Unsa Senf

Offener Brief an alle BVB-Fans: Liebe Borussen-Fans [und zwar A-L-L-E],...

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

...wie euch allen bekannt ist, schlug unsere Stellungnahme bezüglich Norbert Dickel und der Stimmung im Westfalenstadion unerwartet und vor allem ungewollt hohe Wellen. Das wurde jedoch unsererseits mittlerweile wieder richtig gestellt und weitestgehend aufgeklärt. Aber unabhängig davon, habe ich noch ein persönliches Anliegen, das ich an euch richten möchte. Dass es von dieser Stelle aus keine entscheidende Wirkung zeigen wird, ist mir durchaus bewusst. Doch ich hoffe dadurch zumindest den Einen oder Anderen zum Nachdenken anregen zu können!

Denn losgelöst von der Diskussion um die überflüssigen Elemente der "Norbert Dickel Event-Show" rund um ein BVB-Spiel und dem Anteil Norbert Dickels daran, sind in erster Linie noch immer wir Fans für die Stimmung in unserem Tempel verantwortlich. Und die jetzige Atmosphäre ist ohne Frage für jeden Fan, sofern sie ihm überhaupt noch etwas bedeutet, eine einzige Enttäuschung.

Keine Rolle spielt für mich im Übrigen, ob nun die schlechte Stimmung Tür und Tor für ein schlechtes Rahmenprogramm eröffnet hat oder ob das schlechte Rahmenprogramm die schlechte Stimmung zur Folge hatte. Auch weitere "Belastungen", wie den Stadionausbau oder mitunter katastrophale Darbietungen auf dem Rasen, lasse ich bewusst außen vor.

Denn ganz offensichtlich ist die Motivation alles für das Team zu geben, höchstens noch in winzigen Ansätzen vorhanden. Die entscheidende Frage lautet für mich daher:

Erfüllt es uns Borussen denn gar nicht mehr mit unbändigem Stolz, zurecht als die besten Fans der Liga zu gelten???

Und das waren wir ohne Frage vor noch nicht einmal allzu langer Zeit. War es dabei nicht großartig zu wissen, dass wir ein paar der wenigen Fans waren, die einen wirklichen 12. Mann darstellten und in der Tat solch eine Macht hatten, über Sieg oder Niederlage entscheiden zu können? War es nicht stolzerfüllend, förmlich zu spüren, wie man dem Gegner Respekt einflößen konnte und er schon beim Aussteigen aus der U-Bahn wusste (fürchtete), was auf ihn zukommen sollte? War es nicht das gemeinschaftliche Niedersingen des Gegners, an dem sich alleine und auch ohne das Sportliche schon erbauen konnte?

Dazu gehörte es dann auch anders zu sein, als die restlichen Fans der Liga. Was das beinhaltete? Beispielsweise die bedingungslose Unterstützung des Teams, auch bei einem Rückstand. Notfalls feierte man eben sich selbst.

Anstatt das eigene Team bei Fehlern auszupfeifen und somit noch weiter zu verunsichern, versuchte man es nach vorne zu peitschen. Unter anderem durch das Anfeuern von einzelnen Spielern, was mittlerweile fast völlig unbekannt ist, wenn nicht gerade ein Spieler, der vorher nicht bei einem falschen Verein gespielt hat, einen Hattrick erzielen konnte.

Dazu gehörte ebenfalls eine fast konkurrenzlose Kreativität, die uns eigene, reine BVB-Lieder bescherte. Kopiert wurden höchstens wir und zwar durch die Anderen! Dass nun auch die Südtribüne oder zumindest weite Teile dieser so hirnlose "A-W-H-Rufe" abkupfert, zeigt deutlich auf, wie weit es schon gekommen ist!

Damit angesprochen ist inzwischen auch nur noch die Südtribüne. Denn bei allem Respekt, ist die Hoffnung darauf, die drei restlichen Tribünen zur Schaffung einer besseren Atmosphäre animieren zu können, nicht mehr vorhanden.

Im Falle der Südtribüne gibt es diese Hoffnung aber selbstverständlich immer noch. Dafür muss jedoch jeder bereit sein, alles zu geben. Und wie störend sich dabei zum Beispiel die Rahmenbedingungen auch auswirken mögen: Wenn man wirklichen Willen zeigt, kann eine baldige Besserung erreichet werden. Angesprochen sind alle! Alle, die wieder voller Stolz, auf der Nordtribüne Fans sehen wollen, die ehrfurchtsvoll das "Spektakel Südtribüne" beobachten.

In der Hoffnung auf die Widerauferstehung der Südtribüne, Sebastian Wisholzer!

Geschrieben von Sebi, 01.02.2001

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