Fehlfarben

Die Ruhrpottsolidarität

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Zwei Wochen danach, endlich sind die Tränen getrocknet, das Geheule hat deutlich nachgelassen. Was haben sie sich vor schön aufgeregt, weil man einen ihre eigene Dummheit vor Augen geführt hat. Ein Spiel ist zu Ende, wenn der Schiedrichter abpfeift, auch in anderen Stadien, ja das ist nun mal so und wird auch trotz Fussballgottbeschwörung so bleiben. Und selbst wenn es wirklich so war, dass ein Premiere-Dummschwätzer das Ende zu früh ankündigt, so ist das noch lange kein Beweis für eine gewonnene Meisterschaft, eher ein weiterer Beleg für den Blutrausch der Boulevard-Medien, á la Kirch und Springer.

Aber der Gedanke war ja so schön, unvermeidlich schön, der Asselkönig hat vorgejubelt und dann wurde wie so oft in Schlacke nur das geglaubt, was sein sollte: Massenhysterie. Lemminge allenthalben, zigtausende in blau-weisser Kleidung haben in höchster Euphorie das Spielfeld gestürmt, alle waren sie Meister ? bis dann das grosse Ätsch-Ätsch kam und Herr Kirch seine richtig tolle Dramatik im Kasten hatte, womit die Quote für den Rest des Wochenendes auf hohem Niveau gesichert war.

Mensch Leute - ihr wurdet vorgeführt und ihr spielt aber auch jedes blöde Spiel mit.

Und wir sollten auch noch mitspielen, denn daraufhin wurde von uns Schwatzgelben auch noch die "Ruhrpottsolidarität" eingefordert und das unter anderem sogar von keinem Geringerem, als dem WDR in Person von Manni Breukmann.

Sollten wir etwa Mitheulen, uns auch so als Deppen darstellen lassen, sollten wir Mitgefühl mit den Lemmingen haben ?

Lachen ist doch viel gesünder!

Fakt ist, die Asseln wurden mal wieder reingelegt und wir konnten uns vor Lachen kaum halten, für den WDR war?s klar: Damit sind die Schlacker die tragischen Helden und wir die Spielverderber...

Also bitte, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendein BVB-Fan ernsthaft über die Bayern-Meisterschaft gefreut hat und ganz viel von Restdeutschland hätte sicher gerne mal einen anderen Meister gesehen. Verdient hatten die Seppelz den Titel nicht ? trotz Effenbergs Interpretation von verdienter Meisterschaft, aber uns stand Schlimmeres bevor und da kam die Erleichterung in letzter Sekunde.

Dabei haben sie sich schon selbst zur "Mannschaft der Herzen" gekürt und wollten alles an Fussballvolk vereinnahmen, was die Bayern nicht mochte.

Aber Mitgefühl, Trauer, und gemeinsames Wunschdenken mit diesen Leuten, die wie hypnotisiert hinter allen herrennen, der ihnen Versprechung macht, wie bitte soll das gehen ?

Wir, die wir doch unsere Nachbarn am allerbesten kennen, die genau wissen, was passiert wäre wenn die Schale wirklich nach Buer gewandert wäre.

Die Asseln hätten dann eines ganz sicher nicht gesagt:

"Schön für uns alle, das war für den ganzen Ruhrpott !"

Ruhr Nachrichten vom 28.05.01Nein, genau das wäre nicht passiert und es kam ja Fussballgott sei Dank, nicht so weit. Wir waren nicht solidarsich und haben es ihnen nicht gegönnt, obwohl sie überzeugt waren, es verdient zu haben.

Jetzt bekamen sie doch noch ihren Titel, die blau-weissen Ruhrpottnachbarn aus Buer und die Siegesfeier hat uns im Kleinen gezeigt, welcher Kelch da an uns vorübergezogen ist.

Gerade mal eben etwas gewonnen, was sich als Titel präsentieren lässt, werden sie auch schon wieder penetrant, die kleinen Plagegeister - Asseln eben.

Die Peinlichkeiten kannten eben in der Mitte des Ruhrgebiets noch nie Grenzen.

Da hat doch das selbsternannte Schlacke-Maskottchen Charly Neumann nach dem Pokalsieg nichts besseres zu tun, als unseren Kanzler Schröder und bekennenden BVB-Fan in klebriger Kumpelmanier anzubaggern um ihn zur Assel zu machen. Gut, dass ein Kanzler diplomatisch geschult ist. Als er dann noch Asseltypisch mit Bier überschüttet wurde, meinte er verständnisvoll: "Die tun das wohl immer so..." - nun gut, jetzt wissen wir auch wofür die Bierpipeline im Vogelkäfig nötig wurde.

Die Schlacker Spieler grüßen ihre Fans, doch wen grüßt denn J.W. Möllemann - und vor allem wie ? (Titelseite der RN vom 28.05.01)Dabei haben sie doch längst den Spitzenpolitprommi J.W. Möllemann für sich eingespannt, das sollte doch wohl reichen. In richtig verstandener Ruhrpottsolidarität müsse der dann ja auch BVB-Mitglied werden. Aber ich denke, da hätten einige etwas dagegen, und das nicht etwa aus politischen Gründen. Der ist halt typischer Schlacker und das soll er bitte auch bleiben: Immer fern der Realitität und beim Feiern neigt er gerne dazu, sich daneben zu benehmen - siehe Foto.

Ruhrpottsolidarität, dieser Bergriff erinnert mich ganz fatal an den Soli-Zuschlag und ich fürchte Schlimmstes. Was ist, wenn die Arena in Schlacke gleichermassen unter Besuchermangel leidet, wie das Rattenloch ?

Das lässt ahnen, dass wir treuen BVB-Fans als solidarische Ruhries demnächst einen Soli-Zuschlag auf unsere Dauerkarte zahlen müssen, damit die Kellerasseln aus der Nachbarschaft finanziell endlich mal auf die Beine kommen, nach jahrzehntelanger Misswirtschaft und unausweichlicher Abhängigkeit von Sonnenkönigen und Karnevalsprinzen - zumindest wird's der WDR so von uns verlangen.

Geschrieben von Klopfer, 31.05.2001

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