst von einem Jaap Stam kaum zu halten war! Zu seinen Stärken zählt, wie sich alleine schon aufgrund seiner Körpergröße von selbst versteht, das Kopfballspiel. Des weiteren besitzt er gemessen an seiner Größe auch eine beachtliche Technik und Ballbehandlung, die es erlaubt ihn auch in das Kombinationsspiel seiner Mannschaft mit einzubeziehen. Trotzdem ist er vor allem ein Strafraumspieler, der auch in Sachen Wendigkeit an seine Grenzen stößt. Ähnliche Typen besitzt der BVB bereits in Fredi Bobic oder Heiko Herrlich. Und da man selbst in Belgien viele Stimmen hört, die ihm den großen Wurf in wirklich großen Ligen nicht zutrauen, stellt sich die Frage, ob er eine sinnvolle Investition für den BVB wäre!

Neuen Presseberichten aus Belgien zufolge, sollen schon unterschriftsreife Verträge vorliegen und der BVB bereit sein 40 Mio. DM zu bezahlen! Doch das BVB-Dementi folgte auf dem Fuß! Dr. Gerd Niebaum bezeichnete die Verpflichtung des kopfballstarken Spielers als "sehr unwahrscheinlich". Stattdessen hoffe er auf eine baldige Genesung von Heiko Herrlich. Und das erscheint [neben der selbstverständlichen Hoffnung auf eine baldige Genesung] auch wesentlich rentabler als dermaßen viel Geld für einen ähnlichen Stürmertypen auszugeben. Heute tat aber auch sein Manager Pavel Paska die ständig aufkeimenden Gerüchte als bloße Spekulationen ab! Während der Winterpause könnte das Thema tatsächlich ein aktuelles gewesen sein. Doch inzwischen wärmen es vermutlich die Medien bloß immer wieder neu auf. Neben einer völlig überzogenen Ablöseforderung seitens der Belgier, den bereits vorhandenen Strafraumstürmern beim BVB, spricht vor allem noch eine weitere Tatsache gegen einen Wechsel in die Bundesliga: Jan Koller selbst betonte immer wieder, dass es sein persönlicher Wunsch sei einmal in der englischen Premier League - und im speziellen beim FC Liverpool - zu kicken. Das "Phantom" Koller dürfte also über kurz oder lang wieder aus Dortmund verschwinden.

Geschrieben von Sebi, 09.03.2001

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