Unsa Senf

War das jetzt der Weckruf?

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Wer häufig kritisiert, der sollte auch nicht vergessen, ab und zu mal zu Loben. Für uns von schwatzgelb.de gilt das selbstverständlich umso mehr, als wir uns ja die etwas "kritischere Sichtweise" auf die Fahnen geschrieben haben. An dieser Stelle erscheint es uns deshalb angebracht, dem in den vergangenen Wochen und Monaten ein ums andere Male arg gescholten Nobby Dickel ein erstes, vorsichtiges Lob für seine mutigen Veränderungen zu zollen!

Norbert Dickel im EinsatzFreilich, es ist noch ein weiter Weg, aber ein erster Schritt ist jedenfalls getan.

Wir werfen einen kurzen Blick zurück: Nach dem letzten Heimspiel waren die Emotionen im weiten teilen der Fanszene erstmals für alle vernehmbar hochgekocht. Und das nicht etwa wegen der Spielweise unserer Borussia gegen Cottbus, sondern unser aller Zorn, richtete sich vielmehr gegen das abgedudelte Rahmenprogramm, dass ursächlich für die immer schlechter werdende Stimmung im Westfalenstadion verantwortlich war. Adressat der Kritik war naturgemäß der "Eventmanager", dessen "moderne Musikauswahl" der überwiegenden Masse aller Borussen - gelinde gesagt - seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge war.

Nur knapp 2 Wochen später, nach dem gestrigen Heimspiel, kann festgestellt werden, dass allenfalls die schwache Leistung der schwatzgelben in der zweiten Halbzeit zur Diskussion steht. Nobby jedoch stellte gestern endlich wieder unter Beweis, daß er jetzt die Sorgen und Wünsche der Borussen erkannt hat und durchaus bereit ist, auch auf diese einzugehen. Erstmals seit langer, langer Zeit [keiner kann sich erinnern, wie lange/Die Red.] wurde wieder auf das Abspielen von Ballermann-"Stimmungsmusik" à la DJ Ötzi oder Soundconvoy verzichtet. Statt dessen durfte der erwartungsfrohe Fan endlich wieder echter Borussenmusik wie "Wir halten fest und treu zusammen" und "Leuchte auf mein Stern Borussia" lauschen. Zwar beherrschen leider offenbar viele Leute inzwischen die Texte dieser Lieder nicht mehr, doch dieses Problem kann, da es nun erkannt wurde, mit praktischen Hilfen (z.B. aus dem "debitel-Fonds") durchaus beseitigt werden, wenn man - wie es früher z.B. bei "You'll never walk alone" geschehen ist - den Text zum mitsingen auf den beiden Videowänden veröffentlicht.

Jedenfalls war am gestrigen Tag schon ein erster, leichter Wandel hin zum Besseren festzustellen. Schon vor dem Spiel begann sich die Südtribüne einzusingen, und während sich die Spieler warmliefen wurden endlich mal wieder die Namen der einzelnen schwatzgelben Protagonisten skandiert. Wann hatte es das zum letzten Mal gegeben?
Etwas störend bleiben zwar weiterhin die Werbedurchsagen und Gewinnspielchen, doch daran läßt sich wohl mittelfristig kaum etwas ändern. Aber vielleicht könnte man die Lautsprecher auf der Südtribüne in einer Art "stillem Agreement"in dieser Zeit zumindest etwas leiser stellen.

Ein riesiges Lob gebührt Nobby auch dafür, dass er so schnell und wirkungsvoll auf einen elementaren Wunsch unserer Leser-Befragung eingegangen ist: Die an die Fans gerichtete Bitte, auf Rufe wie "A****loch, W***ser, H*r*nsohn" in Zukunft zu verzichten, zeigten schon enorme Wirkung! So etwas sollten wir Borussenfans nun wahrlich nicht nötig haben und glücklicherweise sah die große Mehrheit unserer Fans ein, daß diese Rufe vollkommen dumm und unnötig sind.

Norbert Dickel im EinsatzDer Aufwärtstrend in Sachen "ansteigende Stimmung" ließ sich weiterhin auch während des Spiels festmachen, (wenngleich wir keine Schönredner sind und den klaren Blick auf die erlebte Realität verklärt hätten) ohne gleich Euphorie auszulösen. Sicherlich war die Atmosphäre auch gestern noch keine Offenbarung, aber wir haben in dieser Saison schon Siege gesehen, bei denen weit weniger gesungen wurde. Außerdem ist hier dann durchaus auch mal die Südtribüne als solches gefordert, die ihr wahres Potential - ähnlich wie die Mannschaft - viel zu selten abruft. Pfiffe gegen die eigene Mannschaft empfinden wir zumindest weiterhin als eher kontraproduktiv, zumal man dem Team am gestrigen Abend die Bemühungen wahrlich nicht absprechen konnte. Der Weg zurück zur "frenetischen, begeisterungsfähigen Stimmung" ist nun mal sehr weit und braucht einfach seine Zeit. Zu lange schon hat sich dieser schleichende Prozeß des Verlernens von Traditionsriten- und Gesängen seine Weg gebahnt...

Gestern wurde jedoch schon ein erster Anfang gemacht und wer weiß, vielleicht war dies der Beginn der Wiederauferstehung "unserer Süd..."

Geschrieben von Redaktion, 12.02.2001

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