Eua Senf

Fernsehgucken macht Blähungen

01.02.2001, 13:00 Uhr von:  Gastautor

Mittwochabend, mal wieder zur besten Sendezeit ein schönes Fußballspiel im TV anschauen. Argwöhnisch beobachtet von der eigenen Frau, warum das denn sein muss, da es doch nicht der BVB sei, sondern nur der VFB Stuttgart gegen den FCS05. Aber egal, man will Live mitverfolgen, wie die Träume des Vorstadtvereines in das Finale von Berlin einzuziehen, wie eine Seifenblase zerplatzen.

Schon während des Tages hatte ich alle mir bekannten Gladbachfans angerufen, um Ihnen für die tolle Leistung gegen den starken Regionalligisten zu gratulieren. So wollte ich es auch sofort nach Ende des Spieles und am darauffolgenden, schönen Tag mit verwirten Anhängern der blauen machen. Die Vorfreude darauf platzierte ein breites Grinsen auf meinem Gesicht.

Aber die Geschichte verlief dann anders als erhofft. In der 2. Minute, gerade als ich mir ein paar leckere Salzstangen einfahren wollte, passierte es zum ersten Mal. Der S05 erzielte ein blitzsauberes Tor. Lieber Gott, kann das denn wahr sein? Schon nach 2 Minuten....

Für kurze Zeit verabschiedete ich mich gedanklich von dem Vorhaben, allen Schlackern in der nächsten Zeit ans Bein pinkeln zu können. Doch dann machte ich mir selbst mit den Gedanken Mut, dass ja noch soooo lange zu spielen sei.

Während ich das 1:0 noch stumm hinnahm, durchfuhr mich keine vier Minuten später der nächste Schock. Mit einem entrüsteten "Oh nein!" auf den Lippen, musste ich mit ansehen, was sich dort vor meinen Augen abspielte. 2:0! Wie in Trance registrierte ich aus den Augenwinkeln, während im TV bereits die sechste oder siebte, genüsslich langgezogene Wiederholung des zweiten Tores lief, wie meine Frau mich grinsend beobachtete und sich mit aller Not auf die Zunge beißen musste, um nicht lauthals loszulachen.

Meine Gedanken verselbständigten sich. Plötzlich war aus der Vorstellung, Kollegen und Freunden (?) eine lange Nase machen zu können, die Angst geworden, selbst Zielscheibe von übermütig feixenden Schlackern zu werden. Doch mir kam in den Sinn, dass es ja schon häufiger vorgekommen war, das diese Pommestruppe einen zwei-Tore-Vorsprung vergeigt hatte.

Halbherzig hielt ich mich für weitere, ganze 12 Minuten an diesem Strohhalm fest. Dann passierte es. Da tauchte wieder dieser Belgier auf, schnell und gradlinig schoss er aufs Tor und versenkte
den Ball ein weiteres Mal im Kasten der Stuttgarter. Danach war es dann aus. Vorbei all die schönen Träume, von einem zufriedenen Einschlafen am Abend, einem fröhlichen Aufwachen am Morgen und einem sensationell tollen Tag, an dem alle Schlacker unter Ihrer Knechtschaft der Niederlage leiden sollten.

Zeitgleich stellte sich bei mir eine Art Völlegefühl ein. Mein Magen rebellierte und machte mir verständlich, dass auch er unter dem gerade gesehenen schwer zu knabbern hatte. Ich erhörte seine flehenden Geräusche und zog mich mit ihm zurück, an einen Ort, wo wir dann wohl beide das gleiche dachten: "Scheiße"

Mahlzeit!

geschrieben von Tommes,


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