Unsa Senf

Hallenpokal: Zwei Redakteure - Eine Meinung

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Brot und Spiele.......

Eigentlich wollte ich ja nie wieder zum Hallen-Masters gehen, doch ein befreundeter Hansa-Rostock-Fan überzeugte mich davon, daß wir dort bestimmt eine Menge Spaß haben würden. Beim letzten Mal war der "Spaß" jedoch schon äußerst dürftig und nur durch diverse Gerstenkaltschalen zu steigern, überstieg das diesjährige Masters-Finale noch die Befürchtungen.

Ich konnte es mir immerhin noch aussuchen und wußte auch vorher vom Ausbleiben praktisch aller Stars. Anfang des Jahres 2000 hatten noch alle Bundesliga- und Zweitligamanager für das Hallenspektakel gestimmt. Aufgrund der knappen Vorbereitungszeit zur Rückrunde wurde jedoch eine stark verkürzte Form gewählt. Im Laufe der letzten Monate muß den Managern und Trainern wohl urplötzlich in den Sinn gekommen sein, daß das ganze doch keinen [sportlichen und finanziellen] Wert habe. Also wurde sich eifrig nicht qualifiziert. So schieden die technisch sicherlich nicht ganz schlechten Vorstädter aus GE mit niemals zuvor gehörten Nachwuchskickern in Hannover sang- und klanglos in der Vorrunde aus.

Tomas Rosicky beim Hallen-Masters 2001Auch die mit Technikern gespickten Legokusener rissen sich in Riesa kein Bein aus und verabschiedeten sich flugs ins Trainingslager. Das die hier anwesenden Fans (OK, im Fall Legokusen kein Argument, da keine Fans vorhanden sind) sich etwaig veralbert vorkommen mußten, da sie teilweise schon lange im Voraus die Karten für teuer Geld bestellt hatten, kümmert die Vereine scheinbar wenig. Da wird dann zwar immer wieder gerne von Fannähe schwadroniert, aber hier zählt sie nicht. Schließlich sei der Fan selbst schuld, der zu diesen Veranstaltung gehe, wird gerne argumentiert. Aber ist es nicht so, daß gerade diese Turniere viel für Fans bieten könnten? Die räumliche Nähe ist da zu nennen, genau wie die zu erwartenden Kabinettstückchen der anwesenden Techniker [die zwar Anwesenheitspflicht haben, sich aber nur in Straßenkleidung da lustlos herumlümmeln].

Doch nichts von alledem war zu sehen. Statt dessen nur Kampf und Krampf, oder wie die Zeitung mit den vier Buchstaben heute so treffend formulierte: "Hallen-Masters - Die große Fanverarsche". Statt des Balles wurde nur noch die Glaubwürdigkeit mit Füßen getreten. Sicher gab es auch gute Gründe für die eine oder andere Absage, doch kein Argument ist stark genug, den Betrug am Publikum zu erklären. Der Fan taugt gerade zum Objekt der Geldschneiderei.

Scholl bei seine Rückrunden-VorbereitungDabei geht es vor allem um unseren Klub und die Ba*ern. Beide seit langem qualifiziert, konnten sie ihre Vorbereitung entsprechend gestalten. Die Bayern dachten jedoch gar nicht daran und absolvierten am Masters-Wochenende ein Beckenbauer-WM-2006-Deal-Freundschaftsspiel gegen die international renommierte Nationalmannschaft Maltas, bzw. bereiten sich augenscheinlich kraftraubend auf die Rückrunde vor [siehe Foto].

Dortmunder, Gladbacher und Fürther waren dagegen dazu in der Lage, ihre Trainingslager, bzw. Testspiele so zu terminieren, das es paßt. Trotzdem unterließ es auch der BVB seine Filigran-Techniker zu präsentieren. Kein Brasilianer in der Halle, statt dessen mit Eraslan, Krontriris, Kringe, Thorwart und Bugri haufenweise Amateure. Die sind zwar allesamt talentiert und können auch etwas mit der Murmel umgehen, nur kauft ihretwegen sicherlich kein Zuschauer schon Monate vorher eine Karte. Immerhin wurde Rosicky präsentiert.

Der Auftritt Jens Lehmanns blieb uns [wie immer in der Halle] erspart, Philip Laux machte seine Sache gut, wobei das wohl kein Bewerbungsschreiben für "Outdoor" Begegnungen sein dürfte. Dazu ein interessantes Statement von DFB-Pressechef Wolfgang Niersbach: "Die Hallen-Runde war nicht unsere Idee. Wir haben nur einen Wunsch der Vereine umgesetzt." Und wird von Liga-Direktor Straub ergänzt: "Auch die Bayern waren dafür." Hört hört. Dagegen kontern die vergeßlichen Bayern, in Gestalt von Uli Hoeneß: "Hallenfußball macht nur Sinn, wenn man Termine hat. Wenn die Öffentlichkeit das akzeptiert, daß die großen Mannschaften nur noch mit Rumpfteams antreten, dann geht es." Ein Witz, noch dazu ein schlechter. Ich möchte nicht wissen, wie die angereisten Bayernfans darüber denken. Aber auch unser lieber Mr. Bean kann sich nicht zurückhalten: "In Deutschland wird permanent gefordert, daß wir die Jugendspieler einsetzen und ihnen eine Chance geben. Doch wenn wir das tun, ist es auch falsch, und man will wieder die alten Säcke sehen." Andererseits sagt er aber: "Der einzige, der die Sache richtig eingeschätzt hat, ist der Zuschauer. Er sieht den Hallenfußball als Spektakel mit hohem Unterhaltungswert an. Deshalb wage ich die Prognose, daß wir auch im kommenden Jahr Hallenfußball spielen werden."

Und auch gegen Werder gab´s für die "BVB-Amateure" wieder den Arsch voll: Am Ende hieß es immerhin dann nur 2:4 im Viertelfinale

Und auch gegen Werder gab´s für die "BVB-Amateure" wieder den Arsch voll:
Am Ende hieß es immerhin dann nur 2:4 im Viertelfinale

So mußte dann auch BVB-Mitglied und Bundesträne[r] Michael Skibbe am Ende konstatieren: "Die Überraschungen sind ausgeblieben, die Mannschaften, die relativ komplett angetreten sind, haben sich auch durchgesetzt." Sieger wurde also die traditionslose SpVgg. Unterhaching, die uns aus dem Westfalenstadion noch in frischester Erinnerung sein dürfte. Wenn man bedenkt, welche "Anti-Fußball" diese Hachinger im Stadion fabrizierten, das ich mich teilweise an 11 Leichtathleten erinnert fühlte und sie dann in der für Techniker prädestinierten Halle, so brillierten, muß man schon überrascht sein.

SpVgg. Unterhaching ist Hallenmasters-Sieger 2001Sehen wir Fans uns - der heutigen wirtschaftlichen Lage der "eingetragenen Vereine" und gesellschaftlichen Bedeutung des Volkssports Fußball angemessen - mal als Besucher des alt ehrwürdigen "Circus Maximus" zu Zeiten Cäsars im alten Rom: Würden wir uns als Kunden so etwas gefallen lassen, wenn der "Circus Maximus" seine besten Tierchen den Winter über ins Trainingslager schickt und wir uns an Gladiatorenkämpfen mit Hauskatzen, Kaninchen, Mastschweinen und Blöd-Rindern erfreuen dürfen? Der römische Kaiser uns noch entgegnet: "Selbst schuld, was gehen sie auch im Winter in den Circus Maximus? Die Tiger, Löwen, Elefanten usw. kommen erst in der Freiluftsaison wieder, die müssen wir jetzt schonen." Der Kaiser hätte es sich gar nicht erlauben können, Brot und Spiele funktioniert eben nicht, wenn die Spiele ausbleiben. Der Vergleich mag ein hinkender sein, viele werden jetzt sicherlich auch sagen, daß sie dieser unsägliche Hallenfußball sowieso nicht interessiere. Die Einschaltquoten und Besucherzahlen der Turniere sprechen allerdings eine deutliche Sprache. Viele von uns interessieren sich also offensichtlich für das "Gepöle" in der Halle.

Der designierte DFB-Präses "MV" kündigte nun auch bereits an: "Wir sollten in den kommenden Wochen alle Möglichkeiten über eine Fortführung des Wettbewerbs analysieren und dabei keine Tabus kennen." Was dabei herauskommen wird, dürfte klar sein. Ligadirektor Straub erklärte bereits eiligst: "Wir denken darüber nach, ob wir das Finale abschaffen sollen. Dann bestünde für die Vereine nicht mehr die Gefahr, zweimal ihre Vorbereitung zu unterbrechen."

In Wahrheit interessiert es aber die [Erstliga-]Vereine gar nicht, was der Fan sehen will. Er möchte es gerne vorschreiben und das Fernsehen ist ihm dabei auch gerne behilflich. Wem das "Up and down" vom DSF noch nicht aus den Ohren kommt, hat wohl wirklich kein Hallenfußball gesehen. Dazu noch eine "Prise Hinterösterreich" mit DJ Ötzi (wer bringt mir seine Zunge?) und ein grenzdebiler Halleneinpeitscher, fertig ist der Showcocktail amerikanischen Musters. Vergessen wir nicht die absolut überflüssigen Cheerleaders, die nur tanzten, um die Werbepausen zu überbrücken. Was das alles mit Fußball zu tun hat? Eben, nichts, absolut nichts. Aber es wird uns allen unweigerlich vorgesetzt, in den Stadien ist es doch nur noch ein kleiner Schritt zur vollkommenen Bedröhnung.

Ein bisschen Stimmung in der WestfalenhalleStimmung wurde in der Halle trotzdem geboten. So waren vor allem die Kölner zahlreich und lautstark angereist. So vielseitig habe ich die von keinem Heimspiel in Erinnerung. Daneben waren überraschenderweise die Mainzer sehr lautstark vertreten, ebenso die Fürther und Gladbacher (die wiederum aber eher von Quantität lebten). Ein paar Münchner hatten sich ebenso verirrt (neben den üblichen Umlandfans), sie bemühten sich nach Kräften. Diverse Doppelhalter wurden von Gladbachern, die sogar eine Blockfahne (!!) in die Halle gebracht hatten, und Kölnern geliefert. Irgendwie wirkten sie auf den ersten Blick in der Halle etwas deplaziert. Auf den zweiten Blick im kleinen, prall gefüllten Block jedoch nicht mehr, ganz im Gegenteil, schindeten diese "Dinger" doch Eindruck. Teile des unbelehrbar angerückten Dortmunder Familien-Publikums waren wieder mal eher schlecht. Erst im letzten Spiel hatten wir es fertig gebracht, uns unter der früher traditionellen Auffangstelle "Anzeigetafel" zu versammeln und von dort aus die Mannschaft zu unterstützen. Dort lief es dann besser und auch lautstärker.

Das letzte Spiel hatte es dann auch entsprechend in sich. Die Paulianer flippten volle Kanne aus. Sie fühlten sich offensdichtlich verschaukelt und verpfiffen. "Wir wurden doch veräppelt", schimpfte ein Nichtskönner wie Toralf Konetzke. Und Pauli-Trainer Dietmar Demuth entblödete sich wirklich nicht zu sagen: "Bei so einer Veranstaltung müssen die Dortmunder natürlich dabei bleiben. Wenn Dortmund nach dem FC Bayern auch noch frühzeitig gescheitert wäre, hätte es am zweiten Tag doch kaum noch Zuschauer gegeben." In der Halle war jedenfalls nicht zu erkennen, ob die Entscheidungen berechtigt waren oder nicht. Da aber der Strafstoß sowieso nicht den Weg ins Tor fand, hätte es denen doch eigentlich egal sein müssen. Wieso sie dann aber so ausrasteten und völlig die Beherrschung verloren, wird wohl deren Geheimnis bleiben. Wie durfte ich neulich im Usenet lesen: ?[...] habe ich mal gesehen, zu welchen "Bestien" mittelmäßige Zweitligaspieler werden können, wenn sie 297000 Mark Siegprämie vor Augen haben!? Unser Gästebuch und Forum quillt jedenfalls vor "Dolchstoßlegenden", Verschwörungstheorien, DFB / BVB-Mafia-Gefasel über. So gesehen scheint das Masters doch äußerst wichtig zu sein............

Geschrieben von Jens, 15.01.2001


Randnotizen vom Hallenmasters

Klatschen, zahlen, danke schön!

Die Hallensaison 2001 ist vorbei. Doch mehr denn je stellt sich die Frage: Hat diese Veranstaltungsform noch eine Zukunft? Die Bilanz der Turniere in dieser Winterpause, insbesondere am Beispiel Dortmund beurteilt, fällt doch sehr bescheiden aus. Der Verdacht, dass der Fan als solches immer mehr zur Randfigur und Melkkuh verkommt, machte sich selten so stark breit, wie an den letzten beiden Tagen in der Dortmunder Westfalenhalle.

Amerikanische Verhältnisse weit und breit. Musik-Einspieler gegen Ende jeder Partie, 15-jährige Cheerleader der "Dortmund Giants" und ein Publikum, dass, von den Fan-Blocks abgesehen, nur dann klatscht, wenn es ihm befohlen wird. Gesalzene Preise an den Verpflegungsständen, Merchandising im gesamten Rundgang der Westfalenhallen. Teams, die mit der zweiten bis dritten Garnitur antreten. Wer, bitte schön, hat vorher je von einem gewissen Herrn Hölzl von Bayern München gehört? Oder außerhalb Dortmunds von Florian Kringe, Erdal Eraslan und Florian Thorwart? Das Wort Abzocke für Preise von 35 DM Eintritt aufwärts liegt da schnell auf der Zunge.

Fakt ist: Der Fan, der für eine solche Veranstaltung Karten erwirbt, erwartet eine Gegenleistung. Die wird nicht erbracht, wenn die Stars zuhause bleiben. Engagement kann man den Spielern auf dem Platz zwar keinesfalls absprechen (schließlich wollen sie sich sowohl dem Trainer, als auch dem Publikum präsentieren), aber der sportliche Wert bleibt dahin gestellt. Nicht umsonst haben in den letzten beiden Jahren mit Unterhaching und Fürth zwei Mannschaften den Wettbewerb entschieden, die, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade zur Creme de la Creme des deutschen Fußballs gehören.

Dortmund Krontiris im Duell mit dem 1. FC KölnFür die Gesamt-Veranstaltung wirkt sich das frühe Ausscheiden der großen Vereine ebenfalls aus. Schließlich sind sie es, die eine große Gruppe von Zuschauern mit zu der Veranstaltung bringen, die auch gewillt sind, dort Stimmung zu machen. Doch nachdem sich Gladbach, Bayern, Dortmund, Mainz (zwar kein großer Verein, aber mit recht zahlreicher Anhängerschar angereist) und Köln mehr oder weniger früh aus dem Turnier verabschiedeten und entsprechend Publikum mitnahmen, war schon ein DJ Ötzi von Nöten, um Stimmung aufkommen zu lassen. By the way, genau der DJ Ötzi, der in der vergangene Woche in Hannover noch zu Recht gnadenlos weggebuht worden war.

So blieben sie also über, die Familien mit Kindern und die Fraktion der Schamhaarlosen, die mal die Luft der großen weiten Fußballwelt schnuppern wollten. Sie klatschten brav, wenn es von ihnen verlangt wurde und bezahlten, was von ihnen gefordert wurde. Dass die Gesamt-Veranstaltung so zu einer müden Nummer geriet, blieb auch dem designierten DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der öffentlich über eine Abschaffung der Hallenrunde philosophierte, nicht verborgen.

Leider trug auch unser allseits geschätzter BVB mit seiner zusammengewürfelten Truppe nicht dazu bei, die Attraktivität des Turniers zu steigern. Bekannte Namen musste man in der Aufstellung suchen. Immerhin präsentierte man 25-Millionen Mann Tomas Rosicky, der andeutete, dass der Ball nicht unbedingt sein Feind ist. Eine feine Technik, Übersicht und ein guter Schuss machten Appetit auf mehr. Dennoch überwog im Endeffekt die Erleichterung, dass er sich bei seinem Hallenauftritt nicht an seinen erschreckend dünnen O-Beinen verletzte. Zwangsläufig schied man in dieser Besetzung im Viertelfinale gegen den späteren Finalisten Werder Bremen nach indiskutabler Vorstellung aus.

Zusammenfassend muss man sagen, dass die Veranstaltung lange nicht das hielt, was sich die meisten im Vorfeld von ihr versprochen hatten. Leider lag das nicht unerheblich an den Zuschauern selbst, die belustigt werden wollten. Dass man dazu hin und wieder auch selbst etwas beitragen muss, ist nicht nur beim Hallenfussi ein Problem. So verkam das Wochenende zu einer Show, in der der Sport nur am Rande eine Rolle spielte. Wer´s mag...

Geschrieben von Mick, 15.01.2001

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